Nephelinsyenite des Oslo-Grabens

Die Nephelinsyenite des Oslograbens gingen als späte Differentiate und letzte Glieder der Plutonite der Larvikit-Serie aus stark SiO2-untersättigten Magmen hervor. Zu den Nephelinsyeniten zählen der grob- bis riesenkörnige Lardalit, die eher mittelkörnigen Nephelinsyenite (u. a. der Foyait) sowie Pegmatite. Innerhalb dieser Folge treten Ganggesteine auf, z. B. die Hedrumite. Alle Gesteine werden von BRØGGER 1898 ausführlich, teilweise erstmalig beschrieben. Die geologische Karte Abb. 1 zeigt die enge Vergesellschaftung von Larvikit, Lardalit und Nephelinsyeniten im Gelände.

Abb. 1: Verbreitung der Nephelinsyenite im Lardalit-Gebiet nördlich von Larvik (nach Angaben in OFTEDAHL 1960), Karte aus skan-kristallin.de.
  1. Lardalit
  2. Foyait
  3. Körniger Nephelinsyenit
  4. Nephelinsyenit-Pegmatit
  5. Hedrumit – Lestiwarit
  6. Literatur

1. Lardalit

Die grob- bis riesenkörnigen Lardalite erscheinen dunkler als die meisten Larvikite und enthalten zudem Nephelin in erheblicher Menge. Damit sind sie Nephelinsyenite, keine Monzonite. Die silbriggrauen bis dunkel blaugrauen und ternären Feldspäte können eine Kantenlänge von 6 cm erreichen. Bekannt sind Varianten aus mehr oder weniger rechteckigen Feldspäten, rhombenförmige Feldspäte treten nur vereinzelt auf. Eine andere Variante besteht aus zahlreichen Feldspat-Rhomben und Nephelin in den Zwickeln. Nephelin ist in jedem Falle reichlich und bis zu einem Anteil von 30% enthalten. Der Feldspatvertreter bildet blassbraune bis graubraune Aggregate bis 1 cm Größe. Auf der Oberfläche von Geschieben kann Nephelin ausgewittert sein und eine löchrige Oberfläche hinterlassen. Als dunkle Minerale finden sich Pyroxen, Amphibol und Biotit.

Eine ausführliche Beschreibung der Lardalite stammt von BRØGGER 1898: 7-40. Abbildungen von Anstehendproben werden auf skan-kristallin.de gezeigt, ein Exkursionsbericht ins Lardalit-Gebiet auf kristallin.de nachzulesen. Lardalite stehen auf vergleichsweise kleiner Fläche an und sind als Geschiebefund sehr selten. Zudem unterlag das Lardalit-Massiv aufgrund der Festigkeit und Zähigkeit der Gesteine während der nordischen Inlandvereisungen nur einer mäßigen Abtragung.

Abb. 2: Lardalit, polierte Schnittfläche, Geschiebe von Nissum-Bredning (DK), Sgl. R. Hanning 1993; Bild von skan-kristallin.de.
Abb. 3: dunkler Lardalit, Breite 13,5 cm, ex coll. H. Arildskov, N Amundsjöen, W Kvelde(?).
Abb. 4: Detailaufnahme mit rotbraunem Glimmer.

Zwei Gefügevarianten eher mittelkörniger Nephelinsyenite treten im Vergleich zum Lardalit deutlich häufiger als Geschiebe auf: Foyait („trachytischer“ Nephelinsyenit) und körniger Nephelinsyenit. Sie kommen in Gestalt von Gängen und kleine Massiven im Lardalit-Gebiet, untergeordnet auch an anderen Lokalitäten vor.

2. Foyait

Der Foyait oder „trachytische“ Nephelinsyenit fällt durch sein besonderes Gefüge in Auge: weiße und schmal leistenförmige Alkalifeldspäte von 10-15 mm Länge bilden ein netzartiges Gerüst und weisen je nach Blickrichtung eine regellose Anordnung oder annähernd parallele Ausrichtung („trachytisches“ Gefüge) auf. Einige der idiomorphen Feldspäte bilden Karlsbader Zwillinge, gelegentlich kommen plattige Feldspäte vor. Der Nephelin-Anteil des Gesteins beträgt 10-25%. Das graue bis graubraune Mineral sitzt in den Zwischenräumen der Feldspäte in Gestalt xenomorpher bis eckiger Körner. Auf der Außenseite von Geschieben kann Nephelin ausgewittert sein und eine löchrige Oberfläche sowie ein skelettartiges Gewirr aus Feldspatleisten hinterlassen (Abb. 5). Als dunkle Minerale treten Biotit, nadeliger Ägirin und/oder Hornblende hinzu, als Nebenbestandteile Titanit (braune Aggregate bis 5 mm), gelegentlich grüner Apatit sowie etwas Erz. Quarz fehlt.

Die meisten Foyaite sind weißlich-graue bis bräunlich-graue Gesteine, seltener finden sich rötliche oder graugrüne Varianten. Auf den ersten Blick mag eine Verwechslungsmöglichkeit mit Doleriten bestehen. Diese durch den hohen Anteil mafischer Minerale (Pyroxen, Olivin, auch Magnetit) eher dunklen Gesteine enthalten jedoch leistenförmigen Plagioklas als einzigen Feldspat, Nephelin fehlt. Bilder von Anstehendproben auf skan-kristallin.de, Beschreibung in ZANDSTRA 1988: 387 und SMED & EHLERS 2002: 154.

Abb. 5: Foyait, löchrige Außenseite eines Geschiebes durch teilweise ausgewitterten braunen Nephelin. Geschiebe von Kos, Slg. E. Figaj.
Abb. 6: Foyait mit bräunlichgrauem Nephelin, Geschiebe von Stenbjerg (DK), Slg. E. Figaj. Aufnahme unter Wasser.
Abb. 7: Nahaufnahme; neben dunklen Mineralen (Amphibol, nadeliger Ägirin) ist gelblicher Titanit erkennbar.

Abb. 8, 9: Foyait mit grauem Nephelin, Anstehendprobe von Farrisveien (NOR), 200 m W Lågendalsveien (N59.174873, E9.984337), leg. M. Bräunlich 2012; Slg. der BGR in Berlin-Spandau. Die Detailaufnahme (Abb. 9) zeigt einige halbseitig reflektierende Alkalifeldspäte (Karlsbader Zwillinge).

3. Körniger Nephelinsyenit

Als körnigen Nephelinsyenit bezeichnet man eine Reihe hellgrauer, manchmal silbriggrauer oder etwas rötlicher sowie mittelkörniger Nephelinsyenite. Sie sind etwas weniger auffällig als der Foyait, besteht aber aus den gleichen Mineralen. Hellgrauer und deutlich gestreifter Alkalifeldspat bildet unregelmäßig eckige, vereinzelt rechteckige Kristalle (darunter häufig Karlsbader Zwillinge). Grauer bis graubrauner, stellenweise rötlich verfärbter Nephelin tritt in geringerer Menge und kleineren Körnern auf. Nephelin kann durch Alteration eine orangerote Farbe annehmen. Auffällig sind die großen (2-5 mm) und gedrungen rechteckigen bis annährend quadratischen schwarzen Hornblende- oder Pyroxen-Einsprenglinge. Untergeordnet können Biotit, brauner Titanit, Apatit und Erz enthalten sein. Die Gesteine weisen eine Tendenz zu unregelmäßigen Korngrenzen sowie zur Ungleichkörnigkeit auf. Die Korngröße variiert zwischen kleinkörnig (1-2 mm Korngröße) und mittelkörnig (Alkalifeldspat bis 1 cm, Nephelin bis 5 mm).

Die Außenseite von Geschieben kann durch ausgewitterten Nephelin ebenfalls löchrig erscheinen. Zwischen körnigen und trachytischen Nephelinsyeniten existieren Übergänge. Die von BRØGGER 1898 eingeführte Bezeichnung „Ditroit“ für intrusive körnige Nephelinsyenite sollte nicht mehr verwendet werden, da sie bereits 1866 für eine andere Gesteinsart vergeben wurde und heute als obsolet anzusehen ist.

Abb. 10: Übergang körniger Nephelinsyenit – Foyait, Breite 11,5 cm, ex coll. H. Arildskov.
Abb. 11: körniger Nephelinsyenit, Geschiebe von Stenbjerg (DK), leg. E. Figaj, Aufnahme unter Wasser.
Abb. 12: Nahaufnahme der nassen Oberfläche.
Abb. 13: kleinkörniger Nephelinsyenit, Übergang zwischen körnigem und trachytischem Gefüge. Geschiebe von Stenbjerg (DK), leg. E. Figaj.
Abb. 14: Nahaufnahme

Neben Nephelinsyeniten treten im Oslograben auch Foidsyenite mit Sodalith als zweiten Feldspatvertreter auf. Das hellgraue bis schwach bläuliche Mineral lässt sich kaum von ebenfalls hellgrauem Alkalifeldspat unterscheiden, wird unter UV-Licht aber anhand seiner orangefarbene Fluoreszenz sichtbar (s. kristallin.de, Abb. 102-103).

Abb. 15: Sodalith-Foyait, Anstehendprobe von Kvelde Kirke (NOR), leg. H. Arildskov. Das Gestein besteht aus hellem Alkalifeldspat, braunem Nephelin und enthält in erheblicher Menge hellgrauen Sodalith.
Abb. 16: Nahaufnahme

4. Nephelinsyenit-Pegmatit

Auf der kleinen Insel Låven im Langesundsfjord treten Nephelinsyenit-Pegmatite innerhalb des Larvikits auf. BRØGGER 1890 widmet diesen „Riesenfoyaiten“ und den darin enthaltenen, teilweise seltenen Mineralen eine umfassende Monographie. Weiter südlich von Låven (Mølen) finden sich die Pegmatite als Nahgeschiebe.

Abb. 17: Nephelinsyenit-Pegmatit aus weißem bis grauem Alkalifeldspat, bis 2 cm großen Aggregaten von Nephelin (braun) und dunklen Mineralen im Kontakt zu einem mittelkörnigen Alkalifeldspatsyenit. Geschiebe von Mølen, polierte Schnittfläche, leg. T. Brückner.
Abb. 18: Nahaufnahme des Kontakts.

5. Hedrumit – Lestiwarit

Hedrumite sind eine vielgestaltige Gruppe grobtafeliger bis feinkörniger sowie nephelinreicher bis nephelinfreier Ganggesteine aus der Foyait-Reihe innerhalb des Larvikit-Komplexes (BRØGGER 1898: 183-198); es bestehen Übergänge zum Pulaskit. Definition des Hedrumits in LE MAITRE 2004: „Lokalname für eine porphyrische, feinkörnige Varietät eines Alkalifeldspatsyenits mit trachytischem oder foyaitischem Gefüge, hauptsächlich aus Mikroklin-Mikroperthit bestehend. Die Grundmasse ist biotitreich und enthält geringe Mengen an Natrium-Amphibol, Ägirin sowie Nephelin.“ Als Geschiebefund dürften die Gesteine nur eine untergeordnete Rolle spielen, allenfalls graubraune bis braune und trachytische, den Foyaiten ähnliche Varianten erkennbar sein.

Abb. 19: Bräunlicher Hedrumit mit leistenförmigen, einigermaßen parallel eingeregelten grauen Feldspäten. Anstehendprobe vom Aufschluss Hedrumveien (Str. 304), Lågendalen, SE Kvelde (N59.173350, E10.029360), leg. M. Bräunlich 2012, Slg. der BGR Berlin.
Abb. 20: Nahaufnahme; zahlreiche Alkalifeldspäte sind als Karlsbader Zwillinge ausgebildet, erkennbar an den halbseitig reflektierenden Kristallflächen. Nephelin ist nicht erkennbar bzw. von Kalifeldspat unterscheidbar.

Eine weitere Anstehendprobe eines Hedrumits sieht ganz anders aus.

Abb. 21: Hedrumit vom Südende des Sees Skirstadkjern; leg. Finckh 1906 (laut Etikett Originalgestein Nr. 190 zu Tröger 1934, dort wird allerdings ein anderer Fundort angegeben).
Abb. 22: Alkalifeldspatsyenit (Hedrumit?) Geschiebe von Steinvik/Tofte (NOR), ex coll. H. Arildskov.
Abb. 23: Die Detailaufnahme zeigt ein Gefüge weitgehend rechteckiger bis länglicher Feldspat-Kristalle, neben wenigen größeren Feldspat-Einsprenglingen (mit hellem Saum), wenig dunklen Mineralen und bräunlichem Titanit.

Der folgende Geschiebefund aus Dänemark könnte in die Reihe Nephelinsyenit – Hedrumit passen. Das graugrüne Gestein besitzt ein porphyrisches Gefüge und enthält größere graue, zum Rand hin etwas hellere Alkalifeldspat-Leisten. Sie zeigen eine annähernd parallele Ausrichtung, viele davon sind Karlsbader Zwillinge. In der feinkörnigen grünlichen Grundmasse deuten zahlreiche kleine, rötlichbraune und xenomorphe Körner auf alterierte Foide (Nephelin?). Weiterhin sind nadelige Pyroxene (Ägirin), stengelige dunkle Minerale und Glimmer erkennbar. Die größeren weißen bis blass orangefarbenen Aggregate (Xenolithe) bestehen teilweise aus Zusammenballungen leistenförmiger Alkalifeldspäte.

Abb. 24: Hedrumit? Geschiebe aus Dänemark, E. Figaj leg. Aufnahme unter Wasser.
Abb. 25: Nahaufnahme mit parallel ausgerichteten Alkalifeldspatleisten (Karlsbader Zwillinge), orangebraunem Nephelin(?) sowie nadeligem Ägirin.

Der Lestiwarit tritt als Begleiter der Nephelinsyenite auf. Das helle und aplitische Ganggestein ist ein nephelinfreier Syenit aus weißem Alkalifeldspat und nadeligem Ägirin (Beschreibung in BRØGGER 1898: 213-218).

Abb. 26: Lestiwarit, Gang im Foyait, N Kvelde Kirche, Lågendal (Jarlsberg), Handstück aus der Originalsammlung Brøgger 1906, Nr. 111. Slg. der BGR in Berlin-Spandau.

6. Literatur

ANTHONY E Y, SEGALSTAD T V & NEUMANN, E R 1989 An unusual mantle source region for nephelinites from the Oslo Rift, Norway – Geochimica et Cosmochimica Acta, 53, S. 1067-1076.

BRØGGER WC 1890 Die Mineralien der Syenitpegmatitgänge der südnorwegischen Augit- und Nephelinsyenite in: Zeitschrift für Krystallographie und Mineralogie. Hrsg. P. Groth, Bd. 16, Leipzig 1890.

BRØGGER WC 1898 Die Eruptivgesteine des Kristianagebietes – III. Das Ganggefolge des Laurdalits – 375 S., 1 Karte, 4 Taf., 5 Fig. i. Text.

LE MAITRE et al 2004 Igneous Rocks: A Classification and Glossary of Terms. Edited by R. W. Le Maitre and A. Streckeisen and B. Zanettin and M. J. Le Bas and B. Bonin and P. Bateman – 252 S., Cambridge University Press, ISBN 0521619483.

OFTEDAHL C & DONS J 1957 Geological Guide to Oslo and District – Oslo, 1957.

SMED P & EHLERS J 2002 Steine aus dem Norden (2.Aufl.) – 194 S., 34 Taf., 67 Abb., 1 Kte. (rev. 2008), Berlin, Stuttgart (Gebr. Borntraeger).

TRÖGER WE 1934 Spezielle Petrographie der Eruptivgesteine, Nomenklatur-Kompendium, Berlin 1935. Nachdruck durch den Verlag der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft,1969.

ZANDSTRA JG 1988 Noordelijke kristallijne gidsgesteenten – E. J. Brill 1988.