Oberlausitz: Königshainer Berge

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Die variszischen Königshainer Monzogranite intrudierten vor etwa 315 Ma in den Lausitzer Zweiglimmergranit, der Bestandteil der durch die cadomische Tektogenese stabilisierten Lausitzer Scholle ist. Es gibt drei Arten von Graniten: einen gleichkörnigen, einen porphyrischen und einen feinkörnigen Granit. Trotz geringer Fraktionierungsgrade wurden reichhaltige hydrothermale, miarolitische Mineralparagenesen der pegmatitischen Abfolge in Drusen gefunden: Rauchquarz, Mikrolin, Euxenit, Fluorit, Zinnstein, Molybdänglanz, Beryll, Zirkon etc., siehe auch mineralienatlas.de). Die Fundmöglichkeiten für diese Pegmatite sind heute allerdings erschöpft. 

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Auf dem Gelände des Granit-Museums in Königshain gibt es einen ausgewiesenen Lehrpfad, der verschiedene Steinbrüche erschließt. Der größte ist der Thadenbruch mit rund 40 m hohen Abbruchwänden und etwa 40 m Wassertiefe.

Kämpferberge

Der nördlichste Teil des Ostlausitzer Hügellandes wirkt wie ein eigenständiges, kleines Gebirge („Königshainer Gebirge“). Die zwei Hauptgebiete sind durch die Strasse Königshain-Arnsdorf-Hilbersdorf getrennt: im Bild die Kämpferberge (415 m) aus Granodiorit im Süden, im Tal verläuft die Strasse, der kleinere Teil mit Hochstein (406 m), Totenstein, Teufelsstein und den Steinbrüchen befindet sich nördlich.

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Im Firstensteinbruch. Der Königshainer Granit weist eine gute Spaltbarkeit durch NW-SE, NE-SW sowie senkrecht verlaufende Klüfte auf. Durch Hebung und Abtragung des Gebietes seit 280 Millionen Jahren kam es zum Aufreißen der horizontalen und senkrechten Bankungs-Trennfugen (Entlastungsfugen).

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Gleichkörniger Königshainer Biotit-Monzogranit aus Kalifeldspat, Plagioklas, grauem Quarz und schwarzem Biotit.

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Der Rest vom Firstenstein. Der höchste freistehende Felsen im Königshainer Gebirge fiel dem Steinbruchbetrieb zum Opfer.

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Königshainer Granit war ein beliebter, vielseitig verwendbarer Baustein, z.B. für das Reichstagsgebäude in Berlin oder den Leuchtturm von Kap Arkona. Der Abbau wurde 1975 eingestellt.

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Von oben zeigt sich, daß hier der halbe Berg fehlt, zumal sich linkerhand ebenfalls Steinbrüche befinden. Blich nach NE auf die flachhügelige Landschaft des Oberlausitzer Heide- und Teichgebiets.

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Die Färbung des Thadenbruchsees ist auf sauberes Wasser, die Tiefe und eine damit verbundene Lichtstreuung und Reflektion der blauen Lichtanteile zurückzuführen.

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Im Bruch II auf dem Paradiesfelsen.

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Die auffällige Kantenabrundung ist eine Folge der Wollsackverwitterung im Tertiär, die bis in 40 m Tiefe reichte und zur Kaolinbildung führte. Zu dieser Zeit erfolgte eine weitere Heraushebung der Königshainer Berge, daraufhin Abtragung und Ausräumung, vor allem im Pleistozän, mit Entstehung ausgedehnter Blockhalden.

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Wollsackverwitterung in der Nähe des Totensteins mit breiten Bankungsfugen, leicht verkippter Lagerung und tektonischer Störung durch Hebung. Im Gebiet nördlich der Steinbrüche finden sich zahlreiche weitere Felsformationen mit Wollsackverwitterung, u.a. der „Totenstein“, „Kaffeekrug“, „Kuckuckstein“. Der Totenstein, bereits 1844 unter „Geotopschutz“ gestellt, stellt eine prähistorische Kultstätte dar, die sich bis zur Lausitzer Eisenzeit (1400-750 v. Chr.) zurück verfolgen läßt.

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Wollsackverwitterung an der Hochsteinbaude

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Blick vom Aussichtsturm am Hochstein nach SE, rechts die Kämpferberge, am Horizont der Basaltkegel der Landeskrone (420 m) bei Görlitz. Sie markiert den nördlichsten Teil des Oberlausitzer Hügellandes und überragt die Umgebung um etwa 200 m. Die Landeskrone besteht ebenfalls aus basaltischem Gestein (Olivin-Augit-Nephelinit, Tephrit), ihre Form in Nord-Süd-Richtung weist auf die Richtung der Spalte, aus der das etwa 1000 Grad heiße Magma aufstieg. Vulkanische Lockermassen finden sich heute noch in den Liegenden Braunkohlenflözen bei Berzdorf. In der Elstereiszeit ragte die Landeskrone als Nunatak aus dem Inlandseis.

 

Literatur

Lange/Tischendorf/Krause: Minerale der Oberlausitz (2004), Verlag Gunter Oettel

A. Hanle et al.: Meyers Naturführer Oberlausitz, Meyers Lexikonverlag 1992

Wagenbreth/Steiner: Geologische Streifzüge, VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig 1982, S.170-178

regionalgeologie-ost.de – ein Wörterbuch

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