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Nephelinsyenite des Oslo-Grabens

Die Nephelinsyenite des Oslograbens gingen als späte Differentiate und letzte Glieder der Plutonite der Larvikit-Serie aus stark SiO2-untersättigten Magmen hervor. Zu den Nephelinsyeniten zählen der grob- bis riesenkörnige Lardalit, die eher mittelkörnigen Nephelinsyenite (u. a. der Foyait) sowie Pegmatite. Innerhalb dieser Folge treten Ganggesteine auf, z. B. die Hedrumite. Alle Gesteine werden von BRØGGER 1898 ausführlich, teilweise erstmalig beschrieben. Die geologische Karte Abb. 1 zeigt die enge Vergesellschaftung von Larvikit, Lardalit und Nephelinsyeniten im Gelände.

Abb. 1: Verbreitung der Nephelinsyenite im Lardalit-Gebiet nördlich von Larvik (nach Angaben in OFTEDAHL 1960), Karte aus skan-kristallin.de.
  1. Lardalit
  2. Foyait
  3. Körniger Nephelinsyenit
  4. Nephelinsyenit-Pegmatit
  5. Hedrumit – Lestiwarit
  6. Literatur

1. Lardalit

Die grob- bis riesenkörnigen Lardalite erscheinen dunkler als die meisten Larvikite und enthalten zudem Nephelin in erheblicher Menge. Damit sind sie Nephelinsyenite, keine Monzonite. Die silbriggrauen bis dunkel blaugrauen und ternären Feldspäte können eine Kantenlänge von 6 cm erreichen. Bekannt sind Varianten aus mehr oder weniger rechteckigen Feldspäten, rhombenförmige Feldspäte treten nur vereinzelt auf. Eine andere Variante besteht aus zahlreichen Feldspat-Rhomben und Nephelin in den Zwickeln. Nephelin ist in jedem Falle reichlich und bis zu einem Anteil von 30% enthalten. Der Feldspatvertreter bildet blassbraune bis graubraune Aggregate bis 1 cm Größe. Auf der Oberfläche von Geschieben kann Nephelin ausgewittert sein und eine löchrige Oberfläche hinterlassen. Als dunkle Minerale finden sich Pyroxen, Amphibol und Biotit.

Eine ausführliche Beschreibung der Lardalite stammt von BRØGGER 1898: 7-40. Abbildungen von Anstehendproben werden auf skan-kristallin.de gezeigt, ein Exkursionsbericht ins Lardalit-Gebiet auf kristallin.de nachzulesen. Lardalite stehen auf vergleichsweise kleiner Fläche an und sind als Geschiebefund sehr selten. Zudem unterlag das Lardalit-Massiv aufgrund der Festigkeit und Zähigkeit der Gesteine während der nordischen Inlandvereisungen nur einer mäßigen Abtragung.

Abb. 2: Lardalit, polierte Schnittfläche, Geschiebe von Nissum-Bredning (DK), Sgl. R. Hanning 1993; Bild von skan-kristallin.de.
Abb. 3: dunkler Lardalit, Breite 13,5 cm, ex coll. H. Arildskov, N Amundsjöen, W Kvelde(?).
Abb. 4: Detailaufnahme mit rotbraunem Glimmer.

Zwei Gefügevarianten eher mittelkörniger Nephelinsyenite treten im Vergleich zum Lardalit deutlich häufiger als Geschiebe auf: Foyait („trachytischer“ Nephelinsyenit) und körniger Nephelinsyenit. Sie kommen in Gestalt von Gängen und kleinen Massiven im Lardalit-Gebiet, untergeordnet auch an anderen Lokalitäten vor.

2. Foyait

Der Foyait oder „trachytische“ Nephelinsyenit fällt durch sein besonderes Gefüge ins Auge: weiße und schmal leistenförmige Alkalifeldspäte von 10-15 mm Länge bilden ein netzartiges Gerüst und weisen je nach Blickrichtung eine regellose Anordnung oder annähernd parallele Ausrichtung („trachytisches“ Gefüge) auf. Einige der idiomorphen Feldspäte bilden Karlsbader Zwillinge, gelegentlich kommen plattige Feldspäte vor. Der Nephelin-Anteil des Gesteins beträgt 10-25%. Das graue bis graubraune Mineral sitzt in den Zwischenräumen der Feldspäte in Gestalt xenomorpher bis eckiger Körner. Auf der Außenseite von Geschieben kann Nephelin ausgewittert sein und eine löchrige Oberfläche sowie ein skelettartiges Gewirr aus Feldspatleisten hinterlassen (Abb. 5). Als dunkle Minerale treten Biotit, nadeliger Ägirin und/oder Hornblende hinzu, als Nebenbestandteile Titanit (braune Aggregate bis 5 mm), gelegentlich grüner Apatit sowie etwas Erz. Quarz fehlt.

Die meisten Foyaite sind weißlich-graue bis bräunlich-graue Gesteine, seltener finden sich rötliche oder graugrüne Varianten. Auf den ersten Blick mag eine Verwechslungsmöglichkeit mit Doleriten bestehen. Diese durch den hohen Anteil mafischer Minerale (Pyroxen, Olivin, auch Magnetit) eher dunklen Gesteine enthalten jedoch leistenförmigen Plagioklas als einzigen Feldspat, Nephelin fehlt. Bilder von Anstehendproben auf skan-kristallin.de, Beschreibung in ZANDSTRA 1988: 387 und SMED & EHLERS 2002: 154.

Abb. 5: Foyait, löchrige Außenseite eines Geschiebes durch teilweise ausgewitterten braunen Nephelin. Geschiebe von Kos, Slg. E. Figaj.
Abb. 6: Foyait mit bräunlichgrauem Nephelin, Geschiebe von Stenbjerg (DK), Slg. E. Figaj. Aufnahme unter Wasser.
Abb. 7: Nahaufnahme; neben dunklen Mineralen (Amphibol, nadeliger Ägirin) ist gelblicher Titanit erkennbar.

Abb. 8, 9: Foyait mit grauem Nephelin, Anstehendprobe von Farrisveien (NOR), 200 m W Lågendalsveien (N59.174873, E9.984337), leg. M. Bräunlich 2012; Slg. der BGR in Berlin-Spandau. Die Detailaufnahme (Abb. 9) zeigt einige halbseitig reflektierende Alkalifeldspäte (Karlsbader Zwillinge).

3. Körniger Nephelinsyenit

Als körnigen Nephelinsyenit bezeichnet man eine Reihe hellgrauer, manchmal silbriggrauer oder etwas rötlicher sowie mittelkörniger Nephelinsyenite. Sie sind etwas weniger auffällig als der Foyait, bestehen aber aus den gleichen Mineralen. Hellgrauer und deutlich gestreifter Alkalifeldspat bildet unregelmäßig eckige, vereinzelt rechteckige Kristalle (darunter häufig Karlsbader Zwillinge). Grauer bis graubrauner, stellenweise rötlich verfärbter Nephelin tritt in geringerer Menge und kleineren Körnern auf. Nephelin kann durch Alteration eine orangerote Farbe annehmen. Auffällig sind die großen (2-5 mm) und gedrungen rechteckigen bis annährend quadratischen schwarzen Hornblende- oder Pyroxen-Einsprenglinge. Untergeordnet können Biotit, brauner Titanit, Apatit und Erz enthalten sein. Die Gesteine weisen eine Tendenz zu unregelmäßigen Korngrenzen sowie zur Ungleichkörnigkeit auf. Die Korngröße variiert zwischen kleinkörnig (1-2 mm Korngröße) und mittelkörnig (Alkalifeldspat bis 1 cm, Nephelin bis 5 mm).

Die Außenseite von Geschieben kann durch ausgewitterten Nephelin ebenfalls löchrig erscheinen. Zwischen körnigen und trachytischen Nephelinsyeniten existieren Übergänge. Die von BRØGGER 1898 eingeführte Bezeichnung „Ditroit“ für intrusive körnige Nephelinsyenite sollte nicht mehr verwendet werden, da sie bereits 1866 für eine andere Gesteinsart vergeben wurde und heute als obsolet anzusehen ist.

Abb. 10: Übergang körniger Nephelinsyenit – Foyait, Breite 11,5 cm, ex coll. H. Arildskov.
Abb. 11: körniger Nephelinsyenit, Geschiebe von Stenbjerg (DK), leg. E. Figaj, Aufnahme unter Wasser.
Abb. 12: Nahaufnahme der nassen Oberfläche.
Abb. 13: kleinkörniger Nephelinsyenit, Übergang zwischen körnigem und trachytischem Gefüge. Geschiebe von Stenbjerg (DK), leg. E. Figaj.
Abb. 14: Nahaufnahme

Neben Nephelinsyeniten treten im Oslograben auch Foidsyenite mit Sodalith als zweitem Feldspatvertreter auf. Das hellgraue bis schwach bläuliche Mineral lässt sich kaum von ebenfalls hellgrauem Alkalifeldspat unterscheiden, wird unter UV-Licht aber anhand seiner orangefarbenen Fluoreszenz sichtbar (s. kristallin.de, Abb. 102-103).

Abb. 15: Sodalith-Foyait, Anstehendprobe von Kvelde Kirke (NOR), leg. H. Arildskov. Das Gestein besteht aus hellem Alkalifeldspat, braunem Nephelin und enthält in erheblicher Menge hellgrauen Sodalith.
Abb. 16: Nahaufnahme

4. Nephelinsyenit-Pegmatit

Auf der kleinen Insel Låven im Langesundsfjord treten Nephelinsyenit-Pegmatite innerhalb des Larvikits auf. BRØGGER 1890 widmet diesen „Riesenfoyaiten“ und den darin enthaltenen, teilweise seltenen Mineralen eine umfassende Monographie. Weiter südlich von Låven (Mølen) finden sich die Pegmatite als Nahgeschiebe.

Abb. 17: Nephelinsyenit-Pegmatit aus weißem bis grauem Alkalifeldspat, bis 2 cm großen Aggregaten von Nephelin (braun) und dunklen Mineralen im Kontakt zu einem mittelkörnigen Alkalifeldspatsyenit. Geschiebe von Mølen, polierte Schnittfläche, leg. T. Brückner.
Abb. 18: Nahaufnahme des Kontakts.

5. Hedrumit – Lestiwarit

Hedrumite sind eine vielgestaltige Gruppe grobtafeliger bis feinkörniger sowie nephelinreicher bis nephelinfreier Ganggesteine aus der Foyait-Reihe innerhalb des Larvikit-Komplexes (BRØGGER 1898: 183-198); es bestehen Übergänge zum Pulaskit. Definition des Hedrumits in LE MAITRE 2004: „Lokalname für eine porphyrische, feinkörnige Varietät eines Alkalifeldspatsyenits mit trachytischem oder foyaitischem Gefüge, hauptsächlich aus Mikroklin-Mikroperthit bestehend. Die Grundmasse ist biotitreich und enthält geringe Mengen an Natrium-Amphibol, Ägirin sowie Nephelin.“ Als Geschiebefund dürften die Gesteine nur eine untergeordnete Rolle spielen, allenfalls graubraune bis braune und trachytische, den Foyaiten ähnliche Varianten erkennbar sein.

Abb. 19: Bräunlicher Hedrumit mit leistenförmigen, einigermaßen parallel eingeregelten grauen Feldspäten. Anstehendprobe vom Aufschluss Hedrumveien (Str. 304), Lågendalen, SE Kvelde (N59.173350, E10.029360), leg. M. Bräunlich 2012, Slg. der BGR Berlin.
Abb. 20: Nahaufnahme; zahlreiche Alkalifeldspäte sind als Karlsbader Zwillinge ausgebildet, erkennbar an den halbseitig reflektierenden Kristallflächen. Nephelin ist nicht erkennbar bzw. von Kalifeldspat unterscheidbar.

Eine weitere Anstehendprobe eines Hedrumits sieht ganz anders aus.

Abb. 21: Hedrumit vom Südende des Sees Skirstadkjern; leg. Finckh 1906 (laut Etikett Originalgestein Nr. 190 zu Tröger 1934, dort wird allerdings ein anderer Fundort angegeben).
Abb. 22: Alkalifeldspatsyenit (Hedrumit?) Geschiebe von Steinvik/Tofte (NOR), ex coll. H. Arildskov.
Abb. 23: Die Detailaufnahme zeigt ein Gefüge weitgehend rechteckiger bis länglicher Feldspat-Kristalle, neben wenigen größeren Feldspat-Einsprenglingen (mit hellem Saum), wenig dunklen Mineralen und bräunlichem Titanit.

Der folgende Geschiebefund aus Dänemark könnte in die Reihe Nephelinsyenit – Hedrumit passen. Das graugrüne Gestein besitzt ein porphyrisches Gefüge und enthält größere graue, zum Rand hin etwas hellere Alkalifeldspat-Leisten. Sie zeigen eine annähernd parallele Ausrichtung, viele davon sind Karlsbader Zwillinge. In der feinkörnigen grünlichen Grundmasse deuten zahlreiche kleine, rötlichbraune und xenomorphe Körner auf alterierte Foide (Nephelin?). Weiterhin sind nadelige Pyroxene (Ägirin), stengelige dunkle Minerale und Glimmer erkennbar. Die größeren weißen bis blass orangefarbenen Aggregate (Xenolithe) bestehen teilweise aus Zusammenballungen leistenförmiger Alkalifeldspäte.

Abb. 24: Hedrumit? Geschiebe aus Dänemark, E. Figaj leg. Aufnahme unter Wasser.
Abb. 25: Nahaufnahme mit parallel ausgerichteten Alkalifeldspatleisten (Karlsbader Zwillinge), orangebraunem Nephelin(?) sowie nadeligem Ägirin.

Der Lestiwarit tritt als Begleiter der Nephelinsyenite auf. Das helle und aplitische Ganggestein ist ein nephelinfreier Syenit aus weißem Alkalifeldspat und nadeligem Ägirin (Beschreibung in BRØGGER 1898: 213-218).

Abb. 26: Lestiwarit, Gang im Foyait, N Kvelde Kirche, Lågendal (Jarlsberg), Handstück aus der Originalsammlung Brøgger 1906, Nr. 111. Slg. der BGR in Berlin-Spandau.

6. Literatur

ANTHONY E Y, SEGALSTAD T V & NEUMANN, E R 1989 An unusual mantle source region for nephelinites from the Oslo Rift, Norway – Geochimica et Cosmochimica Acta, 53, S. 1067-1076.

BRØGGER WC 1890 Die Mineralien der Syenitpegmatitgänge der südnorwegischen Augit- und Nephelinsyenite in: Zeitschrift für Krystallographie und Mineralogie. Hrsg. P. Groth, Bd. 16, Leipzig 1890.

BRØGGER WC 1898 Die Eruptivgesteine des Kristianagebietes – III. Das Ganggefolge des Laurdalits – 375 S., 1 Karte, 4 Taf., 5 Fig. i. Text.

LE MAITRE et al 2004 Igneous Rocks: A Classification and Glossary of Terms. Edited by R. W. Le Maitre and A. Streckeisen and B. Zanettin and M. J. Le Bas and B. Bonin and P. Bateman – 252 S., Cambridge University Press, ISBN 0521619483.

OFTEDAHL C & DONS J 1957 Geological Guide to Oslo and District – Oslo, 1957.

SMED P & EHLERS J 2002 Steine aus dem Norden (2.Aufl.) – 194 S., 34 Taf., 67 Abb., 1 Kte. (rev. 2008), Berlin, Stuttgart (Gebr. Borntraeger).

TRÖGER WE 1934 Spezielle Petrographie der Eruptivgesteine, Nomenklatur-Kompendium, Berlin 1935. Nachdruck durch den Verlag der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft,1969.

ZANDSTRA JG 1988 Noordelijke kristallijne gidsgesteenten – E. J. Brill 1988.

Marmorvorkommen in Mittelschweden

In Mittelschweden sind etwa 200 kleinere und größere Marmor-Vorkommen bekannt. Die folgenden Bilder zeigen Aufschlüsse und Proben von vier Lokalitäten in Östergötland und Södermanland (Abb. 1). Marmor bildet hier längliche Einschaltungen in die metamorphen und gefalteten Gesteine des svekofennischen Grundgebirges aus Metasedimenten (Gneise), Metavulkaniten (Leptit, Hälleflinta) und Metabasiten (z. B. Amphibolite).

Abb. 1: Übersichtskarte der besuchten Marmorvorkommen in Östergötland und Södermanland.

1. Kolmården

Kolmården ist eines der wichtigsten Marmorvorkommen in Schweden. Der grüne Marmor wurde über 700 Jahre lang abgebaut und als beliebter Dekorstein im In- und Ausland verwendet. Empfehlenswert ist der Besuch des Freilandmuseums zur Bergbaugeschichte im Ort Marmorbruket (58.66099, 16.42120). Dort gibt es einen kleinen geologischen Lehrpfad sowie ausgedehnte Halden. Auf Wunsch werden im Museum polierte Schnittflächen von Marmorproben angefertigt (Abb. 3).

Abb. 2: Blick vom Museumsgelände in Marmorbruket nach Norden über den Bråviken. Dieser etwa 40 km lange und in Ost-West-Richtung verlaufende Meeresarm der Ostsee zeichnet einen alten Grabenbruch nach. Auf kleiner Fläche sind hier ganz verschiedene proterozoische Gesteine aufgeschlossen: Metasedimente (Gneise), Metavulkanite (Leptite und Hälleflinta), Metabasite, Marmor (Metakarbonate) sowie jüngere Granite.
Abb. 3: Alter Marmorbruch auf dem Museumsgelände.
Abb. 4: Polierte Schnittfläche eines Silikatmarmors vom Kolmården-Typ. Das Gestein wurde tektonisch stark beansprucht. Die schlierigen und zerscherten Partien bestehen aus zuckerkörnigem Calcit und grünen Silikatmineralen. Stellenweise gibt es Linsen mit etwas gröberen Körnern. Marmor vom Kolmården-Typ kommt an mehreren Lokalitäten in Östergötland und Södermanland vor.
Abb. 5: Feinkörniger Marmor mit Bändern, die mehr grüne Silikatminerale enthalten (Marmorbruket). Das Gestein eignete sich nicht zur Weiterverarbeitung als Dekorstein und wurde vor Ort auf Halde gekippt. Breite 24 cm.
Abb. 6: Marmor vom Kolmården-Typ, Strandgerölle vom Ufer des Bråviken in unmittelbarer Nähe zum Anstehenden (Campingplatz Kolmården).
Abb. 7: An der Uferpromenade unterhalb des Museums zeigen eindrucksvolle Aufschlüsse stark verfaltete Wechsellagen aus Marmor, feinkörnigen Gneisen, Metavulkaniten (Hälleflinta) und Amphiboliten. Das Bild zeigt nahezu senkrecht einfallende, parallel zum Verlauf des Bråviken in Ost-West-Richtung streichende Lagen von hellgrauem Marmor und dunkelbrauner Hälleflinta.
Abb. 8: Der Wellenschlag am Ufer löst Calcit aus dem Marmor und lässt ein Relief seiner Faltenstruktur hervortreten. Bildbreite ca. 3 m.
Abb. 9: Durch Lösungsverwitterung herauspräparierter Marmor (hellgrau) und ein brauner und stark geklüfteter Metavulkanit (Hälleflinta). Bildbreite ca. 2 m.
Abb. 10: Faltenstruktur in einem Marmor, herauspräpariert durch Lösungsverwitterung. Bildbreite 70 cm.

2. Insel Oaxen

Die kleine Insel Oaxen ist mit der Autofähre von Mörkö aus erreichbar und ein beliebtes Ausflugsziel (Fähranleger: 58.97067, 17.70307). Sie besteht zur Hälfte aus ehemaligen Steinbrüchen, in denen reiner Marmor abgebaut wurde.

Abb. 11: Gefluteter Marmor-Steinbruch auf der Insel Oaxen.
Abb. 12: Eine Teerstraße führt durch einen Steinbruch mit hellen Feldswänden.
Abb. 13: Reiner Marmor von der Insel Oaxen.
Abb. 14: Stellenweise finden sich „Verunreinigungen“ im Marmor. Links ein Xenolith eines Gneisgranits aus dem Nebengestein, rechts eine gebänderte Partie (Karbonat- oder Kalksilikatgestein mit vermindertem Calcit-Gehalt).
Abb. 15: Detail der grau und grün gebänderten Partie. Solche Einschaltungen sind ein regelmäßiger Begleiter von Marmorvorkommen und werden von schwedischen Geologen als „Skarngneis“ bezeichnet.
Abb. 16: Probe eines „Skarngneises“. Manche Lagen reagieren auf verdünnte Salzsäure und enthalten Calcit, andere nicht. In den hellgrünen und feinkörnigen Partien könnte ein epidotähnliches Mineral enthalten sein. Die dunkel grünlichbraunen Bereiche enthalten xenomorphe Körner von Silikatmineralen.
Abb. 17: Das Marmorvorkommen von Oaxen umgeben graue Gneise (Sörmland-Gneis). Im Kontaktbereich finden sich migmatitische Gneise mit Blauquarz. Bildbreite 120 cm.
Abb. 18: Handstück eines migmatitischen Gneises mit Blauquarz, Aufnahme unter Wasser.
Abb. 19: Neben Gneisen kommen auch grobkörnige pegmatitartige Partien vor, die aus Feldspat (Plagioklas) und Blauquarz sowie vereinzelten grünen (diopsidischen) Amphibol-Kristallen bestehen.
Abb. 20: Silikatmarmor findet sich nur untergeordnet. Dieses mittelkörnige Exemplar enthält sehr dunkle Silikatminerale.
Abb. 21: Nahaufnahme des Gefüges: hypidiomorphe Calcit-Kristalle mit Zwillingsstreifung und dunkelbraune xenomorphe Körner von Silikatminerale mit Glasglanz.
Abb. 22: An der Ostküste der Insel Oaxen wurde der nicht verwertbare Silikatmarmor (u. a. Ophicalcite mit grünen Silikaten) auf Halde gekippt und im Laufe der Zeit durch Wellenschlag abgerollt.
Abb. 23: Ophicalcit (Silikatmarmor), Haldengeröll von Oaxen.

3. Mölnbö

Abb. 24: Der Marmor von Mölnbö (59.03709, 17.39822) ist ein Dolomitmarmor mit Serpentinmineralen und gehört zum Kolmården-Typ (Wik et al 2004). Das Vorkommen liegt 70 km von Kolmården entfernt. In der abgebildeten Probe ist Dolomit höchstens anteilig enthalten, denn das Gestein reagiert kräftig mit verdünnter Salzsäure.

4. Stora Vika

Der Zugang zum großen Marmor-Steinbruch von Stora Vika bei Nynäshamn wird trotz der Verbotsschilder offenbar geduldet (58.94469, 17.79227). Der Bruch war von 1948-1981 in Betrieb. In den 50er Jahren befand sich hier die größte schwedische Zementfabrik. Abgebaut wurde vor allem reiner und grobkristalliner Marmor. Der Marmor mit beigemengten Silikatmineralen (meist Glimmer) wurde aufgehaldet (Abb. 25). Weiterhin finden sich Ophicalcite (Abb. 27), Kalksilikatgesteine („Skarngneise“, Abb. 28) sowie grobkörnige Quarz-Feldspat-Pegmatite. Begrenzt wird das Vorkommen von Sörmland-Gneis (auch als Einschluss im Marmor) sowie Metabasiten.

Abb. 25: Marmor-Steinbruch von Stora Vika.
Abb. 26: Mittelkörniger Marmor mit Glimmermineralen (Stora Vika).
Abb. 27: Gleicher Stein, Nahaufnahme des Gefüges.
Abb. 28: gebänderter Ophicalcit (Silikatmarmor) von Stora Vika.
Abb. 29: Kalksilikatgestein („Skarngneis“) aus dem westlichen Teil des Bruches. Nach Shaikh et al 1989 fand man in diesen Gesteinen Serpentinminerale, Glimmer und Amphibol.

Literatur

WIK N-G, STEPHENS M B, SUNDBERG A 2004 Malmer, industriella mineral och bergarter i Stockholms län – Serie: Rapporter och meddelanden 117; 144 S., Uppsala, SGU, 2004. ISBN 91-7158-696-2.

Pegmatite

Abb. 1: Bunter Granit-Pegmatit (Bildbreite 35 cm) aus rotem Alkalifeldspat, gelbem Plagioklas und grauem Quarz. Die Partie besitzt einen scharfen Kontakt zu einem mittelkörnigen Gneisgranit (Findlingslager Steinitz bei Drebkau/Niederlausitz).

Pegmatite sind grob- bis riesenkörnige magmatische Gesteine, die als gang- oder linsenförmige Körper in der Gefolgschaft von Plutonen, aber auch in Gneisen und Migmatiten vorkommen. Die meisten Pegmatite besitzen eine granitische Zusammensetzung (Abb. 1) und enthalten neben xenomorphem Quarz auffällig gut entwickelte Feldspat-Kristall-Individuen. Gewöhnlich erreichen die Minerale Korngrößen von mehreren Zentimetern bis Dezimetern, im Ausnahmefall können auch metergroße Kristalle vorkommen (Abb. 20). Die Verteilung der Minerale ist variabel und ungleichmäßig, im Unterschied zum hypidiomorph-gleichkörnigen oder hypidiomorph-porphyrischen Mineralgefüge „regulärer“ grobkörniger Plutonite. Letztere enthalten zudem höchstens zentimetergroße Glimmer-Aggregate, die in Pegmatiten ebenfalls riesenkörnig ausgebildet sein können (Abb. 19).

Granit-Pegmatite enthalten Quarz und Alkalifeldspat (meist Mikroklin), optional können Plagioklas, Hell- oder Dunkelglimmer, manchmal auch Amphibol oder Turmalin hinzukommen. Syenit-, Alkalisyenit-, Gabbro- oder Dioritpegmatite (Abb. 11) sind viel seltener.

Die „klassischen“ Pegmatite kristallisieren in der Spätphase der Entstehung von Plutonen aus wasserhaltigen Restschmelzen und bilden kleinere oder größere Körper, entweder im Pluton selbst oder im Nebengestein. Die Restschmelzen bleiben nach der Kristallisation der meisten Minerale übrig und enthalten Anreicherungen sog. inkompatibler Elemente, die aufgrund ihres hohen Ionenradius nicht oder unvollständig in das Kristallgitter eingebaut werden konnten. Dazu gehören neben K, Si, Li, Be und B auch seltene Elemente (z. B. Nb, Ta, Seltene Erden, Rb, Cs, Ga, Tl, Sn, U, Th, Zr, P, Cl, F).

Der hohe Wassergehalt und weitere leichtflüchtige Bestandteile (sog. Volatile wie Cl oder F) erniedrigen den Schmelzpunkt und die Viskosität der Restschmelze. Es können nur wenige Kristallkeime entstehen, aus denen bei weiterer Abkühlung dann wenige, aber sehr große Kristalle hervorgehen. Neuere Untersuchungen haben ergeben, dass bei der Kristallisation schnelle Abkühlungsraten eine große Rolle spielen und „unterkühlte“ Pegmatitschmelzen bis weit unter 500 Grad, sogar bis 350 Grad weiter bestehen können (Simmons & Webber 2008).

Größere Pegmatitkörper in den Dachbereichen von Plutonen besitzen häufig einen zonaren Aufbau mit unterschiedlicher Mineralisation. In einigen Zonen kann Schriftgranit vorkommen, eine Sonderform pegmatitischer Gesteine. Gelegentlich findet sich Schriftgranit, neben Apliten (Abb. 24), in der Randzone von Pegmatiten.

Pegmatitartige, meist aus Quarz und Feldspat bestehende Gesteine, entstehen auch durch partielle Aufschmelzung von tief versenkten Gesteinen während hochgradiger Metamorphose, ähnlich der Bildung von Leukosomen in Migmatiten (Abb. 5). Solche Pegmatoide oder „abyssalen Pegmatite“ sind im svekofennischen Grundgebirge weit verbreitet und dementsprechend als Geschiebe häufig zu finden. Pegmatitische Einschaltungen können ebenfalls in gewöhnlichen Gneisen vorkommen, die keine Anzeichen einer Teilaufschmelzung zeigen (Abb. 8).

Pegmatite sind wichtige Lagerstätten für Minerale mit seltenen Elementen (z. B. Lithiumglimmer, Beryll oder Topas). In den meisten Pegmatiten (und in allen Pegmatoiden) fehlen diese exotischen Minerale jedoch und dürften auch in Geschieben kaum anzutreffen sein. In Skandinavien werden einige Vorkommen bergmännisch zur Feldspat- oder Glimmergewinnung genutzt. Bemerkenswert ist, dass in der Granitprovinz des Transskandinavischen Magmatitgürtels (TIB) über viele Tausend Quadratkilometer fast überhaupt keine Pegmatite vorkommen (Vinx 2011).

Beispiele aus dem Anstehenden

Abb. 2: Gang eines Alkalifeldspat-Quarz-Pegmatits in einem TIB-Granit in unmittelbarer Nähe zum Götemar-Pluton (etwa 1,5 km nördlich vom Gehöft Gässhult), Bildbreite 32 cm. Wenige Meter weiter fand sich eine schriftgranitische Partie (s. Schriftgranit).
Abb. 3: Pegmatitgang im Loftahammar-Gneisgranit (Bergholmsfjärden, Bildbreite ca. 70 cm; Bild: T. Langmann).
Abb. 4: Pegmatitische Partie im Eringsboda-Granit (Loser Stein östlich von Tving), Bildbreite 38 cm.
Abb. 5: Pegmatoid in einem migmatitischen Gneis (Campingplatz Kolmarden in Sörmland, Bildbreite ca. 3 m). Der mehrere Meter mächtige Pegmatit-Körper besteht aus grobem Alkalifeldspat und Quarz und wird von dunklen Schlieren (Restit) und Gneis-Relikten durchsetzt. Solche Pegmatoide sind im Gebiet des svekofennischen Grundgebirges regelmäßig, z. B. in Aufschlüssen entlang der großen Straßen zu beobachten.
Abb. 6: Überwiegend aus Alkalifeldspat bestehender Pegmatoid als randlicher Begleiter des Marmorvorkommens von Stora Vika (Sörmland). Bildbreite 55 cm.
Abb. 7: Pegmatitartiges Gestein aus hellem Feldspat, Blauquarz und etwas schwarzgrünem Amphibol; grobkörnige Einschaltung zwischen Sörmland-Gneis und Marmor (Insel Oaxen/Sörmland).
Abb. 8: Bunter Pegmatit aus dunkelgrauem Quarz, rotem Alkalifeldspat und gelbgrünem Plagioklas in einem Gneisgranit (Tjurkö Stenhuggeri, Blekinge). Bildbreite 40 cm.
Abb. 9: Pegmatitkörper in einem Gneis (Campingplatz Karlskrona, Blekinge, Bildbreite 55 cm).
Abb. 10: Gleiche Lokalität, 18 cm (!) breiter Xenolith eines Alkalifeldspatkristalls in einem Gneis.
Abb. 11: Pegmatite in basischen Gesteinen sind selten. Das Bild zeigt ein grobkörniges Plagioklas-Amphibol-Gestein (Diorit-Pegmatit) als Begleiter eines mittelkörnigen Diorits[1]. Die Amphibol-Kristalle erreichen eine Länge von 3 cm (Straßenaufschluss in West-Smaland, 57.50963, 14.56288).

[1] Eine sichere Unterscheidung von Dioriten und Gabbros ist makroskopisch kaum möglich. Entscheidend hierfür ist der Anorthit-Gehalt, der nur mikroskopisch ermittelbar ist.
Abb. 12: Quarz-Alkalifeldspat-Pegmatit im SW-schwedischen Gneis (Küstenaufschluss auf der Kullen-Halbinsel, Bildbreite etwa 1 m).
Abb. 13: Als Leitgeschiebe geeignet ist der sog. „Flammenpegmatit“ aus dem südwestschwedischen Granulitgebiet. Typisch sind die kräftigen Farben (roter Alkalifeldspat, gelber Plagioklas und dunkelgrauer Quarz), das weitgehende Fehlen  von dunklen Mineralen und ein deformiertes Gefüge. Etwa 80 cm breiter Block von Stensjöstrand / SW-Schweden.
Abb. 14: SW-schwedischer Flammenpegmatit mit grünlichem Plagioklas, Anstehendprobe aus einem Steinbruch bei Söndrum (56.64604, 12.76593).
Abb. 15: Bläulichgrau-weißer Pegmatoid in einem svekofennischen Gneis; Großgeschiebe in einer Kiesgrube westlich von Nyköping (Sörmland), Bildbreite 31 cm.
Abb. 16: Ausschnitt aus einem Alkalifeldspat-Quarz-Pegmatoid mit reichlich Hellglimmer. Loser Stein vom Strand am Campingplatz Kolmarden (Sörmland), Bildbreite 17 cm.

Geschiebefunde

Pegmatite und Pegmatoide bilden häufig große Geschiebe aus, weil sie eine weitständige Klüftung im Anstehenden besitzen. Zahlreiche Pegmatit-Geschiebe zeigt die Artikelserie „Großgeschiebe aus der Lausitz“, daher folgt an dieser Stelle nur eine kleine Auswahl von Funden.

Abb. 17: Riesenkörniger bläulich-grauer Pegmatit mit scharfem Kontakt zu einem dunklen Gneis (Nr. 436, Aussichtspunkt Tagebau Jänschwalde, südlich Heinerbrück, Bildbreite 130 cm).
Abb. 18: Gleicher Stein. Der Pegmatit besteht aus graublauen Akalifeldspat-Kristallen bis 15 cm Größe und Quarz. Die dunkle Tönung des Feldspats dürfte auf fein verteilte Glimmerminerale zurückzuführen sein.
Abb. 19: Quarz-Feldspat-Glimmer-Pegmatit mit riesenkörnigen Glimmer-Aggregaten (Nr. 205, Findlingslager Steinitz / Niederlausitz, Bildbreite 45 cm).
Abb. 20: Dieser etwa 1 m hohe Block eines weißen Pegmatits besteht fast ausschließlich aus Alkalifeldspat (Nr. 518, Findlingslager Steinitz / Niederlausitz). Die großen und ebenen Spaltflächen lassen vermuten, dass es sich um einen Einkristall, zumindest aber um wenige und sehr große Feldspatkristalle handelt. Die Feldspäte enthalten mm-große Einschlüsse von Quarz und Amphibol.
Abb. 21: Quarz-Feldspat-Muskovit-Pegmatoid mit großen Amphibol-Kristallen (Kiesgrube Niederlehme bei Berlin).
Abb. 22: Zu den seltenen Geschiebefunden gehören Pegmatite mit Turmalinkristallen (schwarzer Schörl). Im Unterschied zum Amphibol bildet Turmalin längliche, manchmal etwas „krumme“ Kristalle, zeigt eine schlechte Spaltbarkeit (unebener Bruch) und tendenziell dreieckige Querschnitte (Amphibol: sechseckig). Der Fund ist ein Bruchstück eines ca. 35 cm großen Geschiebeblockes (Weg von Rotscherlinde nach Grüneiche bei Brandenburg/ Havel; Rohde leg.; Geschiebesammlung der BGR in Berlin-Spandau).
Abb. 23: Gabbro-Pegmatit als riesenkörnige Einschaltung mit feinkörniger Randzone in einem Hornblende-Gabbro. (Nr. 473, Tagebau Cottbus-Nord, Breite des Steins ca. 35 cm).
Abb. 24: Polierte Schlifffläche einer pegmatitartigen Quarz-Feldspat-Partie mit aplitischer Randzone und scharfer Grenze zu einem grauen Gneis (Kiesgrube Hohensaaten, Brandenburg, A. Bräu leg.).
Abb. 25: Nahaufnahme der aplitischen Randzone.

Schriftgranit

Abb. 1: Schriftgranit aus der Kiesgrube Waddeweitz/Kröte (Ost-Niedersachsen).

Als „Schriftgranit“ werden Gesteine mit einem besonderen Verwachsungsgefüge aus Quarz und Alkalifeldspat bezeichnet. Die Verwachsungen erinnern manchmal an arabische, hebräische oder germanische (= „Runit“) Schriftzeichen. Sie entstehen durch das gleichzeitige Auskristallisieren von Quarz und Feldspat unter besonderen Bedingungen.

Schriftgranite sind genetisch an Granitplutone gebunden, entsprechend viele Vorkommen sind bekannt (Norwegen, Westschweden, Bornholm, im Götemar-Pluton und im svekofennischen Bereich). In den Granitkörpern des Transkandinavischen Magmatitgürtels scheinen Pegmatite (und damit assoziierte Schriftgranite) weitgehend zu fehlen. Ein Beispiel für einen anstehenden Schriftgranit zeigt Abb. 2.

Abb. 2: Anstehender Schriftgranit, Bildbreite 36 cm. Die Partie fand sich in unmittelbarer Nähe zur Plutongrenze des etwa 1,45 Ga alten Götemar-Granits in Ost-Småland. Die untere Bildhälfte zeigt das Wirtgestein, einen etwa 1,8 Ga alten Granit des Transkandinavischen Magmatitgürtels. Der Schriftgranit bildet hier, zusammen mit Pegmatiten und Granitporphyr-Gängen, einen Fortsatz außerhalb des eigentlichen Granitmassivs.
Abb. 3: Gefüge des Schriftgranits, Bildbreite 18,5 cm.

Schriftgranite sind mittel- bis grobkörnige Gesteine mit graphischen Verwachsungen aus Quarz und Alkalifeldspat. Eine kleinkörnige Variante dieses Gefüges kennt man aus der Grundmasse bestimmter Rapakiwi-Granite und aus Granophyren (Gesteine, die fast ausschließlich aus feinen graphischen Verwachsungen bestehen). Das skelettartige Gefüge von Schriftgraniten entsteht bei der raschen Kristallisation aus einer Schmelze, in der Solidus- und Liquiduslinie durch das Mischverhältnis von Quarz und Feldspat in einem Punkt zusammenfallen (Eutektikum). Vereinfacht gesagt erfolgte keine allmähliche Kristallisation von Quarz und Feldspat, während sich die Zusammensetzung der Restschmelze ändert, sondern beide Komponenten erstarrten gleichzeitig. Solche Bedingungen finden sich z. B. in wasserreichen Spätkristallisaten magmatischer Schmelzen, aus denen die riesenkörnigen Pegmatite kristallisieren, die ihrerseits von schriftgranitischen Partien begleitet sein können.

In Schriftgraniten bilden die beiden Komponenten Kalifeldspat und Quarz Einkristalle, die sich gegenseitig skelettartig durchdringen. Erkennbar ist dies, wenn der Alkalifeldspat auf einer ebenen Gesteinsfläche das einfallende Licht vollständig reflektiert (Abb. 6, 8 und 12). Auch ein durchgängig gleichlaufendes Muster der perthitischen Entmischungslamellen des Alkalifeldspats lässt sich manchmal beobachten (Abb. 5). Nicht alle Schriftgranite zeigen ein kontrastreiches Gefüge aus Quarz-Feldspat-Verwachsungen. Die unauffälligen Vertreter kann man aber an diesem großflächigen Reflektieren der Feldspat-Einkristalle erkennen (Abb. 7,8 12-14).

Abb. 4: Orangeroter Schriftgranit aus der Kiesgrube Niederlehme bei Berlin.
Abb. 5: In der Vergrößerung erkennt man, dass die feinen perthitischen Entmischungslamellen des Alkalifeldspats einer bevorzugten Richtung folgen (Einkristall).
Abb. 6: Rückseite des gleichen Steins. Am linken Bildrand wird seitlich einfallendes Licht flächenhaft vom Alkalifeldspat reflektiert. Bei geeignetem Lichteinfall reflektiert die gesamte Gesteinsoberfläche und zeigt, dass es sich um einen großen Einkristall handelt.
Abb. 7: Wenig auffälliger, gneisartiger und rotfleckiger Schriftgranit (Kiesgrube Hoppegarten bei Müncheberg/Brandenburg).
Abb. 8: Gleicher Stein. Seitlich einfallendes Licht zeigt auf der trockenen Gesteinsoberfläche einen Alkalifeldspat-Einkristall sowie seine skelettartige Verwachsung mit Quarz. Schriftgranite und rote, die Korngrenzen überschreitende Flecken sind u. a. von einigen Bornholm-Graniten bekannt.
Abb. 9: Polierte Schnittfläche eines Schriftgranits aus der Kiesgrube Fresdorfer Heide bei Potsdam (Sammlung Georg Engelhardt).
Abb. 10: Schriftgranit aus der Kiesgrube Waddeweitz/Kröte in Ost-Niedersachsen. Gehäufte Funde ähnlicher heller Schriftgranite konnten in saalekaltzeitlichen Drenthe-Ablagerungen im Hannoverschen Wendland (Ost-Niedersachsen) beobachtet werden.
Abb. 11: Schriftgranit aus der Kiesgrube Tiesmesland (Ost-Niedersachsen).
Abb. 12: Heller Schriftgranit mit reflektierender Oberfläche eines Alkalifeldspat-Einkristalls. Geschiebestrand bei Misdroy (Polen), Breite des Steins: 15 cm.
Abb. 13: gleicher Stein, angefeuchtet.
Abb. 14: Heller Schriftgranit, angefeuchtete Schnittfläche. Im Bild senkrecht und annähernd parallel verlaufen Quarz-Feldspat-Lamellen, die waagerecht von feinen Aplit-Adern durchschnitten werden. Die hellgraue Aplitader ganz unten führt Hellglimmer. Aplite treten nicht selten als randliche Begleiter in Schriftgranit- bzw. Pegmatit-Vorkommen auf. Fundort: Geröllstrand bei Ustronie Morskie, östlich von Kolberg (Polen), Slg. D. Lüttich.
Abb. 15: Schriftgranitische Partie in einem bunten Pegmatit (Nr. 200, Findlingslager Steinitz/ Niederlausitz).