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Konglomerate mit Achat-Geröllen

Sandsteine mit Geröllen oder Fragmenten von Achat treten als Geschiebe nur selten in Erscheinung. Vereinzelt kommen sie in Rotsandsteinen vom Typ Jotnischer Sandstein und als ausgesprochene Rarität in Achatkonglomeraten vor, wie sie von der Basis des Jotnischen Sandsteins aus Dalarna bekannt sind (Transtrand-Konglomerat).

Achatgerölle im Jotnischen Sandstein

Abb. 1: Rotsandstein mit einem Fragment aus rot-weißem Bandachat und Milchquarzgeröllen (kein Transtrand-Konglomerat). Kiesgrube Niederlehme bei Berlin, Aufnahme unter Wasser.
Abb. 2: Nahaufnahme der charakteristischen Bandtextur des Achats.

Konglomeratische Lagen des Jotnischen Sandsteins können neben größeren Lithoklasten von Milchquarz, Vulkaniten, basischen Gesteinen oder Graniten einzelne Achatgerölle enthalten (Abb. 1-2; SCHULZ 2003, ZWENGER 2010). Das genaue Herkunftsgebiet solcher Geschiebe ist unbekannt, da Jotnische Sandsteinfolgen große Flächen in mehreren Regionen einnehmen und von intrusiven basischen Gesteinen begleitet werden, aus denen die Achatgerölle als Erosionsrelikt hervorgegangen sein können.

Transtrand-Konglomerat

Mehrere Fundlokalitäten mit achatführenden Konglomeraten treten an der Basis des Jotnischen Sandsteins (Lokalname: Dala-Sandstein) in Dalarna auf. Die als Transtrand-Konglomerat bezeichneten Gesteine (Abb. 3-7) besitzen eine grobsandige bis kiesige, teilweise ungleichkörnige Matrix. Diese kann einheitlich grünlichgrau gefärbt oder aus unterschiedlich getönten Partien bestehen: sehr hell und gelblich, mittelgrau oder dunkel grünlichgrau (nicht rot oder violett). Neben runden Milchquarz-Geröllen sind orange- bis bräunlichrote Achate von max. 1 cm Länge enthalten (rund bis kantengerundet, manchmal auch eckig und kaum abgerollt). Der Anteil an Achat-Geröllen beträgt nur wenige Prozent, verleiht dem Gestein aber ein auffälliges Erscheinungsbild. Untergeordnet können Feldspat und Gesteinsfragmente als Lithoklasten auftreten.

Abb. 3: Transtrand-Konglomerat, Außenseite. Nahgeschiebe aus Dalarna, Fundort: Kieswerk 30 km nördlich von Sälen, 6 km nördlich Fulunäs, 5 km SSW des Idbäcksklitten (Sammlung Figaj, Sprötze).
Abb. 4: Gleiches Geschiebe, polierte Schnittfläche. In einer gelb- bis graugrünen Sandsteinmatrix liegen unregelmäßig verteilt runde Milchquarz- und kantengerundete rote Achat-Lithoklasten.
Abb. 5: Nahaufnahme der Achat-Gerölle.

Nach HESEMANN 1975: 128 eignet sich das Transtrand-Konglomerat als Leitgeschiebe. Mit Geschiebefunden ist aufgrund der geringen Ausdehnung des Vorkommens nur sehr selten zu rechnen. In Dalarna gibt es neben dem Transtrand-Konglomerat (Abb. 3-7) mindestens eine Lokalität mit einem abweichenden hellen Konglomerattyp (Konglomerat von Nornäs, Abb 8-9). Vergleichbare Gesteine aus anderen jotnischen Sandstein-Vorkommen sind bisher nicht bekannt. Die meisten davon liegen allerdings unter Wasser und sind für eine Beprobung unzugänglich.

Abb. 6: Heimatgebiet des Transtrand-Konglomerats im westlichen Dalarna.
Abb. 7: Fundlokalitäten, anstehend und Nahgeschiebe. Die roten Pfeile markieren anhand von Gletscherschrammen dokumentierte Eiszugrichtungen der letzten Eiszeit.

Folgende Fundlokalitäten von Achat-Konglomeraten sind bisher aus Dalarna beschrieben:

Am Idbäcksklitten (Naturschutzgebiet, Sammelverbot) steht an der Basis des Jotnischen Sandsteins (Lokalname: Dala-Sandstein), wenig unterhalb des 1,46 Ga alten Öje-Diabas, eine maximal 0,5 m mächtige Konglomerat-Lage eines hellgrauen Sandsteins mit Achat-Geröllen bis 1 cm Größe an (Lok. 47 in LUNDQVIST & SVEDLUND 2009: 34). Die Achate sind Erosionsrelikte eines älteren Diabases oder einer früheren Generation des Öje-Diabas. Ähnliche Konglomerate finden sich wenige Kilometer südlich vom Idbäcksklitten in einer Kiesgrube sowie am Svartviksberget (Lok. 55 in LUNDQVIST & SVEDLUND 2009: 36) als Nahgeschiebe (Abb. 3-4).

Am Horrmundsåsen tritt ein grauer und an hellem Glimmer reicher Sandstein auf. Ein max. 2 m mächtiger Konglomerat-Horizont enthält schmale Lagen mit Achat- und Jaspis-Geröllen. Die grobklastischen Partien können zusätzlich eckige Basaltstücke enthalten (Beschreibung in LUNDQVIST & SVEDLUND 2009, Lok. 47 und 49). Von dieser Lokalität liegt keine Anstehendprobe vor, das Gestein dürfte aber weitgehend übereinstimmen mit dem Material vom Bau eines Tunnels für das Wasserkraftwerk Horrmund (Abb. 5-7).

Abb. 8: Transtrand-Konglomerat von Horrmund aus der Sammlung E. Figaj, Aufnahme unter Wasser.
Abb. 9: Nahaufnahme.

Dieses Achat-Konglomerat sieht anders aus als das Geschiebe aus Abb. 3-5. Runde Milchquarz-Klasten und kantige bis mäßig gerundete Klasten von orangerotem Bandachat sowie massigem Jaspis liegen in einer feinkörnigen und mittelgrauen Sandstein-Matrix. Auf den Schichtflächen des Sandsteins sind zahlreiche glänzende Glimmerschüppchen erkennbar. Achatgehalt und Größe der Gerölle variieren in diesem Typ. Die Matrix kann auch einen hellgelblichen oder grünen Farbton besitzen, vgl. Nahgeschiebe auf skan-kristallin.de.

Aus Straßenbaumaßnahmen bei Nornäs, etwa 20 km N von Horrmund, stammen gelbliche bis hellgraue Konglomerate mit Achatgeröllen bis 2 cm Größe (Abb. 7-8; weitere Bilder auf skan-kristallin.de). Teilweise sind die Konglomerate polymikt zusammengesetzt und enthalten neben Achat, Jaspis und Milchquarzgeröllen Klasten von Feinsandstein und Porphyren. Die Konglomerate von Nornäs wurden erst vor wenigen Jahren bekannt. Mit weiteren und bisher unentdeckten Vorkommen in Dalarna könnte zu rechnen sein, zumal die Achat-Konglomerate offenbar nur sehr kleine Areale einnehmen.

Abb. 10: Achatkonglomerat von Nornäs (20 km N von Horrmund) mit heller Sandstein-Matrix, Aufnahme unter Wasser.
Abb. 11: Nahaufnahme. Die Achate im Konglomerat von Nornäs sind größer, teilweise auch heller als im Transtrand-Typ.

Literatur

HESEMANN J 1975 Kristalline Geschiebe der nordischen Vereisungen – GLA Nordrhein-Westfalen, S. 128.

LUNDQVIST T & SVEDLUND J-O 2009 Dokumentation av breccior och andra bergarter i norra Dalarna – SGU-Rapport 2009:01, 60 S., SGU 2009.

SCHULZ W 2003 Geologischer Führer für den norddeutschen Geschiebesammler – 508 S., 446+42 meist farb. kapitelweise num. Abb., 1 Kte. als Beil., Schwerin (cw Verlagsgruppe).

ZWENGER W 2010 Der Trebuser Sandstein ‒ ein Massenvorkommen jotnischer Sandsteingeschiebe – Brandenburger Geowissenschaftliche Beiträge 17 (1/2): 77-90, 10 Abb., 1 Tab., Kleinmachnow.

4. Nordost- Småland-Granite – Geschiebefunde aus Norddeutschland

Die Granite aus Ost- und Nordost-Småland sowie dem südlichen Östergötland wurden auf dieser Seite in mehreren Artikeln beschrieben- jene des Transskandinavischen Magmatitgürtels und die etwas jüngeren anorogenen Granite. Bei der Bestimmung von Geschieben stellt sich oft das Problem einer genauen Zuordnung zu einem der als Leitgeschiebe beschriebenen Varianten. Leichter ist es, die Gesteine einem größeren Herkunftsgebiet zuzuweisen („Ostsmåland-Granit“, „NE-Småland-Granit“). Die folgenden Geschiebefunde wurden unter Wasser aufgenommen, soweit nicht anders angegeben.

Abb. 1: Nordost-Småland-Granit, porphyrischer Monzogranit aus braunem Alkalifeldspat, orangefarbenem (und grünem) Plagioklas, bläulichem und trübem Quarz sowie reichlich gelbem Titanit. Geschiebe von der Insel Poel.
Abb. 2: Nahaufnahme.
Abb. 3: NE-Småland-Granit, Geschiebe aus der Kiesgrube Hoppegarten bei Müncheberg (Brandenburg).
Abb. 4: Nahaufnahme der Bruchfläche.

Besitzt der Monzogranit-Typ aus Abb. 1-4 Säume von orangefarbenem Plagioklas (meist unvollständig) um einzelne Alkalifeldspäte, kann er als Kinda-Granit bezeichnet werden (Beschreibung hier).

Abb. 5: Kinda-Granit; Nienhagen bei Rostock.
Abb. 6: Dem Kinda-Granit ähnlicher Fund aus der Kiesgrube Horstfelde, südlich von Berlin; allerdings sollten die Plagioklassäume um die Alkalifeldspäte wenigstens einige mm Dicke aufweisen.
Abb. 7: Kinda-Granit, Großgeschiebe am Strand von Jastrzębia Góra (Danziger Bucht, Polen).
Abb. 8: Granit vom Kinda-Typ mit sehr viel orangefarbenem Plagioklas; unvollständige Säume. Hohenfelde östlich von Kiel.
Abb. 9: Leicht deformierte Variante vom Kinda-Granit?, polierte Schnittfläche; Steinbeck/Klütz, leg. T. Brückner.
Abb. 10: Nahaufnahme

Der mittelkörnige bis schwach porphyrische Flivik-Granit ist ein seltener Geschiebefund (Beschreibung hier).

Abb. 11: Flivik-Granit, Geschiebe von Sassnitz (Rügen)
Abb. 12: Nahaufnahme.

Bisher liegen nur Geschiebefunde vor, die lediglich gewisse Übereinstimmung mit den Anstehendproben vom Vånevik-Granit (Beschreibung hier) aufweisen.

Abb. 13: Vånevik-Granit? Geschiebe aus der Kiesgrube Hoppegarten bei Müncheberg (Brandenburg).
Abb. 14: Ähnlich Vånevik-Granit, aber mittelkörnig; Westermarkelsdorf (Fehmarn). Solche roten und mittelkörnigen Alkalifeldspatgranite mit Blauquarz und Titanit kommen in Ost-Småland bis ins Västervik-Gebiet vor.
Abb. 15: Roter Ostsmåland-Granit mit viel Titanit; polierte Schnittfläche, Steinbeck/Klütz, leg. T. Brückner.
Abb. 16: Nahaufnahme.

Mittelkörnige Blauquarzgranite mit blassrotem bis bräunlichen Alkalifeldspat, wenig Plagioklas und etwas Titanit innerhalb der spärlich vorhandenen Biotit-Aggregate sind in Nordost-Småland weit verbreitet („Tuna-Granit“).

Abb. 17: Tuna-Granit?; Ruhlsdorf bei Bernau.
Abb. 18: Tuna-Granit? – gleichzeitg besteht eine Ähnlichkeit mit dem Vånevik-Granit; Niederlehme, SE von Berlin.

Bei der Bestimmung der anorogenen Ostsmåland-Granite (Beschreibung hier) ist zu berücksichtigen, dass Granite mit einem undeformierten Gefüge auch aus anderen Vorkommen stammen können, z. B. den Rapakiwi-Vorkommen, aber auch der Suite anorogener Granite in Dalarna (Siljan- und Garberg-Granit). Ein eindeutig als Uthammar-Granit bestimmter Geschiebefund liegt bislang nicht vor.

Abb. 19: Mafitarmer Alkalifeldspatgranit, Uthammar-Granit? Kiesgrube Arendsee (Brandenburg), trocken fotografiert. Breite 50 cm.
Abb. 20: Gleicher Stein, Nahaufnahme. Idiomorphe (sechseckige) Glimmerplättchen sind auf der Außenseite dieses Geschiebes nicht erkennbar.
Abb. 21: Anorogener Granit, polierte Schnittfläche. Das Mineralgefüge ist augenscheinlich undeformiert, für einen Uthammar-Granit enthält das Gestein aber zu wenig Quarz. Kiesgrube Hoppegarten bei Müncheberg.
Abb. 22: Nahaufnahme. Einige Alkalifeldspäte besitzen einen gelben Kern.
Abb. 23: Grobkörniger roter Småland-Granit mit etwas Titanit, Steinbeck/Klütz. Dunkle Minerale bilden zusammenhängende, etwas gestreckte Aggregate (Merkmal einer leichten Deformation, kein Uthammar-Granit!).
Abb. 24: Dieser undeformierte Granit zeigt weitgehend mit dem Götemar-Granit übereinstimmende Merkmale (Beschreibung hier), ist aber nur mittelkörnig ausgebildet. Bruchfläche trocken aufgenommen, Kiesgrube Hohensaaten (Brandenburg).
Abb. 25: In der Nahaufnahme sind einige kleinere idiomorphe sowie größere Quarze mit einer Zonierung wie im Götemar-Granit erkennbar.
Abb. 26: Götemar-Granit (?) mit rotem bis gelbem Feldspat, grauem Quarz (einige davon idiomorph) und Hellglimmer als Nebengemengteil. Das Geschiebe stimmt gut mit einem Nahgeschiebe aus dem Götemar-Pluton überein (vgl. Abb. x in diesem Artikel). Geschiebe von Altenteil auf Fehmarn.
Abb. 27: Porphyrischer Granit mit idiomorphen Quarzen, polierte Schnittfläche, Steinbeck/Klütz. Alkalifeldspäte bis 3 cm, Götemar– oder Jungfrun-Granit?
Abb. 28: Nahaufnahme. Einzelne rotgrüne Plagioklas-Säume um die Alkalifeldspäte; schwache Zonierung der größeren Quarze.
Abb. 29: Porphyrischer Granit mit dunkelgrauen Quarzen. Das Gestein enthält recht viel grünen Plagioklas; Götemar-Granit oder porphyrischer Rapakiwi? Westermarkelsdorf/Fehmarn.
Abb. 30: Nahaufnahme, Alkalifeldspäte mit grünen Plagioklaskernen.
Abb. 31: Augenscheinlich undeformierter (anorogener) Granit mit idiomorphen Quarzen; ein einzelner Alkalifeldspat ist vollständig von idiomorphen Quarzen umsäumt. Kiesgrube Niederlehme (Brandenburg).
Abb. 32: Nahaufnahme.
Abb. 33: Polierte Schnittfläche. Das Gestein ist recht ungleichkörnig bzw. am rechten Rand ist ein Übergang in eine mittelkörnige Partie erkennbar. Die rote Farbe des Alkalifeldspats irritiert, im Götemar-Pluton überwiegen braunrote Farben.
Abb. 34: Nahaufnahme. Die Herkunft dieses Granits bleibt zunächst offen.

3. Fundberichte aus Kiesgruben in Ost-Småland

Der Besuch von Kiesgruben in Schweden ermöglicht einen Einblick in die Gesteine des Grundgebirges. Man findet hier hauptsächlich Nahgeschiebe, denn die vorrückenden Gletscher der letzten Inlandvereisung transportierten aufgenommenes Gesteinsmaterial auf dem Festland in der Regel nur wenige Zehnerkilometer weit (EHLERS 2011:86). Das Material in den Kiesgruben stammt also ganz überwiegend aus dem Untergrund der näheren Umgebung entgegen der Eiszugrichtung, im Falle Ost-Smålands aus Richtung NW bis NNW. Ähnliche Beobachtungen sind auch auf Öland möglich, auch hier finden sich überwiegend Nahgeschiebe aus Ost- und Nordost-Småland. Gehäufte Funde gleicher Gesteinstypen deuten auf ein größeres Vorkommen in geringer Entfernung.

Abb. 1: Übersichtskarte mit Vorkommen einiger Leitgeschiebe und weiterer Gesteine in Ost- und Nordost-Småland. Nummeriert sind die besuchten Kiesgruben: 1 – Farbo, 2 – Forshult, 3 – Skoretorp, 4 – N Värlebo. Karte verändert nach: WIK et al 2005: Berggrundskartan Kalmar län – 1:250 000.

3.1. Fårbo
3.2. Kiesgrube Forshult
3.3. Kiesgrube Skoretorp
3.4. Kiesgrube nördlich von Värlebo
3.5. Literatur

3.1. Fårbo

Abb. 2: Blick in die Kiesgrube bei Fårbo (57.401891, 16.476663).

Eine nördlich von Fårbo, direkt neben der Fernstraße E22 gelegene große Kiesgrube, war zum Zeitpunkt des Besuches im Juli 2016 bereits aufgelassen. Vor Ort fanden sich aber noch große Halden mit faust- bis kopfgroßen sowie kantengerundeten bis gut gerundeten Steinen. Der Anteil an Nahgeschieben, überwiegend NE-Småland-Granitoide, beträgt grob geschätzt etwa 90%. Sie dürften aus dem nordwestlichen Teil des Kalmar län stammen, etwa einer gedachten Linie Richtung Vimmerby folgend.

Abb. 3: Zusammenstellung von Granitgeschieben.

Der häufigste Geschiebetyp sind mittelkörnige Alkalifeldspatgranite vom Växjö-Typ (Sammelname für mittel- und weitgehend gleichkörnige Alkalifeldspatgranite mit wenig dunklen Mineralen, ohne präzise Herkunftsangabe) . Sie enthalten kaum dunkle Minerale (Biotit), Plagioklas ist meist nicht sichtbar. Vollrote Varianten überwiegen, die blassroten Granite dieses Typs sind etwas seltener (vgl. Tuna-Granit).

Abb. 4: Mittelkörnige Alkalifeldspatgranite vom Växjö-Typ.
Abb. 5: Mittelkörnige Växjö-Granite, roter Typ und blassroter Typ
Abb. 6: Blassroter mittelkörniger Växjö-Typ („Tuna-Granit“), Aufnahme unter Wasser.

In großer Menge und zahlreichen Varianten finden sich porphyrische Småland-Monzogranite, die meisten von ihnen enthalten reichlich Titanit. Auffällig ist der relativ geringe Anteil an Granitoiden mit braunem Alkalifeldspat, häufiger sind Monzogranite mit rotem bis blassrotem Alkalifeldspat, auch mit Augentextur. Einige dieser Granite enthalten roten Plagioklas, ein Merkmal einiger TIB-Granitoide aus Östergötland (Abb. 13-14).

Abb. 7: Zusammenstellung überwiegend porphyrischer Småland-Monzogranite.
Abb. 8: Einige Granite im Detail.
Abb. 9: Gewöhnlicher Småland-Monzogranitoid mit braunem Alkalifeldspat und weißem Plagioklas. Es ist recht wenig Quarz enthalten, die Zusammensetzung entspricht einem Quarzmonzonit.

Von diesem Typ gibt es Übergänge zu Granitoiden mit braunem und blassrotem Alkalifeldspat sowie mehr Quarz.

Abb. 10: Småland-Monzogranit mit braunem und blassrotem Alkalifeldspat.

Die typischen dunklen Nordost-Småland-Monzogranite mit braunem Alkalifeldspat, Blauquarz und orangefarbenem Plagioklas (teilweise Typ Kinda-Granit) kommen in der Kiesgrube nur untergeordnet vor.

Abb. 11: Brauner NE-Småland-Monzogranit, Aufnahme unter Wasser.
Abb. 12: NE-Småland-Monzogranitoid mit bräunlich-grauem Alkalifeldspat und orangebraunem Plagioklas; wenig Quarz (Quarzmonzonit).
Abb. 13: Unterer Bildteil: Monzogranite mit blassrotem oder graubraunem Alkalifeldspat (teilweise gerundet) und rotem Plagioklas. Der Gesteinstyp ist aus Ost- und Nordost-Småland nicht bekannt und dürfte aus dem Gebiet um Vimmerby oder dem südlichen Östergötland stammen.
Abb. 14: Quarzarmer Monzogranitoid (=Quarzmonzonit) mit blassrotem Alkalifeldspat und rotem Plagioklas.
Abb. 15: Porphyrischer Monzogranit mit grünem und rotem Plagioklas (teils auch braune Mischfarben); Aufnahme unter Wasser.

Gelegentlich finden sich intensiv rote und grobkörnige Granite, häufig ungleichkörnig oder schwach porphyrisch, mit unklaren Korngrenzen. In den weiter südlich gelegenen Kiesgruben treten diese häufiger auf.

Abb. 16: Intensiv roter und ungleichkörniger Granit mit reichlich gelbem Titanit; Aufnahme unter Wasser.
Abb. 17: Stark alterierter Småland-Granit; dunkler Glimmer (Biotit) wurde in schwarzgrüne Folgeprodukte (Chlorit o. ä.) umgewandelt, das Gestein ist von hellgrünem Epidot durchsetzt.

In der Kiesgrube konnten weitere Geschiebetypen dokumentiert werden. NICHT gefunden wurden anorogene Ost-Småland-Granite (Uthammar- oder Götemar-Granit). Der Götemar-Pluton ist zwar nur etwa 10 km, der Ort Uthammar keine 8 km Luftlinie entfernt, liegt allerdings in nordöstlicher bzw. ostsüdöstlicher Richtung und damit nicht in Zugrichtung der letzten eiszeitlichen Vergletscherung. Auch Vulkanite des TIB fehlen vollständig, sie kommen erst weiter südlich vor.

Eine Reihe von nicht näher spezifizierten Diabasen stellt vielleicht einen Anteil von 5-10% an den Geschieben. Tatsächlich steht unmittelbar westlich der Kiesgrube ein etwa 3 x 15 km großes Massiv sowie weitere kleinere Vorkommen mit basischen Gesteinen an.

Ferngeschiebe wie Gneise und Migmatite aus den weiter nördlich gelegenen svekofennischen Gebieten fehlen. Lediglich aus dem nahen Västervik-Gebiet, das aber auch außerhalb des Geschiebefächers liegt, scheint etwas Material nach Farbo gelangt zu sein. Dies belegen Quarzite und Metasedimente, die einen Anteil von etwa 1% ausmachen. Västervik-Fleckengestein und Fleckenquarzite wurden nicht gefunden.

Bemerkenswert sind drei Funde von Rapakiwi-Graniten (Abb. 18, 20). Vereinzelt treten sie auch in den anderen Kiesgruben Ost-Smålands auf. Manche Funde sind eindeutig dem Åland-Pluton zuzuordnen, der etwa 350 km nördlich und nicht in Zugrichtung der Gletscher der letzten Inlandvereisung liegt. Über ihren Transportweg kann man nur Vermutungen anstellen. Zum einen könnte ihr Transport nicht linear, sondern in mehreren Phasen erfolgt sein. Auch eine Verdriftung Richtung Süden in Eisbergen oder Eisschollen nach dem Abschmelzen des Eispanzers (dropstones) ist nicht ausgeschlossen. Diese letzte Annahme ließe sich durch entsprechende Funde von dropstones in-situ belegen. Entsprechende Berichte in der schwedischen Literatur sind bisher nicht bekannt.

Abb. 18: Åland-Rapakiwi mit Wiborgit-Gefüge.

Hin und wieder finden sich gelbrote und geschichtete Kalksteine, ähnlich dem ordovizischen Planilimbata-Kalk (Roter Orthocerenkalk). Vom östlich gelegenen Öland dürften sie kaum stammen, wahrscheinlicher ist eine Herkunft aus der untermeerischen Fortsetzung der ordovizischen Vorkommen nördlich von Öland. Sie dürften damit einen ähnlichen Transportweg wie die Rapakiwi-Granite genommen haben.

Abb. 19: Gelbroter Kalkstein, Planilimbata-Kalk?

An Ferngeschieben fanden sich weiterhin zwei Porphyre aus Dalarna, darunter ein Grönklitt-Porphyrit.

Abb. 20: Zwei Dala-Porphyre, in der Mitte ein weiterer Åland-Rapakiwi. Bildbreite 17 cm, Foto: Tobias Langmann.
Abb. 21: Auch mehrere Geschiebe tektonischer Brekzien wurden in der Kiesgrube beobachtet.

3.2. Kiesgrube Forshult

Die Kiesgrube Forshult liegt westlich von Oskarshamn, etwa 1,5 km SE der gleichnamigen Ortschaft (Parkplatz: 57.24536, 16.34568). Entsprechend ihrer Position südlich eines Vulkanitgürtels finden sich gestreifte und hälleflintartige Vulkanite ohne Einsprenglinge in großer Zahl. In vergleichbarer Menge treten diese auch in Skoretorp (Fundpunkt 3) auf, siehe Abb. 35-37.

In der Grube boten sich zunächst interessante Anschnitte glazialer Ablagerungen:

Abb. 22: Glazitektonisch Faltung von sandigen bis schluffigen Lagen mit Wellenrippeln. In den Sanden liegen einzelne kantige Bruchstücke eines roten Granits, der nicht dem anstehenden Typ entspricht, aber aus der näheren Umgebung stammen dürfte. Bildhöhe etwa 2 m.
Abb. 23: Abfolge verschiedener glazialer oder postglazialer Sedimente, Bildhöhe etwa 2 Meter.

 Abb. 23 zeigt vom Liegenden zum Hangenden: 1. schluffige bis feinsandige Lagen, Übergang in 2. Wellenrippel mit zunehmendem sandigen Anteil (3); 4. Sande in Schrägschichtung, 5. grünlicher Schluff mit Belastungsmarken, darüber eine sandig-schluffige Lage (6) mit einzelnen Geröllen (dropstones?).

Abb. 24: Unterer Teil der gleichen Sequenz (Schluffe und Wellenrippel), Höhe etwa 1 m.
Abb. 25: Die glazialen Ablagerungen liegen direkt auf dem Grundgebirge, hier anstehend ein roter Alkalifeldspatgranit innerhalb des Vånevik-Granitgebiets.
Abb. 26: Roter Alkalifeldspatgranit vom Typ Vånevik.

In der Grube gab es nicht viele Geschiebe. Neben Vulkaniten und gewöhnlichen roten Alkalifeldspatgraniten fanden sich überwiegend grobkörnige, leicht deformierte und stark alterierte rote Granite.

Abb. 27: Roter Alkalifeldspatgranit.
Abb. 28: Rote und stark alterierte Granite, Bildbreite 25 cm.
Abb. 29: Hellroter bis orangeroter Alkalifeldspat. Milchiger Quarz bildet unregelmäßige Ansammlungen. Dunkle Minerale wie Biotit wurden teilweise in grünschwarze Folgeprodukte umgewandelt (Chlorit o. ä.).
Abb. 30: Roter und alterierter NE-Småland-Granit mit orangefarbenem Plagioklas und viel gelblichem Titanit. Aufnahme unter Wasser.

In Ost-Småland bis ins Västervik-Gebiet finden sich gelegentlich porphyrische Småland-Granite mit blass violettgrauem bis hellrotem Alkalifeldspat (eckige bis abgerundete Einsprenglinge), gelbem Plagioklas, Blauquarz und reichlich Titanit. Ihr Herkunftsgebiet dürfte im Gebiet östlich von Vimmerby oder im angrenzenden Östergötland zu suchen sein (Abb. 31).

Abb. 31: Porphyrischer Småland-Granit mit blass violettgrauem bis hellrotem Alkalifeldspat.
Abb. 32: Blassroter Småland-Granit mit Blauquarz und reichlich gelbem Titanit.

An Ferngeschieben fanden sich mehrfach hellgraue, teilweise auch rötliche Quarzite (wahrscheinlich aus dem Västervik-Gebiet) sowie ein Rapakiwi-Granit und ein Dala-Porphyr.

Abb. 33: Rapakiwi-Geschiebe (Åland-Wiborgit), Breite ca. 10 cm.

3.3. Kiesgrube Skoretorp

Die Kiesgrube Skoretorp, ca. 2 km NNW der gleichnamigen Ortschaft (57.20846, 16.38353) war zum Zeitpunkt des Besuchs bereits stillgelegt. Vor Ort konnte aber noch reichlich Geschiebematerial studiert werden. Grob geschätzt ein Drittel davon sind dichte und hälleflintartige Småland-Vulkanite aus dem wenig weiter nördlich gelegenen Vulkanitgürtel, ein weiteres Drittel vollrote, alterierte Granite.

Abb. 34: Stillgelegte Kiesgrube (Grustäkt) bei Skoretorp.

Die rotbraunen bis braunen sowie grauen Vulkanite des TIB bilden meist eckige bis kantengerundete Geschiebe aus und sind arm an Einsprenglingen. Nur in den grauen Vulkaniten können mehr kleine Feldspäte enthalten sein.

Abb. 35: Rotbraune bis braune und graue Vulkanite des TIB. Rechts oben ein Quarzit. Bildbreite 35 cm.

Die Streifung einiger Vulkanite kann eine primäre magmatische Textur, eine Folge einer leichten metamorphen Überprägung oder beides sein. Teilweise könnte es sich um Ignimbrite handeln (eutaxitisches Gefüge), aber der makroskopische Befund ist nicht eindeutig: die kurzen, welligen Streifen „umfließen“ zwar einige Feldspat-Einsprenglinge, allerdings sind diese meist zerbrochen, was für eine metamorphe Überprägung spricht (Abb. 37).

Abb. 36: Gestreifter hälleflintartiger Vulkanit.
Abb. 37: Gleicher Stein, Nahaufnahme unter Wasser.

Unter den Granitgeschieben dominieren grob-, seltener mittelkörnige und stark alterierte rote Småland-Granite mit weißem oder bläulichem Quarz. Die braunen porphyrischen NE-Småland-Monzogranite, wie sie in Fårbo noch einigermaßen regelmäßig auftraten, fehlen hier.

Abb. 38: Stark alterierte rote Småland-Granite, Bildbreite ca. 35 cm.
Abb. 39: Grobkörnige rote Småland-Granite.
Abb. 40: Roter Granitoid mit weißem Quarz.
Abb. 41: Stark alterierter Granit, durchzogen von hellen Quarzadern.

Etwa 5% der Geschiebe in der Grube sind basische Gesteine, meist Dolerite, einige Diabase sowie dioritähnliche Gesteine mit größeren eckigen Hornblende-Aggregaten. Sie dürften aus einem Vorkommen stammen, das wenig nördlich der Kiesgrube liegt.

Abb. 42: Dolerite und ein Diabas (Bildmitte), Bildbreite 20 cm.

Vereinzelt fanden sich auch hier wieder Quarzite, einige Granitporphyre, aber kein einziger Ostsmåland-Gangporphyr.

3.4. Kiesgrube nördlich von Värlebo

Der letzte Fundpunkt, etwa 2,5 km nördlich von Värlebo (57.06805, 16.19732), bot ein ganz anderes Geschiebespektrum. Hier überwiegen klein- bis mittelkörnige und teilweise deformierte Granite, die kaum mit jenen aus den weiter nördlich gelegenen Kiesgruben vergleichbar sind. Wie in Skoretorp, fehlen die porphyrischen NE-Småland-Monzogranite. Der Järeda-Granit fand sich mehrfach (Abb. 45).

Abb. 43: Kiesgrube bei Värlebo.
Abb. 44: Geschiebespektrum, Bildbreite 90 cm.
Abb. 45: Järeda-Granit, Aufnahme unter Wasser.

Hinzu kommen reichlich hälleflintartige Vulkanite, wahrscheinlich aus dem weiter nördlich gelegenen Vulkanitgürtel, sowie Emarp-Porphyre und Ostsmåland-Gangporphyre (vergleichbar mit dem Typ aus dem Straßenaufschluss bei Påskallavik); weiterhin deformierte, teilweise in Gneise umgewandelte Gangporphyre. Geachtet wurde auf Geschiebe vom Typ „Högsrum-Porphyr“ (Abb. 48), allerdings liegt sein Heimatgebiet etwas weiter westlich, gerade außerhalb des Geschiebefächers.

Abb. 46: Hälleflintartige Vulkanite sowie einige undeformierte neben reichlich deformierten Gangporphyren.
Abb. 47: Auswahl an Gangporphyren (teilweise in Gneise umgewandelt), Aufnahme unter Wasser. Rechts unten ein Porphyr vom Emarp-Typ.
Abb. 48: Deformierter Porphyr, ähnlich dem Högsrum-Typ.

Auch in dieser Grube waren zahlreiche Dolerite zu beobachten (mit und ohne größere Plagioklas-Einsprenglinge).

Abb. 49: Dolerite und Diabase.
Abb. 50: Diabas mit roten Feldspäten (Xenokristalle?) und grünem Epidot, Aufnahme unter Wasser.

Ein Einzelfund weist Ähnlichkeiten zum Siljan-Granit auf. Einzelne idiomorphe Quarze sowie sechseckige Biotitplättchen sprechen für ein undeformiertes Mineralgefüge. Die Frage nach der Herkunft ließ sich bislang nicht abschließend klären.

Abb. 51: Granit, ähnlich Siljan-Granit, Aufnahme unter Wasser.
Abb. 52: Nahaufnahme des Gefüges.

3.5. Literatur

EHLERS J 2011 Das Eiszeitalter – 363 S., Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg.

WIK NG, BERGSTRÖM U, BRUUN A et al 2005 Berggrundskartan Kalmar län – 1:250 000, Sveriges geologiska undersökning serie Ba nr 66.

2. Anorogene Granite in Ost-Småland und Virbo-Granit

Abb. 1: Jungfrun-Granit, Geschiebe von Eskilslund auf Öland, Breite 15 cm.

In Ost-Småland durchschlagen drei kleinere Stöcke mit jüngeren Graniten das ältere Grundgebirge, das im Wesentlichen aus ca. 1,85-1,75 Ga alten Granitoiden des Transskandinavischen Magmatitgürtels (TIB) besteht. Diese Massive des Uthammar-, Götemar und Jungfrun-Granits entstanden nach Beendigung der dano- oder svekopolonischen Gebirgsbildung vor etwa 1,45 Ga (Datierung der Gesteine in ÅHÄLL 2001). Entsprechend ihrer Genese handelt es sich um anorogene Granite. Ihr Mineralgefüge weist keine Spuren einer tektonischen Deformation auf, ein maßgeblicher Unterschied zu den TIB-Graniten, die in der Regel leicht deformiert sind. Dieser Beitrag zeigt Proben der Granite aus dem Anstehenden, Nahgeschiebe aus Ost-Småland und gibt präzisierte Beschreibungen für die Bestimmung als Geschiebe. Auf Grund der geographischen Nähe und missverständlicher Beschreibungen in der Geschiebeliteratur wird der Virbo-Granit (TIB-Granit) im Zusammenhang mit dem Uthammar-Granit behandelt.

2.1. Götemar-Granit
2.2. Jungfrun-Granit
2.3. Uthammar-Granit
2.4. Virbo-Granit
2.5. Literatur
2.6. Verzeichnis der Probenlokalitäten

Abb. 2: Lage der anorogenen 1,45 Ga-Granitmassive in Ost-Småland. Rechter Kartenausschnitt vom Kartenservice der SGU (www.sgu.se).

Uthammar-, Götemar und Jungfrun- sowie der ältere Virbo-Granit werden als Leitgeschiebe angesehen. Ihre Eignung soll hier nicht abschließend beantwortet werden. Bei der Bestimmung sind einige Schwierigkeiten zu berücksichtigen:

  • Götemar- und Jungfrun-Granit dürften ganz ähnliche Gefügevarianten ausbilden und als Geschiebe nicht immer ihrem jeweiligen Vorkommen zuzuordnen sein. Vom Jungfrun-Granit liegen zudem nur sehr wenige Vergleichsproben aus dem Anstehenden vor. Zur Beschreibung werden daher ausschließlich die grobkörnigen Varianten herangezogen.
  • Das rapakiwiartige Gefüge dieser beiden Granite, mehr noch des Jungfrun-Granits, birgt eine Verwechslungsgefahr mit Gesteinen aus Rapakiwi-Vorkommen. Porphyrische Rapakiwis können ähnliche Farben und Ausbildungen von Alkalifeldspat, Quarz und Plagioklas aufweisen. Dies gilt insbesondere für das Gefüge aus idiomorphen bis körnigen Quarzen sowie einer ersten Quarz-Generation mit größeren zonierten und runden Quarzen.
  • Der Uthammar-Granit ist mit den gewöhnlichen roten Alkalifeldspat-Graniten des TIB verwechselbar. Bei der Bestimmung gilt es, auf spezifische Merkmale zu achten, die für eine anorogene Entstehung sprechen, aber nicht immer klar zu Tage treten.
  • Der anorogene „undeformierte Virbo-Granit“ (HESEMANN 1975:36) ist eine Spielart des Uthammar-Granits aus dem südwestlichen Teil des Massivs und als Geschiebe wahrscheinlich nicht erkennbar.

Gemeinsames Merkmal ist das Fehlen von tektonischer Deformation und das Vorhandensein (wenigstens einzelner) idiomorpher Quarze und Glimmerminerale. Tektonische Deformation ist in den älteren TIB-Graniten regelmäßig zu beobachten und äußert sich in einer bevorzugten Ausrichtung des gesamten oder eines Teils des Mineralbestandes. Vor allem die plattigen Glimmerminerale neigen zur Einregelung und bilden gestreckte, parallel verlaufende Aggregate oder unregelmäßig im Gestein verteilte Ansammlungen. Ein Teil des Quarzes kann zuckerkörnig granuliert sein (meist nur auf einer Bruchfläche eindeutig sichtbar). Idiomorphe Quarze fehlen weitgehend. Alle diese genannten Gefügemerkmale einer Deformation sind ein Ausschlusskriterium für die Herkunft aus einem der drei Vorkommen!

Die Beschreibung in der Geschiebeliteratur hinsichtlich einzigartiger Gefügemerkmale ist stellenweise unbefriedigend. Zu wenig wird auf die typischen Merkmale eines undeformierten Gefüges eingegangen (idiomorpher Quarz und Biotit). Bilder aus dem Anstehenden und präzisierte Gesteinsbeschreibungen sollen eine Lücke schließen. Hinsichtlich der geringen Ausdehnung der Vorkommen dürften alle anorogenen Ost-Småland-Granite zu den seltenen Geschiebefunden zählen. In diesem Zusammenhang sei auf den Bericht über Geschiebefunde von Öland verwiesen. Dort finden sich die Granite als Nahgeschiebe, ihre Vorkommen liegen nur wenige Kilometer entfernt im Streukegel der Gletscher der letzten Inlandvereisung.

2.1. Götemar-Granit

Das annähernd kreisrunde Massiv des Götemar-Granits liegt östlich von Misterhult am See Götemaren und besitzt einen Durchmesser von etwa 5 km (Abb. 5). Die grobkörnige Variante des Götemar-Granit wurde in mehreren Steinbrüchen abgebaut und unter dem Handelsnamen „Gotenrot“ vermarktet.

Abb. 3: Blick in den Steinbruch Kråkemåla 1 (Probenr. S31) .
Abb. 4: Götemar-Granit, leicht gerundeter Block als Nahgeschiebe, kurz vor dem Steinbruch Kråkemåla. Bildbreite ca. 30 cm.
Abb. 5: Skizze des Götemar-Massivs, Grafik aus kristallin.de, leicht verändert. Das Götemar-Massiv wird durch eine große N-S streichende Störung getrennt, mit einem horizontalen Versatz von 200 m und einem vertikalem Versatz von etwa 500 m im westlichen Teil. Im westlichen Teil tritt ein tieferer Teil des Massivs an die Oberfläche.

Vom Götemar-Granit sind fein-, mittel- und grobkörnige sowie porphyrische Gefügevarianten und Aplite bekannt. Auch Pegmatite – innerhalb des TIB nur sehr spärlich zu finden – treten auf (Abb. 16-17). Die Kontakte zum umgebenen TIB-Granit sind scharf, Xenolithe kommen im Götemar-Granit nicht vor.

Eine Datierung anhand von Zirkonen ergab ein Gesteinsalter von 1.452 ± 9 Ma (ÅHÄLL 2001). Die Entstehungsgeschichte des Massivs ist durch wiederholte Abkühlungs- und Aufheizphasen und mehreren Magmaschüben geprägt. Ihre Platznahme in etwa 4-8 km Tiefe fand während einer Zeit regionaler Deformation statt, umfasste aber nur einen Zeitraum von etwa 20-30 ka, was die Abwesenheit von Deformationsstrukturen innerhalb des Götemar-Granits erklären könnte (FRIESE 2015).

Das Granitmagma enthielt große Mengen an leichtflüchtigen Bestandteilen (sog. Volatile), vor allem Fluor, das zu durchschnittlich 0,43% im Granit enthalten ist und als Fluorit (CaF2) Spalten und Klüfte ausfüllt. Auch das häufige Auftreten von Pegmatiten (teilweise mit Beryll und Topas) wird auf den hohen Gehalt an Volatilen zurückgeführt (KRESTEN & CHYSSLER 1976). Erwähnenswert ist weiterhin ein hoher Gehalt an radioaktiven inkompatiblen Elementen: Radium über 100 Bq/kg (BERGMANN et al. 1998) sowie die höchsten gemessenen Thorium- und Urangehalte in schwedischen Graniten (WILSON & AKERBLOM 1980).

Beschreibung

Der Götemar-Granit ist ein grobkörniger und undeformierter Alkalifeldspatgranit aus rotbraunem Alkalifeldspat und dunkelgrauem Quarz. Die Feldspäte erreichen eine Größe von 2 cm und bilden häufig Karlsbader Zwillinge. Quarz füllt die Räume zwischen den größeren Alkalifeldspäten und kommt in mehreren Generationen vor. Rundliche (xenomorphe) bis kantige (hypidiomorphe) Körner überwiegen mengenmäßig, vereinzelt sind größere Quarze mit einer bläulichen Zonierung zu beobachten (1. Quarz-Generation). In geringer Menge treten auch kleine idiomorphe Quarze auf, u. a. als Einschluss innerhalb der Alkalifeldspäte.

Grüner oder gelblicher Plagioklas ist in der Regel nur spärlich vorhanden. Die Plagioklase können eine starke Zonierung aufweisen und treten auch als Einschluss innerhalb der Alkalifeldspäte auf; Plagioklas-Säume um die Alkalifeldspäte sind selten. Dunkle Minerale kommen in geringer Menge vor. Neben Biotit und Magnetit entdeckt man regelmäßig Aggregate von Hellglimmer (Muskovit) sowie violetten Fluorit und braunen bis gelblichen Titanit. Weitere Akzessorien sind Zirkon, Monazit, Apatit und Topas.

Abb. 6: Grobkörniger Götemar-Granit aus dem Steinbruch Kråkemåla 1 (S31).
Abb. 7: Aufnahme unter Wasser.
Abb. 8: Nahaufnahme: runde bis kantige Quarzkörner, teilweise auch kleine idiomorphe Quarze.
Abb. 9: Größere runde Quarze mit bläulicher Zonierung. Rechts der Bildmitte ein Alkalifeldspat mit einem gelblichen Plagioklas-Kern. Links unterhalb der Bildmitte violetter Fluorit, am rechten Bildrand etwas gelblicher Titanit.
Abb. 10: Halde mit Bruchmaterial im Steinbruch Kråkemåla 1.

Aus dem Steinbruch Kråkemåla 1 sind schmale Sandstein-Gänge innerhalb des Granits bekannt. Bei einem Besuch vor Ort waren diese nicht auffindbar. Dabei soll es sich um kambrischen Sandstein handeln, der auch heute noch südlich von Oskarshamn Teile des präkambischen Grundgebirges bedeckt. Im Götemar-Granit treten weiterhin Klüfte auf, die mit Fluorit und/oder Quarz, Glimmer, Chlorit, Calcit oder Erz gefüllt sind und auch den kambrischen Sandstein durchschneiden (KRESTEN & CHYSSLER 1976). Eine Datierung einer Fluorit-Calcit-Galenit-haltigen Kluft wurde auf 405 ± 27 Ma datiert (SUNDBLAD et al. 2004).

Abb. 11: Mit violettem Fluorit gefüllte Kluft im Götemar-Granit, Bildbreite 22 cm.
Abb. 12: Nahaufnahme einer Probe mit würfelförmigen Fluoritkristallen.
Abb. 13: Kluftfüllung mit großen Hellglimmer-Blättchen und Quarz.

Gässhult liegt am südlichen Rand des Götemar-Plutons. Im Wald, etwa 600 m nordwestlich der Ortschaft kann man Nahgeschiebe des Götemar-Granits sammeln. Schließlich erreicht man einen kleinen Kiesschurf sowie eine Halde mit Bruchmaterial des Götemar-Granits, der hier etwas anders aussieht als in Kråkemåla. Weitere Anstehendproben auf skan-kristallin.de.

Abb. 14: Porphyrischer Götemar-Granit von einer Halde mit Bruchmaterial bei Gässhult (S255); Aufnahme unter Wasser.
Abb. 15: Nahaufnahme. Der Granit enthält neben grauen auch einige helle Quarze sowie etwas mehr dunkle Minerale.

Der Kiesschurf dürfte unmittelbar an der Grenze zum Götemar-Pluton liegen. Stellenweise sind hier anstehende Pegmatit- und schriftgranitische Partien zu sehen. Pegmatite sind eine Besonderheit in Småland, denn sie kommen innerhalb der älteren Granite des TIB nur sehr spärlich vor.

Abb. 16: Anstehender Pegmatit des Götemar-Granits, Bildbreite 32 cm.
Abb. 17: Schriftgranitische Partie im Pegmatit. Bildbreite 42 cm.
Abb. 18: Götemar-Granit, Nahgeschiebe aus Gässhult (S255), Aufnahme unter Wasser. Durch Verwitterung nimmt der Alkalifeldspat eine hellrote Färbung an. Oberflächlich angeschlagene Quarze wirken hell, nur die etwas tiefer liegenden Quarze sehen dunkelgrau aus.
Abb. 19: Nahaufnahme mit einzelnen idiomorphen Quarzen.
Abb. 20: Links unten ein Plagioklas-Einschluss innerhalb eines Alkalifeldspats.

In unmittelbarer Nähe zum Götemar-Pluton konnte ein Aplitgang beprobt werden. In einem Straßenaufschluss fanden sich etwa 20-30 cm breite Gänge eines Aplits und eines Pegmatits, die zunächst parallel und scharf voneinander getrennt verliefen. In der Nähe eines Diabasganges fand offenbar eine Vermengung von Aplit und Pegmatit statt. Abb. 21 zeigt eine Probe dieses Mischgesteins mit feinkörniger aplitischer Grundmasse und großen Feldspat- und Quarz-Kristallen (Xenokristallen) aus dem benachbarten Pegmatit.

Abb. 21: Götemar-Aplit mit großen Xenokristallen von Feldspat und Quarz; Straßenaufschluss unmittelbar südlich des Götemar-Plutons (S256).
Abb. 22: Nahaufnahme des gleichen Steins. Die großen Alkalifeldspat-Einsprenglinge mit perthitischer Entmischung und die abgerundeten, dunklen und zonierten Quarze stammen aus dem Pegmatit. Rechts unten im Bild etwas Pyrit mit bunten Anlauffarben, am rechten oberen Bildrand der Kontakt dieses Mischgesteins zum Diabas-Gang.

2.2. Jungfrun-Granit

Zwischen Oskarshamn und dem nördlichen Teil von Öland liegt die kleine Insel Blå Jungfrun (Abb. 2). Einst wurde hier der Jungfrun-Granit (Handelsname „Virgo-Granit“) als Werkstein abgebaut, der sich durch die günstige Insellage leicht mit dem Schiff abtransportieren ließ. Blå Jungfrun ist seit 1926 Naturschutzgebiet und heute ein beliebtes Ausflugsziel. Im Sommer sind Tagesausflüge von Oskarshamn oder Byxelkrog auf Öland möglich. Eine Mitnahme von Gesteinsproben oder auch nur losen Steinen ist nicht gestattet, daher liegen bislang auch nur wenige Vergleichsproben vom Jungfrun-Granit vor.

Die beste Gelegenheit, einen Jungfrun-Granit als Nahgeschiebe zu finden, bieten die Strände im Nordwesten von Öland (Abb. 1). Allerdings kommt er auch hier in seiner typischen und grobkörnigen Ausbildung nur vereinzelt vor, obwohl das Granitmassiv keine 10 km entfernt liegt. In Norddeutschland dürfte das Gestein nur sehr selten als Geschiebe auftreten.

Man kann annehmen, dass Jungfrun- und Götemar-Granit in weiten Teilen ähnliche Gefügevarianten ausbilden. Während vom Götemar-Massiv grob-, mittel- und feinkörnige sowie porphyrische Gefügevarianten bekannt sind, fehlen vom Jungfrun-Massiv entsprechende Vergleichsproben. Markante Unterschiede sind allenfalls bei den grobkörnigen Varianten zu erwarten.

Beschreibung

Der Jungfrun-Granit ist grobkörniger als der Götemar-Granit und enthält mehr idiomorphe Quarze, die zudem zur Kranzbildung um die Alkalifeldspäte neigen. Rotbrauner, im angewitterten Zustand blassroter Alkalifeldspat erreicht eine Größe von 3-5 cm und ist klarer ausgeformt als im Götemar-Granit (mehr rechteckige Umrisse). Die teils runden, teils idiomorphen Quarzkörner sind sehr dunkel. Auch einige größere runde Quarze (bis 8 mm) treten auf, eine Zonierung wie im Götemar-Granit ist aber nicht erkennbar oder nur gering ausgeprägt. Plagioklas findet sich in etwas größerer Menge und ist rot bis rotbraun, manchmal auch grün gefärbt. Vereinzelt bildet er einen dicken grünen Saum um einzelne Alkalifeldspäte. Dunkle Minerale (Biotit) sind nur in geringer Menge enthalten. Akzessorisch kann Titanit auftreten.

Einen Jungfrun-Granit als Nahgeschiebe zeigt Abb. 1, weitere Bilder der Exkursionsbericht Öland; Abbildungen von Anstehendproben auf kristallin.de und skan-kristallin.de.

Auf dem Friedhof St. Thomas Kirchhof in Berlin-Neukölln (52.472419, 13.429770) befindet sich eine historische Grabstelle aus Jungfrun-Granit, eine außergewöhnliche Entdeckung hinsichtlich der kurzen Betriebszeit der Steinbrüche auf Blå Jungfrun von der Jahrhundertwende bis zum Jahr 1926! Der Granit zeigt alle charakteristischen Merkmale des Jungfrun-Granits: Alkalifeldspat bis 5 cm, rotbrauner Plagioklas und eine Kranzbildung der idiomorphen Quarze um die Alkalifeldspäte.

Götemar- und mehr noch der Jungfrun-Granit, weisen eine Ähnlichkeit mit porphyrischen Rapakiwis auf. Dies betrifft die Färbung von Alkalifeldspat, Quarz und Plagioklas sowie das Vorhandensein mehrerer Quarzgenerationen, einer Tendenz zur Ausbildung idiomorpher Quarze und einer Kranzbildung um größere Alkalifeldspat-Einsprenglinge. Säume von Plagioklas um runde oder eckige Alkalifeldspäte treten im Götemar- und Jungfrun-Granit nur sehr vereinzelt auf.

2.3. Uthammar-Granit

Abb. 27: Uthammar-Granit, loser Gesteinsblock in Uthammars Udde, Breite 30 cm.

Das Küstengebiet in Ost-Småland war lange Zeit ein bedeutendes Zentrum der Werksteinverarbeitung. Lokalnamen der ostsmaländischen Granite, wie sie auch Einzug in die Geschiebeliteratur fanden, gehen bisweilen auf ihre geographische Lage als auf spezielle Gefügemerkmale zurück. So wurden die Granite nordöstlich vom Küstenort Uthammar als Uthammar-Granit, jene südöstlich davon als Virbo-Granit bezeichnet. HOLMQVIST 1906 (später auch HESEMANN 1975:36-37) hebt die rapakiwiähnlichen Eigenschaften einiger dieser Granite hervor (und meint die anorogenen Ost-Småland-Granite), stellt aber gleichzeitig Ähnlichkeiten zu den TIB-Graniten heraus. Das unterschiedliche Alter dieser Granite war damals noch nicht bekannt.

Nach HESEMANN 1975:37 und ZANDSTRA 1988 erstreckt sich das Verbeitungsgebiet des Uthammar-Granites über das Küstengebiet zwischen Västervik und Oskarshamn (Luftlinie ca. 55 km!). Diese Auffassung kann heute als veraltet angesehen werden. In der schwedischen Literatur wird nur das kleine Massiv des jüngeren anorogenen Granits als Uthammar-Granit bezeichnet, vom Virbo-Granit ist gar keine Rede (vgl. BRUUN et al 1991, CRUDEN 2008). Die längliche, etwa 8 x 3,5 km große Intrusion liegt ca. 14 km nordöstlich von Oskarshamn. Sie umfasst die Gebiete entlang der Bucht von Figeholm (Figeholmsfjärden) und setzt sich unter Wasser fort. Die Ausdehnung des Massivs an der Erdoberfläche wurde durch aeromagnetische Messungen ermittelt (CRUDEN 2008) und weicht von der Darstellung in älteren Karten ab.

Abb. 28: Uthammar-Granit, Steinbruch am Uthammarvägen, Aufnahme unter Wasser (S32).
Abb. 29: Auf der Nahaufnahme erkennt man einen größeren Quarz mit bläulicher Zonierung und mit Quarz verheilte Risse in einem Alkalifeldspat (linker Bildrand).

Beschreibung

Der Uthammar-Granit ist ein grobkörniger Alkalifeldspatgranit aus hellrotem Alkalifeldspat und hellem Quarz. Die Feldspäte weisen kräftige perthitische Entmischungen auf und erreichen eine Größe von 2 cm. Sie sind unregelmäßig eckig geformt, nur einige von ihnen weisen einen klar rechteckigen Umriss auf. Bei Verwitterung kann der Feldspat einen orangeroten Farbton annehmen. Klarer bis leicht trüber, manchmal auch bläulicher und xenomorpher Quarz füllt die Räume zwischen den Alkalifeldspäten. Kleine idiomorphe Quarze treten vereinzelt innerhalb der roten Feldspäte auf. Eigenständiger Plagioklas (grünlich oder rötlich) sowie dunkle Minerale (Biotit) sind nur in geringer Menge enthalten. Biotit bildet regelmäßig sechseckige idiomorphe Plättchen, ein wichtiger Hinweis auf das undeformierte Mineralgefüge. Gelber Titanit kann in größerer Menge innerhalb der Biotitaggregate auftreten. Hinzu kommen weitere Merkmale, die aber nicht in jedem Handstück zu beobachten sind:

  • Einzelne Alkalifeldspäte sind vollständig von xenomorphem Quarz umgeben (Abb. 27).
  • Innerhalb der Alkalifeldspäte finden sich parallele, mit farblosem Quarz gefüllte Risse (Abb. 29). Sie sind wahrscheinlich auf eine Deformation der Feldspäte während der Platznahme des Magmas zurückzuführen (sog. magmatische Deformation).
  • Vereinzelt treten größere Quarze mit einer bläulichen Zonierung auf, ähnlich denen im Götemar-Granit (bisher nur auf Bruchflächen, nicht auf angewitterten Außenseiten beobachtet; Abb. 29).

Der Uthammar-Granits kann leicht mit grobkörnigen roten Småland-Graniten (TIB-Graniten) verwechselt werden. Hier tritt Biotit allerdings nicht idiomorph, sondern in Form von Ansammlungen oder streifigen Aggregaten auf. Die eindeutige Bestimmung des Uthammar-Granit als Geschiebe ist anspruchsvoll, man muss gezielt die Merkmale eines undeformierten Gefüges auffinden. Weitere Anstehendproben auf skan-kristallin.de.

Abb. 30: Uthammar-Granit, Geschiebe von Äleklinta auf Öland. Breite 18 cm.

Auf einem gerodeten Waldstück im südöstlichen Teil des Uthammar-Plutons fanden sich zahlreiche Großgeschiebe, bei denen es sich überwiegend um Nahgeschiebe handeln dürfte (s. Abb. 37).

Abb. 31: Gerodete Waldfläche im Uthammar-Pluton (etwa 57.352546, 16.548156).
Abb. 32: Uthammar-Granit, Bildbreite 40 cm.
Abb. 33: Orangefarbener Granit, sehr wahrscheinlich aus dem westlichen Teil des Uthammar-Plutons („undeformierter Virbo-Granit“). Bildbreite 35 cm.
Abb. 34: Blassroter Småland-Granit mit Blauquarz.

4. Virbo-Granit

Der Virbo-Granit gehört nicht zur Suite der anorogenen Ost-Småland-Granite, sondern zu den älteren TIB-Graniten. Ursprünglich wurden die Granite südöstlich vom Küstenort Uthammar so bezeichnet, benannt nach der Hofstelle Virbo, nördlich des Flusses Virån. Später war Virbo-Granit eine Handelsbezeichnung für Granite aus dem Gebiet bei Saltvik, einem kleinen Ort südwestlich von Uthammar (WIK et al 2005:41; Lage der Steinbrüche in BRUUN et al 1991). Hier stehen grobkörnige TIB-Granite an, sowohl massige als auch stärker deformierte Varianten, die als beliebter Werkstein auch nach Deutschland exportiert wurden (s. Abb. 51-58).

In der Geschiebeliteratur besteht eine verwirrende Sprachregelung zum Virbo-Granit. HESEMANN 1975: 36f beschreibt eine undeformierte, „den finnischen Pyterliten ähnelnde“ Variante, die aus dem südwestlichen Teil des Uthammar-Plutons stammen dürfte und damit ein jüngerer anorogener Granit ist. ZANDSTRA 1988: 282 unterscheidet einen „massigen“ und einen „deformierten“ Typ, bei beiden handelt es sich um Varianten aus der Gruppe grobkörniger TIB-Granite im Raum Saltvik. Offensichtlich wurden also zwei Granite unterschiedlichen Alters mit dem gleichen Namen belegt, weiterhin Ähnlichkeiten zwischen diesen Graniten erörtert (z. B. HESEMANN 1975:37) was aus geschiebekundlicher Sicht wenig befriedigend ist.

Die Bezeichnung Virbo-Granit kann für die grobkörnigen und leicht bis mäßig deformierten TIB-Granite aus dem Gebiet Saltvik beibehalten werden, wenn man die begriffliche Unschärfe in Kauf nimmt, dass der Ort Virbo innerhalb der anorogenen Intrusion liegt. Es handelt sich um charakteristische Ost-Småland-Granite, die als Geschiebe erkennbar und nach bisheriger Kenntnis als Leitgeschiebe geeignet sind. Alternativ könnte man die Bezeichnung „Saltvik-Granit“ wählen, die sich allerdings erst einmal durchsetzen müsste (vgl. die Diskussion zur Namensgebung auf rapakivi.dk). Das Virbo-Granitgebiet ist in etwa so groß wie der Uthammar-Pluton und beheimatet eine Reihe von Gefügevarianten auf engem Raum.

Beschreibung

Zwei Varianten der grobkörnigen Granite aus dem Gebiet um Saltvik sind typische Ost-Småland-Granite, ein homogener, massiger und eine deformierter, augengneisartiger Typ (Beschreibung in ZANDSTRA 1999: 232-234 und SMED & EHLERS 2002:130). Beide führen stets, manchmal auch reichlich gelben Titanit.

Abb. 47-48 und 35 zeigt den massigen und nur wenig deformierten Typ. Der orangerote Alkalifeldspat erreicht eine Größe von mindestens 2-3 cm, vereinzelt finden sich auch größere Kristalle (häufig als Karlsbader Zwilling). Quarz bildet weiße bis bläuliche und massige Aggregate bis 1 cm. Plagioklas fehlt, dunkle Minerale (Biotit) kommen nur in geringer Menge vor. In den Biotit-Aggregaten findet sich etwas gelblicher Titanit.

Abb. 35 Virbo-Granit, massiger Typ. Geschiebe von Äleklinta auf Öland, Breite 10 cm.

Der deformierte Virbo-Granit (Abb. 44-46 und 36) enthält mehr dunkle Minerale (Biotit und chloritähnliche Minerale) sowie reichlich hellgelben Titanit. Zusammen mit zerdrücktem Quarz bilden sie eine charakteristische Ketten-, Flaser- oder Netztextur zwischen den Feldspäten. Die Größe der meisten Feldspäte beträgt 2-3 cm, einzelne werden bis 5 cm groß. Sie weisen eine kräftige perthitische Entmischung auf und bilden oft Karlsbader Zwillinge. Ihre Farbe schwankt zwischen hellrot, orangerot bis dunkelrot. Je nach Grad der Deformation besitzen sie eine eckige, abgerundete oder augenförmige Gestalt. Der Anteil an epidotisiertem grünem, seltener auch weißem Plagioklas ist variabel, ebenso der Quarzanteil, teils in bläulichen und intakten, 4-5 mm großen Aggregaten, teils in zuckerkörnigen Massen. Können die Mineralanteile auch in weiten Grenzen schwanken, sind die Erkennungsmerkmale des Virbo-Granits: Grobkörnigkeit, Ketten-, Flaser- oder Netztextur der Minerale und ein hoher Titanitgehalt.

Abb. 36: Virbo-Granit, deformierter Typ, Geschiebe von Eskilslund auf Öland, Breite 17 cm.
Abb. 37: Uthammar-Intrusion und Virbo-Granitgebiet mit Probepunkten (1 Quadrant = 5 km). Die schwarze Linie zeigt die mittels aeromagnetischer Messungen ermittelten Grenzen der Intrusion (nach CRUDEN 2008).

Der südwestliche Teil der Uthammar-Intrusion und die benachbarten TIB-Granite wurden auf mehreren Exkursionen beprobt, insbesondere der Grenzbereich beider Granit-Generationen. Vom Uthammar-Granit liegen zwar diverse Vergleichsproben aus dem Ostteil vor, wo die als Werkstein geeigneten mafitarmen Varianten anstehen. Die Gefügevarianten im Südwesten sind weitgehend unbekannt, zumal das flache und sumpfige Gelände kaum Aufschlüsse bietet. Abb. 38 zeigt einen Uthammar-Granit (HESEMANNS „undeformierten Virbo-Granit“?) aus dem Steinbruch Råsbäck (vgl. auch skan-kristallin.de). Der mittelkörnige und orangefarbene Granit weist keine hervorstechenden Merkmale auf und dürfte kaum als Leitgeschiebe in Frage kommen. Heller Quarz ist ganz überwiegend xenomorph entwickelt; Plagioklas fehlt, dunkle Minerale sind nur wenig enthalten. Die in HESEMANN 1975:36 genannten, „finnischen Pyterliten ähnelnden“ Merkmale fehlen.

Abb. 38: Anorogener Granit aus dem Steinbruch Råsbäck im Südwesten der Uthammar-Intrusion (S85); Aufnahme unter Wasser.
Abb. 39: Nahaufnahme des Gefüges.

Aus dem unmittelbaren Randbereich der anorogenen Uthammar-Intrusion stammt die Probe Abb. 40. Die Grenze zu den älteren TIB-Graniten liegt wahrscheinlich im Fluss Virån. Auffällig sind die nahezu parallel, durch die gesamte Probe verlaufenden hellen Linien innerhalb der Feldspäte, ähnlich perthitischen Entmischungen. Es könnte sich dabei aber auch um Risse handeln, die später verfüllt wurden. Das Gestein enthält recht wenig Quarz. Nach CRUDEN 2008:26 weist der Granit 5 Meter vom Rand der Intrusion keine Anzeichen duktiler Deformation, lediglich Spuren einer hydrothermalen Alteration auf.

Abb. 40: Probe vom Rand der anorogenen Uthammar-Intrusion (S86). Aufnahme unter Wasser.
Abb. 41: Nahaufnahme des Gefüges.

Nur wenige Meter entfernt steht ein kleinkörniger porphyrischer und etwa 300 Millionen Jahre älterer TIB-Granit an. Er wurde durch den Aufstieg der Intrusion ebenfalls hydrothermal überprägt (CRUDEN 2008:3).

Abb. 42: kleinkörniger porphyrischer TIB-Granit an der Grenze zur anorogenen Intrusion (S87). Aufnahme unter Wasser.
Abb. 43: Nahaufnahme einer weiteren Probe aus dem gleichen Aufschluss. Augenförmige Feldspäte und zerdrückte Quarzmassen weisen auf eine tektonische Deformation des Gesteins hin.

Etwa 200 m weiter südlich findet sich ein deutlich grobkörniger Gneisgranit mit Augentextur (S87; Virbo-Granit i. e. S.). Streifige Ansammlungen mit dunklen Mineralen zwischen den Feldspäten enthalten reichlich gelblichen Titanit.

Abb. 44: Roter Gneisgranit (Virbo-Granit) mit zerdrücktem, teils bläulichem Quarz. Aufnahme unter Wasser.
Abb. 45: Polierte Schnittfläche eines ähnlichen, etwas weniger deformierten Granit aus einem Straßenaufschluss bei Dragskär (S33).
Abb. 46: Nahaufnahme. Das Gestein enthält etwas grünlichen Plagioklas, rote Hämatitflecken sowie reichlich gelblichen Titanit.

Die nächsten zwei Anstehendproben aus der Umgebung von Saltvik zeigen massige und nur wenig deformierte Varianten des Virbo-Granits. Die grobkörnige rote bis orangefarbene Variante ist ein auffälliges Gestein und als Leitgeschiebe geeignet (vgl. Geschiebefund Öland, Abb. 35).

Abb. 47: Virbo-Granit, massige Variante (S88). Aufnahme unter Wasser.
Abb. 48: Nahaufnahme.
Abb. 49: Bräunlichrote Variante (S88).
Abb. 50: Auch porphyrische Granite mit größeren Alkalifeldspat-Einsprenglingen kommen in diesem Gebiet vor. Anstehender Fels bei Kvarnviken.

Der Virbo-Granit, einst ein beliebter Werkstein, findet sich z. B. in Berlin am Sockel der Siegessäule (Abb. 51-58). Das variantenreiche Gefüge des Virbo-Granits lässt sich hier bequem an polierten Schnittflächen studieren.

2.5. Literatur

Es existiert eine Reihe neuerer Publikationen zu den Graniten in Ost-Smaland, in diesem Gebiet wurden geologische Erkundungen für die Errichtung eines Endlagers für radioaktiven Abfall durchgeführt.

ÅBERG G, LÖFVENDAHL R & LEVI B 1985 The Götemar granite – isotopic and geochemical eveidence for a complex history of an anorogenic granite, GFF, 106, 327-333.

ÅHÄLL K-I 2001 Åldersbestämning av svårdaterade bergarter i sydöstra Sverige –
SKB Rapport R-01-60, Svensk Kärnbränslehantering AB, Karlstad Universitet, ISSN 1402-3091.

BERGMAN S, HOGDAHL K, NIRONEN M, OGENHALL E, SJOSTROM H, LUNDQVIST L & LATHINEN R 1998 Timing of Palaeoproterozoic intra-orogenic sedimentation in the central Fennoscandian Shield: evidence from detrital zircon in metasandstone – Precambrian Res 161, 231-249.

BRUUN A, KORNFÄLT K-A, SUNDBERG A, WIK N-G, WIKMAN H & WIKSTRÖM A 1991 Malmer, industriella mineral och bergarter i Kalmar Län, SGU Rapporter och Meddelanden Nr. 65, Uppsala 1991.

CRUDEN A R 2008 Emplacement mechanisms and structural influences of a younger granite intrusion into older wall rocks – a principal study with application to the Götemar and Uthammar granites – R-08-138, Department of Geology, University of Toronto.

FRIESE N 2009 Tectonically-controlled emplacement mechanisms in the upper crust
under specific stress regimes: case studies – Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultäten der Georg-August-Universität zu Göttingen, Göttingen 2009.

FRIESE N, VOLLBRECHT A, TANNER D C, FALLBUSCH W & WEIDEMANN M 2015 Multi-stage emplacement of the Götemar Pluton, SE Sweden: New evidence inferred from field observations and microfabric analysis, including cathodoluminescence microscopy.

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2.6. Verzeichnis der Probenlokalitäten

S31: Götemar-Granit im Steinbruch Kråkemåla 1 (57.47796, 16.63519).
S32: Uthammar-Granit; Steinbruch am Uthammarsvägen zwischen Uthammar und Uthammars Udde (57.38170, 16.60730).
S33: Virbo-Granit; 300 m S Brücke über den Virån bei Virbo an der Straße nach Dragskär (57.32838, 16.53400).
S85: Uthammar-Granit („undeformierter Virbo-Granit“), Steinbruch a.d. linken Seite vor Erreichen des verlassenen Hofes Råsbäck (57,343209, 16,554246).
S86: Uthammar-Granit („undeformierter Virbo-Granit“) vom unmittelbaren Rand der Intrusion; T-Kreuzung a.d. Zufahrt zum Gut Virbo (57.331628, 16.533572).
S87: Virbo-Granit (TIB) am Kontakt zur Uthammar-Intrusion; wie S 86, Straßenaufschluss einige Meter weiter Richtung Dragskär (57.32953, 16.53396).
S88: Virbo-Granit, massiger Typ; Straßenaufschluss an der Straße nach Saltvik (57.301868, 16.471804).
S255: Götemar-Granit, Pegmatit, Schriftgranit; Nahgeschiebe Götemar-Granit; Halde und Kiesschurf sowie anstehendes Gestein nördlich von Gässhult (57.45415, 16.60078).
S256: Mischgestein aus Aplit und Pegmatit am Rande des Götemar-Massivs; Straßenaufschluss (57.45053, 16.63260).

Granite in Ost- und Nordost-Småland

Abb. 1: Nordost-Småland-Granit, Geschiebe von Öland. Breite 12 cm.

Småland ist eines der Hauptliefergebiete von Geschieben, die mit den nordischen Inlandvereisungen nach Norddeutschland gelangten. Vor allem in weichselzeitlichen Ablagerungen können Småland-Granite und -Vulkanite einen hohen Anteil ausmachen. Insbesondere die granitoiden Gesteine aus Ost- und Nordost-Småland sind von geschiebekundlichem Interesse, von dort wurden viele Leitgeschiebe beschrieben. Dieser Artikel vermittelt einen Eindruck von der Vielfalt granitoider Gesteine in diesem Gebiet und ist das Ergebnis mehrerer Exkursionen. Die Eignung einiger Leitgeschiebe wird diskutiert, präzisierte Gesteinsbeschreibungen helfen bei der Bestimmung von Geschieben.

Der erste Teil behandelt die Granitoide des ca. 1,7-1,8 Ga alten Transskandinavischen Magmatitgürtels (TIB). Drei kleine Vorkommen von jüngeren, anorogenen Graniten (Uthammar-, Götemar- und Jungfrun-Granit) sowie der Virbo-Granit (TIB-Granit) werden im zweiten Teil besprochen. Darüber hinaus lohnt sich ein Blick in die Kiesgruben Ost-Smålands (Teil 3), wo sich die Gesteine des Grundgebirges als Nahgeschiebe wieder finden. Gleiches gilt für den Exkursionsbericht Öland. Im vierten Teil werden einige Geschiebefunde aus Norddeutschland vorgestellt.

  1. Granite aus Ost- und Nordost-Småland
  2. Anorogene Granite in Ost-Småland und Virbo-Granit
  3. Fundberichte aus Kiesgruben in Ost-Småland
  4. Geschiebefunde aus Norddeutschland

Exkursionsbericht Öland (Kristallingeschiebe)

Vorab einige allgemeine Vorbemerkungen zu den Småland-Graniten: im Anstehenden finden sich alle möglichen Farb- und Gefügekombinationen. Als Geschiebe werden häufig die bunten Granite mit rotem, braunem oder orangefarbenem Alkalifeldspat und blauem oder grauem Quarz als „Småland-Granit“ bezeichnet. Plagioklas fehlt oder tritt untergeordnet in verschiedenen Farbtönen auf. Der Anteil an dunklen Mineralen, meist Biotit, ist variabel, im Allgemeinen aber gering. Granite mit den genannten Merkmalen kommen auch außerhalb von Småland vor, innerhalb des Transskandinavischen Magmatitgürtels („TIB-Granit“).

Nach ihrem Gefüge (nicht nach dem Herkunftsgebiet!) lassen sich gleichkörnige (Växjö-Typen) von porphyrischen Graniten (Filipstad-Typen) unterscheiden. In der Geschiebekunde werden die Typen weiter differenziert: roter, grauer, rosa oder bunter Växjö-Typ sowie „Vislanda-Granit“ (Växjö-Granite mit zuckerkörnigem Quarz). Abweichend zur schwedischen Nomenklatur bezeichnet man in der Geschiebekunde nur porphyrische TIB-Granite mit Plagioklasringen als Filipstad-Typ.

Bereits HOLMQVIST 1906 stellt zu den Småland-/TIB-Graniten fest: „In einzelnen Gebieten kehren petrographisch gleiche Typen immer wieder“. Damit wird die grundsätzliche Schwierigkeit der Herkunftsbestimmung von Geschieben benannt. In Geländestudien in Ost-Småland konnten zahllose Gefügevarianten dokumentiert, aber auch ähnliche Typen an verschiedenen Lokalitäten aufgefunden werden. Aus dem Spannungsfeld zwischen naturgemäßer Variabilität im Erscheinungsbild und einer möglichst exakten Beschreibung ergibt sich eine überschaubare Anzahl an Leitgeschieben.

Ihre Beschreibung in der Geschiebeliteratur ist teils wenig einheitlich, teils sogar unbefriedigend. Hinzu kommt eine verwirrende Vielfalt an Lokalnamen. In der schwedischen Literatur werden nicht selten mehrere Gefügevarianten eines Gebietes unter einem Namen zusammengefasst, in der Geschiebekunde lediglich eine Variante davon unter der gleichen Bezeichnung geführt. Auch lässt sich nicht immer die Einzigartigkeit der empfohlenen Leitgeschiebe überprüfen. Empfehlenswert zur Geschiebebestimmung sind die Beschreibungen in SMED & EHLERS 2002, darin: Vånevik-Granit, Kinda-Granit, Virbo-Granit sowie die jüngeren anorogenen OstSmåland-Granite Uthammar-, Götemar- und Jungfrun-Granit. Ergänzend ist der Flivik-Granit hinzuzufügen. Weitere Anstehendproben bietet die Seite skan-kristallin.de.

Abb. 2: Granite und weitere Leitgeschiebe in Ost- und Nordost-Småland. Nummerierung: Kiesgruben in Smaland: 1-Fårbo, 2-Forshult, 3-Skoretorp, 4-Värlebo. Karte verändert nach: WIK et al 2005: Berggrundskartan Kalmar län – 1:250 000.

1. Granite aus Ost- und Nordost-Småland

1.1. Porphyrische Monzogranite
1.2. Porphyrische NE-Småland-Monzogranite
1.3. Kinda-Granit
1.4. Flivik-Granit
1.5. Granite aus der Umgebung von Flivik
1.6. Vånevik-Granit
1.7. Tuna-Granit
1.8. Weitere Granitoide aus Ost-Småland
1.8.1. Rote grobkörnige Granite
1.8.2. Emsfors-Granit
1.8.3. Augengranit am Campingplatz Gunnersö
1.8.4. Granite mit rotem und grünem Plagioklas
1.8.5. Granodiorit
1.8.6. TIB-Granite im Västervik-Gebiet
1.8.7. Älö-Granit
1.9. Literatur
1.10. Verzeichnis der Probenorte

Grob vereinfacht überwiegen in Ost-Småland grob- bis mittel- und weitgehend gleichkörnige rote Granite vom Växjö-Typ (z. B. Abb. 46), in Nordost-Småland bis ins südliche Östergötland braune und porphyrische Monzogranite (Abb. 1). Ein Blick auf die geologische Übersichtskarte (Abb. 2) zeigt, dass die Verhältnisse im Einzelnen natürlich ungleich komplexer sind.

1.1. Porphyrische Monzogranite

Vom nördlichen Småland bis ins südliche Östergötland sind grobkörnige porphyrische Granitoide wie in Abb. 3-5 weit verbreitet. Ihre Zusammensetzung variiert, manche von ihnen besitzen eine granitische Zusammensetzung, andere enthalten deutlich weniger Quarz (Quarzmonzonite). Der Gesteinstyp, in Norddeutschland häufig als Geschiebe anzutreffen, lässt sich keinem näheren Herkunftsgebiet zuordnen und besitzt die folgenden allgemeinen Merkmale:

  • Brauner Alkalifeldspat in 1-3 cm großen Einsprenglingen, alle anderen Mineralkörner sind deutlich kleiner. Die Alkalifeldspäte weisen mehr oder weniger rechteckige Formen auf, auch mit abgerundeten Ecken, bilden häufig Karlsbader Zwillinge und besitzen einen zonaren Aufbau. Diese Zonierungen sind perthitische Entmischungen, die frühere Wachstumslinien des Kristalls nachzeichnen (s. kristallin.de).
  • Intensiv blauer bis weißer Quarz bildet massige und rundliche Ansammlungen und ist häufig zerdrückt und zuckerkörnig ausgebildet.
  • Plagioklas findet sich in großer Menge in weißen bis grünen oder gelblichen, häufig tafeligen Aggregaten.
  • Der Anteil dunkler Minerale, meist Biotit, ist deutlich höher als in den roten Småland-Graniten vom Växjö-Typ (z. B. Abb. 50) und lässt die Granite insgesamt recht dunkel erscheinen.
Abb. 3: Porphyrischer Monzogranit, Anstehendprobe westlich von Kisa (S142a), Aufnahme unter Wasser.
Abb. 4: Geschiebefund aus dem Tagebau Welzow Süd (Niederlausitz).
Abb. 5: Gleicher Stein; Alkalifeldspäte mit zonierten Wachstumslinien.

1.2. Porphyrische NE-Småland-Monzogranite

Der eben beschriebene porphyrische Monzogranit-Typ ist auch im nordöstlichen Småland und südlichen Östergötland weit verbreitet. Hier treten Merkmale hinzu, die eine Verortung von Geschieben in das genannte Gebiet erlauben. Diese „NE-Småland-Granite“ sind zwar kein Leitgeschiebe, aber regelmäßig in glazialen Ablagerungen mit ostschwedischem Gesteinsmaterial zu finden und Bestandteil der sog. „ostschwedischen Geschiebegemeinschaft“.

  1. Plagioklas besitzt eine gelbe bis orange Färbung, neben grünen oder bräunlichen (Mischfarbe aus grün und orange) Tönungen. Die Färbung des Plagioklas ist eine Folge hydrothermaler Alteration, wobei Ca-reicher Plagioklas in grüne und Na-reicher Plagioklas in gelbe bis orangefarbene Folgeprodukte umgewandelt wird (Smed & Ehlers 2003: 148).
  2. Regelmäßig ist Titanit enthalten, mitunter recht viel davon. Titanit ist braun gefärbt oder gelblich alteriert und an seiner keilförmigen Gestalt leicht erkennbar.

Abb. 1 zeigt einen typischen Nordost-Småland-Granit mit porphyrischem Gefüge aus braunem Alkalifeldspat, Blauquarz und orangefarbenem Plagioklas. Innerhalb der Partien aus dunklen Mineralen (meist Biotit) findet sich keilförmiger, meist gelblicher Titanit in größerer Menge.

Abb. 6: Porphyrischer Monzogranit mit orangegelbem Plagioklas. Geschiebe von Byxelkrog auf Öland, Bildbreite 19 cm.

Die Alkalifeldspäte können auch hellrot bis rötlichgrau gefärbt sowie abgerundet erscheinen. Kiesgrubenfunde aus Ost-Småland belegen, dass ihr Heimatgebiet etwa östlich von Vimmerby und nördlich davon liegen dürfte.

Abb. 7: Porphyrischer Monzogranit (NE-Småland-Granit) mit blassrotem Alkalifeldspat und gelbem Titanit; Geschiebe von Eskilslund auf Öland, Breite 9 cm.
Abb. 8: Porphyrischer Monzogranit mit blassrotem Alkalifeldspat; Geschiebe von Byxelkrog auf Öland.

Im Vergleich zu anderen porphyrischen TIB-Monzograniten ist der Alkalifeldspat der NE-Småland-Granite immer einfarbig (braun oder rötlich), während in Värmland (z. B. Hagfors-Granit) roter, brauner und grauvioletter Alkalifeldspat nebeneinander vorkommen (s. Braunvioletter Filipstad-Granit in SMED & EHLERS 2003:148). Porphyrische Monzogranite mit braunem oder rotem Alkalifeldspat, buntem Plagioklas und Blauquarz werden in SMED & EHLERS 2003 auch als Trikolore-Granite bezeichnet.

1.3. Kinda-Granit

Kennzeichnend für den Kinda-Granit sind neben einer auffälligen Dreifarbigkeit (brauner Alkalifeldspat, klar orangefarbener Plagioklas und blauer Quarz) partielle, seltener auch vollständige Säume aus Plagioklas um einzelne Alkalifeldspäte. Titanit ist immer zu finden, mitunter sehr viel davon. Im Übrigen besteht weitgehende Übereinstimmung mit den porphyrischen NE-Småland-Monzograniten: Grobkörnigkeit, porphyrisches Gefüge aus grob rechteckigen und braunen oder blass rötlichen Alkalifeldspäten; intensiv blauer und milchiger Quarz in größeren, meist zuckerkörnig zerdrückten Massen. Der Quarzgehalt schwankt, auch Quarzmonzonite kommen vor. Plagioklas ist mit 1-3 mm wesentlich kleiner als Alkalifeldspat und bildet häufig tafelige Kristalle. Seine Farbe variiert von gelb über orangegelb bis orangerot; untergeordnet auch grün sowie Mischfarben (z. B. braun aus gelb und grün).

Abb. 9: Kinda-Granit, Geschiebe Geschiebe von Byxelkrog auf Öland, Aufnahme unter Wasser.
Abb. 10: Kinda-Granit, Geschiebe von Nienhagen bei Rostock, Aufnahme unter Wasser.
Abb. 11: Kinda-Granit mit weißem Quarz; Geschiebe von Ramsnäs auf Öland.
Abb. 12: In der Nahaufnahme der nassen Oberfläche ist reichlich gelblicher Titanit erkennbar.

Der Kinda-Granit ist als Geschiebe seltener als die porphyrischen Monzogranite. Eine Verwandtschaft besteht mit dem Braunviolettem Filipstad-Granit (SMED & EHLERS 2003 Nr. 99, 100). Im Kinda-Granit ist der Quarz jedoch immer blau und nur brauner bzw. einfarbiger Alkalifeldspat enthalten. Viele Plagioklasringe sind nur unvollständig ausgebildet und besitzen einen klaren Orangeton (Karte SMED & EHLERS 2003: 79).

Der Kinda-Granit gilt als Leitgeschiebe, besitzt aber ein recht großes Heimatgebiet, das eine Fläche von über 2000 km² in Nord-Småland und im südlichen Östergötland einnimmt (in etwa deckungsgleich mit der historischen Provinz Kinda). Die genauen Verbreitungsgrenzen sind unklar und dürften in etwa denen der porphyrischen Monzogranite entsprechen, wobei der Kinda-Granit womöglich nur eine lokale, aber an mehreren Stellen auftretende Variante ist. Innerhalb des in Abb. 2 als Kinda-Granit markierten Gebiets findet sich eine Vielzahl von Gefügevarianten, darunter auch deformierte und gneisgranitische Varianten, Granite mit weißem oder grünem Plagioklas und dunkle Monzogranite ohne Plagioklassäume. Die Zahl vorliegender Anstehendproben ist klein (vgl. auch skan-kristallin.de). Abb. 13-19 zeigen einige Varianten aus einer Streckenbeprobung im Gebiet des Kinda-Granits (s. Abb. 75; alle Proben als Aufnahmen unter Wasser). Ein dem Kinda-Typ ähnlicher Granit-Typ konnte auch in NE-Småland, in Nachbarschaft zum Flivik-Granit, außerhalb seines Hauptverbreitungsgebietes beprobt werden (Abb. 34-35).

Abb. 13: Kinda-Granit, Björkfors (S145).
Abb. 14: Nahaufnahme.
Abb. 15: Porphyrischer Monzogranit aus dem Kinda-Granitgebiet, Åsunden (S144).
Abb. 16: Porphyrischer Monzogranit, Nahgeschiebe NW Skärpingen (S146).
Abb. 17: Anstehendprobe, Straßenaufschluss bei Skärpingen (S147).

Die nächsten zwei Granite stammen aus einem Straßenaufschluss etwa 20 km westlich von Gamleby (Västervik-Gebiet).

Abb. 18: Porphyrischer Monzogranit, Straßenaufschluss bei Västantorp (S148).
Abb. 19: Kleinkörniger porphyrischer Monzogranit (S148).

1.4. Flivik-Granit

Das Flivik-Granitgebiet liegt auf halber Strecke zwischen Oskarshamn und Västervik in NE-Småland und erstreckt sich über eine Fläche von etwa 100 km². Um Flivik zeugen zahlreiche Steinbrüche von einem regen Abbau der Granite. Sie werden auch heute noch als Werkstein gewonnen, so im Steinbruch Quimbra (Handelsbezeichnungen Quimbra Red bzw. Quimbra Röd und Quimbra Grey).

Abb. 20: Flivik-Granit, Geschiebe von Ramsnäs auf Öland; Breite 21 cm.
Abb. 21: In der Nahaufnahme sind zahlreiche gelbe und keilförmige Titanit-Kristalle erkennbar. Plagioklas ist unauffällig und grau bis bräunlich, stellenweise orange gefärbt.

Der Flivik-Granit ist ein dunkler Monzogranit und auf den ersten Blick ein typischer NE-Småland-Granit (brauner Alkalifeldspat, farbiger Plagioklas, blauer Quarz und viel Titanit). Er weist aber nur ein schwach porphyrisches, eher mittel- bis grobkörniges sowie ein weitgehend gleichkörniges Gefüge auf. Die braunen Alkalifeldspäte sind wenig größer als die nahezu gleichkörnig erscheinende Grundmasse. Vor allem die blauen Quarzkörner fallen durch ihre gleichmäßige Verteilung ins Auge. Die weitgehende Gleichkörnigkeit von Quarz und anderen Mineralkörnern ist ein wichtiges Erkennungsmerkmal und lässt auf eine geringere Deformation des Gesteins schließen, im Unterschied zu den Graniten in der Umgebung (Abb. 32-35) oder anderen Ost-Småland-Graniten, in denen sich Quarz und dunkle Minerale in größeren Aggregaten sammeln. Als Geschiebe ist der Flivik-Granit eher selten. (Beschreibung in KORN 1927:5, ZANDSTRA 1999, Nr. 173; nicht in SMED & EHLERS 2003).

Im Steinbruch Quimbra finden sich mittelkörnige und schwach porphyrische Varianten (Abb. 23-29). Die Korngrößen der mittelkörnigen Variante liegen zwischen 2-5 mm. Die braunen bis rotbraunen Alkalifeldspäte können etwas größer (bis 6 mm) sein und gehen lokal in porphyrische Varianten über. Die Größe dieser Einsprenglinge übersteigt aber selten 1 cm. Alkalifeldspat bildet dicke Tafeln mit undeutlich zonarem Aufbau, die kräftige perthitische Entmischungen aufweisen und von orangefarbenen Flecken begleitet sind.

Alkalifeldspat, Plagioklas und Quarz machen in den Handelsvarianten Quimbra Red und Quimbra Grey jeweils in etwa ein Drittel des Gesteins aus (Quelle: natursteindatenbank.de). Nach KORN 1918 soll der Quarzanteil sogar bis 50% betragen, ein Wert, der etwas zu hoch gegriffen scheint. Quarz ist milchig-blau bis fast weiß, teilweise auch zuckerkörnig ausgebildet. Plagioklas ist unauffällig und grau bis bräunlich, stellenweise auch durch hydrothermale Alteration orange gefärbt. Ein mäßiger Biotit-Anteil bewirkt die dunkle Gesamtfärbung des Gesteins. Der Flivik-Granit enthält zahlreiche keilförmige Aggregate von gelblichem Titanit.

Verwechslungsmöglichkeiten: Der grobkörnige Kinda-Granit weist ein ausgeprochen porphyrisches Gefüge auf und besitzt gelbe bis orangefarbene Plagioklas-Säume um einzelne Alkalifeldspäte. Andere braune NE-Småland-Granite zeigen in der Regel deutliche Spuren einer Deformation, Quarz und dunkle Minerale bilden dann Ansammlungen. Der Vånevik-Granit besitzt größere Aggregate von Quarz und Alkalifeldspat. Im Västervik-Gebiet fand sich ein dem Flivik-Granit ähnliches, aber deutlich deformiertes Gestein mit einer grauen und mittelkörnigen Matrix sowie einzelnen braunen Alkalifeldspat-Einsprenglingen (Abb. 34-35).

Die nächsten Proben stammen aus dem Steinbruch Quimbra bei Flivik (Übersicht der Probenorte in Abb. 75). Neben einer grauen und einer rotgrauen mittelkörnigen Variante kommen auch schwach porphyrische bis porphyrische Granite vor, sowohl in hellen (blassrot), als auch dunklen Tönungen. Charakteristisch und als Referenz zur Bestimmung des Flivik-Granits geeignet sind Abb. 24-27, 30 und der Geschiebefund von Öland (Abb. 20-21).

Abb. 22: Blick in den Steinbruch Quimbra.
Abb. 23: Drei Granit-Varianten aus dem Steinbruch: rechts oben ein gleichkörniger grauer, unten ein brauner porphyrischer Flivik-Granit. Der gleichkörnige blassrote Granit links im Bild unterscheidet sich kaum von anderen Graniten aus NE-Småland (ähnlich Vånevik-Granit).
Abb. 24: Schwach porphyrischer grauer Flivik-Granit, Aufnahme unter Wasser (S65).
Abb. 25: Nahaufnahme.
Abb. 26: Flivik-Granit, rotbraune Variante (S65), vgl. mit Geschiebefund in Abb. 20-21.
Abb. 27: Plagioklas ist gelblichgrau gefärbt. Die orangefarbenen Bereiche sind nicht auf Plagioklas beschränkt, sondern finden sich auch als Flecken oder Saum in den Alkalifeldpäten.
Abb. 28: Weitgehend gleichkörniger grauer Flivik-Granit mit Aplitgang.
Abb. 29: Handstück vom gleichen Stein, Aufnahme unter Wasser (S65).

Eine weitere Probe aus dem Flivik-Granitgebiet enthält reichlich gelben Titanit.

Abb. 30: Flivik-Granit (S64), Aufnahme unter Wasser.
Abb. 31: Flivik-Granit, Geschiebe von Byxelkrog auf Öland, Bildbreite 17 cm.

1.5. Granite aus der Umgebung von Flivik

In der Umgebung von Flivik finden sich typische porphyrische NE-Småland-Granite mit braunem Alkalifeldspat und viel Titanit. Sie sind stärker deformiert und gehören nicht mehr zum Flivik-Granitmassiv.

Abb. 32: Brauner Monzogranit mit grünem Plagioklas, viel Biotit und gelblichem Titanit (S66).

Die nächste Probe ähnelt deutlich dem Kinda-Granit, dessen Verbreitungsgebiet eigentlich weiter nordwestlich liegt. Das Gestein ist ein schöner Beleg für Überschneidungen im Gefüge einzelner Granite eines Gebietes und die Schwierigkeit einer Abgrenzung lokaler Typen. Ähnlichkeiten sind auch zwischen Abb. 41 (Vånevik-Granit) und Abb. 26 (Flivik-Granit) sowie Abb. 19 (Granit aus dem Västervik-Gebiet) und Abb. 24 (Flivik-Granit) erkennbar.

Abb. 34: NE-Småland-Monzogranit, Typ Kinda-Granit, aus der Umgebung des Flivik-Granitgebiets (S67).
Abb. 35: Nahaufnahme.

Der gezeigte Monzogranit-Typ mit reichlich orangefarbenem Plagioklas ist als Geschiebe auffällig, aber relativ selten zu finden.

Abb. 36: Geschiebe von Ramsnäs (Öland), Breite 17 cm.
Abb. 37: Gleicher Stein, Nahaufnahme.
Abb. 38: Vergleichbarer Typ, mit etwas helleren Alkalifeldspäten. Geschiebe von Gässhult am Südrand des Götemar-Plutons (S255d).
Abb. 39: Nahaufnahme.

1.6. Vånevik-Granit

Der Vånevik-Granit nimmt ein größeres Gebiet zwischen Oskarshamn und Mönsteras an der smaländischen Ostküste ein (Abb. 2). Lange Zeit befand sich hier ein wichtiges Zentrum der Werksteinherstellung. Im Stenhuggarmuseet Vånevik kann sich der Besucher über die Geschichte der Steinverarbeitung informieren.

Abb. 40: Im Stenhugermuset Vånevik.

Die Granite des Vånevik-Gebiets sind ziemlich variabel. Allgemein handelt es sich um mittel- bis grobkörnige Granite vom Växjö-Typ (gleichkörnige Småland-Granite) mit mäßigen bis deutlichen Spuren einer Deformation. Die Alkalifeldspäte erreichen eine Größe von 3 cm und sind rot, manchmal auch rotbraun oder hell fleischfarben gefärbt. Milchiger Quarz kann intensiv blau, durch Hämatitimprägnierung auch violett, aber auch hellgrau oder weiß erscheinen und bildet 1-3 cm große, durch Deformation länglich gestreckte Aggregate. Dunkle Minerale kommen nur in sehr geringer Menge vor (Biotit, meist chloritisiert). Regelmäßig findet sich brauner oder gelblich alterierter Titanit. Weißer bis grüner Plagioklas ist nur untergeordnet enthalten und auf der Bruchfläche schwer erkennbar, auf der Verwitterungsrinde hebt er sich besser vom Alkalifeldspat ab.

Im Stenhuggarmuseet steht eine braune Variante an (Referenzprobe in ZANDSTRA 1999:168). Der grobkörnige und porphyrische Granit besteht aus braunem Alkalifeldspat, begleitet von orangefarbenen Flecken, großen blauen Quarz-Aggregaten und enthält braunen bis gelblichen Titanit.

Abb. 41: Orangebrauner Vånevik-Granit, Probe aus dem Stenhuggarmuseet, Aufnahme unter Wasser (S257).
Abb. 42: Nahaufnahme des Gefüges.
Abb. 43: Gewöhnlicher roter Vånevik-Granit; Probe mit polierter Schliffläche im Stenhuggarmuseet; Bildbreite 7 cm.
Abb. 44: Roter Vånevik-Granit im Kontakt zu einem feinkörnigen Rhyolith. Ortseingang Påskallavik, Bildbreite 35 cm.
Abb. 45: Probe vom Kontakt (S34), Aufnahme unter Wasser.
Abb. 46: Roter Vånevik-Granit, 4 km NW Påskallavik (S93); Risse mit Hämatit gefüllt.

Nach SMED & EHLERS 2003:130 eignet sich eine grobkörnige Variante aus blassrotem Alkalifeldspat als Leitgeschiebe. Sie enthält viel intensiv blauen bis violettblauen und leicht milchigen Quarz in 1-3 cm großen Aggregaten, vereinzelt Biotit (nicht in Streifen) und einige braune Titanitkristalle (vgl. Abb. 47).

Abb. 47: Vånevik-Granit, Probe vom Verladehafen (S103), Aufnahme unter Wasser.

Ist der Vånevik-Granit ein Leitgeschiebe? Die Beschreibungen in den Bestimmungsbüchern unterscheiden sich deutlich voneinander. Wichtige Kriterien bei der Bestimmung sind Grobkörnigkeit, die großen und intensiv blauen Quarzaggregate und die Anwesenheit von Titanit. Eindeutig als Vånevik-Granit bestimmbare Geschiebe sind nicht häufig. Insbesondere scheiden die mittelkörnigen roten Granite mit unklaren Korngrenzen und reichlich himmelblauem, intensiv leuchtendem, teilweise durch Hämatit violett gefärbtem Quarz als Leitgeschiebe aus. Ihr Herkunftsgebiet ist zu groß, sie finden sich in Ost-Småland mindestens bis ins Västervik-Gebiet. Auf Öland treten sie als Geschiebe besonders zahlreich auf, auch an Orten, an denen ein Transport aus dem Vånevik-Granitgebiet unwahrscheinlich ist (Abb. 48). Ist Titanit enthalten, lässt sich der mittelkörnige Granittyp allenfalls der ostschwedischen Geschiebegesellschaft zuordnen.

Abb. 48: Vånevik-Granit? Geschiebe von Äleklinta auf Öland; Breite 12,5 cm.
Abb. 49: Mittelkörniger Småland-Granit mit intensivem Blauquarz. Geschiebe von Ramsnäs auf Öland, Breite 10 cm.

1.7. Tuna-Granit

Tuna-Granit ist eine Lokalbezeichnung für gleich- und mittelkörnige, quarzreiche Alkalifeldspatgranite, die größere Flächen in Ost- und Nordost-Småland „landeinwärts zwischen Västervik und Oskarshamn“ (ZANDSTRA 1988:281, HOLMQVIST 1906:158, HESEMANN 1975:37-38) einnehmen. Es handelt sich weitgehend um Småland-Granite vom Växjö-Typ, wie sie allenthalben innerhalb des TIB auftreten. Neben den gewöhnlichen roten Graniten (s. Fundbericht Fårbo) verdienen zwei Varianten eine Erwähnung: klein- bis mittelkörnige Alkalifeldspatgranite mit viel blauem oder violettblauem Quarz, sehr wenig dunklen Mineralen und 1. orangefarbenem bis braunem („Gersebo-Granit“, Abb. 55-56) und 2. blassrotem bis blassbraunem Alkalifeldspat (Abb. 50-53). Eigenständiger Plagioklas ist schwer erkennbar und nimmt bei Verwitterung eine helle Farbe an. Hie und da findet sich ein gelbliches Titanitkorn. Dieser Granittyp dürfte zumindest als Anzeiger einer NE-smaländischen Geschiebegemeinschaft („ostschwedische Geschiebegemeinschaft“) geeignet und an Lokalitäten mit viel Gesteinsmaterial aus NE-Småland entsprechend häufig anzutreffen sein. In anderen Gebieten kommen diese beiden Granittypen nach bisherigem Kenntnisstand nicht oder nur sehr untergeordnet vor.

Abb. 50: Nahgeschiebe aus der Kiesgrube Fårbo, N von Oskarshamn (S84). Links ein gewöhnlicher roter Småland-Granit vom Växjö-Typ, rechts eine blassrote Variante.
Abb. 51: Blassroter Småland-Granit vom Växjö-Typ („Tuna-Granit„) aus der Kiesgrube Fårbo; Aufnahme unter Wasser.
Abb. 52: Ähnlicher Typ („Tuna-Granit„), Geschiebefund von Byxelkrog auf Öland.
Abb. 53: Nahaufnahme.
Abb. 54: NE-Småland-Granit („Tuna-Granit“), Geschiebefund aus Niederlehme bei Berlin.

Eine hübsche Variante (Lokalname: Gersebo-Granit) besteht aus orangerotem, teils auch braunem Alkalifeldspat und blauem Quarz. Einzelne Plagioklas-Aggregate sind rot und grün verfärbt.

Abb. 55: Gersebo-Granit (S69), Aufnahme unter Wasser.
Abb. 56: Nahaufnahme.
Abb. 57: Mit dem Gersebo-Granit vergleichbarer Geschiebefund von Fehmarn.

1.8. Weitere Granitoide aus Ost-Småland

Die folgende Auswahl an Anstehendproben belegt die Vielfalt an Gefügevarianten der Granitoide aus Ost- und Nordost-Småland, neben den bisher behandelten Leitgeschieben. In diesem Zusammenhang sind auch die Fundberichte aus Kiesgruben in diesem Gebiet bedeutsam. Ein weiterer TIB-Granit (Virbo-Granit) wird im Zusammenhang mit dem Uthammar-Granit besprochen.

1.8.1. Rote grobkörnige Granite sind in Småland weit verbreitet, so auch in Ost-Småland. Weniger gewöhnlich, aber ein typischer NE-Småland-Granit stammt aus der Kiesgrube Forshult, ein grobkörniger roter Granit mit orangefarbenem Plagioklas und viel Titanit. Der Granit scheint stark alteriert zu sein, die dunklen Minerale wurden in grünliche Folgeprodukte (Chlorit o. ä.) umgewandelt.

Abb. 58: Roter NE-Småland-Granit mit orangefarbenem Plagioklas; Geschiebe aus der Kiesgrube Forshult (S91), Aufnahme unter Wasser.

1.8.2. Emsfors-Granit: Südlich von Påskallavik liegt der Emsfors-Granitstock, eine annähernd kreisrunde Intrusion mit einem Durchmesser von etwa 8 km. Das Gefüge des Emsfors-Granit weicht von den anderen Ost-Småland-Graniten ab: blassroter Alkalifeldspat, hellgrauer und transparenter Quarz (einzelne größere Quarze sind zoniert) sowie weißer Plagioklas; wenig dunkle Minerale, Titanit ist nicht erkennbar. Trotz seiner Verschiedenheit und möglichen Einzigartigkeit unter den Ost-Småland-Graniten dürfte der Granit als Geschiebe schwer zu identifizieren sein. Auch ein Doppelgänger in einem anderen Granitgebiet ist nicht auszuschließen. Die auf Öland besuchten Geschiebestrände liegen zu weit nördlich, als dass Geschiebe dieses Granittyps zu erwarten wären. Lediglich ein Fund aus Äleklinta besitzt eine gewisse Übereinstimmung (vgl. Abb. 67 in Exkursionsbericht Öland).

Abb. 59: Emsfors-Granit (S104), Aufnahme unter Wasser.
Abb. 60: Nahaufnahme des Gefüges.
Abb. 61: Eine weitere Probe von der gleichen Lokalität mit zonierten bläulichen Quarzen.

1.8.3. Augengranit am Campingplatz Gunnersö: An der Badestelle auf dem Campingplatz Gunnersö in Oskarshamn ist ein Augengranit großflächig aufgeschlossen.

Abb. 62: Badestelle am Campingplatz Gunnersö, am Horizont die Insel Blå Jungfrun.
Abb. 63: Augengranit, Bildbreite 70 cm. Ein etwa 10 cm breiter Gang-Granit weist links und rechts einen tektonischen Versatz auf.
Abb. 64: An einer Stelle wurde das Gestein vor nicht allzu langer Zeit aufgebrochen, die Bruchfläche ist einigermaßen frisch. Das Gestein besteht aus hellrotem Alkalifeldspat, grünem Plagioklas und relativ wenig grauem Quarz.
Abb. 65: Runder mafischer Einschluss, am oberen Bildrand ein Aplitgang. Bildbreite 90 cm.
Abb. 66: Ähnlicher, sehr titanitreicher Granit, Geschiebe von Eskilslund (Öland), Breite 17 cm.

1.8.4. Granite mit rotem und grünem Plagioklas: In Ost-Småland treten lokal biotit- und titanitreiche Granitoide mit hellrotem Alkalifeldspat und grünem sowie teilweise rot pigmentiertem Plagioklas auf. Roter Plagioklas ist auch in einigen TIB-Graniten aus Östergötland verbreitet.

Abb. 67: Anstehendprobe aus der Umgebung des Götemarplutons (S256c), Aufnahme unter Wasser.
Abb. 68: Nahaufnahme des Gefüges.

1.8.5. Granodiorit: Nicht alle Plutonite im nordöstlichen Småland sind Granite. Untergeordnet finden sich Quarzmonzonite (Quarzanteil unter 20 %) oder plagioklasreiche Glieder. Die nächste Probe ist ein Granodiorit aus der Umgebung des Uthammar-Plutons.

Abb. 69: Granodiorit (S89), Aufnahme unter Wasser.

1.8.6. TIB-Granite im Västervik-Gebiet: Im nordöstlichsten Småland, im Västervik-Gebiet, setzen sich die Granitmassive des TIB fort, bevor sie weiter nördlich von den älteren Granitoiden des Loftahammar-Massiv abgelöst werden. Die TIB-Granite sind hier stärker deformiert als ihre südlichen Verwandten. Einige Beispiele zeigt der Exkursionsbericht Västervik-Gebiet (Abb. 41-44, 52 und 53).

Exemplarisch sei der „Edelhammar-Granit“ angeführt. Er wurde in einem Steinbruch bei Västrum als Werkstein gewonnen und ist ein mittel- bis grobkörniger Granit mit braunem, stellenweise orangerot pigmentiertem Alkalifeldspat sowie teilweise zuckerkörnig granuliertem Blauquarz. Titanit ist reichlich enthalten.

Abb. 70: Stillgelegter Steinbruch im „Edelhammar-Granit“ bei Västrum (S77).
Abb. 71: Gefüge einer Probe aus dem Steinbruch, Aufnahme unter Wasser.
Abb. 72: Weitere, stärker deformierte Probe (S77) mit orangefarbenem Alkalifeldspat und reichlich zuckerkörnigem Quarz.

Auch im Västervik-Gebiet treten rote Alkalifeldspatgranite vom Växjö-Typ auf. Teilweise sind sie deutlich deformiert. Die lebhaften Blauquarze erscheinen durch Hämatitimprägnierung stellenweise violett.

Abb. 73: Alkalifeldspatgranit vom Växjö-Typ mit lebhaftem Blauquarz (S72c), Abschlag von einem Geschiebe, Aufnahme unter Wasser.

1.8.7. Älö-Granit: Ebenfalls in der nordöstlichsten Ecke von Småland ist der Älö-Granit beheimatet, nach HOLMQVIST 1906:153 ein sehr saurer, also besonders quarzreicher, und blassroter Alkalifeldspat-Granit mit wenig Plagioklas. Vom Gefüge her, insbesondere durch die hellen Aggregate von zuckerkörnigem Quarz, soll eine gewisse Übereinstimmung mit dem Vänge-Granit bestehen (Beschreibung auch in ZANDSTRA 1988:280, Anstehendproben auf skan-kristallin.de). Die Eignung des Älö-Granits als Leitgeschiebe ist nicht hinreichend belegt. Ein vergleichbarer Granit wurde auf Öland als Geschiebe gefunden.

Abb. 74: Älö-Granit (?), Geschiebe von Ramsnäs auf Öland, Breite 11,5 cm.

1.9. Literatur

HESEMANN J 1975 Kristalline Geschiebe der nordischen Vereisungen – 267 S., 44 Abb., 8 Taf., 1 Kt., Krefeld (Geologisches Landesamt Nordrhein-Westfalen).
HOLMQVIST P J 1906 Studien über die Granite von Schweden – Bulletin of the Geological Institution of the University of Uppsala VII – S. 77-269.

KORN J 1927 Die wichtigsten Leitgeschiebe der nordischen kristallinen Gesteine im norddeutschen Flachlande – Ein Führer für den Sammler kristalliner Geschiebe – VI + 64 S., 48 Farb-Abb. auf Taf. 1-6, 8 Farb-Karten auf Taf. 7-14, 1 Tab., Berlin (Preußische geologische Landesanstalt).

SMED P & EHLERS 2002 Steine aus dem Norden – Bornträger-Verlag Stuttgart, 1. Auflage 1994, 2. Auflage 2002.

WIK NG, BERGSTRÖM U, BRUUN A et al 2005 Beskrivning till regional berggrundskarta
över Kalmar län – Sveriges geologiska undersökning serie Ba nr 66, 54 S., ISBN 91-7158-699-7.

WIK NG, BERGSTRÖM U, BRUUN A et al 2005 Berggrundskartan Kalmar län – 1:250 000, Sveriges geologiska undersökning serie Ba nr 66.

ZANDSTRA J G 1988 Noordelijke Kristallijne Gidsgesteenten ; Een beschrijving van ruim tweehonderd gesteentetypen (zwerfstenen) uit Fennoscandinavië – XIII+469 S., 118 Abb., 51 Zeichnungen, XXXII farbige Abb., 43 Tab., 1 sep. Kte., Leiden etc.(Brill).

ZANDSTRA JG 1999 Platenatlas van noordelijke kristallijne gidsgesteenten, Foto’s in
kleur met toelichting van gesteentetypen van Fennoscandinavië – XII+412 S.,
272+12 unnum. Farb-Taf., 31 S/W-Abb., 5 Tab., Leiden (Backhuys).

1.10. Verzeichnis der Probenorte

Abb. 75: Lage der Probenpunkte Kinda-Granit (S142-148) sowie Flivik-Granit und Umgebung (S64-69). Karte (leicht verändert) aus: https://apps.sgu.se/kartvisare/

S34 Vånevik-Granit – Ortseingang Påskallavik (57.17829, 16.44640)
S64 Flivik-Granit – Str.Aufschl., Abfahrt Flivik von der E 22 (57.49335, 16.52182)
S65 Flivik-Granit – Steinbruch Quimbra (Zufahrt: 57.536078, 16.582352)
S66 Grobkörniger NE-Småland-Granit – Straßenaufschluss (57.52618, 16.57398)
S67 Grobkörniger NE-Småland-Granit, Kinda-Typ – Straßenaufschluss (57.514028, 16.588778)
S69 Tuna-Granit/“Gersebo-Granit“ – Straßenaufschluss 57.498331, 16.657453
S72c Granit vom Växjö-Typ – Geschiebe am Bootsanleger Östra Skälö, Västervik-Gebiet (57,589911, 16,632639)
S77 Edelhammar-Granit; alter Steinbruch bei Västrum (57.698194, 16.460917)
S84 Nahgeschiebe NE-Småland-Granitoide – Kiesgrube Fårbo (57.401891, 16.476663)
S89 Granodiorit – Str. Aufschl. NE Uthammar (57.40145, 16.61318)
S91 Nahgeschiebe Ost-Småland-Granitoide – Kiesgrube 1,5 km SE Forshult (57.24536, 16.34568)
S93 grobkörniger Blauquarzgranit – Str. Aufschl. 4 km NW Påskallavik (57.18682, 16.40905)
S103 Vånevik-Granit – Badplats Vånevik (etwa 57.179302, 16.460733)
S104 Emsfors-Granit – alter Steinbruch an der Str. 216 (57.130338, 16.439972)
S142a Småland-Monzogranit mit Blauquarz – Str. Aufschluß W von Kisa (57.98211, 15.58921)
S144 Kinda-Granit – Str. Aufschl. an der 134, NE von Kisa (58.01092, 15.76710)
S145 Kinda-Granit – Str. Aufschl. (58.00959, 15.90598)
S146 Rötlicher porphyrischer NE-Småland-Granit (Geschiebe) – Weganschnitt (57.94849, 15.91445)
S147 Monzogranit, deformiert – Felsen im Wald (Parken: 57.94748, 15.91537)
S148 Monzogranit – Str. Aufschl. ca. 20 km vor Gamleby (57.90205, 16.08556)
S246b Geschiebe NE-Småland-Kristallin – Strand nahe des Leuchtturms in Byxelkrog/Öland (57.32262, 17.00285)
S255d NE-Småland-Granit (Geschiebe) – Kiesgrube südlich vom Götemar-Pluton (57.45415, 16.60078)
S256c – Roter Småland-Granit mit rotem und grünem Plagioklas – Str. Aufschl. nahe des Götemaren (57.45053, 16.63260)
S257 Vånevik-Granit – Stenhuggermuset Norra Vånevik (57.185717, 16.452244)

Exkursionsbericht Öland 3 – Anorogene Ostsmåland-Granite

Abb. 135: Blick von Hagskog auf Öland zur Insel Blå Jungfrun im nördlichen Kalmarsund.

3.1. Uthammar-Granit
3.2. Götemar-Granit
3.3. Jungfrun-Granit
3.4. Funde mit ungewisser Zuordnung

Der dritte und letzte Teil des Exkursionsberichtes Öland widmet sich den Geschiebefunden anorogener Ostsmåland-Granite (Uthammar-, Götemar- und Jungfrun-Granit). Sie sind von besonderem geschiebekundlichen Interesse, aber ihre Bestimmung als Geschiebe ist mit einigen Schwierigkeiten verbunden. Mit einem Alter von etwa 1,45 Ga weisen sie ein etwas jüngeres Alter auf als die weit verbreiteten TIB-Granite (1,8-1,7 Ga) und besitzen einige Gefügemerkmale, die sie als „anorogen“ (= unabhängig von einer Gebirgsbildung entstanden) kennzeichnen. Ihre Vorkommen liegen nur wenige Kilometer von Öland entfernt und in Zugrichtung der letzten nordischen Inlandvereisung (Abb. 136). Dass die Gesteine auch weiter südlich ihres Haupttransportweges zu finden sind (Äleklinta), dürfte mit einem küstenparallelen Transport von Geschieben erklärbar sein.

Abb. 136: Kartenskizze der Vorkommen anorogener 1,45 Ga-Granite in Ostsmåland, der Fundorte von Geschieben auf Öland und der dominanten Zugrichtung der Gletscher während der letzten Inlandvereisung (Kartenausschnitt verändert nach WIK et al 2005).
Abb. 137: Anorogene Ostsmåland-Granite, Ramsnäs, Bildbreite 28 cm. Oben links Götemar-Granit, oben rechts Jungfrun-Granit; unten ein gewöhnlicher roter Småland-Granit.

Uthammar-, Götemar- und Jungfrun-Granit kommen auf Öland zwar nicht gerade massenhaft, aber regelmäßig als Geschiebe vor. Der anorogene Charakter dieser Granite äußert sich in ihrem undeformierten Mineralgefüge (s. u.), allerdings sind bei der Bestimmung einige Schwierigkeiten zu berücksichtigen:

  • Götemar- und Jungfrun-Granit dürften ganz ähnliche Gefügevarianten ausbilden und als Geschiebe nicht immer ihrem jeweiligen Vorkommen zuzuordnen sein. Vom Jungfrun-Granit liegen zudem nur sehr wenige Vergleichsproben aus dem Anstehenden vor.
  • Das rapakiwiartige Gefüge beider Granite, mehr noch des Jungfrun-Granits, birgt eine Verwechslungsgefahr mit Gesteinen aus Rapakiwi-Vorkommen. Porphyrische Rapakiwis können ähnliche Farben von Alkalifeldspat, Quarz und Plagioklas aufweisen. Dies gilt auch für das Gefüge aus idiomorphen bis körnigen Quarzen sowie einer ersten Quarz-Generation mit größeren zonierten und runden Quarzen.
  • Der Uthammar-Granit ist mit den gewöhnlichen roten Alkalifeldspat-Graniten des TIB verwechselbar. Bei der Bestimmung gilt es, auf spezifische Merkmale zu achten, die für eine anorogene Entstehung sprechen, aber nicht immer klar zu Tage treten.
  • Der anorogene „undeformierte Virbo-Granit“ (Hesemann 1975:36), eine Spielart des Uthammar-Granits aus dem südwestlichen Teil des Massivs, ist als Geschiebe wahrscheinlich nicht erkennbar.

Ergeben sich bereits auf Öland, nahe dem Anstehenden, Schwierigkeiten bei der Bestimmung, ist bei Geschiebefunden in Norddeutschland besondere Sorgfalt angebracht. Damit stellt sich auch die Frage nach der Eignung dieser Granite als Leitgeschiebe, die hier aber nicht abschließend beantwortet werden soll. Ein Vergleich mit Anstehendproben ist auf jeden Fall empfehlenswert. Hinsichtlich der geringen Ausdehnung der Vorkommen dürften alle anorogenen Ostsmåland-Granite zu den seltenen Geschiebefunden zählen.

Gemeinsames Merkmal ist das Fehlen von tektonischer Deformation und das Vorhandensein (wenigstens einzelner) idiomorpher Quarze und Glimmerminerale. Tektonische Deformation ist in den älteren TIB-Graniten regelmäßig zu beobachten und äußert sich in einer bevorzugten Ausrichtung des gesamten oder eines Teils des Mineralbestandes. Vor allem die plattigen Glimmerminerale neigen zur Einregelung und bilden gestreckte, parallel verlaufende Aggregate oder unregelmäßig im Gestein verteilte Ansammlungen. Ein Teil des Quarzes kann zuckerkörnig granuliert sein (meist nur auf einer Bruchfläche sichtbar). Idiomorphe Quarze fehlen weitgehend. Alle diese genannten Gefügemerkmale einer Deformation sind ein Ausschlusskriterium bei der Bestimmung!

3.1. Uthammar-Granit

Der Uthammar-Granit besteht im Wesentlichen aus hellrotem Alkalifeldspat und Quarz. Die Feldspäte erreichen eine Größe von 2 cm und besitzen unregelmäßige Umrisse, wenige von ihnen sind rechteckig. Bei Verwitterung kann der Feldspat einen orangeroten Farbton annehmen (Abb. 139). Klarer bis leicht trüber, manchmal auch bläulicher und xenomorpher Quarz füllt die Räume zwischen den Alkalifeldspäten. Kleine idiomorphe Quarze, manchmal auch mit Quarz gefüllte Risse treten vereinzelt innerhalb der roten Feldspäte auf. Biotit ist nur in geringer Menge vorhanden, bildet aber regelmäßig sechseckige idiomorphe Plättchen, ein wichtiger Hinweis auf das undeformierte Mineralgefüge. Der Uthammar-Granit kann leicht mit grobkörnigen roten Småland-Graniten verwechselt werden. Biotit tritt hier nicht idiomorph, sondern in Form von Ansammlungen oder streifigen Aggregaten auf (Abb. 141).

Abb. 138: Uthammar-Granit, Geschiebe von Älekinta, Breite 18 cm. Einzelne Feldspäte weisen mit Quarz gefüllte Risse auf.
Abb. 139: Uthammar-Granit. In der Vergrößerung erkennt man einzelne Biotitplättchen mit annähernd sechseckigem Umriss sowie einige idiomorphe Quarze in den Alkalifeldspäten. Hagskog, Breite 14 cm.
Abb. 140: Uthammar-Granit? Bestimmung unsicher, es fehlen die idiomorphen Quarze in den Alkalifeldspäten und die sechseckigen idiomorphen Glimmerplättchen. Äleklinta. Breite 15 cm.
Abb. 141: TIB-Granit aus Ostsmåland (kein Uthammar-Granit). Biotit ist in größerer Menge enthalten und bildet Ansammlungen und kleine Streifen; keine idiomorphen Quarze. Äleklinta, Breite 13 cm.

Das nächste Geschiebe weist Merkmale des Uthammar-Granits auf, enthält aber etwas mehr dunkle Minerale sowie Plagioklas. Alkalifeldspat, auf der angewitterten Oberfläche hell orangefarben, zeigt auf der Schnittfläche ein deutlich dunkleres Rot. Das Gestein könnte aus dem südwestlichen Teil des Uthammar-Plutons stammen.

Abb. 142: Wahrscheinlich ein Uthammar-Granit mit etwas mehr dunklen Mineralen. Äleklinta, Aufnahme unter Wasser.
Abb. 143: Nahaufnahme der nassen Oberfläche. Das Gestein enthält etwas grünen und orangegelben, teilweise rot pigmentierten und offenbar stark alterierten Plagioklas.
Abb. 144: Gleicher Stein, polierte Schnittfläche. Das Gefüge erscheint undeformiert; hellgrauer bis schwach bläulicher Quarz kommt fast ausschließlich in xenomorphen Körnern vor. Vereinzelt finden sich kleine idiomorphe Quarze innerhalb der Alkalifeldspäte.
Abb. 145: Das Gestein enthält reichlich hellgelbe, teils typisch keilförmige Titanit-Kristalle. Einige Biotitplättchen weisen einen sechseckigen Umriss auf.

3.2. Götemar-Granit

Der grobkörnige Alkalifeldspatgranit besteht im Wesentlichen aus rotbraunem, bis 2 cm großem Alkalifeldspat und dunkelgrauem Quarz. Die Feldspäte bilden häufig Karlsbader Zwillinge. Quarz kommt in mehreren Generationen vor. Es überwiegen rundliche Körner, die den Raum zwischen den Alkalifeldspäten ausfüllen. Einige größere Quarze der ersten Generation weisen eine bläuliche Zonierung auf. Darüber hinaus finden sich auch idiomorphe Quarze in kleiner Menge, insbesondere als Einschluss innerhalb der Alkalifeldspäte. Plagioklas (grün oder gelblich) ist nur untergeordnet enthalten, bekannt sind aber auch plagioklasreiche Varianten. Dunkle Minerale (Biotit) kommen in geringer Menge vor. Regelmäßige Akzessorien sind silbrig glänzender Hellglimmer, gelblicher bis brauner Titanit und violetter Fluorit.

Abb. 146: Götemar-Granit von Ramsnäs, Breite 12 cm.
Abb. 147: Gleicher Stein, Aufnahme unter Wasser. Die Quarze sind angeschlagen und erscheinen auf der Gesteinsoberfläche recht hell.
Abb. 148: Nahaufnahme der nassen Oberfläche; kleine idiomorphe Quarze innerhalb der Alkalifeldspäte; einige gelbe und braune Titanit-Kristalle innerhalb der dunklen Minerale.
Abb. 149: Auf der polierten Schnittfläche offenbart sich die durchgehend dunkelgraue Tönung der Quarze und eine dunklere Färbung der Alkalifeldspäte.
Abb. 150: Einzelne größere Quarze weisen eine Zonierung auf (rechts). Am linken Bildrand ist violetter Fluorit erkennbar.

Der nächste Fund zeigt schon auf der Außenseite einige dunkelgraue sowie zonierte größere Quarze. Letztere sind Merkmale des Götemar-Granits, nur die schmal-länglichen Alkalifeldspäte passen nicht so recht ins Bild. Der Granit-Typ wurde auf Öland mehrmals gefunden.

Abb. 151: Götemar-Granit, Hagskog, Breite 15,5 cm.
Abb. 152: Nahaufnahme der nassen Oberfläche.
Abb. 153: Auf der polierten Schnittfläche erscheinen Quarz und Alkalifeldspäte insgesamt dunkler.
Abb. 154: Einzelne größere Quarze besitzen eine bläuliche Zonierung.
Abb. 155: Interessant sind die länglichen Plagioklase mit einem grünen oder orangegelben Kern (bzw. einer braunen Mischfarbe) und einem farblos-transparentem Rand. Offenbar handelt es sich um mehrere Plagioklas-Generationen, von denen nur das Frühkristallisat (die Kerne) stark hydrothermal alteriert wurde.

Ein weiterer grobkörniger Alkalifeldspatgranit mit dunkelgrauen Quarzen und etwas grünem Plagioklas. Neben überwiegend xenomorph ausgebildetem Quarz sind auch einzelne kleinere idiomorphe sowie größere zonierte Quarz erkennbar.

Abb. 156: Götemar-Granit, Ramsnäs, Breite 13 cm.

3.3. Jungfrun-Granit

Die Insel Blå Jungfrun ist schon lange als Naturschutzgebiet ausgewiesen und eine Entnahme von Anstehendproben nicht gestattet. Daher liegen nur wenige Vergleichsproben vom Jungfrun-Granit vor. Öland bietet die einzige Möglichkeit, das Gestein zumindest als Geschiebe kennenzulernen.

Der Jungfrun-Granit ist grobkörniger als der Götemar-Granit und enthält mehr idiomorphe Quarze, die zudem zur Kranzbildung um die Alkalifeldspäte neigen. Rotbrauner, im angewitterten Zustand blassroter Alkalifeldspat erreicht eine Größe von 3-5 cm. Die teils runden, teils idiomorphen Quarzkörner sind sehr dunkel. Auch einige größere runde Quarze (bis 8 mm) treten auf, eine Zonierung wie im Götemar-Granit scheint aber nicht vorzukommen oder ist allenfalls schwach ausgeprägt. Plagioklas findet sich in etwas größerer Menge und ist rot bis rotbraun, manchmal auch grün gefärbt. Gelegentlich bildet er einen dicken grünen Saum um einzelne Alkalifeldspäte. Dunkle Minerale (Biotit) sind in geringer Menge enthalten, akzessorisch tritt Titanit auf.

Abb. 157: Grobkörniger anorogener Granit, Jungfrun-Granit, Geschiebe am Strand von Eskilslund, Breite 15 cm.
Abb. 158: Aufnahme der Außenseite unter Wasser.
Abb. 159: Gleicher Stein, polierte Schnittfläche. Zahlreiche eckige (idiomorphe) Quarze sind erkennbar.
Abb. 160: Die größeren Quarzkörner weisen keine oder nur eine unauffällige Zonierung auf.

Der nächste Granit ist weniger grobkörnig, enthält aber zahlreiche idiomorphe Quarze, die zur Kranzbildung um die roten Alkalifeldspäte neigen.

Abb. 161: Jungfrun-Granit, Geschiebe von Ramsnäs, Breite 12 cm.
Abb. 162: Gleicher Stein, Aufnahme unter Wasser.
Abb. 163: Einzelner Alkalifeldspat mit einem rotbraunen Plagioklas-Saum; am rechten Bildrand ein größerer zonierter Quarz.

3.4. Funde mit ungewisser Zuordnung

Eine Reihe von Geschiebefunden konnte als anorgener Småland-Granit bestimmt, aber nicht eindeutig dem Götemar- oder Jungfrun-Granit zugeordnet werden. Das Götemar-Massiv ist einigermaßen gut beprobt, bekannt sind grob-, mittel- und feinkörnige sowie porphyrische Gefügevarianten. Vom Jungfrun-Massiv ist eine vergleichbare Bandbreite zu erwarten, allerdings gibt es nur wenige Vergleichsproben. Markante Unterschiede dürften nur bei den grobkörnigen Varianten bestehen.

Abb. 164: Etwa 1,20 breiter Granitblock am Strand von Äleklinta. Die schwach kantengerundete Form des Steins spricht für einen kurzen Transportweg.
Abb. 165: Nahaufnahme des Gefüges, nasse Oberfläche. Hellrote und rechteckige Alkalifeldspäte mit kräftiger perthitischer Entmischung sind von hellen Quarzen umgeben. Einzelne Alkalifeldspäte enthalten kleine idiomorphe Quarze. Darüber hinaus findet sich etwas gelblicher bis grüner Plagioklas und Biotit.
Abb. 166: Anorogener Ostsmåland-Granit mit etwas dunkleren Quarzen, viele davon idiomorph, einige größere mit Zonierung. Das Gefüge ähnelt einem porphyrischem Rapakiwi. Äleklinta, Breite 15 cm.
Abb. 167: Nahaufnahme.
Abb. 168: Ungleichkörniger anorogener Ostsmåland-Granit mit erhöhtem Anteil an orangegelbem Plagioklas. Äleklinta, Breite 18 cm.
Abb. 169: Nahaufnahme, Bildbreite 9 cm. Mindestens 3 Generationen Quarz sind erkennbar: 1. große zonierte Quarze, 2. graue xenomorphe bis idiomorphe Quarze zwischen den Feldspäten, 3. winzige eckige Quarze, teilweise als Saum um einzelne Alkalifeldspäte (z. B. der Karlsbader Zwilling rechts im Bild).

4. Literatur

BARTOLOMÄUS WA & POPP A 2018 Geschiebe des Jahres 2018 (sedimentär):
,Blomminga bladet‘ (Blumenschicht) an der Basis des Orthocerenkalks
(Ordovizium) – Geschiebekunde aktuell 34 (1): 5-14, 4 farb. Abb., 1 Tab., Hamburg
/ Greifswald.

GRAVESEN P 1993 Fossiliensammeln in Südskandinavien – 245 S., Goldschneck Verlag.

HESEMANN J 1975 Kristalline Geschiebe der nordischen Vereisungen – 267 S., 8 Taf.
(1 Taf. im Anh.), 44 Abb., 29 Tab., 1 Kte., Krefeld (Geologisches Landesamt
Nordrhein-Westfalen).

PATRUNKY H 1925 Die Geschiebe der silurischen Orthocerenkalke ‒ I. Geologischer Teil – Zeitschrift für Geschiebeforschung 1 (2): 58-95, 2 Tab., Berlin (Borntraeger).

RUDOLPH F 2017 Das große Buch der Strandsteine ; Die 300 häufigsten Steine an
Nord- und Ostsee – 300 S., zahlr. farb. Abb., Neumünster (Wachholtz Murmann
Publishers), ISBN 978-3-529-05467-9.

SCHULZ W 2003 Geologischer Führer für den norddeutschen Geschiebesammler –
508 S., 446+42 meist farb. kapitelweise num. Abb., 1 Kte. als Beil., Schwerin (cw
Verlagsgruppe).

STOUGE S 2004 Ordovician siliciclastics and carbonates of Öland, Sweden – Erlanger geologische Abhandlungen, Sonderband 5, S. 91-111.

VOLLBRECHT A & WEMMER K 2019 Geologische Exkursion Südost-Schweden – Band 79 der Reihe „Göttingen Contributions to Geosciences“, Universitätsverlag Göttingen 2019, S. 53-84, ISBN: 978-3-86395-413-0, DOI: https://doi.org/10.17875/gup2019-116.

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WIK NG, BERGSTRÖM U, BRUUN A et al 2005 Berggrundskartan Kalmar län – 1:250 000, Sveriges geologiska undersökning serie Ba nr 66.

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272+12 unnum. Farb-Taf., 31 S/W-Abb., 5 Tab., Leiden (Backhuys).

Exkursionsbericht Öland 2 – Kristallingeschiebe

Abb. 42: Kartenskizze mit den Heimatgebieten einiger Kristallingesteine in Ost-Småland und den Geschiebefundorten auf Öland. Der Pfeil markiert die Hauptzugrichtung des Eises während der letzten Vereisung. Karte verändert nach: WIK et al 2005: Berggrundskartan Kalmar län – 1:250 000.

2.1. Äleklinta
2.2. Byxelkrog
2.3. Eskilslund
2.4. Hagskog
2.5. Ramsnäs

Das Sammeln von Nahgeschieben auf Öland bietet einen Einblick in die Gesteine des nahen Grundgebirges in Ost- und Nordost-Småland und ist eine vergleichsweise bequeme Abwechslung zum mühsamen Sammeln von Anstehendproben. Die Gletscher der nordischen Inlandvereisungen transportierten Gesteine auf dem Festland nur über geringe Distanzen, in der Regel wenige Zehnerkilometer. Auch Öland dürfte damals Festland gewesen sein und der Meeresspiegel bedeutend niedriger gelegen haben als heute. An den Inselstränden finden sich ganz überwiegend Kristallingeschiebe aus dem östlichen und nordöstlichen Småland, dem Gebiet entgegen der vorherrschenden südöstlichen Zugrichtung des Eises. Zur Lage der Fundlokalitäten s. Abb. 3 im ersten Teil des Exkursionsberichtes.

Von Strand zu Strand unterscheidet sich die Geschiebegemeinschaft. Ganz klar dominieren granitoide Gesteine des Transskandinavischen Magmatitgürtels (TIB) aus Ost- und Nordost-Småland und dem südlichen Östergötland. Dabei lassen sich grob drei Gefügevarianten unterscheiden:

  1. gleichkörnige Alkalifeldspatgranite vom Växjö-Typ mit rotem bis rotbraunem Alkalifeldspat, häufig mit lebhaftem Blauquarz (z. B. Abb. 43);
  2. grobkörnige rote Alkalifeldspatgranite (z. B. Abb. 48);
  3. dunkle und porphyrische Monzogranite mit Blauquarz, braunem Alkalifeldspat, gelbem oder orangefarbenem Plagioklas sowie reichlich Titanit (z. B. Abb. 53). Zu diesem Granittyp gehört auch der Kinda-Granit (z. B. Abb. 82). Der Anteil dieses Geschiebetyps nimmt nach Norden hin zu.

Funde der geschiebekundlich interessanten anorogenen Ost-Småland-Granite (Uthammar-, Götemar- und Jungfrun-Granit) werden im dritten Abschnitt vorgestellt.

Vulkanite und Porphyre des TIB sind nur vereinzelt anzutreffen (meist Gangporphyre), was wenig verwunderlich ist, denn ihr Herkunftsgebiet liegt entweder weiter südlich (Påskallavik-Porphyr oder die hälleflintartigen Småland-Vulkanite mit wenigen Feldspat-Einsprenglingen aus dem Gebiet um Växjö) oder zu weit westlich. Denn auch Porphyre aus dem Vulkanitgebiet von Lönneberga wie Lönneberga-Porphyr oder der Nymåla-Porphyrtyp kommen auf Öland nicht vor (lediglich ein Emarp-Porphyr wurde gesichtet, Abb. 56).

Der Anteil an Ferngeschieben ist gering. Regelmäßig fallen allerdings einzelne Rapakiwigranite vom Åland-Pluton ins Auge (z. B. Abb. 68-69). Der Åland-Pluton liegt über 350 NNW von Öland und nicht in Zugrichtung der letzten Vereisung. Eine Besonderheit sind gleich zwei Funde von Rödö-Rapakiwis aus Nordschweden am Strand von Eskilslund (Abb. 99-102).

Auch svekofennische Gesteine sind nur vereinzelt zu finden, z. B. die spätorogenen grauen Plutonite (Uppland-Granite) oder auch allgemein Gneise und Migmatite. Eine Ausnahme bilden lokale Häufungen von Fleckengesteinen mit den dazugehörigen Quarziten aus dem nahen Västervik-Gebiet (Lokalität Ramsnäs). Der Loftahammar-Augengneis in typischer Ausbildung tritt hingegen kaum in Erscheinung.

2.1. Äleklinta

Neben den im ersten Abschnitt besprochenen Sedimentgesteinen (mittelkambrische Sandsteine, Anthrakonite, Orthocerenkalke etc.) treten an der Lokalität Äleklinta auch Kristallingeschiebe auf. Durch ihre Farbigkeit und den Kontrast sind sie leicht zu lokalisieren, kaum eines der vereinzelten Geschiebe entgeht dem Blick. Unter den TIB-Graniten finden sich reichlich gleichkörnige bis schwach porphyrische, meist mittelkörnige Alkalifeldspatgranite vom Växjö-Typ mit lebhaftem Blauquarz (Abb. 43-46).

Abb. 43: Alkalifeldspatgranit vom Växjö-Typ; rosafarbener bis bräunlicher Alkalifeldspat, reichlich Blauquarz und Titanit in den Biotit-Ansammlungen. Breite 12,5 cm. Es besteht eine Ähnlichkeit zum Vånevik-Granit, allerdings liegt das Vorkommen direkt westlich vom Fundort.
Abb. 44: Alkalifeldspatgranit, Breite 12 cm.
Abb. 45: Brauner Granit mit Blauquarz, Breite 13,5 cm.
Abb. 46: Mittelkörniger Småland-Granit vom Växjö-Typ, Breite 13 cm.

Grobkörnige rote Småland-Granite mit grauem oder blauem Quarz, kaum Plagioklas
(Abb. 47-52):

Abb. 47: Roter Småland-Granit; einige Risse innerhalb der Feldspäte sind mit dunklen Mineralen verfüllt. Breite 10,5 cm.
Abb. 48: gewöhnlicher roter Småland-Alkalifeldspatgranit, Breite 11 cm.
Abb. 49: roter Småland-Granit. In den Zwickeln zwischen Alkalifeldspat und Quarz ist eine feinkörnige grüne und epidotähnliche Masse erkennbar. Breite 15 cm.
Abb. 50: Ungleichkörniger roter Ost-Småland-Granit mit reichlich Titanit. Breite 12,5 cm.

Die typischen porphyrischen NE-Småland-Granite mit braunem Alkalifeldspat, trübem und leicht bläulichem Quarz und orangefarbenem Plagioklas sowie Titanit treten in Äleklinta nur untergeordnet auf.

Abb. 51: Småland-Granit mit rotem bis braunem Alkalifeldspat, Blauquarz, etwas gelblichem Plagioklas und Biotit. Breite 12,5 cm.
Abb. 52: Geht man etwas näher heran, erkennt man viel gelblichen Titanit. Bildbreite 80 mm.
Abb. 53: Titanitführender porphyrischer NE-Småland-Granit aus braunem Alkalifeldspat, trübem und leicht bläulichem Quarz und orangefarbenem Plagioklas. Breite 13 cm.
Abb. 54: Ungleichkörniger NE-Småland-Granit; einzelner größerer Alkalifeldspat mit orangefarbenem Plagioklas-Saum. Breite 12 cm.

Ein alter Bekannter und ein Leitgeschiebe für das mittlere Småland ist der Järeda-Granit, der mehrmals in Äleklinta angetroffen wurde. Typisch sind die mit dunklen Mineralen gefüllten parallelen Risse innerhalb der Alkalifeldspäte.

Abb. 55: Järeda-Granit, Breite 10,5 cm.

Ebenfalls aus dem mittleren Småland stammt der Emarp-Porphyr (Einzelfund in Äleklinta).

Abb. 56: Emarp-Porphyr, Breite 12 cm.

Der nächste Fund ähnelt dem „Högsrum-Porphyr“. Sein Herkunftsgebiet liegt allerdings weiter südlich und nicht in der Zugrichtung des Eises. Vermutlich treten Porphyre vom Högsrum-Typ nicht nur an ihrer Typlokalität auf.

Abb. 57: Deformierter Gangporphyr, Breite 19 cm.
Abb. 58: Rotbrauner deformierter Småland-Gangporphyr, ähnlich dem Påskallavik-Typ, mit runden Blauquarzen. Es fehlen die dunklen Kerne innerhalb der Alkalifeldspäte. Breite 15 cm.
Abb. 59: Roter Granitporphyr mit runden Feldspat-Einsprenglingen. Breite 17 cm.
Abb. 60: Nahaufnahme, Bildbreite 10 cm.

Der nächste Granit ist ein grobkörniges, rot-orangefarbiges Gestein mit viel Titanit. Sein Habitus entspricht weitgehend dem „massiven Typ Virbo-Granit“ (TIB-Granit, ZANDSTRA 1999:164), anstehend bei Saltvik, unmittelbar südlich vom Uthammar-Pluton.

Abb. 61: Virbo-Granit, massiger Typ, Breite 10 cm.
Abb. 62: Nahaufnahme; gelblicher Titanit innerhalb der dunklen Mineralaggregate.
Abb. 63: Roter, vermutlich metasomatisch überprägter Plutonit (Quarzsyenit), Breite 18 cm.
Abb. 64: Nahaufnahme. Viel Quarz ist nicht zu entdecken. Das Gestein besteht aus rotem Alkalifeldspat und grünem, stellenweise auch weißem Plagioklas (Quarzsyenit). Das Dunkelrote sind Hämatitflecken, Titanit ist reichlich enthalten.
Abb. 65: Småland-Granit mit leichter Deformation, erkennbar an der Einregelung der dunklen Minerale. Das Gestein führt keinen Titanit; der Gefügetyp wurde mehrfach als Geschiebe angetroffen. Breite 19 cm.
Abb. 66: Roter Småland-Granit, Breite 16 cm.

Das Gefüge des Granits in Abb. 67 weicht durch den Kontrast zwischen rosafarbenem Alkalifeldspat und weißem Plagioklas deutlich ab von den bisher gezeigten Proben (Einzelfund, Emsfors-Granit?).

Abb. 67: Granit mit grauem Quarz; einige Alkalifeldspäte besitzen einen hellen Plagioklas-Saum. Breite 13 cm.

Hin und wieder finden sich in Äleklinta auch Rapakiwi-Geschiebe. Ihr Transportweg ist unklar, denn alle Rapakiwivorkommen, insbesondere der Åland-Pluton, liegen nicht in der Hauptzugrichtung der letzten Inlandvereisung.

Abb. 68: Mischgefüge Pyterlit/porphyrischer Rapakiwi, vermutlich von Åland. Breite 13,5 cm.
Abb. 69: Heller Wiborgit/gleichkörniger Rapakiwi, vermutlich von Åland. Breite 13 cm.
Abb. 70: Mischgestein, Granitporphyr, ähnlich dem Åland-Ringquarzporphyr. Breite 10,5 cm.

Der letzte Fund aus Äleklinta zeigt ein interessantes Gefüge. In den Zwickeln zwischen den roten Alkalifeldspäten sind rote bis gelbliche und eckige graphische Verwachsungen erkennbar. Die Herkunft des Gesteins ist unbekannt.

Abb. 71: Hellroter Granit mit graphischen Verwachsungen. Bildbreite 20 cm.

2.2. Byxelkrog

Etwa 500 m nördlich von Byxelkrog (letzter Parkplatz vor der Lokalität Neptuni åkrar) liegen am Strand einige große Geschiebe. Die Bedingungen zum Fotografieren vor Ort waren schlecht, daher fehlen einige Nahaufnahmen.

Abb. 72: Strand nördlich von Byxelkrog.
Abb. 73: Porphyrischer brauner Småland-Östergötland-Granit mit gelbem Plagioklas. Für einen Kinda-Granit fehlen die partiellen Plagioklassäume um die braunen Alkalifeldspäte. Bildbreite 19 cm.
Abb. 74: Porphyrischer Monzogranit mit blassrotem bis grauviolettem Alkalifeldspat und weißem Plagioklas (kein Titanit). Bildbreite 22 cm.
Abb. 75: Großes Geschiebe eines dunklen Fleckengesteins, Breite 36 cm.
Abb. 76: Länglicher Einschluss eines dunklen Fleckengesteins (oder fleckigen Metabasits) in einem roten Småland-Granit. Breite 40 cm.

Südlich von Byxelkrog am Enerumsvägen, vor dem Campingplatz und dem Leuchtturm, lassen sich am Strand maximal handgroße Kristallingeschiebe sammeln.

Abb. 77: Repräsentative Auswahl an Geschieben vom Strand bei Byxelkrog. Bildbreite 41 cm.

Hier finden sich deutlich mehr braune porphyrische Monzogranite (einige vom Typ Kinda-Granit) als in Äleklinta, neben gewöhnlichen mittel- bis grobkörnigen roten Småland-Graniten. Der Anteil an stärker deformierten Graniten – teilweise auch Augengranite, aber keine Loftahammar-Typen – ist höher als an den weiter südlich gelegenen Fundlokalitäten (Abb. 79).

Abb. 78: Einige Granitgeschiebe, näher fotografiert. Bildbreite 26 cm.
Abb. 79: Quarzreicher und leicht deformierter Blauquarzgranit. Schmutzig-grüner Plagioklas bildet Säume um die roten Alkalifeldspäte. Das Gestein enthält reichlich Titanit. Aufnahme unter Wasser.
Abb. 80: Gleichkörniger Småland-Granit vom Typ Tuna-Granit, nass fotografiert.
Abb. 81: Nahaufnahme des Gefüges.
Abb. 82: Kinda-Granit, Aufnahme unter Wasser.
Abb. 83: Graues Fleckengestein, quarzitisches Metasediment mit dunklen Cordierit-Flecken, wahrscheinlich aus dem Västervik-Gebiet.

2.3. Eskilslund

An der weitgehend monotonen, aus Grauem Orthocerenkalk bestehenden Küste von Eskilslund finden sich auch kleinere Strandabschnitte mit Kristallingeschieben. Häufig sind grobkörnige rote Småland-Granite und Augengranite, aber auch porphyrische Monzogranite sowie unterkambrische Kalmarsund-Sandsteine (s. Abb. 23-28 in Teil 1).

Abb. 84: Küste bei Eskilslund, Blick auf die Insel Blå Jungfrun.
Abb. 85: Strandabschnitt mit Kristallingeschieben.
Abb. 86: Titanitreicher Småland-Monzogranit mit blassrotem Alkalifeldspat und gelblichem Plagioklas; ähnlich Kinda-Typ, mit unvollständigen Plagioklas-Säumen um einzelne Alkalifeldspäte. Breite 9 cm.
Abb. 87: Småland-Monzogranit mit rotem Plagioklas (spricht für nördlichere Herkunft: Östergötland-Granite enthalten gelegentlich roten Plagioklas). Breite 9 cm.

Typische, wenn auch weniger auffällige NE-Småland-Granite sind grobkörnige Granite mit hellrotem Alkalifeldspat, reichlich Titanit und grünem sowie etwas rotem Plagioklas. Eine entsprechende Anstehendprobe konnte in der Umgebung vom Götemar-Pluton gesammelt werden.

Abb. 88: NE-Småland-Granit mit rotem und grünem Plagioklas, Breite 13 cm.

Am Strand fanden sich auch grobkörnige und leicht deformierte Granite vom Virbo-Typ (Abb. 89-91).

Abb. 89: NE-Småland-Granit, Typ Virbo-Granit. Breite 17 cm.
Abb. 90: Nahaufnahme.
Abb. 91: NE-Småland-Granit, Typ Virbo-Granit. Breite 17 cm.
Abb. 92: Plutonit mit geringem Quarzanteil (Monzonit bis Quarzmonzonit) aus blassrotem Alkalifeldspat und orangefarbenem Plagioklas (wahrscheinlich aus NE-Småland). Breite 17 cm.
Abb. 93: Nahaufnahme.
Abb. 94: Ungewöhnliche Farbkombination: orangeroter Granit mit weißem Plagioklas, Breite 15,5 cm.
Abb. 95: Grauer Gangporphyr mit Einschlüssen basischer Gesteine und wenig Quarz (klare runde Aggregate), Breite 20 cm.
Abb. 96: Nahaufnahme, Bildbreite 140 mm.
Abb. 97: Porphyrischer Monzogranit mit grünlichem und rotem (Mischfarbe: braun) Plagioklas. Der Typ wurde mehrfach auf Öland und in einer Kiesgrube in E-Småland beobachtet. Herkunft: vermutlich nördliches Småland – südliches Östergötland. Breite 20 cm.
Abb. 98: Helsinkitähnliches Gestein. Innerhalb der feinkörnigen rötlichen Masse zwischen den weißen Feldspäten ist etwas Blauquarz erkennbar. Breite 13 cm.

In Eskilslund fanden sich zwei Rapakiwis vom Rödö-Massiv in Nordschweden. Die hellen Feldspat-Ovoide im zweiten Fund (Abb. 101-102) erreichen allerdings kaum 2 cm (wichtiges Erkennungsmerkmal!).

Abb. 99: Rödö-Rapakiwi mit Wiborgitgefüge. Breite 21 cm.
Abb. 100: Nahaufnahme.
Abb. 101: Rödö-Rapakiwi mit Wiborgitgefüge (dicker Plagioklassaum rechts unten im Bild). Aufnahme unter Wasser.
Abb. 102: Nahaufnahme der nassen Oberfläche. Die großen runden und klaren Quarze der ersten Generation weisen kaum Spuren einer magmatischen Korrosion auf.
Abb. 103: Porphyr mit Ringquarzen aus einem Rapakiwi-Vorkommen. Die roten Partien bestehen aus graphischen Verwachsungen von Feldspat und Quarz. Breite 12,5 cm.

2.4. Hagskog

Am Strand von Hagskog fanden sich vergleichsweise häufig anorogene Ost-Småland-Granite (Götemar- oder Jungfrun-Granit, s. Teil 3 des Berichts) sowie Granite vom Kinda-Typ.

Abb. 104: Granit vom Kinda-Typ mit reichlich Titanit. Breite 13 cm.
Abb. 105: Kinda-Granit mit reichlich Titanit. Breite 15 cm.
Abb. 106: Västervik-Fleckenquarzit mit reliktischer sedimentärer Schichtung; Breite 17 cm.
Abb. 107: Auffälliger porphyrischer (Östergötland?)-Granit mit gelbem Alkalifeldspat, orangerotem Plagioklas und Blauquarz. Bildbreite 18 cm.
Abb. 108: Orangefarbener porphyrischer Rapakiwi-Granit, Herkunft unbekannt. Breite 14 cm.

2.5. Ramsnäs

Ramsnäs bietet die besten Fundmöglichkeiten für Kristallingeschiebe, Kalksteine sind hier deutlich in der Unterzahl. Unter den TIB-Graniten überwiegen rote Smålandgranite und braune porphyrische Monzogranite, darunter viele vom Kinda-Typ.

Abb. 109: Geröllstrand von Ramsnäs.
Abb. 110: Rote Smålandgranite und braune porphyrische Monzogranite. Bildbreite ca. 50 cm.

Auch Metasedimente, ganz offensichtlich aus dem Västervik-Gebiet, finden sich auffällig häufig: blassviolette und graue Quarzite, rote Granofelse mit schwarzen Cordierit-Flecken („Västervik-Fleckengestein“, deformiert und undeformiert) sowie hell- bis dunkelgraue Quarzite mit weißen Sillimanitflecken („Västervik-Fleckenquarzit“).

Abb. 111: Västervik-Fleckengestein, leicht deformiert. Breite 26 cm.
Abb. 112: Västervik-Fleckengestein, Breite 11,5 cm.
Abb. 113: Metasediment mit schwarzen Flecken, Breite 13 cm.
Abb. 114: Grauer Västervik-Fleckenquarzit, Breite 13 cm.
Abb. 115: Dunkelgrauer Västervik-Fleckenquarzit, Breite 9 cm.
Abb. 116: Blauer Quarzit mit rötlichem Feldspat; in vergleichbarer Form aus dem Västervik-Gebiet bekannt. Breite 12,5 cm.

Der mittelkörnige und nur schwach porphyrische Flivik-Granit in typischer Ausbildung ist ein seltener Fund auf Öland. Man beachte den hohen Gehalt an Blauquarz und seine gleichmäßige Verteilung im Gestein.

Abb. 117: Flivik-Granit, Breite 21 cm.
Abb. 118: Nahaufnahme des Gefüges.
Abb. 119: Kinda-Granit, Breite 12 cm.
Abb. 120: Kinda-Granit, Breite 15 cm.
Abb. 121: Kinda-Granit, Aufnahme unter Wasser.
Abb. 122: Nahaufnahme. Orangefarbener und grüner Plagioklas bilden stellenweise bräunliche Mischfarben.
Abb. 123: Farbenfrohe und plagioklasreiche Variante des Kinda-Granits. Ein vergleichbares Gestein wurde allerdings auch im Gebiet des Flivik-Granits in NE-Småland beobachtet, außerhalb des eigentlichen Kinda-Granitgebietes. Breite 17 cm.
Abb. 124: Nahaufnahme.
Abb. 125: Braune porphyrische Monzogranite mit Blauquarz und gelbem/grünem/orangefarbenem Plagioklas treten in großer Zahl auf. Dieser Granittyp besitzt ein großes Herkunftsgebiet, von NE-Småland bis ins südliche Östergötland. Breite 12 cm.
Abb. 126: Aus dem südlichen Östergötland dürften solche grobkörnigen Augengranite aus hellrotem Alkalifeldspat mit orangefarbenen Plagioklassäumen stammen. Breite 24 cm.
Abb. 127: Grobkörniger porphyrischer Östergötland(?)-Granit mit grünem und orangerotem Plagioklas (Mischfarbe braun); vgl. ähnlichen Fund in Eskilslund (Abb. 97). Breite 18 cm.
Abb. 128: Titanitreicher NE-Småland-Granit mit hellrotem Alkalifeldspat, Breite 13,5 cm.

Die nächsten drei Granite sind Varianten mittel- bis grobkörniger Alkalifeldspatgranite vom Växjö-Typ mit lebhaftem Blauquarz und wenigen dunklen Mineralen. Der Granittyp tritt an allen Lokalitäten sehr häufig auf.

Abb. 129: Småland-Granit vom Växjö-Typ, Breite 10 cm.
Abb. 130: Småland-Granit vom Växjö-Typ, Breite 13 cm.
Abb. 131: Blauquarzgranit, Växjö-Typ, Breite 9 cm.

Funde von Graniten mit hellen Plagioklassäumen um einzelne Alkalifeldspäte (Filipstad-Granittyp) sind auf Öland die Ausnahme.

Abb. 132: Blauquarzgranit, Typ Filipstad (Einzelfund). Breite 12,5 cm.
Abb. 133: Quarzreicher Granit mit zuckerkörnig granuliertem Quarz (Älö-Granit?). Breite 11,5 cm.

Vereinzelt finden sich auch hier wieder Rapakiwi-Granite als Ferngeschiebe.

Abb. 134: Rötlichgrauer Rapakiwi-Granit mit Wiborgitgefüge (Åland-Wiborgit). Breite 10,5 cm.

Exkursionsbericht Öland

  1. Sedimentgesteine
    1.1. Äleklinta
    1.2. Eskilslund
    1.3. Hagskog
    1.4. Neptuni åkrar
  2. Kristallingeschiebe
  3. Anorogene Ostsmåland-Granite
  4. Literatur
Abb. 1: Küste bei Äleklinta.

Öland ist ein beliebtes Reiseziel für den Fossiliensammler. Die Insel besteht aus paläozoischen Sedimentgesteinen (Mittelkambrium bis Mittelordovizium), vor allem den grauen und roten Orthocerenkalken, die auch in Norddeutschland häufig als Geschiebe zu finden sind. Der erste Teil dieses Exkursionsberichtes führt an einige der zahlreichen paläontologisch interessanten Lokalitäten (entnommen aus GRAVESEN 1993). Zur Geologie und Paläontologie Ölands sowie weiterführender Literatur s. SCHULZ 2002, VOLLBRECHT & WEMMER 2019.

Eigentliches Ziel der Reise war der Blick auf die Kristallingeschiebe an den westlichen Inselstränden und Steilufern im nördlichen Teil von Öland. Die Geschiebe stammen überwiegend vom nahen schwedischen Festland, aus Ost- und Nordost-Småland, einem Gebiet entgegen der vorherrschenden Zugrichtung der Gletscher während der letzten Vereisung. Viele der Strandgerölle haben also nur einen kurzen Transportweg zurückgelegt und sind als Nahgeschiebe anzusehen. Ihr Studium ermöglicht auf einfache Weise einen umfassenden Einblick in die häufigsten Gesteinstypen des nahen Grundgebirges. Neben der allgemeinen Betrachtung der Kristallingeschiebe im zweiten Teil wird ein dritter Abschnitt den anorogenen Ost-Småland-Graniten (Uthammar-, Götemar- und Jungfrun-Granit) gewidmet, die von besonderem geschiebekundlichen Interesse und auf Öland nicht selten zu finden sind.

Abb. 2: Kartenskizze Skandinavien. Der graue Kasten markiert das Gebiet in Abb. 3.
Abb. 3: Kartenskizze der Fundlokalitäten auf Öland (Kartenausschnitt, leicht verändert, aus WIK et al 2005).

1. Sedimentgesteine

An den westlichen Steilufern der Insel sind die Sedimentgesteine teilweise hervorragend aufgeschlossen. Der Grund ist die Ausbildung einer Schichtstufe durch das leichte Einfallen der ursprünglich planar abgelagerten Sedimentschichten (Plattformsedimente) nach Ostsüdost. Im Westen streichen die ältesten Schichten aus (Mittelkambrium bis Unterer Roter Orthocerenkalk), nach Osten sind sie bis ins Mittelordovizium verfolgbar. Oberes Ordovizium steht am Ostseegrund östlich von Öland an. Es folgt ein vereinfachter Abriss der Schichtenfolge Ölands vom Mittelkambrium bis Mittelordovizium:

Mittel- bis Oberkambrium ist mit hellen Sand- bis Siltsteinen („Tessini-Sandstein“, „Paradoxissimus-Sandstein“), schwarzen Alaunschiefern, Stinkkalken und Anthrakoniten vertreten. Im untersten Ordovizium setzt sich die Tiefwasserfazies aus dunklen Tonsteinen fort. Den Beginn des Ordoviziums markiert ein erstes Auftreten von Graptolithen. Der Dictyonema– jetzt Rhabdinopora-Schiefer, ein schwarzer geschichteter Tonstein, enthält netzförmige Kolonien des Graptolithen Rhabdinopora flabelliformis. Über dem Dictyonema-Schiefer schließt sich lokal eine dünne Lage des Obolus-Konglomerats an, ein heller Sandstein mit phosphatschaligen Brachiopoden (Obolus apollinis).

Ab dem Unterordovizium entwickelt sich zum ersten Mal in der Erdgeschichte eine ausgedehnte Sedimentation von Kalksteinen, eine Flachwasserfazies mit einer vielfältigen Fauna aus Cephalopoden, Trilobiten und Brachiopoden. Die Gliederung des Ordoviziums von Öland erfolgt traditionell in Trilobitenstufen (SCHULZ 2002: 216ff). Verschiedenen Schichtteilen werden eigene Namen nach der spezifischen stratigraphischen Verbreitung der einzelnen Trilobitenarten zugeordnet. Daraus resultiert auch die verwirrende Vielfalt der Bezeichnungen ordovizischer Kalksteine. Sie können zwar anhand ihrer Lithologie bestimmbar sein, im Zweifelsfall ist aber das Auffinden der namensgebenden Trilobiten entscheidend.

Den Beginn der kalkigen Ablagerungen bildet die Ceratopyge-Stufe aus geschichteten und massigen glaukonitischen Kalken. Graue bis bunte und glaukonitreiche Kalke sowie härtere glaukonitisch-knollige Tonsteinlagen wechseln sich gegenseitig ab. Vom Ceratopyge-Kalk sind zahlreiche Typen bekannt. Das Gestein enthält mm-große, schwarzgrüne Glaukonit-Pellets und kann dunkelgrau, häufig mit grünlichen und rötlichen Partien, seltener auch bunt gefärbt sein.

Roter und Grauer Orthoceren-Kalk wurden früher in großem Stil in Steinbrüchen gewonnen und zu Platten verarbeitet. Ein Abbau ist seit der Wikingerzeit belegt, die historischen Steinbrüche liegen direkt an der Westküste und ermöglichten einen leichten Abtransport per Schiff. Auch heute noch gibt es große Steinbrüche im Inland der Insel. Die Vorkommen von Orthocerenkalken sind nicht auf Öland beschränkt, sondern setzen sich wenig südlich der Insel, vor allem aber quer durch die Ostsee bis nach Estland und weiter zum Ladoga-See fort. Namensgeber sind die Reste lang gestreckter bis kegelförmiger großer Kopffüßer (Cephalopoden). Orthoceras, Endoceras und Lituites bilden verschiedene Gattungen innerhalb der Ordnung der Nautiloideen und sind längst ausgestorben, ihr Vorkommen beschränkt sich auf das Ordovizium.

Die Orthocerenkalke lassen sich grob in Unteren, Mittleren und Oberen Grauen und Roten Orthocerenkalk unterscheiden (vgl. RUDOLPH 2017). Darüber hinaus existieren für die einzelnen Schichtteile zahlreiche Unterbezeichnungen (mehr als 30 Varietäten in PATRUNKY 1925). Namensgeber sind wieder die entsprechenden Trilobitengattungen.

Unterer roter Orthocerenkalk: gleichmäßig roter, feinkörniger bis dichter und deutlich geschichteter Kalkstein, teilweise auch gelb- und grün geflammt. Zum Unteren Roten Orthocerenkalk gehören Planilimbata– und Limbata-Kalk. Der Planilimbata-Kalk (Abb. 36) ist violettrot gefärbt, mit orangegelben bis gelblichgrünen Schlieren. Gelegentlich finden sich kleine Glaukonitnester; Trilobiten bis 5 cm. Der Limbata-Kalk (Abb. 29-31) ist der typische Untere Orthocerenkalk und als Geschiebe sehr häufig zu finden. Er besitzt eine ziegel- bis dunkelrote Farbe und enthält manchmal grünliche Wühlspuren sowie Trilobiten bis 1 cm.

Der Untere Rote Orthocerenkalk wird durch die bunte „Blumenschicht“ (schwedisch blomminge bladet) begrenzt. Die Blumenschicht liefert auffällige Geschiebe und sieht sehr attraktiv aus (Beispiele von Älekinta Abb. 18-19).

Unterer Grauer Orthocerenkalk: dichter und harter Kalkstein mit splittrigem Bruch; recht fossilarm; führt wenige grüne Glaukonitkörnchen.

Mittlerer Grauer Orthocerenkalk: früher nach dem Kopffüßer Anthoceras vaginatum als „Vaginaten-Kalk“ bezeichnet, nimmt größere Schichtteile zwischen Unterem Grauen und Oberem Roten Orthocerenkalk ein. Dazu gehören der glaukonitführende graue Expansus-Kalk (Abb. 32) und der glaukonitfreie Raniceps-Kalk.

Mittlerer Roter Orthocerenkalk: fein- bis grobkristalliner, im Bruch zuckerkörnig glänzender Kalkstein, manchmal mit großen weißen Calcit-Kristallen.

Oberer Roter Orthocerenkalk: feinkristalliner roter Kalk mit grünlichen Partien und großen Orthoceren; gelegentlich große Panzerteile von Trilobiten. Auf den Gehäusen der Kopffüßer ein roter, abfärbender Hämatitüberzug.

Oberer Grauer Orthocerenkalk: sehr fossilreich; grüngrauer, deutlich geschichteter Kalkstein mit gelblicher Verwitterungsrinde. Auch der Schroeteri-Kalk mit dem „Bischofsstab“ Lituites stammt aus diesem Schichtverband (Abb. 4). Im Top der Folge steht der Echinosphäritenkalk an (Echinosphaerites aurantium).

Das Mittelordovizium findet sich entlang der Ostküste Ölands mit Kalken mit diversen Lokalnamen, z. B. Dalby-Kalk (mit Cystoideen) oder Ludibundus-Kalk.

Oberordovizium steht auf Öland nicht an, seine Vorkommen liegen am Grund der Ostsee und sind nicht direkt zugänglich. Hier leistet die Geschiebekunde einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Fauna dieser Gesteine. Die wichtigsten Geschiebetypen sind Backsteinkalk, Macrouruskalk, Ostseekalk, Paläoporellenkalk, Öljemir-Flinte und diverse Crinoidenkalke.

Abb. 4: Diverse „Bischofsstäbe“ (Lituites) in der Sammlung des Urzeithofes in Stolpe.

1.1. Äleklinta

Abb. 5: Steilküste nördlich von Äleklinta, an der Basis Siltsteine des Mittelkambriums („Tessini-Sandstein“).

An der etwa 10 m hohen Steilküste nördlich der Ortschaft Äleklinta steht Mittelkambrium und Unteres Ordovizium an (vgl. GRAVESEN 1993: 26, 35, 50). Die Gesteine finden sich auch als Strandgeröll wieder.

Abb. 6: Plattige Strandgerölle, im Wesentlichen Roter und Grauer Orthocerenkalk und mittelkambrische Sandsteine. Bildbreite 1 m.
Abb. 7: Links roter und grauer Orthocerenkalk, rechts mittelkambrische Siltsteine. Bildbreite 30 cm.

Die unteren Meter der Schichtenfolge bilden feinkörnige und hellgraue Sand- bis Siltsteine aus dem Mittelkambrium („Tessini-Sandstein“, „Paradoxissimus-Sandstein“). Lagenweise führen sie braune Häutungsreste des Trilobiten Paradoxides paradoxissimus. Auf den Schichtflächen sind Sedimentgefüge, seltener auch biogene Spuren (Grab- und Ruhespuren von Trilobiten) erkennbar. Der Tessini-Sandstein ist synonym mit dem „Eophyton-Sandstein“. Das einst als Abdrücke von Pflanzen (griech. eo-phyton: alte Pflanze) interpretierte Sedimentgefüge wird heute als Positivabdruck von Schleif- und Driftmarken aufgefasst.

Abb. 8: Mittelkambrischer Sandstein mit Schleif- und Driftmarken („Eophyton-Sandstein“), Breite 13 cm.

Anthrakonite finden sich in sehr großen Blöcken am Strand. Sie entstammen einer knapp 1 m mächtigen Anthrakonitbank, die oben und unten von Konglomeratlagen begrenzt und dem Unterordovizium zugerechnet wird (VOLLBRECHT 2015: 60; Oberkambrium in GRAVESEN 1993). Anthrakonite sind grobkristalline, durch organische Beimengungen schwarz gefärbte Kalksteine. Beim Aufschlagen macht sich ein starker Geruch nach Bitumen bemerkbar. Sie entstanden während der Diagenese und können an anderen Lokalitäten auch als Einschaltung in kambrischen Alaunschiefern auftreten.

Abb. 9: Großer Anthrakonit-Block mit sehr grob kristallisiertem Calcit, Breite 45 cm.
Abb. 10: Anthrakonit, unten stengelige Calcit-Kristalle, senkrecht zur Schichtebene (Übergang in Alaunschieferfazies). Breite 14 cm.

Über den Anthrakoniten steht ein Sandstein mit bituminösem Kalkzement an. Im oberen Teil des Aufschlusses folgen etwa 2 m mächtige Alaunschiefer mit einem Konglomerat an der Basis. Die obere Konglomeratlage geht weiter nördlich ins Obolus-Konglomerat über. Alle Schichtteile werden mittlerweile dem Unterordovizium zugerechnet (STOUGE 2004). Der unterordovizische Dictyonema-Schiefer soll etwa 300 m nördlich des Hafens anstehen, wurde aber nicht gefunden bzw. ausreichend beachtet. Darüber folgen der Ceratopyge-Schiefer und Unterer Roter und Grauer Orthocerenkalk (Hunneberg- und Billingen-Unterstufe).

Abb. 11: Löchriger heller und calcitgebundener Sandstein, wahrscheinlich Unterordovizium. Breite 14 cm.
Abb. 12: Gleicher Typ, Blick auf die Schichtfläche. Breite 9,5 cm.
Abb. 13: Weiter nördlich stößt man auf Halden eines alten Steinbruchs. Hier finden sich fast nur noch große Blöcke von Orthocerenkalk mit besonders schönen Anschnitten von Kopffüßern.
Abb. 14: Rotbraun-grünlicher Orthocerenkalk, Bildbreite 38 cm.
Abb. 15: Orthocerenkalk, Bildbreite 23 cm.
Abb. 16: Orthocerenkalk, Bildbreite 55 cm.

Einige Kalke zeigen runde löchrige Vertiefungen. Wahrscheinlich handelt es sich um Hartgründe, angebohrt durch benthische Organismen. Hartgründe entstehen bei temporärem Aussetzen der Sedimentation und einer diagenetischen Verfestigung der Sedimentoberfläche.

Abb. 17: Löchriger Hartgrund im Orthocerenkalk, Bildbreite 17 cm.

Im Grenzbereich zwischen Unterem Roten Orthocerenkalk und den roten bis grauen Limbata-Kalken finden sich mehrere Diskontinuitätsflächen und bioturbate Horizonte.

Zwei davon werden „Blumenschicht“, schwedisch blomminge bladet genannt (Abb. 18-19). Diese roten bis grauen Kalke enthalten rundliche, wiederum mit einem grünen Material verfüllte und häufig von einem gelben Rand umgebene Löcher. Eine nähere Beschreibung des Gesteinstyps und seiner komplexen Genese geben BARTOLOMÄUS & POPP 2018.

Abb. 18: Roter Orthocerenkalk der „Blumenschicht“, Breite 16,5 cm.
Abb. 19: Roter Orthocerenkalk mit rotbraunen und gelb umrandeten Löchern, ähnlich „Blumenschicht“. Bildbreite 17 cm.
Abb. 20: Bioturbater Orthocerenkalk, Breite 18 cm.
Abb. 21: Bioturbater? Orthocerenkalk, Breite 10 cm.
Abb. 22: Diskontinuierliche Gefügegrenze zwischen rotem und grauem Orthocerenkalk. Breite 12 cm.

1.2. Eskilslund

Eskilslund ist die einzige der besuchten Lokalitäten, an der unterkambrische Sandsteine („Kalmarsund-Sandstein“) gehäuft auftreten, insbesondere helle Sandsteine mit dunklen Grabgängen von Skolithos und die sog. „Chiasma-Sandsteine“. Dies ist bemerkenswert, vermutet man das Anstehende doch im Kalmarsund westlich von Öland und erwartet ein häufigeres Auftreten des Gesteinstyps als Nahgeschiebe. Offenbar besitzen die Vorkommen zumindest im nördlichen Teil des Kalmarsunds nur eine geringe lokale Ausdehnung. Wie es im Süden von Öland mit den Fundmöglichkeiten aussieht, ist mir nicht bekannt.

Abb. 23: Besser geht es nicht: Kalmarsund-Sandstein mit senkrecht zur Schichtung stehenden Grabspuren. Schräg zur Schichtung drangen eisenhaltige Lösungen ein („Chiasma-Sandstein“). Breite 15 cm.

Der etwa 520-525 Millionen Jahre alte Kalmarsund-Sandstein ist ein feinkörniger Sandstein mit fein laminierten Bändern aus rot- bis violettbraunen sowie gelblichen bis fast weißen Lagen im mm- bis cm-Maßstab. Sandsteine vom Typ Kalmarsund mit dunklen Skolithos-Wohnröhren und die „Chiasma-Sandsteine“ sind nur aus dem Kalmarsund bekannt und gelten als Leitgeschiebe.

Als „Chiasma“ (griech. Kreuzung) bezeichnet man die divergierenden Streifen zwischen Schichtebene und einer schräg dazu verlaufenden Streifung. Letztere entstand wahrscheinlich durch rhythmische Fällungen aus eisenhaltigen Lösungen im Kontakt mit Sauerstoff (Umwandlung von löslichem Fe(II) in unlösliches dreiwertiges Eisen).

Abb. 24: Kalmarsund-Sandstein, Breite 13 cm.
Abb. 25: Kalmarsund-Sandstein, Breite 8 cm.
Abb. 26: Kalmarsund-Sandstein, Wurmbauten senkrecht zur Schichtebene, kein „Chiasma“. Breite 13 cm.
Abb. 27: Rotbrauner unterkambrischer Sandstein, Breite 14 cm.
Abb. 28: Sandstein mit schräg zur Schichtung verlaufenden gelblichen Entfärbungen. Breite 9 cm.

1.3. Hagskog

An der niedrigen Steilküste bei Hagskog (Lokalität Haget in GRAVESEN 1993: 51) steht Unterer Roter Orthocerenkalk (Limbata-Kalk) an. Als Geschiebe tritt auch der bunte Planilimbata-Kalk auf, ein roter bis violetter glaukonithaltiger Orthocerenkalk mit orangegelben bis grünlichgelben Schlieren. Weiterhin finden sich in großer Zahl graue und glaukonitische Kalke, wahrscheinlich Expansus-Kalk aus dem Mittleren Grauen Orthocerenkalk.

Abb. 29: Niedrige Steilküste mit Unterem Roten Orthocerenkalk (Limbata-Kalk).
Abb. 30: Roter Orthocerenkalk mit welligen Schichtflächen. In der Bildmitte die „Blumenschicht“. Höhe ca. 70 cm.
Abb. 31: Roter Orthocerenkalk im Spülsaum, Bildbreite 42 cm.
Abb. 32: Graue und glaukonitische Kalke, Expansus-Kalk. Bildbreite 24 cm.
Abb. 33: Grünlichgrauer Glaukonitkalk, Expansus-Kalk mit Trilobitenrest. Breite 14 cm.
Abb. 34: Glaukonitkalk, nass fotografiert.
Abb. 35: Nahaufnahme. Die Glaukonitkörnchen sind unregelmäßig rund und pelletartig geformt.
Abb. 36: Bunter Orthocerenkalk (Planilimbata-Kalk), Breite 18 cm.
Abb. 37: Bunter Orthocerenkalk (Planilimbata-Kalk), Breite 10,5 cm.
Abb. 38: Grüner Kalkstein mit gelben Flecken, Breite 13 cm.

1.4. Neptuni åkrar

Neptuni åkrar, die „Neptunfelder“, sind eine Erosionsplattform aus Orthocerenkalken auf Meeresniveau, denen ein Strandwall aus zerkleinerten Kalksteinen nachgelagert ist.

Abb. 39: Neptuni åkrar, Strandwall und Erosionsplattform.
Abb. 40: Auf der Erosionsplattform.
Abb. 41: „Orthoceren-Schlachtfeld“, Bildbreite ca. 130 cm.

Geschiebesammeln auf Rügen 3: Kap Arkona und Mönchgut

2.3. Kap Arkona

Vom Parkplatz am Nordstrand Wittow, etwa 2,5 km westlich von Kap Arkona, führt ein Abstieg zum Strand. Wendet man sich nach Osten, werden die Steine bald größer, und nach 2 km erreicht man Gellort, den nördlichsten Punkt der Insel. Die Steilküste besteht hier wieder aus kreidigen Lockersedimenten. Am Gellort befindet sich auch der Siebenschneiderstein, der viertgrößte Findling auf Rügen.

Abb. 1: Strandabschnitt mit großen Geschieben, östlich vom Parkplatz am Nordufer auf der Insel Wittow.
Abb. 2: Abstieg zum Siebenschneiderstein am Gellort.

Der Siebenschneiderstein besitzt ein Volumen von ca. 61m³. Laut Erfassungsbeleg Geotop des GLA Mecklenburg-Vorpommern (Bearbeiter W. Schulz) handelt sich um einen Karlshamm-Granit, einem etwa 1,4 Ga alten anorogenen Granit aus Blekinge in Südschweden.

Abb. 3: Die Oberfläche des Findlings ist stark angewittert. Stellenweise ist eine schalige Ablösungen zu beobachten, wahrscheinlich eine Folge von Verwitterung durch Frostsprengung.
Abb. 4: Nur an einer Stelle ist das Gefüge des Findlings einigermaßen sichtbar und eine Ähnlichkeit mit dem Karlshamn-Granit erkennbar. Das Gestein enthält braunen Titanit.

Ein ausgesprochen interessantes Geschiebe befindet sich am einige hundert Meter westlich vom Siebenschneiderstein.

Abb. 5: Breite 75 cm.

Ein einsprenglingsarmer grüner Diabas und ein basisches Gestein mit sehr großen Plagioklas-Einsprenglingen steht im Kontakt mit einem sauren Porphyr vom Påskallavik-Typ (rechts unten). Solche Kontakte zwischen Gangporphyr und basischem Magma sind aus Ostsmåland bekannt. In diesen „gemischten Gängen“ nutzte zuerst das saure, später das basische Magma den gleichen Aufstiegsweg. Das basische Magma flankiert den sauren Gangporphyr, entstand also später. Im vorliegenden Fall scheint es mehrere basische Magmenschübe gegeben zu haben. Dabei wurde das feinkörnige und einsprenglingsarme Magma mechanisch mit dem Magma mit körniger Grundmasse und den großen Plagioklas-Einsprenglingen vermengt (magma mingling).

Abb. 6: Diabas mit körniger Grundmasse und großen Plagioklas-Einsprenglingen. Bildbreite 45 cm. Die Partie durchzieht eine etwa 1 cm breite Ader eines braunen Gesteins mit dichter Grundmasse, ohne Einsprenglinge (lokale, durch das heiße basische Magma aus dem Porphyr mobilisierte Schmelze?)
Abb. 7: Nahaufnahme der gleichen Partie. Im Diabas mit körniger Grundmasse sind die Plagioklase unregelmäßig verteilt, einige davon gerundet. Andere Partien sehen aus wie Fragmente (Bildmitte rechts). Offenbar fand mehrfach eine Vermengung unterschiedlicher basischer Gesteine statt.
Abb. 8: Der größte Plagioklas-Einsprengling (oder Xenokristall) ist 10 cm lang.
Abb. 9: Detailaufnahme einer anderen Partie. Eine Epidotader durchschlägt mehrere Plagioklas-Einsprenglinge (oben).
Abb. 10: Kontakt von Diabas und braunem Porphyr. Bildbreite ca. 25 cm.
Abb. 11: Braune Porphyrpartie. Die runden Alkalifeldspat-Einsprenglinge mit dunklen Kernen sind typisches Erkennungsmerkmal des Paskallavik-Porphyrs. Bildbreite etwa 30 cm.
Abb. 12: Die Grundmasse des Porphyrs wurde im Kontakt zum aufsteigenden Diabas-Magma aufgeschmolzen und assimiliert, nicht aber die runden Alkalifeldspäte. Sie häufen sich an dieser Stelle, teilweise sind sie von einem hellen Feldspat-Saum umgeben (Plagioklas aus dem Diabas-Magma?). Bildbreite ca. 13 cm.

Zwischen Nordstrand und Gellort sind noch weitere interessante Geschiebe zu finden, darunter auffällig viele größere Geschiebe von porphyrischen Amphiboliten (kleinkörnige Metabasite mit großen, runden Amphibol-Granoblasten, sog. „Uralit-Porphyrite“ oder „Uralit-Diabase“, Abb. 14-15).

Abb. 13: Påskallavik-Porphyr mit basischem Xenolith, Breite 24 cm. Das basische Gestein enthält einige runde Feldspäte (Xenokristalle) aus dem Porphyr. Auch hier muss das basische Magma zeitlich also nach dem Porphyr aufgestiegen sein.
Abb. 14: Porphyrischer Amphibolit, Breite 22 cm.
Abb. 15: Porphyrischer Amphibolit, Breite 24 cm.
Abb. 16: Metabasit. Für einen porphyrischen Amphibolit enthält das Gestein zu wenig Amphibol. Es dürfte sich um einen metamorphen Leukogabbro oder -diorit handeln. Breite 25 cm.
Abb. 17: Åland-Quarzporphyr, dunkle Variante, mit größeren grünen Plagioklas-Xenokristallen. Aufnahme unter Wasser.
Abb. 18: Nahaufnahme des Gefüges; rechts oben ein unvollständiger Ringquarz.

Auch an diesem Küstenabschnitt ist der Braune Ostsee-Quarzporphyr ein häufiger Geschiebefund. Die nächsten Bilder zeigen zwei ausgefallene Varianten.

Abb. 19: Brauner Ostsee-Quarzporphyr mit einem aplitischen Xenolith. Aufnahme unter Wasser.
Abb. 20: Nahaufnahme der nassen Oberfläche.
Abb. 21: Brauner Ostsee-Quarzporphyr mit fleckiger Grundmasse (Fragmente, vulkanische Brekzie?); Aufnahme unter Wasser.
Abb. 22: Der Porphyr enthält mit Quarz und Chalcedon gefüllte Hohlräume (Lithophysen). Stellenweise ist eine Bandtextur erkennbar (gebänderter Chalcedon = Achat).
Abb. 23: Gleicher Stein, polierte Schnittfläche.
Abb. 24: Nahaufnahme. Einige Lithophysen sind mit bläulichem Chalcedon verfüllt.
Abb. 25: Mafitreicher porphyrischer Rapakiwi, wahrscheinlich ein Nordingrå-Rapakiwi. Aufnahme unter Wasser.
Abb. 26: Polierte Schnittfläche. Die meisten der grauen bis gelbbraunen Alkalifeldspäte besitzen undeutliche Konturen, einige einen nahezu quadratischen Umriss.
Abb. 27: Nahaufnahme. Graugrüner Plagioklas ist in geringer Menge enthalten. Als dunkles Mineral tritt ganz überwiegend Amphibol auf. Eckige, teils idiomorphe mittelgraue Quarze sitzen in den Zwischenräumen der Feldspäte. Partien mit graphischen Verwachsungen sind nicht erkennbar.
Abb. 28: Fleckengestein, leicht foliierter Granofels mit feinkörniger roter Matrix und dunklen Flecken. Breite 35 cm, Herkunft unbekannt.
Abb. 29: Rotes Fleckengestein mit unregelmäßig konturierten Flecken in einer feinkörnigen Grundmasse. Solche Fleckengesteine kommen im Västervik-Gebiet, in ähnlicher Form aber auch in anderen Regionen vor. Breite 30 cm.
Abb. 30: Västervik-Fleckengestein, polierte Schnittfläche, Geschiebe von Göhren (Nordperd).
Abb. 31: Abendliche Stimmung am Gellort.

2.4. Mönchgut

Am südlichen Ende der Halbinsel Mönchgut liegt Klein Zicker. Vom Cafe „Zollhaus“ aus geht man eine niedrige Steilküste aus ockerbraunem Geschiebemergel entlang. Dieser Geschiebemergel des Mönchsguter Eislobus wurde vor 13.000 bis 15.000 Jahren während der weichselglazialen Mecklenburg-Phase abgelagert und ist ein sog. Ausschmelztill, d. h. er entstand durch sukzessives Abschmelzen des Eises während einer Stillstandslage.

Abb. 32: Steilküste auf Klein Zicker; ungeschichteter Till mit einem hohen Anteil an feinkörnigen Sedimenten (Ton, Sill) und wenigen größeren Steinen (dropstones).
Abb. 33: Brutröhren der Schornsteinwespe (Odynerus spinipes) im Geschiebemergel.
Abb. 34: Eigenartiges orthogonales Bruchmuster im Geschiebemergel. Sauerstoffhaltiges, entlang der Klüfte eindringendes Oberflächenwasser führte zu einer Oxidation von Fe II (grau) aus dem Geschiebemergel zu Fe III (Braunfärbung durch Bildung von Limonit).
Abb. 35: Steilküste aus Geschiebelehm und Schmelzwassersanden am westlichen Ende der Halbinsel.
Abb. 36: Åland-Ringquarzporphyr, Aufnahme unter Wasser.
Abb. 37: Grüner Quarzporphyr, polierte Schnittfläche.
Abb. 38: Nahaufnahme. Einige der eckigen bis kantengerundeten Quarze weisen Spuren einer magmatischen Korrosion auf.

Solche grünen Quarzporphyre werden immer wieder gefunden. Einige der eckigen bis kantengerundeten Quarze erinnern zwar an die magmatische korrodierten Quarze im Roten Ostsee-Quarzporphyr, allerdings kommen sie auch in Porphyren aus anderen Gebieten vor (u.a. Rödö).

Abb. 39: Bunter Granit vom Växjö-Typ, Aufnahme unter Wasser. Der Granittyp kommt verbreitet im nördlichen Småland vor.
Abb. 40: Grobkörniges und pegmatitähnliches Gestein aus blauem Quarz, etwas weißem Feldspat und einem braunen Mineral (Amphibol oder Andalusit?). Aufnahme unter Wasser.
Abb. 41: Tosterup-Konglomerat; überwiegend schwach kantengerundete Lithoklasten aus grünem Tonschiefer sowie ein rundes Quarzgeröll und ein rotbrauner Tonstein in einer sandigen, kalkgebundenen Matrix. Breite 20 cm.

Im westlichen Teil des Großen Zicker ist eine Steilküste aus Geschiebemergel und Schmelzwassersanden aufgeschlossen. Westlich der Zickerschen Berge liegt ein ausgedehnter Geschiebestrand.

Abb. 42: Blick von Klein Zicker auf die Zickerschen Berge.
Abb. 43: Die grasbewachsenen Hügel der Zickerschen Berge im Westen von Möchsgut werden zur Weidewirtschaft genutzt.
Abb. 44: Porphyrischer Rapakiwi; ähnliches Gefüge wie der Ostsee-Rapakiwi vom Nordbaltischen Pluton, allerdings ohne die charakteristischen kleinen Quarze um die Alkalifeldspäte. Polierte Schnittfläche, leg. D. Lüttich.
Abb. 45: Granodiorit bis Quarzmonzodiorit, Aufnahme unter Wasser.
Abb. 46: Mittelkörniger Granit aus blassrotem Alkalifeldspat (Karlsbader Zwillinge), braunrotem Plagioklas und grauem Quarz. Abgesehen von seiner Kleinkörnigkeit weist der Granit alle Merkmale des Lemland-Granits auf. Breite 13,5 cm.
Abb. 47: Ein weiterer porphyrischer Granit mit rotem Plagioklas, vermutlich (post)svekofennisch, aber kein Lemland-Granit. Aufnahme unter Wasser.
Abb. 48: Nahaufnahme der nassen Oberfläche.
Abb. 49: Abendstimmung auf Groß Zicker.

Geologische Streifzüge auf Rügen

Abb. 1: Steilküste auf Jasmund; Ablagerungen der Oberkreide (weiß) mit eingeschaltetem Geschiebemergel (grau).

Das bevorzugte Ziel für den geologisch interessierten Besucher von Rügen ist die beeindruckende Steilküste auf dem Inselteil Jasmund. Hier sind die als „Rügener Schreibkreide“ bezeichneten Sedimente sowie pleistozäne Ablagerungen aufgeschlossen. Nach einer kurzen Übersicht zu Rügens Geologie werden in dieser Artikelreihe Funde kristalliner Geschiebe von mehreren Stränden der Insel vorgestellt.

1. Zur Geologie von Rügen
2. Geschiebesammeln auf Rügen
2.1. Sassnitz
2.2. Dwasieden
2.3. Kap Arkona
2.4. Mönchgut
3. Links und ausgewählte Literatur

1. Zur Geologie von Rügen

Die Rügener Schreibkreide ist ein krümeliger und wenig verfestigter Kalkstein, der von zahlreichen Feuersteinbändern durchzogen wird. Sie entstand in einem Zeitabschnitt der Oberkreide, im Maastricht, vor etwa 72-66 Millionen Jahren. Zu dieser Zeit bedeckte ein Flachmeer praktisch ganz Mitteleuropa. Nur einige Inseln ragten aus diesem Kreidemeer hervor, die Alpen gab es noch nicht. Ein tropisches Klima, aber eine recht kühle Wassertemperatur begünstigte das Wachstum kleinster, planktonisch lebender Meerestiere, aus denen die Schreibkreide zusammengesetzt ist. Im Wesentlichen sind dies die als Coccolithen bezeichneten Kalkplättchen von Algen der Ordnung Coccolithophorida, neben weiteren Kleinfossilien. Die Sedimentation erfolgte erstaunlich langsam, etwa 35 mm in 1.000 Jahren (REICH 1998). In der Schreibkreide finden sich auch zahlreiche Makrofossilien: Seeigel, Schwämme, Belemniten, Korallen, Muscheln, Bryozoen, Schnecken, Seesterne, Ammoniten und weitere (vgl. SCHULZ 2003: 347-351, REICH et al 2018).

Innerhalb der hellen Schreibkreide treten Lagen von dunkelgrauen Feuersteinen auf. Sie entstanden nach der Ablagerung der Kreideschichten während der Diagenese und bilden Konkretionen – massige Gesteine von rundlicher, knolliger, teils auch bizarrer Gestalt. Die Feuersteine sind der „Prototyp“ des nordischen Geschiebes, weil sie in glazialen Ablagerungen praktisch allgegenwärtig auftreten. Ihre südlichste Verbreitungsgrenze, die sog. „Feuersteinlinie“ kennzeichnet die Maximalausdehnung der nordischen Inlandvereisungen.

Abb. 2: Feuersteinlagen innerhalb der Rügener Schreibkreide, Steilküste nördlich von Sassnitz. Die Lagen sind annähernd gleich mächtig und regelhaft rhythmisch angeordnet.
Abb. 3: Feuersteinlagen, Bildhöhe etwa 3 Meter.
Abb. 4: Frisch ausgebrochene Feuersteine besitzen einen splittrigen Bruch und eine weiße Rinde. Mit der Zeit werden sie abgerollt, auf Grund ihrer Härte und Zähigkeit nur durch gegenseitige Bewegung im Brandungssaum. Bildbreite ca. 50 cm.

Vor den nordischen Inlandvereisungen bildeten die Schichten der Oberkreide ein mehr oder weniger ebenes und bis 400 m mächtiges Sedimentpaket. Diese Schichten sind auch heute im Untergrund noch großflächig verbreitet und durch jüngere Schichten verdeckt. Durch tektonische Vorgänge, wahrscheinlich Störungen des Untergrundes während der alpidischen Gebirgsbildung, kam es im Tertiär zu Hebungen. Durch leichte Verkippung bildeten sich Kreide-Horste. Einst verband ein etwa 100 km breites, in Ost-West-Richtung sich erstreckendes Kreidemassiv die Vorkommen von Rügen und Møn.

Die erosive Kraft des Inlandeises führte zu einer Abtragung der oberen 100 m dieses Massivs und zur Bildung kleiner und größerer Schollen, die in der Folge teils dachziegelartig verkippt oder sogar verfaltet wurden. Dabei konnten auch größere zusammenhängende Pakete der lockeren Kreidesedimente bewegt werden, weil der Untergrund gefroren war. Durch diese glazitektonischen Vorgänge gelangten die Kreidesedimente in ihre heutige Position und bilden ein komplexes Nebeneinander mit Geschiebemergeln und anderen glazialen Ablagerungen. Erst der Geschiebemergel des letzten weichselzeitlichen Eisvorstoßes liegt über den verschuppten kreidezeitlichen und glazialen Sedimenten, was auf eine zeitliche Einordnung der Glazitektonik in die Zeit bis zum Pommerschen Stadium der Weichselvereisung vor etwa 22.000 – 20.000 Jahren deutet.

Die Verkippung und Faltung der aufragenden Schollen lässt sich an den Feuersteinbändern stellenweise gut nachvollziehen (Abb. 5). Größere Kreideschollen sind vor allem im Nordteil der Insel auf Jasmund sowie an der NE-Spitze von Wittow aufgeschlossen. Kleinere Kreideschollen und -schlieren finden sich z. B. auch an der Steilküste von Dwasieden (Abb. 6).

Abb. 5: Gebogene Feuersteinlagen (Glazitektonik). Ursprünglich horizontal abgelagerte Kreide mit den typischen Feuersteinbändern. Durch die Kraft der Gletscher in der letzten Eiszeit kam es zur Aufschiebung, Verkippung und Stauchung der Kreide.
Abb. 6: Geschiebemergel mit Kreideschlieren, Dwasieden.

Im letzten Stadium der Eisvorstöße, im späten Weichselglazial, wirkten die Inselkerne von Jasmund und Arkona als Hindernis. Der Gletscher teilte sich hier in zwei Eisströme. Ein südlich verlaufender sog. Oder-Eisstrom modellierte die hügelige Landschaft Ostrügens. Durch Stillstand und Abschmelzen des Eises entstanden die Endmoränen der sog. Mittelrügenschen Stillstandslage. Ihre heutige Gestalt nahm die Insel lange nach dem Rückzug des Eises an. Rügen war nach dem Abschmelzen des Eises zunächst Festland. Vor etwa 7.800 Jahren, zu Zeiten der Litorina-Transgression, wurde das Gebiet überflutet, nur die Inselkerne Jasmund, Wittow und Mönchgut lagen über dem Meeresspiegel. Durch Brandung entstanden an ihren Außenseiten Steilufer. Abgetragener Sand wurde durch Küstenströmungen in Gestalt von Nehrungen wieder ablagert und verbindet seitdem die Inselkerne miteinander. Im Naturschutzgebiet „Schmale Heide“ (Feuersteinfelder von Mukran) finden sich 14 Strandwälle aus Feuersteinen, die vor etwa 4.000 Jahren während mehrerer Sturmfluten aufgeschüttet wurden (Abb. 7).

Abb. 7: Feuersteinfelder von Mukran. Die wallartigen Akkumulationen von Feuersteinen sind Ablagerungen historischer Sturmfluten vor etwa 4.000 Jahren.

Rügens Steilküsten sind von einem beachtlichen Fortschreiten der Erosion betroffen, die Küstenlinie wird jährlich um durchschnittlich 30 cm zurückverlegt. Vor allem nach der Schneeschmelze und starken Regenfällen ereignen sich größere Abbrüche, Geschiebemergel und Schmelzwassersande zwischen die Kreidefelsen wirken dabei als Sollbruchstellen.

Abb. 8: Frischer Abbruch nördlich von Sassnitz (Mai 2012).
Abb. 9: Bedrohlich hängen metergroße Geschiebe in der Steilwand bei Sassnitz.

Auf Rügen gibt es eine Vielzahl interessanter geologischer Lokalitäten, die im Text genannten sind auf der Karte Abb. 10 markiert.

Abb. 10: Übersichtskarte Rügen mit besuchten Lokalitäten: Nordufer Wittow und Kap Arkona (1), Dwasieden (2), Kreideküste nördlich Sassnitz (3), Klein Zicker (4), Groß Zicker (5), Dargast (6), Kreidemuseum Gummanz (7), Feuersteinfelder Mukran (8). Karte aus wikipedia.org, Urheber: devil m25, CC BY-SA 2.0 de.

Auf Jasmund wurde die Rügener Schreibkreide zur Gewinnung von Schlämmkreide früher in zahlreichen Steinbrüchen abgebaut. Ein aktiver Tagebau liegt bei Promoisel, ein aufgelassener Bruch bei Dargast.

Abb. 11: Aufgelassener Tagebau bei Dargast.

Das Kreidemuseum in Gummanz (www.kreidemuseum.de) informiert mit einer bergbautechnischen Sammlung und einem Freilichtbereich über die Historie des Kreideabbaus und die Verwendung der Rügener Schreibkreide, ein geologisch-paläontologischer Sammlungsteil über die Entstehung der Insel Rügen. Auch eine hervorragende Ausstellung mit Kreidefossilien kann besichtigt werden.

Abb. 12: Kreidemuseum Gummanz
Abb. 13: Ehemaliger Tagebau am Freilichtmuseum Gummanz.

Auf Rügen gibt es auch mehrere große Geschiebe, z. B. der Schwanenstein bei Lohme. Auf den Siebenschneiderstein (Karlshamn-Granit) wird im Abschnitt Kap Arkona eingegangen. Der größte Findling Norddeutschlands ist der Buskam östlich von Göhren.

Abb. 14: Schwanenstein bei Lohme.

2. Geschiebesammeln auf Rügen

Abb. 15: Steilküste nördlich von Sassnitz.

Die Geröllstrände auf Rügen bieten dem Geschiebesammler gute Fundmöglichkeiten. Auf ein übermäßiges „Abräumen“ der Strände sollte man allerdings verzichten und Steine mit Bedacht entnehmen, damit auch zukünftige Besucher noch die ganze Bandbreite an nordischen Geschieben vorfinden können. Vielleicht vermag eine gute fotografische Dokumentation den „Sammeltrieb“ ebenfalls zu befriedigen. Die meisten der hier gezeigten Gesteine liegen noch vor Ort. Das Hauptaugenmerk gilt den kristallinen Geschieben, die in drei Abschnitten vorgestellt werden:

Die kristalline Geschiebegemeinschaft auf Rügen ist stark von den Gesteinen des Transskandinavischen Magmatitgürtels (TIB) geprägt, darunter die variationsreichen und oft bunten Småland-Granitoide und Småland-Porphyre. Allgemein häufig ist auch der Braune Ostsee-Quarzporphyr, der Rote Ostsee-Quarzporphyr tritt nur ganz vereinzelt auf. Rapakiwi-Gesteine von Åland sind in mäßiger Häufigkeit anzutreffen. Aus Dalarna finden sich nur wenige Kristallingesteine. Granite von Bornholm sind seltener, als es die Nähe zum Anstehenden und die Zugrichtung der Gletscher während der letzten Vereisung erwarten lässt.

Oslogesteine (z. B. Rhombenporphyre) oder SW-schwedisches Material fehlen vollständig, Rügen liegt jenseits ihrer Verbreitungsgrenzen. In diesem Zusammenhang sind Funde von dunklen und quarzfreien Porphyren mit rhombenförmigen Feldspat-Einsprenglingen interessant, die dem Rhombenporphyr ähneln, aber kaum aus dem Oslograben stammen dürften (Abb. 2-4). Ein weiterer Fund eines ganz ähnlichen Porphyrs wird im Abschnitt „Dwasieden“ (Abb. 13) gezeigt und diskutiert.

Abb. 16: Rhombenführender Porphyr, Sassnitz.
Abb. 17: Rückseite
Abb. 18: Nahaufnahme der nassen Oberfläche.
Abb. 19: Nahaufnahme einiger rhombenförmiger Feldspäte; rechts der Bildmitte ein Pyritkorn.

2.1. Sassnitz

Nördlich vom Hafen in Sassnitz wurden große Steine als Uferschutz abgelagert, neben zahlreichen Großgeschieben auch Lausitzer Granodiorit aus der Westlausitz als Fremdmaterial. Der Plutonit entstand im Zuge der Cadomischen Gebirgsbildung vor etwa 650-550 Millionen Jahren.

Abb. 20: Dunkler Xenolith in einem grauen Xenolith im Lausitzer Granodiorit. Uferbefestigung nördlich vom Hafen Sassnitz. Bildbreite 35 cm.

Etwas weiter nördlich beginnt die Steilküste von Jasmund. Aufragende Schollen von Schreibkreide wechseln sich mit Geschiebemergel und Schmelzwassersanden ab (Abb. 1). Bänder aus Feuerstein sind geradezu regelhaft in die Kreidesedimente eingeschaltet (Abb. 2). An einigen Stellen kann man auch eine Faltung dieser Bänder durch Tektonik oder Eistektonik beobachten (Abb. 5). Beim Aufenthalt am Fuße der Steilküste sollte stets die Gefahr von Steinschlag berücksichtigt werden. Besonders nach starkem Regen, während der Schneeschmelze und bei Sturm ist äußerste Vorsicht geboten.

Der vorgelagerte Geröllstrand besteht größtenteils aus schwarzen Feuersteinen. Jedes einzelne der wenigen eingestreuten Kristallingeschiebe lässt sich dadurch genauer in Augenschein nehmen. An Strandabschnitten mit aufgearbeiteten glazialen Ablagerungen treten diese auch zahlreicher in Erscheinung.

Abb. 21: Geröllstrand bei Sassnitz, Bildbreite 90 cm.
Abb. 22: Brauner Ostsee-Quarzporphyr mit einem helleren Quarzporphyr als Xenolith. Aufnahme unter Wasser.
Abb. 23: Nahaufnahme der nassen Oberfläche.
Abb. 24: Porphyrischer Rapakiwi (Kökar-Rapakiwi?), Breite 11,5 cm.
Abb. 25: Vollroter Granophyr mit hellem, teils bläulichem Quarz, Breite 12 cm.
Abb. 26: Nahaufnahme.

Solche vollroten Granophyre (granitische Gesteine, die fast vollständig aus graphischen Verwachsungen von Feldspat und Quarz bestehen) sind z. B. aus dem Nordingrå-Pluton in Nordschweden, aber auch aus anderen Rapakiwi-Vorkommen bekannt. Mangels charakteristischer Merkmale lässt sich der Gesteinstyp nicht auf ein bestimmtes Vorkommen zurückführen.

Abb. 27: Roter Rapakiwi (Rödö-Rapakiwi), Breite 17 cm.
Abb. 28: Das Gestein enthält weißen Calcit, sein Erscheinungsbild stimmt mit den Wiborgiten von Rödö überein (große, klare und magmatisch kaum korrodierte Quarze; gelber Plagioklas), wenn auch nur ein einzelnes größeres, von gelbem Plagioklas umsäumtes Kalifeldspat-Ovoid enthalten ist.
Abb. 29: Nahaufnahme
Abb. 30: Mischgestein aus einem Rapakiwi-Vorkommen. Die roten Bereiche bestehen aus graphischen Verwachsungen aus Quarz und Feldspat. Quarz bildet auch einzelne größere und rundliche Aggregate. Breite 13 cm.
Abb. 31: Nahaufnahme des Gefüges.
Abb. 32: Verhältnismäßig großes Geschiebe eines Bottenseeporphyrs, Typ Andeskeri, Breite 11,5 cm.
Abb. 33: Gleicher Stein, Aufnahme unter Wasser. Lagige oder schlierige Wechsel in der Färbung der Grundmasse sind in diesem Porphyrtyp häufig zu beobachten.
Abb. 34: Nahaufnahme der nassen Oberfläche.
Abb. 35: Polierte Schnittfläche.
Abb. 36: Nahaufnahme des Gefüges. Die dunkelgrauen Quarze weisen deutliche Spuren einer magmatischen Korrosion auf (radiale Einbuchtungen durch Anschmelzung; aufgefüllt mit Grundmasse).

Häufigster Geschiebetyp in Sassnitz sind die bunten Granitoide des Transskandinavischen Magmatitgürtels (TIB). Dazu gehören die mittelkörnigen Alkalifeldspatgranite vom Växjö-Typ mit blauem oder farblosem Quarz und braunem oder rotem Alkalifeldspat; weiterhin porphyrische Granite mit der typischen Dreifarbigkeit (blauer Quarz, brauner oder roter Alkalifeldspat sowie weißer, grüner, gelber oder orangefarbener Plagioklas). Die Anzahl der Leitgeschiebe unter den TIB-Graniten ist klein, da an verschiedenen Lokalitäten im Anstehenden Gesteine mit dem gleichen Gefüge auftreten.

Abb. 37: Mittelkörniger TIB-Granit (Flivik-Granit) aus Ost-Småland, Aufnahme unter Wasser.
Abb. 38: In der Nahaufnahme sind größere Mengen an gelblichem Titanit sichtbar.

Aus Nordost-Småland und dem südlichen Östergötland dürften die folgenden Granite mit porphyrischem Gefüge stammen. Gemeinsam ist ihnen ein Anteil von gelbem bis orangerotem Plagioklas und viel Titanit.

Abb. 39: NE-Småland-Granit (ähnlich Kinda-Granit), Breite 14 cm.
Abb. 40: NE-Småland-Granit (ähnlich Kinda-Granit), Breite 14 cm.
Abb. 41: Nahaufnahme
Abb. 42: Porphyrischer Granit mit Gefügewechsel, Breite 16 cm.
Abb. 43: Ein weiterer Gefügewechsel in einem porphyrischen Granit (grüner sowie wahrscheinlich durch Metasomatose umgewandelter gelber Plagioklas). Breite 14 cm.

Die nächsten Bilder (Abb. 44-51) sind eine Zusammenstellung einiger der überaus zahlreichen gleich- und mittelkörnigen Småland-Granite vom Växjö-Typ.

Abb. 44: Gleichkörniger Alkalifeldspat-Granit (Växjö-Typ), Breite 28 cm.
Abb. 45: Gleichkörniger Småland-Granit, Breite 11 cm.
Abb. 46: Gleichkörniger Småland-Granit mit etwas Plagioklas (gelb); Breite 14 cm.
Abb. 47: Gleichkörniger Småland-Monzogranit mit basischen Xenolithen, Breite 42 cm
Abb. 48: Nahaufnahme. Der Xenolith wurde hydrothermal alteriert und zeigt einen Saum aus hellgrünem Epidot.
Abb. 49: Gleichkörniger roter Alkalifeldspat-Granit (Växjö-Typ), Breite 13,5 cm.
Abb. 50: Bunter Växjö-Granit, kommt in N-Småland verbreitet vor und besitzt eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Siljan-Granit aus Dalarna. Breite 10,5 cm.
Abb. 51: Quarzreicher mittelkörniger Granit vom Växjö-Typ, Breite 11 cm.
Abb. 52: Porphyrischer roter Småland-Alkalifeldspatgranit, Breite 18 cm.
Abb. 53: Braune und aplitähnliche Partie mit einer mittelkörnigen Übergangszone in einem grobkörnigen Monzogranit bis Quarzmonzonit (rechts und ganz links). Breite 45 cm.
Abb. 54: Nahaufnahme
Abb. 55: Granit mit zuckerkörnigem Quarz (TIB-Granit, Älö-Granit?). Breite 13 cm.
Abb. 56: Quarzreicher Granitoid mit wenig hellbraunem Alkalifeldspat und kleineren, deutlich voneinander abgegrenzten Plagioklas-Aggregaten von weißer bis gelblichgrüner Farbe (Granodiorit). Breite 11 cm.
Abb. 57: Bornholm-Granit (Vang-Granit), Breite 28 cm.
Abb. 58: Nahaufnahme.

Typisch für die Bornholm-Granite ist das „verwaschene“ Gefüge mit unklaren Korngrenzen aus Kalifeldspat, Quarz und Plagioklas, die rötliche, über Korngrenzen hinweg laufende Hämatit-Imprägnierung sowie runde Ansammlungen von dunklen Mineralen (Biotit). Innerhalb des Biotits findet sich reichlich Titanit.

Abb. 59: (Bornholm?-)Streifengneis; Partien des Gesteins sind mit rotem Hämatit imprägniert. Breite 17 cm.

Auch Porphyrgeschiebe aus dem TIB finden sich in großer Zahl, darunter Porphyre vom Påskallavik- und Emarp-Typ. Nicht selten sind auch Gangporphyre mit einem deformierten Gefüge, erkennbar an schlierigen Ansammlungen und einer Vorzugsrichtung der dunklen Glimmerblättchen (Abb. 60).

Abb. 60: Deformierter Gangporphyr („Högsrum-Porphyr“), Breite 13 cm.
Abb. 61: Småland-Gangporphyr vom Påskallavik-Typ, Breite 19 cm.
Abb. 62: Roter Gangporphyr mit Blauquarz und körniger Grundmasse, Breite 10 cm.

Nur vereinzelt lassen sich am Strand von Sassnitz Kristallingesteine aus Dalarna entdecken.

Abb. 63: Älvdalen-Ignimbrit aus Dalarna, Breite 10,5 cm.
Abb. 64: Auffälliger Plutonit mit rosafarbenen Alkalifeldspat-Einsprenglingen und weißer Grundmasse aus feinkörnigem Feldspat. Breite 17 cm.
Abb. 65: Nahaufnahme. Quarzkörner sind nur vereinzelt aufzufinden, wahrscheinlich liegt der Quarzgehalt unter 5%. Wenn der Feldspat der weißen Grundmasse ausschließlich Plagioklas ist, dürfte es sich um einen Monzonit handeln (35-65% Alkalifeldspat am Gesamtfeldspatanteil, Quarz unter 5%).
Abb. 66: Västervik-Fleckenquarzit, Breite 9 cm.
Abb. 67: Kontakt zwischen Pegmatit und einem grauen Gneis, Breite 65 cm.
Abb. 68: Nahaufnahme der nassen Oberfläche. Der Pegmatit besteht fast ausschließlich aus Alkalifeldspat und großen Biotit-Aggregaten (bis 5 cm). Die grauen Partien innerhalb der Feldspäte weisen auf feinste Entmischungen von Albit und Kalifeldspat hin.
Abb. 69: Geschichteter Sandstein. Die wellenförmige Oberseite der rötlichen Lagen deutet auf Strömungsrippel, während die grauen Lagen darüber planar ausgebildet sind (ruhiges Strömungsregime). Breite 25 cm.

Links und ausgewählte Literatur

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