Granite des Oslograbens: Drammen-Granit und Finnemarka-Granit

Die magmatische Entwicklung der Tiefengesteine im Oslograben führt von alkalireichen und SiO2-armen bis SiO2-untersättigten Plutoniten der Larvikit-Serie (Larvikit, Nephelinsyenite etc.) über alkalireiche Syenite (Gesteine der Nordmarkit-Reihe) zu SiO2-reichen Plutoniten (Granite). Unter den zahlreichen Granitmassiven im Oslograben wird eine ältere, als Biotitgranit I bezeichnete Generation (280 Ma) von jüngeren Graniten (Biotitgranit II, 270-240 Ma) unterschieden. Letztere bilden nur sehr kleine Massive (s. skan-kristallin.de).

Abb. 1: Karte der Granitmassive (rot) im Oslograben, Quelle: skan-kristallin.de. Drammen-Batholith und Finnemarka-Granit nehmen mit Abstand die größte Fläche ein.

Der Drammen-Batholith gehört zum Biotitgranit I und nimmt als größtes Granitmassiv auf der Halbinsel Hurum und am Drammensfjord eine Fläche von etwa 650 km² ein. Die multiple Intrusion beheimatet zahlreiche Gefügevarianten, von grobkörnigen bis aplitischen Graniten, weiterhin Zweiglimmergranite und Granitporphyre, mikrokristalline Porphyre sowie ein 5-6 qkm großes Areal mit Rapakiwigefüge (Beschreibung in GAUT 1981, TRØNNES & BRANDON 1992, s. a. Exkursionsbericht auf kristallin.de). Drammen-Rapakiwi sowie eine Gefügevariante des Finnemarka-Granits sind als Leitgeschiebe verwendbar.

Der Drammen-Rapakiwi ist kein häufiger Geschiebefund, in typischer Ausbildung aber klar von Rapakiwis aus anderen Gebieten unterscheidbar. Das blassrötliche bis orangefarbene Gestein enthält runde, 5-15 mm große und etwas hellere Feldspat-Ovoide, eingebettet in eine körnige Grundmasse aus klaren Quarzen und eckigen Kalifeldspäten. Die Feldspat-Ovoide machen einen Anteil von 50% aus und weisen einen konzentrischen Aufbau (helle Kerne, etwas dunklerer Saum) auf. Manche von ihnen bestehen aus mehreren „Schalen“, andere sind aus mehreren Kristallsegmenten zusammengesetzt („kumulophyrisches“ Gefüge). Dunkle Minerale (chloritisierter Biotit, Amphibol) kommen nur in geringer Menge vor, als Nebenbestandteile können Muskovit, Epidot, Fluorit, Kalzit, Titanit, Zirkon und Apatit auftreten. (Beschreibung nach kristallin.de und TRØNNES & BRANDON 1992, s. a. ZANDSTRA 1999: 328-333).

Abb. 2: Drammen-Rapakiwi, Nahgeschiebe von Steinvik/Hurum (NOR), ex coll. H. Arildskov.
Abb. 3: Nahaufnahme. Die Ovoide zeigen teils grünlichgraue, teils klar orangefarbene Kerne und sind von einem etwas dunkleren Rand umgeben. Rechts der Bildmitte ist ein mehrfach zonierter Feldspat-Ovoid erkennbar.
Abb. 4: Drammen-Rapakiwi; einige Ovoide weisen einen rotbraunen Kern auf. Geschiebe von Slagentangen (NOR), Breite 90 mm, Slg. T. Brückner.
Abb. 5: Drammen-Rapakiwi, Steinvik/Hurum (NOR), ex coll. H. Arildskov.
Abb. 6: Nahaufnahme. Innerhalb der etwas dunkleren Säume der Ovoide ist anteilig ein grünlicher Feldspat (Plagioklas?) erkennbar.

Woher die unter dänischen Geschiebesammlern verwendete Bezeichnung „Anti-Rapakivi“ stammt (Gefüge ähnlich Abb. 7), habe ich bisher nicht herausgefunden. Offenbar sind damit Drammen-Rapakiwis mit grünen (=Plagioklas?-)Ovoiden gemeint.

Abb. 7: Drammen-Rapakiwi mit kumulophyrischen (aus mehreren Kristallsegmenten zusammengesetzten), teilweise auch grünen Ovoiden. Slagentangen (NOR), Breite 13 cm, Slg. T. Brückner.
Abb. 8: Nahaufnahme
Abb. 9: Drammen-Rapakiwi, Anstehendprobe von Nordbyveien (59.71728, 10.26573), leg. T. Langmann. Aufnahme unter Wasser; vgl. mit Abb. 3.
Abb. 10: Nahaufnahme des Gefüges.
Abb. 11: Drammen-Rapakiwi, Anstehendprobe bei Berger (59.53504, 10.36206), leg. T. Langmann.
Abb. 12: Nahaufnahme. In der Grundmasse zeigen sich feine und gewundene graphische Quarz-Feldspat-Verwachsungen.
Abb. 13: Drammen-Rapakiwi, Übergang zu porphyrischem Gefüge (keine Ovoide), aber mit graphischen Verwachsungen in der Grundmasse. Anstehendprobe von Tofte (59.55147, 10.51491), leg. T. Langmann.
Abb. 14: Drammen-Granit mit wenig ausgeprägten Rapakiwi-Merkmalen. Anstehendprobe, Steinbruch am Drammensfjord (59.63972, 10.39544), leg. T. Langmann.
Abb. 15: Drammen-Granit? mit rundlichen Feldspat-Einsprenglingen, teils mit graphischen Verwachsungen in der Grundmasse. Geschiebe von Stenbjerg (DK), Slg. E. Figaj.

Das Geschiebe Abb. 16 wurde zunächst als „Drammen-Pyterlit“ bezeichnet, gleichwohl kein Pyterlit-Gefüge (wenigstens einige runde Alkalifeldspäte ohne Plagioklassaum) erkennbar ist und es sich damit lediglich um einen porphyrischen Granit mit idiomorphen Quarzen handelt. Vom Drammen-Granit sind ähnliche Gefüge bekannt, wobei einige der kantigen und blassbraunen Alkalifeldspäte rotbraune Säume aufweisen können. Dieses Gefüge ist jedoch nicht einzigartig und auch in anderen Vorkommen anorogener Granite verbreitet (Åland, Dalarna). Vgl. auch Erläuterungen zum Drammen-Pyterlit auf kristallin.de.

Abb. 16: porphyrischer Granit mit idiomorphen Quarzen, Geschiebe von Lyby-Mogenstrup (DK), ex coll. H. Arildskov.

Finnemarka-Granit (Finnemarka-Quarzmonzonit)

Nördlich des Drammen-Batholith liegt das etwa 125 qkm große Finnemarka-Massiv, das ebenfalls zu den Biotit-I-Graniten gerechnet wird. Neben einem hellrötlichen und grobkörnigen Biotitgranit, der den größten Bereich des Vorkommens abdeckt, steht ein Quarzmonzonit mit einem auffälligen Gefüge an. Näheres zu Geologie und Geschichte dieses Geschiebetyps auf skan-kristallin.de. Die ersten Anstehendproben zu geschiebekundlichen Vergleichszwecken hat H. Arildkov gesammelt.

Abb. 17: Finnemarka-Quarzmonzonit, auffälliges Gefüge aus dicht an dicht liegenden und hellen Feldspäten in einer feinkörnigen und blassrötlichen sowie mafitreichen Grundmasse. Geschiebe von Slagentangen, Breite 18 cm, Slg. T. Brückner.

Das Gestein weist ein porphyrisches Gefüge und fällt durch die dichte Packung weißer Feldspäte auf. Diese erreichen eine Größe von 10-15 mm, darunter sowohl rechteckige Anschnitte mit abgerundeten Ecken, als auch nahezu runde oder polygonale Feldspäte mit mehr als 4 Kanten. Viele sind von einem dünnen Saum eines blassroten bis blass bräunlichen zweiten Feldspats umgeben. Die kleinkörnige Grundmasse besteht aus hellgrauen Quarz-Körnern, zwei Feldspatarten (weiß und rötlich) sowie dunklen Mineralen (Biotit, Amphibol). Größere Amphibole stechen durch ihre stengelige Ausbildung hervor.

Nach CZAMANSKE 1965 handelt es sich bei den größeren Feldspäten um Oligoklas, einem sehr Na-reichen Feldspat der Plagioklas-Reihe (70-90% Albit). In einigen Kristallen lassen sich Einschlüsse von Quarz und rötlichem Alkalifeldspat, in anderen dunkle Minerale beobachten. Der überwiegende Anteil an Plagioklas gegenüber dem zweiten Feldspat (wahrscheinlich Kalifeldspat) sowie der geringe Quarzanteil (unter 10%) legen eine quarzmonzonitische Zusammensetzung des Gesteins nahe.

Abb. 18: Finnemarka-Quarzmonzonit. Hier sind die dünnen Alkalifeldspatsäume orangefarben bis blassbraun getönt. Polierte Schnittfläche, Slagentangen, leg. T. Brückner.
Abb. 19: Nahaufnahme

Literatur

CZAMANSKE GK 1965 Petrological aspects of the Finnemarka granite complex, Oslo area, Norway – J. Geol 73, S. 239-322.

GAUT A 1981 Field relations and petrography of the biotite granites of the Oslo region – Norges Geol Unders 367, S. 39-64.

TRØNNES G & BRANDON AD 1992 Mildly peraluminous high-silica granites in a continental rift: the Drammen and Finnemarka batholiths, Oslo Rift, Norway – Contrib Mineral Petrol (1992) 109, S. 275-294. Springer-Verlag.

ZANDSTRA J G 1999 Platenatlas van noordelijke kristallijne gidsgesteenten – S. 328-333 – Backhuys Leiden.