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Syenite, Monzonite und Alkaligranite des Oslograbens

In der Spätphase der magmatischen Entwicklung des Oslograbens stiegen etwa 270-250 Ma alkalireiche Schmelzen in die oberen Bereiche der Erdkruste auf. Sie bilden mächtige Batholithe aus Alkalifeldspatsyeniten bis alkalireichen Graniten, die große Flächen im nördlichen Teil des Oslogebietes einnehmen, darunter Nordmarkit, Grefsen-Syenit und Pulaskit (etwa 1.425 km2) sowie die Ekerite (821 km2). Innerhalb dieser Suite treten grob-, mittel- und feinkörnige Gefügevarianten sowie Ganggesteine auf, miteinander verbunden durch fließende Übergänge. Die wichtigsten Lokalbezeichnungen sind:

Eine eindeutige Bestimmung der Gesteine gestaltet sich nicht nur als Geschiebe, auch im Anstehenden schwierig, weil die Art des Feldspats bzw. die Anteile an Alkalifeldspat und Plagioklas von Hand schwer abzuschätzen sind. An Fundorten mit norwegischen Geschieben kann man auf einige allgemeine Merkmale achten:

Die Alkalifeldspatsyenite (Nordmarkite) des Oslograbens sind mittel- bis grobkörnige Gesteine, die ganz überwiegend aus blass rötlichem, bräunlichem oder graubraunem Alkalifeldspat bestehen. Plagioklas fehlt, Quarz kann in den Feldspat-Zwickeln bis zu einem Anteil von 10 % enthalten sein. In den ähnlichen Ekeriten liegt der Quarzanteil bei 10-35%. Syenite enthalten neben Alkalifeldspat Plagioklas (bis 35% Anteil vom Gesamtfeldspat). Der teils hohe Alkaligehalt der Gesteine bedingt das Auftreten alkalireicher dunkler Minerale, darunter nadeliger Ägirin (Na-Pyroxen) und stengeliger Alkali-Amphibol (z. B. Arfvedsonit), neben Glimmer (Biotit). Die Syenite des Oslograbens enthalten oftmals auch braunen Titanit in größerer Menge.

1. Nordmarkit

Abb. 1: Nordmarkit, Geschiebe von Hirtshals (DK), Slg. E. Figaj. Aufnahme unter Wasser.
Abb. 2: Nahaufnahme

Der Nordmarkit nimmt große Flächen in der gleichnamigen Region Nordmarka im Norden des Oslo-Gebietes ein, größere Vorkommen liegen auch südlich des Drammenfjords. Das Gefüge dieses Alkalifeldspatsyenits ist ausgesprochen variabel, neben mittel- und grobkörnigen Gesteinen gibt es feinkörnige, porphyrische (Nordmarkit-Porphyr) und sog. „halb-porphyrische“ Nordmarkite. Zudem bestehen fließende Übergänge zu Larvikit, Pulaskit und Syeniten. Um ein „Gefühl“ für diese als Geschiebe relativ unauffälligen Gesteine zu entwickeln, empfiehlt sich die Betrachtung einer Reihe von Anstehendproben in einer Vergleichssammlung (vgl. skan-kristallin.de und Exkursionsbericht auf kristallin.de).

Die mittel- bis grobkörnigen Nordmarkite sind Alkalifeldspat-Syenite und bestehen ganz überwiegend aus 2-10 mm großen, teilweise rechteckigen Alkalifeldspäten. Blasse Tönungen überwiegen (rosa, bräunlich, graubraun, gelblichgrau). Die Feldspäte erscheinen manchmal graufleckig durch perthitische Entmischungen. Das Gefüge ist insgesamt gleichkörnig, bei Anwesenheit einzelner größerer Feldspäte kann es auch porphyrisch erscheinen. Ein zweiter Feldspat (Plagioklas) fehlt. Quarz kommt in 2-5 mm großen und hellgrauen Körnern in den Feldspat-Zwickeln vor und kann bis zu einem Anteil von 10 % enthalten sein. Mit steigendem Quarzgehalt geht der Nordmarkit nahtlos in Ekerit über (bis 35% Quarz). In geringer Menge treten dunkle Minerale hinzu, darunter nadeliger Ägirin, kurze Pyroxene, eher stengelige Na-Amphibole und/oder Biotit. Die Anwesenheit von Ägirin weist auf den alkalireichen Charakter des Gesteins hin. SMED & EHLERS 2002: 152 nennt als weitere Bestandteile Magnetit, mitunter viel brauner Titanit oder sechseckige bräunliche oder grünliche Säulen von Apatit. Eine Unterscheidung von Syeniten ist mit makroskopischen Mitteln manchmal nicht möglich. Im Zweifelsfall wählt man für entsprechende Funde die allgemeine Bezeichnung Oslo-Syenit.

Abb. 3: Nordmarkit (Stenbjerg, DK), Slg. E. Figaj.

Abb. 4, 5: grünlicher Nordmarkit, Geschiebe aus Dänemark, polierte Schnittfläche, Slg. T. Brückner.

Abb. 6: Nordmarkit, Geschiebe von Steinvik/Tofte (NOR), ex coll. H. Arildskov (bestimmt als Ekerit).
Abb. 7: grobkörniger Nordmarkit, Geschiebe von Steinvik/Tofte (NOR), ex coll. H. Arildskov.
Abb. 8: Nahaufnahme
Abb. 9: „trachytischer“ Nordmarkit (Stenbjerg, DK), Slg. E. Figaj.
Abb. 10: ungleichkörniger Nordmarkit, Johannistal (Schleswig-Holstein).
Abb. 11: Nahaufnahme
Abb. 12: NordmarkitÜbergang zum Ekerit, Geschiebe von Hirtshals, Slg. E. Figaj.
Abb. 13: porphyrischer Nordmarkit, Breite 90 mm, Geschiebe von Filtvet (NOR), ex coll. H. Arildskov.
Abb. 14: porphyrischer Nordmarkit, Breite 12,5 cm, Hirtshals (DK).
Abb. 15: grünlicher Alkalifeldspatsyenit, Geschiebe von Hirtshals (DK), Aufnahme unter Wasser.
Abb. 16: Nahaufnahme. Quarz ist nicht auffindbar, als dunkle Minerale sind nadeliger Pyroxen (Ägirin), stengeliger Amphibol und rötlichbrauner Glimmer erkennbar.

2. Ekerit

Der Ekerit ist ein alkalireicher Granit und ein quarzreiches Glied aus der Suite der Nordmarkit-Plutonite. Wie der Nordmarkit, zu dem nahtlose Übergänge bestehen, sind vom Ekerit ebenfalls zahlreiche Gefüge- und Farbvarianten bekannt, von grob- bis feinkörnig, von massig bis porphyrisch. Als Geschiebe, fern seiner Heimat, ist das Gestein mit gewöhnlichen Graniten verwechselbar und nur schwer, allenfalls in charakteristischer Ausbildung erkennbar.

Mittel- bis grobkörnige Ekerite bestehen aus blass rötlichen, gelblichen, beigefarbenen oder bräunlichen Alkalifeldspäten. Einige der größeren, 5-10 mm langen Feldspäte sind ausgeprägt kantig. Hinzu kommt ein Anteil von 10-35% an xenomorphem Quarz in 2-3 mm großen und transparenten bis weißlich-trüben oder hellgrauen Körnern. Plagioklas fehlt. Ein Hinweis auf den alkalischen Charakter des Gesteins liefert die Anwesenheit geringer Mengen dunkler Mineralen wie nadeliger Ägirin und stengeliger Alkaliamphibol (Arfvedsonit).

Abb. 17: Ekerit, Anstehendprobe vom See Eikeren, Norwegen (N 59.65522, E 9.95662), T. Langmann leg., Aufnahme unter Wasser.
Abb. 18: Nahaufnahme. Das Gestein besteht im Wesentlichen aus blassrotem Alkalifeldspat und hellgrauem Quarz; dunkle Minerale sind unauffällig.
Abb. 19: Ekerit, Geschiebefund von Slagentangen (NOR), Slg. E. Figaj.
Abb. 20: Die Detailaufnahme zeigt mehr oder weniger rechteckige gelbliche bis bräunliche Alkalifeldspäte, hellgrauen Quarz sowie nadelige und stengelige dunkle Minerale (Ägirin, Amphibol).
Abb. 21: Ekerit, Geschiebe von Steinvik/Hurum (NOR), ex coll. H. Arildskov. Neben blassrotem Alkalifeldspat ist ein zweiter Feldspat (gelb) erkennbar. Sein Anteil dürfte unter 10% liegen.

3. Grefsen-Syenit

Der Grefsen-Syenit aus der Suite der alkalireichen Nordmarkit-Plutonite enthält neben Alkalifeldspat auch Plagioklas (OFTEDAHL 1948 und SAETHER 1962). Das Gestein weist ein porphyrisches Gefüge auf und sieht durch den orangeroten Alkalifeldspat und die hellgrauen Plagioklase gefleckt aus. Von Hand sind die Feldspäte kaum sicher unterscheidbar. Hinzu kommt etwas Biotit als überwiegendes dunkles Mineral, Ägirin und Amphibol treten eher zurück. Weitere Bestandteile sind etwas trüber Quarz sowie mitunter viel brauner Titanit. Anstehendproben s. skan-kristallin.de.

Abb. 22: Grefsen-Syenit?, Geschiebe von Hirtshals (DK), Breite 10,5 cm.

4. Pulaskit

Pulaskite weisen einen etwas geringeren SiO2-Gehalt auf als Nordmarkite und sind Alkalifeldspatsyenite, die statt Quarz bis zu 10% Nephelin enthalten können. Einige Pulaskite ähneln äußerlich den Nordmarkiten, andere silbrig-graue Varianten den Larvikiten. Manche Pulaskite enthalten rhombenförmige (ternäre) Feldspäte. Hinzu kommen geringe Mengen dunkler Minerale (Glimmer, Pyroxen, Ägirin und/oder Na-Amphibol). Eine Bestimmung als Geschiebe gestaltet sich aufgrund der genannten Verwechslungsmöglichkeiten schwierig, zumal gegebenenfalls enthaltener Nephelin makroskopisch kaum in Erscheinung tritt. Im Zweifelsfall ist die Bezeichnung Alkalifeldspatsyenit zu bevorzugen. Abbildungen von Anstehendproben und Geschiebefunden, s. skan-kristallin.de.

Abb. 23: Glimmerpulaskit, Anstehendprobe, Weg zwischen Kjelsås und Ågårdslien, Nordmarken; Slg. Brøgger 1906, Nr. 114; Slg. der BGR in Berlin-Spandau.
Abb. 24: Nahaufnahme
Abb. 25: Alkalifeldspatsyenit (Pulaskit, Larvikit?), Hirtshals, Breite 12 cm.

5. Akerit und Akeritporphyr

Akerite sind eine Reihe feinkörniger Syenite und Monzonite, die im Oslo-Graben als Subvulkanite, Ganggesteine oder in kleinen Massiven in zahlreichen Varianten auftreten. Die petrographische Definition hat sich seit ihrer Erstbeschreibung durch BRØGGER 1890 und 1933 stark gewandelt. OFTEDAL 1946: 9 präzisiert die Bezeichnung Akerit hinsichtlich eines lokalen Texturbegriffes für feinkörnige Monzonite, die in ihrer Zusammensetzung mit den grobkörnigen Gesteinen der Larvikit-Kjelsåsit-Serie vergleichbar sind. Die aktuelle Nomenklatur definiert Akerite wie folgt: „A collective term for varieties of microsyenite and micromonzonite consisting of alkali feldspar, with more or less oligoclase, biotite, pyroxene and often quartz. They are characterized by rectangular oligoclase.” (LE MAITRE et al 2004). Das Gefüge einiger kleinkörniger Anstehendproben auf skan-kristallin.de lässt in der Tat eine Verwandtschaft mit den Larvikiten/Kjelsasiten vermuten. Akerite treten auch innerhalb der RP-Lagen sowie als Begleiter der Nordmarkite auf. Als Geschiebe dürften die Gesteine nur schwer bestimmbar sein.

Abb. 26: Akerit mit dunklem Xenolith eines Plagioklas-Basalts, Storesand (NOR), ex coll. H. Arildskov. Die körnige Grundmasse ist reich an rötlichem Alkalifeldspat und führt größere grüne Plagioklas-Einsprenglinge, einige davon mit einem hellen Alkalifeldspat-Saum.

Akeritporphyre sind monzonitische Ganggesteine von grauer, graugrüner, bräunlicher oder rötlicher Farbe. Die klein- bis feinkörnige (Körner unter 2 mm) Grundmasse besteht im Wesentlichen aus Alkalifeldspat, der Anteil an Plagioklas, Quarz und dunklen Mineralen (Biotit, Amphibol, Pyroxen) liegt unter 10%. Größere Quarzkörner treten nicht auf (OFTEDAHL 1946). Plagioklas (oft grünlich) bildet rechteckige Einsprenglinge, die von einem hellen Saum aus Alkalifeldspat umgeben sein können. Bei der Bestimmung von Geschieben ist hinsichtlich petrographischer Ähnlichkeiten mit anderen porphyrischen Mikrosyeniten (Syenitporphyren) oder Monzoniten die Bezeichnung Akeritporphyr mit Umsicht zu verwenden, die Gesteine sind selten.

Nach einem Hinweis von H. Arildskov kommen Akeritporphyre hauptsächlich in der Bærum-Sørkedal-Caldera vor, wobei zwei Haupttypen unterschieden werden können: 1) Burud-Typ und 2) Egekoll-Høgås-Typ (HOLTEDAHL 1943: 32, OFTEDAHL 1946:17-23, SÆTHER 1962).

Abb. 27: Akeritporphyr, Anstehendprobe von Tofteholmen (NOR), ex coll. H. Arildskov. Das Gestein von dieser Lokalität wurde von BRØGGER 1931a zunächst als Windsorit-Porphyr, später als Akerit-Porphyr bezeichnet.
Abb. 28: Die Nahaufnahme der nassen Oberfläche zeigt größere grüne Feldspat-Einsprenglinge, wahrscheinlich Plagioklas, in einer körnigen Grundmasse aus rotem Alkalifeldspat, neben wenig dunklen Mineralen, darunter stengelige Alkaliamphibole und nadeliger Alkalipyxroxen (Ägirin).
Abb. 29: porphyrischer Mikrosyenit bis -monzonit (“Akeritporfyr, Burud-Typ von Lommedalen“), Nahgeschiebe von Steinvik (NOR), ex coll. H. Arildskov.
Abb. 30: Nahaufnahme, nass fotografiert; die grünlichgraue und feinkörnige Grundmasse enthält orangefarbene Alkalifeldspat-Einsprenglingen, teils mit perthitischer Entmischung, teils als Karlsbader Zwillinge.

6. Literatur

BARTH T 1945 Studies of the Igneous Rock Complex of the Oslo Region II. Systematic petrography of the Plutonic Rocks – Det norske Videnskaps-akadami i Oslo. Skrifter I.

BRØGGER WC 1890 Die Mineralien der Syenitpegmatitgänge der südnorwegischen Augit- und Nephelinsyenite in: Zeitschrift für Krystallographie und Mineralogie. Hrsg. P. Groth, Bd. 16, Leipzig 1890.

BRØGGER WC 1931a Die Eruptivgesteine des Kristianiagebietes V. Der große Hurumvulkan – Skr. Norske Videns.-Akad. i Oslo I. Mat.-naturv. Kl. I Nr. 6, 1930.

BRØGGER WC 1932 Die Eruptivgesteine des Oslogebietes VI. Über verschiedene Ganggesteine des Oslogebietes – Skr. Norske Videns.-Akad. i Oslo I. Mat.-naturv. Kl. I Nr. 7, 1932.

BRØGGER WC 1933 Die Eruptivgesteine des Oslogebietes: VII. Die chemische Zusammensetzung der Eruptivgesteine des Oslogebietes – Skrifter, Skr. Norske Videns.-Akad. i Oslo I. Mat.-naturv. Kl. I. 1933.

HOLTEDAHL O 1943 Studies on the Igneus Rock Complex of the Oslo Region – I. Some Structural Features of the District Near Oslo. – 71 S., 1 Kte., 39 Fig. – Skrifter ugitt av det Norske Videnskaps-Akademi i Oslo.

LE MAITRE et al 2004 Igneous Rocks: A Classification and Glossary of Terms. Edited by R. W. Le Maitre and A. Streckeisen and B. Zanettin and M. J. Le Bas and B. Bonin and P. Bateman – 252 S., Cambridge University Press, ISBN 0521619483.

OFTEDAHL C 1946 Studies on the Igneous Rock Complex of the Oslo Region. VI. On akerites, felsites and rhomb-porphyries. NVAMK

SAETHER E 1962 Studies on the Igneous Rock Complex of the Oslo Region. XVIII. General investigation of the igneous rocks in the area north of Oslo. NVAMK.

SMED P & EHLERS J 2002 Steine aus dem Norden (2.Aufl.) – 194 S., 34 Taf., 67 Abb., 1 Kte. (rev. 2008), Berlin, Stuttgart (Gebr. Borntraeger).