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Geschiebesammeln in der Flensburger Förde

Abb. 1: Geröllstrand am Campingplatz Habernis, Blick nach Osten.

Dieser Bericht zeigt Geschiebefunde mehrerer Sammeltouren an der Flensburger Förde, Funde vom Geröllstrand bei Habernis, etwa 20 km östlich von Flensburg, sowie aus dem Broager Land (Dänemark) am nördlichen Ufer der Flensburger Förde.

1. Habernis

Vom Campingplatz in Habernis ging nach Osten Richtung Kliffspitze. Informationen zur Geologie des Kliffs finden sich auf strand-und-steine.de. Auffällig der hohe Feuerstein-Anteil an diesem Strandabschnitt. Unter den Kristallingeschieben sind Rapakiwis von Åland ein häufiger Fund.

Abb. 2: Åland-Wiborgit, Breite 8 cm.

Ein farbenfroher porphyrischer Rapakiwi-Granit mit markantem Gefüge könnte aus dem nordschwedischen Nordingrå-Massiv stammen. In diese Falle hätte das Geschiebe einen Transportweg von über 1.000 km zurückgelegt.

Abb. 3: porphyrischer Nordingrå-Rapakiwi (?), Breite 11,5 cm.

Überwiegend 1-2 cm große und rechteckige Alkalifeldspäte von gelber Farbe liegen in einer roten Grundmasse aus feinen graphischen Quarz-Feldspat-Verwachsungen. Größere rundliche und klare bis schwach bläuliche Quarzkörner weisen keine internen Spuren einer magmatischen Korrosion auf. In der Bildmitte Abb. 6 ist ein Alkalifeldspat mit einem dicken Saum aus gelblichgrünem Plagioklas erkennbar, links davon feine graphische Quarz-Feldspat-Verwachsungen.

Abb. 4: gleicher Stein, polierte Schnittfläche. Wenige Alkalifeldspäte sind von einem orangebraunen Plagioklas-Saum umgeben.
Abb. 7: Quarzporphyr vom Bottensee-Typ mit grünlicher Grundmasse, orangefarbenen Alkalifeldspat-Einsprenglingen und größeren rundlichen und klaren Quarzen. Breite 105 mm.

Am Strand von Habernis finden sich in großer Zahl Småland-Granite, vor allem vom Typ rosa Växjö.

Abb. 10: gleichkörniger Småland-Granit, Typ rosa Växjö, Breite 10 cm.
Abb. 11: Monzogranit aus blassrotem Alkalifeldspat, gelblich-grünem Plagioklas und hell- bis bläulichgrauen, leicht getrübten rundlichen Quarzen. Herkunft unbekannt, Breite 12 cm.

Ein seltener Fund und als Geschiebe schwer bestimmbar sind die anorogenen, etwa 1,45 Milliarden Jahre alten Granite aus Ostsmåland (Uthammar-, Götemar- und Jungfrun-Granit). Von Habernis stammt ein Jungfrun-Granit (Gesteinsbeschreibung).

Abb. 12: Jungfrun-Granit, Breite 17 cm
Abb. 13: Jungfrun-Granit, Breite 11,5 cm. Neben hellrotem Alkalifeldspat ist ein zweiter, teils grünlicher, teils dunkel-rotbrauner Feldspat enthalten (Plagioklas).
Abb. 14: Auf der polierten Schnittfläche sind die Alkalifeldspäte orange gefärbt.
Abb. 15: Nahaufnahme; in den perthitisch entmischten Alkalifeldspäten erkennt man vereinzelt kleine eckige Quarzkörner.
Abb. 16: Bornholm-Granit (Vang-Granit) in typischer Ausprägung, Breite 15 cm.
Abb. 17: porphyrischer Granit (Halen-Granit aus Blekinge?) mit rechteckigen, einigermaßen eingeregelten weißen Alkalifeldspäten, viele davon Karlsbader Zwillinge, weiterhin gelblicher bis orangefarbener Plagioklas, hellgrauer Quarz und dunkler Biotit. Breite 95 mm.
Abb. 18: grobkörniger Karlshamn-Granit aus Blekinge, Breite 15 cm.

Ein häufiger Fund sind Basanite aus Schonen. Die grauen, basaltähnlichen und schweren Gesteine sind mit einem Alter von 191-110 Mill. Jahren die jüngsten Eruptivgesteine unter den norddeutschen Geschieben.

Abb. 19: Schonen-Basanit mit gelblichgrünem Einschluss eines olivinreichen Erdmantel-Gesteins (Peridotit-Xenolith), Bildbreite 11 cm.
Abb. 20: Schonen-Basanit, löchrige Geschiebeaußenseite durch ausgewitterte Peridotit-Xenolithe, Breite 14 cm.

Aus SW-Schweden stammen weißschlierige Granatamphibolite und mafische Granulite.

Abb. 21: weißschlieriger Granatamphibolit aus SW-Schweden, Breite 75 mm.
Abb. 25: Amphibolit, Breite 9 cm. Das Gestein besteht fast ausschließlich aus schwarzer Hornblende. Die großen Amphibol-Kristalle reflektieren stark im Sonnenlicht.
Abb. 26: konglomeratische Arkose, Quarzsandstein mit orangefarbenen Feldspäten sowie größeren und gut gerundeten Quarzkörnern von milchigweißer, rötlicher, violetter sowie bläulicher Farbe. Breite 13 cm.
Abb. 27: Kein Geschiebe, sondern durch Menschen verbreitetes Strandgut: Holzkohle, Breite 8 cm.

2. Skeldekobbel (Broager Land)

An der niedrigen Steilküste bei Skeldekobbel im Broager Land (Dänemark) steht ein Geschiebemergel des ost-jütländischen Vorstoßes der Weichselzeit vor ca. 17.000 Jahren an (ANDERSEN & MØLGAARD 2018). Der relativ steinarme und hellbraune Till wurde durch das Sturmhochwasser im Oktober 2023 stellenweise bis weit hinter die Uferlinie ausgespült. Die folgenden Funde sind das Ergebnis mehrerer Sammeltouren, u.a. einer Exkursion im Rahmen der 41. Jahrestagung der Gesellschaft für Geschiebekunde e.V. in Flensburg im April 2026. Ein weiterer Fundbericht ist hier zu finden.

Abb. 28: Geröllstrand bei Skeldekobbel
Abb. 29: Feuerstein in gelblichbraunem Geschiebemergel
Abb. 30: Åland-Quarzporphyr, Breite 85 mm.
Abb. 31: porphyrischer Rapakiwi (Nordingå-Rapakiwi?), Breite 85 mm.
Abb. 32: roter Pyterlit, Herkunft unbekannt, Aufnahme unter Wasser.
Abb. 33: In der Nahaufnahme erkennt man größere und kleinere graue und eckige, teilweise idiomorphe Quarze, auch innerhalb der Alkalifeldspäte.

Abb. 34-35 ist ein dunkelgrundiger Granit mit ungewöhnlichem Gefüge aus der Sammlung T. Brückner (Hilter), wahrscheinlich ein Rapakiwi. Das Gestein enthält größere gelbliche Alkalifeldspäte, undeutlich konturierte Quarze, grünlichen Plagioklas sowie reichlich dunkle Minerale (Biotit, Hornblende). Die rötliche Grundmasse besteht aus graphischen Quarz-Feldspat-Verwachsungen. Das Heimatgebiet des Geschiebes ist unbekannt (Nordbaltischer Pluton?).

Abb. 34: porphyrischer Rapakiwi, polierte Schnittfläche.
Abb. 35: Nahaufnahme
Abb. 36: Quarzporphyr (Rhyolith) mit bizarrer Gefügegrenze und großem Xenokristall, Breite 16,5 cm. Das Mineralgefüge erscheint auf beiden Seiten identisch, die linke und hellere Seite wurde durch den Einfluss wässriger Fluide aber offenbar stärker hydrothermal alteriert (gebleichte Grundmasse, vergrünte Plagioklase). Slg. T. Langmann (Braunschweig).
Abb. 40: hälleflintartiger Vulkanit (Rhyolith) mit Blauquarz, vermutlich aus Småland. Breite 9 cm.
Abb. 41: einsprenglingsarmer, gestreifter Vulkanit, vermutlich aus Småland, Breite 85 mm.
Abb. 42: Blauquarzgranit vom Typ Grauer Växjö, Bildbreite 14 cm.
Abb. 43: gleichkörniger Blauquarzgranit (Växjö-Typ) aus blassrotem Alkalifeldspat, blassgrünem Plagioklas sowie Biotit und Hornblende als mafische Minerale, Breite 10,5 cm.
Abb. 44: Nahaufnahme des Gefüges, nass fotografiert.
Abb. 45: roter porphyrischer Granit, Breite 11,5 cm, Herkunft unbekannt.
Abb. 46: undeformierter Granit aus rotem Alkalifeldspat, gelbem Plagioklas und trübem Quarz, Typ Siljan-Granit, Breite 24 cm.
Abb. 47: Detailansicht des Gefüges
Abb. 48: undeformierter Monzogranit, möglicherweise aus Dalarna (Siljan-/Järna-Granit?), Breite 10 cm.
Abb. 49: gleicher Stein, Detailansicht, Breite 72 mm
Abb. 50: Quarzporphyr (Rhyolith) vom Kallberget-Typ, Breite 95 mm.
Abb. 51: Rückseite, Breite 90 mm
Abb. 52: Quarzporphyr (Rhyolith), grüne Variante des Särna-Quarzporphyrs aus Dalarna (Beschreibung auf kristallin.de), Aufnahme unter Wasser
Abb. 53: feinkörniger Granit mit diffusen Korngrenzen und roten Hämatit-Flecken, Almindingen-Granit von Bornholm? Breite 14,5 cm
Abb. 54: grobporphyrischer Granit aus weißen und rechteckigen Alkalifeldspäten bis 5 cm Länge sowie einem zweiten und grünlich bis braun getöntem Feldspat (wahrscheinlich Plagioklas), Breite 14,5 cm, Herkunft unbekannt.
Abb. 55: Granitoid mit schwarzem Turmalin (Schörl), Breite 13 cm

Zahlreiche Funde saurer und mafischer Granulite sowie Granatamphibolite belegen den Einfluss eines von Norden kommenden Eisstroms, der diese Gesteine aus der SW-schwedischen Granulitregion in dieses Gebiet transportierte.

Geschiebe aus dem Oslograben treten am Strand bei Skeldekobbel eher vereinzelt auf.

Abb. 58: Rhombenporphyr mit körniger Grundmasse, Breite 75 mm.
Abb. 59: einsprenglingsarmer Rhombenporphyr (Mandelstein) mit Einschluss eines dunklen Rhombenporphyrs. Im Kontaktbereich ist ein breiter grünlicher Reaktionssaum erkennbar. Aufnahme unter Wasser.
Abb. 60: Nahaufnahme
Abb. 61: Oslo-Augitbasalt als Mandelstein. Die großen Pyroxen-Einsprenglinge zeigen teilweise einen zonaren Aufbau (innen grün, außen dunkler). Weiterhin sind schmal-leistenförmige Plagioklas-Einsprenglinge erkennbar. Breite 95 mm, Slg. T. Brückner (Hilter).
Abb. 62: kopfgroßes Geschiebe eines syenitischen Plutonits, wahrscheinlich ein Nordmarkit, Breite 16 cm.

Das Gestein besteht überwiegend aus hellem bis grünlichgrauem Alkalifeldspat. Innerhalb der kleinen Ansammlungen an dunklen Mineralen (Amphibol und Pyroxen) ist ein braunes Mineral erkennbar, das teilweise die typische Keilform von Titanit aufweist (Makroaufnahmen Abb. 67). Die Bestimmung als Nordmarkit ist nicht ganz sicher, da es einzelne undeutlich rhombenförmige Feldspäte (Abb. 65) sowie solche mit einem bläulichen Schiller gibt (Abb. 66). Es könnte sich auch um einen alterierten Larvikit handeln.

Abb. 67: Makroaufnahme mit braunem Titanit, Bildbreite 15 mm

In größerer Anzahl wurden Schonen-Basanit und permische Ganggesteine (Schonen-Lamprophyr) dokumentiert, weiterhin mehrere Exemplare orthopyroxenführender Dolerite aus der Protoginzone („Hyperite“).

Abb. 68: Schonen-Lamprophyr, Breite 13 cm
Abb. 69: Nahaufnahme; schwarze bis schwarzgrüne Pyroxen und gelblich- bis rötlichbraune alterierte Olivin-Einsprenglinge
Abb. 70: Dolerit mit dunkelgrauen Plagioklas-Leisten (Hyperit), Breite 92 mm

Gabbroide Gesteine mit dunkelgrauem Plagioklas könnten ebenfalls aus der Protoginzone stammen. Abb. 71-72 zeigt einen riesenkörnigen Leukogabbro aus dunkelgrauem Plagioklas und grünlichen Ansammlungen chloritisierter mafischer Minerale.

Abb. 73: Dolerit mit intergranularem Gefüge, Typ Åsby-Ulvö-Dolerit, Aufnahme unter Wasser
Abb. 74: coronitischer Olivingabbro, Breite 96 mm. Braun und gelb verwitternde mafische Minerale lassen auf die Anwesenheit von Olivin schließen.
Abb. 75: Nahaufnahme des Gefüges. Dunkle Säume um die bräunlichen Alterationsprodukte dunkler Minerale weisen auf eine zeitlich begrenzte und unvollständige Mineralumwandlung an den Korngrenzen von Plagioklas und Olivin hin.

Mehrfach wurden migmatitische Paragneise beobachtet, teilweise mit großen Granat-Porphyroblasten, deren Ursprung im östlichen Mittelschweden liegen dürfte (Granat-Cordierit-Paragneise vom Sörmland-Typ).

Abb. 76: migmatitischer Paragneis (Sörmland-Typ) mit großen Granat-Porphyroblasten, Breite 21 cm
Abb. 77: verfalteter migmatitischer Paragneis, Breite 13 cm
Abb. 78: glimmerreiches Metasediment mit großen rötlichen Feldspat-Porphyroblasten, Breite 65 mm, Slg. T. Langmann. Das Gestein könnte aus dem Västervik-Gebiet in NE-Småland stammen (Näheres zu diesem Geschiebetyp).

Unter den Sedimentgesteinen dominieren unterkambrische Sandsteine mit Spurenfossilien (meist Skolithos, auch Monocraterion und Diplocraterion als Ichnofauna). Viele paläozoische Kalksteine waren von Fossiliensammlern bereits angeschlagen.

Abb. 79: bioturbater unterkambrischer Sandstein, Blick auf die Schichtfläche, Breite 24 cm
Abb. 80: Blick auf die Schichtung
Abb. 81: unterkambrischer Leoparden-Sandstein, Breite 33 cm. Die dunklen Flecken entstehen durch bevorzugte Auswitterung kalzitischer und Fe-karbonathaltiger Teilzementierungen der Sandstein-Matrix.

Als Besonderheit wurde ein intraformationelles Konglomerat mit Phosphorit-Intraklasten geborgen. Lagenweise sind Anreicherungen von Pyrit-Knollen, am unteren Rand Reste einer Alaunschiefer-Fazies erkennbar. Das Gestein dürfte dem Mittelkambrium zuzuordnen sein und enthält Reste von Agnostiden, eine genauere stratigraphische Auswertung steht noch aus.

Abb. 82: mittelkambrisches Konglomerat mit Phosphorit-Intraklasten und glaukonitischer Kalkstein-Matrix, Breite 17 cm
Abb. 83: Detailaufnahme
Abb. 84: große Pyrit-Knollen im unteren Teil des Geschiebes
Abb. 85: biosparitischer Silurkalk mit Mergelkomponente, eine Variante des Beyrichienkalks, in der auch Graptolithen vorkommen.
Abb. 86: Nahaufnahme; die Graptolithen wirken auf der nassen Geschiebeaußenseite teilweise etwas „zerknautscht“.
Abb. 87: gleicher Stein, Spaltstück mit Graptolithen, in erster Linie der Gattungen Neocolonograptus und Pristiograptus (pers. Mitteilung R. Klafack)
Abb. 88: dunkelgrauer Feuerstein der Oberkreide, Breite 11 cm
Abb. 89: grüngerindeter Feuerstein; Der Feuerstein ist etwa 70 Millionen Jahre alt, seine grüne Glaukonit-Rinde erhielt er durch Umlagerung im Zuge einer Transgression im Paläozän (Alttertiär) vor etwa 55 Millionen Jahren.
Abb. 90: Feuerstein-Brekzie, Aufnahme unter Wasser
Abb. 91: von der Brandung aufgearbeiteter Backstein, Breite 11 cm
Abb. 92: niedriges Steilufer an der Küste bei Skeldekobbel

3. Literatur

ANDERSEN T B & MØLGAARD M R 2018 Sønderborg Area – Overview of the geological conditions in the Sønderborg model area – GeoAtlas Live Documentation, Geo Subsurface Expertise, Report 1, 2018-02-21, www.geo.dk.

Syenite, Monzonite und Alkaligranite des Oslograbens

In der Spätphase der magmatischen Entwicklung des Oslograbens stiegen vor etwa 270-250 Ma alkalireiche Schmelzen in die oberen Bereiche der Erdkruste auf. Sie bilden mächtige Batholithe aus Alkalifeldspatsyeniten bis alkalireichen Graniten, die große Flächen im nördlichen Teil des Oslogebietes einnehmen, darunter Nordmarkit, Grefsen-Syenit und Pulaskit (etwa 1.425 km²) sowie die Ekerite (821 km²). Innerhalb dieser Suite treten grob-, mittel- und feinkörnige Gefügevarianten sowie Ganggesteine auf, miteinander verbunden durch fließende Übergänge. Die wichtigsten Lokalbezeichnungen sind:

Eine eindeutige Bestimmung der Gesteine gestaltet sich nicht nur als Geschiebe, auch im Anstehenden schwierig, weil die Art des Feldspats bzw. die Anteile an Alkalifeldspat und Plagioklas von Hand schwer abzuschätzen sind. An Fundorten mit norwegischen Geschieben kann man auf einige allgemeine Merkmale achten:

Die Alkalifeldspatsyenite (Nordmarkite) des Oslograbens sind mittel- bis grobkörnige Gesteine, die ganz überwiegend aus blass rötlichem, bräunlichem oder graubraunem Alkalifeldspat bestehen. Plagioklas fehlt, Quarz kann in den Feldspat-Zwickeln bis zu einem Anteil von 10 % enthalten sein. In den ähnlichen Ekeriten liegt der Quarzanteil bei 10-35%. Syenite enthalten neben Alkalifeldspat auch Plagioklas (bis 35% Anteil vom Gesamtfeldspat). Der teils hohe Alkaligehalt der Gesteine bedingt das Auftreten alkalireicher dunkler Minerale, darunter nadeliger Ägirin (Na-Pyroxen) und stengeliger Alkali-Amphibol (z. B. Arfvedsonit), neben Glimmer (Biotit). Die Syenite des Oslograbens enthalten oftmals auch braunen Titanit in größerer Menge.

1. Nordmarkit

Abb. 1: Nordmarkit, Geschiebe von Hirtshals (DK), Slg. E. Figaj. Aufnahme unter Wasser.
Abb. 2: Nahaufnahme

Der Nordmarkit nimmt große Flächen in der gleichnamigen Region Nordmarka im Norden des Oslo-Gebietes ein, größere Vorkommen liegen auch südlich des Drammenfjords. Das Gefüge dieses Alkalifeldspatsyenits ist ausgesprochen variabel, neben mittel- und grobkörnigen Gesteinen gibt es feinkörnige, porphyrische (Nordmarkit-Porphyr) und sog. „halb-porphyrische“ Nordmarkite. Zudem bestehen fließende Übergänge zu Larvikit, Pulaskit und Syeniten. Um ein „Gefühl“ für diese als Geschiebe relativ unauffälligen Gesteine zu entwickeln, empfiehlt sich die Betrachtung einer Reihe von Anstehendproben in einer Vergleichssammlung (vgl. skan-kristallin.de und Exkursionsbericht auf kristallin.de).

Die mittel- bis grobkörnigen Nordmarkite sind Alkalifeldspat-Syenite und bestehen ganz überwiegend aus 2-10 mm großen, teilweise rechteckigen Alkalifeldspäten. Blasse Tönungen überwiegen (rosa, bräunlich, graubraun, gelblichgrau). Die Feldspäte erscheinen manchmal graufleckig durch perthitische Entmischungen. Das Gefüge ist insgesamt gleichkörnig, bei Anwesenheit einzelner größerer Feldspäte kann es auch porphyrisch erscheinen. Ein zweiter Feldspat (Plagioklas) fehlt. Quarz kommt in 2-5 mm großen und hellgrauen Körnern in den Feldspat-Zwickeln vor und kann bis zu einem Anteil von 10 % enthalten sein. Mit steigendem Quarzgehalt geht der Nordmarkit nahtlos in Ekerit über (bis 35% Quarz). In geringer Menge treten dunkle Minerale hinzu, darunter nadeliger Ägirin, kurze Pyroxene, eher stengelige Na-Amphibole und/oder Biotit. Die Anwesenheit von Ägirin weist auf den alkalireichen Charakter des Gesteins hin. SMED & EHLERS 2002: 152 nennt als weitere Bestandteile Magnetit, mitunter viel brauner Titanit oder sechseckige bräunliche oder grünliche Säulen von Apatit. Eine Unterscheidung von Syeniten ist mit makroskopischen Mitteln manchmal nicht möglich. Im Zweifelsfall wählt man für entsprechende Funde die allgemeine Bezeichnung Oslo-Syenit.

Abb. 3: Nordmarkit (Stenbjerg, DK), Slg. E. Figaj.

Abb. 4, 5: grünlicher Nordmarkit, Geschiebe aus Dänemark, polierte Schnittfläche, Slg. T. Brückner.

Abb. 6: Nordmarkit, Geschiebe von Steinvik/Tofte (NOR), ex coll. H. Arildskov (bestimmt als Ekerit).
Abb. 7: grobkörniger Nordmarkit, Geschiebe von Steinvik/Tofte (NOR), ex coll. H. Arildskov.
Abb. 8: Nahaufnahme
Abb. 9: „trachytischer“ Nordmarkit (Stenbjerg, DK), Slg. E. Figaj.
Abb. 10: ungleichkörniger Nordmarkit, Johannistal (Schleswig-Holstein).
Abb. 11: Nahaufnahme
Abb. 12: NordmarkitÜbergang zum Ekerit, Geschiebe von Hirtshals, Slg. E. Figaj.
Abb. 13: porphyrischer Nordmarkit, Breite 90 mm, Geschiebe von Filtvet (NOR), ex coll. H. Arildskov.
Abb. 14: porphyrischer Nordmarkit, Breite 12,5 cm, Hirtshals (DK).
Abb. 15: grünlicher Alkalifeldspatsyenit, Geschiebe von Hirtshals (DK), Aufnahme unter Wasser.
Abb. 16: Nahaufnahme. Quarz ist nicht auffindbar, als dunkle Minerale sind nadeliger Pyroxen (Ägirin), stengeliger Amphibol und rötlichbrauner Glimmer erkennbar.

2. Ekerit

Der Ekerit ist ein alkalireicher Granit und ein quarzreiches Glied aus der Suite der Nordmarkit-Plutonite. Wie der Nordmarkit, zu dem nahtlose Übergänge bestehen, sind vom Ekerit ebenfalls zahlreiche Gefüge- und Farbvarianten bekannt, von grob- bis feinkörnig, von massig bis porphyrisch. Als Geschiebe, fern seiner Heimat, ist das Gestein mit gewöhnlichen Graniten verwechselbar und nur schwer, allenfalls in charakteristischer Ausbildung erkennbar.

Mittel- bis grobkörnige Ekerite bestehen aus blass rötlichen, gelblichen, beigefarbenen oder bräunlichen Alkalifeldspäten. Einige der größeren, 5-10 mm langen Feldspäte sind ausgeprägt kantig. Hinzu kommt ein Anteil von 10-35% an xenomorphem Quarz in 2-3 mm großen und transparenten bis weißlich-trüben oder hellgrauen Körnern. Plagioklas fehlt. Ein Hinweis auf den alkalischen Charakter des Gesteins liefert die Anwesenheit geringer Mengen dunkler Minerale wie nadeliger Ägirin und stengeliger Alkaliamphibol (Arfvedsonit).

Abb. 17: Ekerit, Anstehendprobe vom See Eikeren, Norwegen (N 59.65522, E 9.95662), T. Langmann leg., Aufnahme unter Wasser.
Abb. 18: Nahaufnahme. Das Gestein besteht im Wesentlichen aus blassrotem Alkalifeldspat und hellgrauem Quarz; dunkle Minerale sind unauffällig.
Abb. 19: Ekerit, Geschiebefund von Slagentangen (NOR), Slg. E. Figaj.
Abb. 20: Die Detailaufnahme zeigt mehr oder weniger rechteckige gelbliche bis bräunliche Alkalifeldspäte, hellgrauen Quarz sowie nadelige und stengelige dunkle Minerale (Ägirin, Amphibol).
Abb. 21: Ekerit, Geschiebe von Steinvik/Hurum (NOR), ex coll. H. Arildskov. Neben blassrotem Alkalifeldspat ist ein zweiter Feldspat (gelb) erkennbar. Sein Anteil dürfte unter 10% liegen.

3. Grefsen-Syenit

Der Grefsen-Syenit aus der Suite der alkalireichen Nordmarkit-Plutonite enthält neben Alkalifeldspat auch Plagioklas (OFTEDAHL 1948 und SAETHER 1962). Das Gestein weist ein porphyrisches Gefüge auf und sieht durch den orangeroten Alkalifeldspat und die hellgrauen Plagioklase gefleckt aus. Von Hand sind die Feldspäte kaum sicher unterscheidbar. Hinzu kommt etwas Biotit als überwiegendes dunkles Mineral, Ägirin und Amphibol treten eher zurück. Weitere Bestandteile sind etwas trüber Quarz sowie mitunter viel brauner Titanit. Anstehendproben s. skan-kristallin.de.

Abb. 22: Grefsen-Syenit?, Geschiebe von Hirtshals (DK), Breite 10,5 cm.

4. Pulaskit

Pulaskite weisen einen etwas geringeren SiO2-Gehalt auf als Nordmarkite und sind Alkalifeldspatsyenite, die statt Quarz bis zu 10% Nephelin enthalten können. Einige Pulaskite ähneln äußerlich den Nordmarkiten, andere silbrig-graue Varianten den Larvikiten. Manche Pulaskite enthalten rhombenförmige (ternäre) Feldspäte. Hinzu kommen geringe Mengen dunkler Minerale (Glimmer, Pyroxen, Ägirin und/oder Na-Amphibol). Eine Bestimmung als Geschiebe gestaltet sich aufgrund der genannten Verwechslungsmöglichkeiten schwierig, zumal gegebenenfalls enthaltener Nephelin makroskopisch kaum in Erscheinung tritt. Im Zweifelsfall ist die Bezeichnung Alkalifeldspatsyenit zu bevorzugen. Abbildungen von Anstehendproben und Geschiebefunden, s. skan-kristallin.de.

Abb. 23: Glimmerpulaskit, Anstehendprobe, Weg zwischen Kjelsås und Ågårdslien, Nordmarken; Slg. Brøgger 1906, Nr. 114; Slg. der BGR in Berlin-Spandau.
Abb. 24: Nahaufnahme
Abb. 25: Alkalifeldspatsyenit (Pulaskit, Larvikit?), Hirtshals, Breite 12 cm.

5. Akerit und Akeritporphyr

Akerite sind eine Reihe feinkörniger Syenite und Monzonite, die im Oslo-Graben als Subvulkanite, Ganggesteine oder in kleinen Massiven in zahlreichen Varianten auftreten. Die petrographische Definition hat sich seit ihrer Erstbeschreibung durch BRØGGER 1890 und 1933 stark gewandelt. OFTEDAL 1946: 9 präzisiert die Bezeichnung Akerit hinsichtlich eines lokalen Texturbegriffes für feinkörnige Monzonite, die in ihrer Zusammensetzung mit den grobkörnigen Gesteinen der Larvikit-Kjelsåsit-Serie vergleichbar sind. Die aktuelle Nomenklatur definiert Akerite wie folgt: „A collective term for varieties of microsyenite and micromonzonite consisting of alkali feldspar, with more or less oligoclase, biotite, pyroxene and often quartz. They are characterized by rectangular oligoclase.” (LE MAITRE et al 2004). Das Gefüge einiger kleinkörniger Anstehendproben auf skan-kristallin.de lässt in der Tat eine Verwandtschaft mit den Larvikiten/Kjelsasiten vermuten. Akerite treten auch innerhalb der RP-Lagen sowie als Begleiter der Nordmarkite auf. Als Geschiebe dürften die Gesteine nur schwer bestimmbar sein.

Abb. 26: Akerit mit dunklem Xenolith eines Plagioklas-Basalts, Storesand (NOR), ex coll. H. Arildskov. Die körnige Grundmasse ist reich an rötlichem Alkalifeldspat und führt größere grüne Plagioklas-Einsprenglinge, einige davon mit einem hellen Alkalifeldspat-Saum.

Akeritporphyre sind monzonitische Ganggesteine von grauer, graugrüner, bräunlicher oder rötlicher Farbe. Die klein- bis feinkörnige (Körner unter 2 mm) Grundmasse besteht im Wesentlichen aus Alkalifeldspat, der Anteil an Plagioklas, Quarz und dunklen Mineralen (Biotit, Amphibol, Pyroxen) liegt unter 10%. Größere Quarzkörner treten nicht auf (OFTEDAHL 1946). Plagioklas (oft grünlich) bildet rechteckige Einsprenglinge, die von einem hellen Saum aus Alkalifeldspat umgeben sein können. Bei der Bestimmung von Geschieben ist hinsichtlich petrographischer Ähnlichkeiten mit anderen porphyrischen Mikrosyeniten (Syenitporphyren) oder Monzoniten die Bezeichnung Akeritporphyr mit Umsicht zu verwenden, die Gesteine sind selten.

Nach einem Hinweis von H. Arildskov kommen Akeritporphyre hauptsächlich in der Bærum-Sørkedal-Caldera vor, wobei zwei Haupttypen unterschieden werden können: 1) Burud-Typ und 2) Egekoll-Høgås-Typ (HOLTEDAHL 1943: 32, OFTEDAHL 1946:17-23, SÆTHER 1962).

Abb. 27: Akeritporphyr, Anstehendprobe von Tofteholmen (NOR), ex coll. H. Arildskov. Das Gestein von dieser Lokalität wurde von BRØGGER 1931a zunächst als Windsorit-Porphyr, später als Akerit-Porphyr bezeichnet.
Abb. 28: Die Nahaufnahme der nassen Oberfläche zeigt größere grüne Feldspat-Einsprenglinge, wahrscheinlich Plagioklas, in einer körnigen Grundmasse aus rotem Alkalifeldspat, neben wenig dunklen Mineralen, darunter stengelige Alkaliamphibole und nadeliger Alkalipyxroxen (Ägirin).
Abb. 29: porphyrischer Mikrosyenit bis -monzonit (“Akeritporfyr, Burud-Typ von Lommedalen“), Nahgeschiebe von Steinvik (NOR), ex coll. H. Arildskov.
Abb. 30: Nahaufnahme, nass fotografiert; die grünlichgraue und feinkörnige Grundmasse enthält orangefarbene Alkalifeldspat-Einsprenglinge, teils mit perthitischer Entmischung, teils als Karlsbader Zwillinge.

6. Literatur

BARTH T 1945 Studies of the Igneous Rock Complex of the Oslo Region II. Systematic petrography of the Plutonic Rocks – Det norske Videnskaps-akadami i Oslo. Skrifter I.

BRØGGER WC 1890 Die Mineralien der Syenitpegmatitgänge der südnorwegischen Augit- und Nephelinsyenite in: Zeitschrift für Krystallographie und Mineralogie. Hrsg. P. Groth, Bd. 16, Leipzig 1890.

BRØGGER WC 1931a Die Eruptivgesteine des Kristianiagebietes V. Der große Hurumvulkan – Skr. Norske Videns.-Akad. i Oslo I. Mat.-naturv. Kl. I Nr. 6, 1930.

BRØGGER WC 1932 Die Eruptivgesteine des Oslogebietes VI. Über verschiedene Ganggesteine des Oslogebietes – Skr. Norske Videns.-Akad. i Oslo I. Mat.-naturv. Kl. I Nr. 7, 1932.

BRØGGER WC 1933 Die Eruptivgesteine des Oslogebietes: VII. Die chemische Zusammensetzung der Eruptivgesteine des Oslogebietes – Skrifter, Skr. Norske Videns.-Akad. i Oslo I. Mat.-naturv. Kl. I. 1933.

HOLTEDAHL O 1943 Studies on the Igneus Rock Complex of the Oslo Region – I. Some Structural Features of the District Near Oslo. – 71 S., 1 Kte., 39 Fig. – Skrifter ugitt av det Norske Videnskaps-Akademi i Oslo.

LE MAITRE et al 2004 Igneous Rocks: A Classification and Glossary of Terms. Edited by R. W. Le Maitre and A. Streckeisen and B. Zanettin and M. J. Le Bas and B. Bonin and P. Bateman – 252 S., Cambridge University Press, ISBN 0521619483.

OFTEDAHL C 1946 Studies on the Igneous Rock Complex of the Oslo Region. VI. On akerites, felsites and rhomb-porphyries. NVAMK

SAETHER E 1962 Studies on the Igneous Rock Complex of the Oslo Region. XVIII. General investigation of the igneous rocks in the area north of Oslo. NVAMK.

SMED P & EHLERS J 2002 Steine aus dem Norden (2.Aufl.) – 194 S., 34 Taf., 67 Abb., 1 Kte. (rev. 2008), Berlin, Stuttgart (Gebr. Borntraeger).