Ein poikiloblastischer Granatamphibolit aus Penkun (Vorpommern)

Abb. 1: Amphibolit mit großen poikiloblastischen Granat-Aggregaten, Breite 23 cm, Kiesgrube Penkun (Vorpommern).

Granatamphibolit-Geschiebe stammen ganz überwiegend aus der Südwestschwedischen Granulitregion und finden sich verbreitet in glazialen Ablagerungen mit viel Gesteinsmaterial aus SW-Schweden. Dies betrifft sowohl mehr oder wenige gleichkörnige Granatamphibolite, als auch migmatitische Varianten mit großen Granat-Porphyroblasten. Letzterer als weißschlieriger oder plagioklasschlieriger Granatamphibolit bezeichnete Geschiebetyp eignet sich als Leitgeschiebe für SW-Schweden, gleichwohl ähnliche Gesteine untergeordnet auch aus Südnorwegen stammen können.

In den mittelschwedisch-baltisch geprägten Geschiebegesellschaften der östlichen Landesteile treten SW-schwedische Gesteine selten auf. Zwar liegen aus Brandenburg und Vorpommern Fundberichte SW-schwedischer Gesteine (Schonen-Granulit) in Gesellschaft mit Rhombenporphyren vor, SW-schwedische Granatamphibolite wurden bisher nicht dokumentiert. Vergleichbare Granatamphibolite scheinen im Einzugsgebiet der Eisströme aus dem Baltikum und Ost-Mittelschweden zu fehlen.

Die Gesteine der SW-schwedischen Granulitregion entstanden bei einer Kontinent-Kontinent-Kollision während der Svekonorwegischen bzw. Grenville-Orogenese vor etwa 1 Milliarde Jahren unter hochgradiger und „trockener“ Metamorphose (Obere Amphibolit- bis Granulit-Fazies). Vergleichbare Bedingungen, jedoch unter stärkerer Beteiligung fluider Phasen, sind auch aus dem svekofennischen Grundgebirge bekannt. Unter granulitfaziellen Bedingungen entstanden z.B. die migmatitischen Paragneise vom Sörmland-Typ mit Granat, Cordierit und Sillimanit als metamorphe Neubildungen. Ob es dabei auch zur Metamorphose basischer Gesteine unter Neubildung von Granat in der oberen Amphibolitfazies kam, ist wahrscheinlich. Entsprechende Hinweise in der Literatur sind mir bis jetzt nicht bekannt.

Ein Geschiebefund aus der Kiesgrube Penkun (Vorpommern) weicht petrographisch deutlich von den SW-schwedischen Granatamphiboliten ab. Sein Ursprung könnte in einem von stärkerer Metamorphose betroffenen Gebiet des svekofennischen Grundgebirges liegen.

Abb. 2: Nahaufnahme der angewitterten Außenseite, nass fotografiert. Die Granat-Aggregate weisen unscharfe Kanten, teilweise aber auch annähernd sechseckige Umrisse auf.

In einer kleinkörnigen Matrix aus Amphibol und Plagioklas liegen 2-3 cm große und blassrote Granat-Granoblasten bzw. Porphyroblasten. Die meisten davon zeigen mehr oder weniger runde Anschnitte und unregelmäßig begrenzte Ränder. Einige weisen jedoch sechseckige Umrisse auf, ein Hinweis auf große Granat-Einkristalle. Dabei scheint es sich um große Netzkristalle zu handeln, denn sie umwachsen sieb- oder netzartig andere kleinkörnige Minerale. Ein solches Gefüge bezeichnet man als poikiloblastisch. Die Bildung von Granat erfolgte offenbar auf Kosten von Hornblende, während Plagioklas nicht verbraucht wurde und die großen Granate durchsetzt. Innerhalb der kleinkörnigen Amhibolit-Matrix sind stellenweise längliche Schmitzen von goldgelbem Pyrit erkennbar.

Abb. 3: Spaltstück mit frischer Bruchfläche, trocken fotografiert.
Abb. 4: Nahaufnahme der frischen Bruchfläche, Aufnahme unter Wasser. Rechts im Bild ist goldgelber Pyrit erkennbar.
Abb. 5: Nahaufnahme der Matrix mit schwacher Einregelung der dunklen Amphibol-Körner.