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Die Magmatite des Oslograbens

Abb. 1: Rhombenporphyr, Geschiebe von Hirtshals (DK), Breite 11 cm.

Das Oslogebiet in Südnorwegen beheimatet eine Vielfalt von Gesteinen mit besonderen Eigenschaften. Die Magmatite in dieser als Oslograben bezeichneten Gesteinsprovinz zeichnen sich durch einen hohen Alkaligehalt und vergleichsweise ungewöhnliche Gefüge aus. Vulkanite, Plutonite und Ganggesteine nehmen eine Fläche von etwa 200 x 60 km ein und entstanden im Zuge magmatischer Tätigkeit während der Öffnung eines Kontinentalgrabens im Karbon/Perm vor etwa 300 Millionen Jahren. Sie sind damit deutlich jünger als die proterozoischen Gesteine des benachbarten Grundgebirges. Eine Reihe von Oslo-Magmatiten ist als Geschiebe erkennbar, darunter Rhombenporphyr (Abb. 1) und Larvikit (Abb. 2) als wichtigste Leitgeschiebe.

Anlass zur Vorstellung der wichtigsten Oslo-Gesteine aus geschiebekundlicher Sicht bot die Übernahme von Teilen der umfangreichen Sammlung von Henrik Arildskov (Hjørring, N-Dänemark) durch das Eiszeit Haus Flensburg. Henrik hat im Laufe von Jahrzehnten unzählige Anstehendproben, Nahgeschiebe und Geschiebe, u. a. von Gesteinen aus dem Oslograben zusammengetragen. Im mehreren Artikeln wird eine Auswahl aus diesem reichhaltigen Fundus gezeigt. In naher Zukunft können Teile der Sammlung Arildskov im Lager des Eiszeit-Hauses Flensburg eingesehen werden.

  1. Die geologische Entwicklung des Oslograbens
  2. Die Magmatite des Oslograbens
    3.1. Leitgeschiebe
  3. Literatur
Abb. 2: Larvikit, plutonisches Äquivalent des Rhombenporphyrs, Geschiebe am Hirtshals Kliff (DK), Breite 24 cm.
Abb. 3: Blick in die Sammlung Henrik Arildskov (Hjørring/DK).

1. Die geologische Entwicklung des Oslograbens

Die geologische Geschichte des Oslograbens beginnt vor etwa 300 Millionen Jahren mit der Bildung eines kontinentalen Grabenbruchs innerhalb des präkambrischen Grundgebirges (RAMBERG et al. 2008, LARSEN et al. 2008). An einer lang gezogenen tektonischen Schwächezone kommt es zu einer Dehnung und Einsenkung (Grabenbildung) der Erdkruste. Damit verbunden ist eine Verdünnung der Kruste und ein Nachlassen des Auflastdrucks krustaler Gesteine, was die Bildung magmatischer Schmelzen an der Kruste-Mantel-Grenze, sog. Dekompressionsschmelzen ermöglicht. Im Verlauf des Riftings steigen Schmelzen an tief in die Kruste reichenden Störungen und Verwerfungen auf und erreichen als Vulkanite die Erdoberfläche oder bleiben als Plutonite in der oberen Erdkruste „stecken“.

In kontinentalen Rift-Zonen gebildete Dekompressionsschmelzen zeichnen sich durch einen relativ hohen Alkaligehalt aus. Kennzeichnend für die meisten Vulkanite, Subvulkanite und Plutonite der Eruptivprovinz des Oslograbens ist ihr Na-Reichtum, verbunden mit dem Auftreten von ternären Feldspäten (Anorthoklas) sowie Alkalipyroxenen (Ägirin) und Na-reichen Hornblenden (z. B. Arfvedsonit). Der Ursprung der Magmen wird mantelplumes.org diskutiert. Die magmatische Tätigkeit im Oslograben beginnt im Perm und erstreckt sich über den Zeitraum vor 310-241 Ma bis in die frühe Trias. Intensiver Vulkanismus und das eigentliche Rifting nehmen eine Dauer von 20-30 Millionen Jahren ein.

Abb. 4: Übersichtskarte Oslogesteine, Karte leicht verändert nach rapakivi.dk.

Die heutige Verbreitung der Oslo-Magmatite an der Oberfläche ist das Ergebnis von rund 250 Millionen Jahren Erosion und Abtragung. Im Süden des Oslograbens stehen verbreitet monzonitische Plutonite (Kjelsåsit, Larvikit) an, im zentralen Teil Drammen- und Finnemarka-Granit, im Norden (Hurdalen) überwiegen Syenite und Alkaligranite (Nordmarkit, Ekerit). Das Krogskogen-Plateau im Norden und das Vestfold-Gebiet weiter südlich sind die zwei großen Gebiete mit Rhombenporphyr-Vulkaniten. Kleinere Vorkommen von Basalten, Rhyolithen und weiteren Gesteinen finden sich verstreut im gesamten Oslogebiet.

Zur SSW-NNE-streichenden Grabenstruktur des Oslo-Rifts gehören neben den Magmatiten auch Relikte kambrischer bis silurischer Sedimentgesteine, meist Tonschiefer und Kalke, ab dem Obersilur auch rote und graue Sand- und Siltsteine (Ringerike-Sandstein). Im Kontaktbereich aufsteigender Plutonite zu Sedimentgesteinen kam es zu Bildung von Hornfelsen.

Die magmatische Entwicklung im Oslograben lässt sich in 6 Phasen skizzieren und (RAMBERG et al. 2008, LARSEN et al. 2008):

1. Bildung eines Sedimentbeckens mit dem Abtragungsschutt des Kaledonischen Gebirges. Unmittelbar vor Einsetzen des Riftings (308-305 Ma) kommt es zum Aufstieg erster Magmen. Syenitische (z. B. Maenait) bis basische (z. B. Camptonite) Ganggesteine durchschlagen paläozoische Sedimentgesteine und bilden Lagergänge mit Mächtigkeiten bis 10 m.

2. Den Beginn des Riftings (300-292 Ma) markiert basaltischer Vulkanismus an verschiedenen Orten des Oslogebietes. Diese als B1 bezeichneten Basalte, Alkali-Olivin-Basalte, Basanite sowie Melilithe und Nephelinite erreichten Mächtigkeiten bis 1.500 m.

3. Höhepunkt des riftgebundenen Magmatismus mit Spalteneruptionen von Rhombenporphyr-Lava (292-275 Ma), untergeordnet setzt sich der basaltische Vulkanismus fort. Die Rhombenporphyr-Lava war sehr heiß und dünnflüssig, ihr Ausfließen vollzog sich vergleichsweise „ruhig“. Etwa alle 250.000 – 600.000 Jahre kam eine weitere Rhombenporphyr-Lage dazu. Zwischen den Rhombenporphyr-Lagen treten gelegentlich Ablagerungen von Sedimenten aus Phasen vulkanischer Inaktivität auf (u. a. Rhombenporphyr-Konglomerate). Die magmatische Entwicklung verlagerte sich vom Krogskogen-Gebiet (RP1-RP12) allmählich nach Süden nach Vestfold (RP12c-RP26). Die Lavaplateaus der Rhombenporphyre bedeckten einst große Flächen und erreichten Mächtigkeiten bis 3.000 m, das Volumen an ausgeflossener Lava wird auf etwa 1.000 km³ (!) geschätzt.

Zum Ende der dritten Phase, ab etwa 280 Ma, kommt es zum Aufstieg larvikitischer Batholithe in die oberen Bereiche der Erdkruste. Die Gesteinsfolge der Larvikit-Serie beginnt mit dem Kjelsåsit, einer Ca-reichen Variante des Larvikits, und führt über quarz- bis nephelinführende Larvikite (mit Tönsbergit als roter Variante) zu Nephelinsyeniten, darunter der riesenkörnige Lardalit und der mittelkörnige Foyait.

4. In der Reifephase des Riftings (280-265) entstehen große basaltische Zentralvulkane (hauptsächlich Alkali-Olivin-Basalte), während sich die Eruption von Rhombenporphyren mit verminderter Aktivität fortsetzt.

Die Entleerung der basaltischen Magmakammern hinterlässt ein gas- und SiO2-reiches Rest-Magma. Mit seinem Aufstieg erreicht der Vulkanismus vor etwa 270 Ma ein explosives Stadium, verbunden mit Bildung und Kollaps von Calderen. Dabei wurden große Mengen rhyolithischer Tuffe und Ignimbrite ausgeworfen. Durch den Caldera-Kollaps entstandene große ringförmige Störungen füllten sich mit syenitischen, monzonitischen bis rhyolithischen Magmen (Ringgänge), im Zentrum der Calderen intrudierten Zentraldome (cone sheets) mit gleicher Zusammensetzung. Bislang wurden im Oslograben 13 Calderen ehemaliger Stratovulkane nachgewiesen, einige davon besaßen die Größe des Vesuvs und Ätnas.

An den Anfang der 4. Phase vor 280 Ma fällt auch der Aufstieg der ersten Granit-Plutone (sog. Biotitgranit I mit Drammen- und Finnemarka-Batholith) sowie einiger kleinerer Alkaligabbro-Intrusionen.

5. Magmatisches Nachspiel mit großen syenitischen Batholithen (270-250 Ma) von Alkali-Syeniten bis Alkali-Graniten wie Nordmarkit und Ekerit. Die Plutonite dringen in die Lavaergüsse, Calderen und früheren Batholithe auf und verwischen teilweise ältere Strukturen.

6. Intrusion kleinerer Granit-Massive (Biotitgranit II) und Gängen nördlich von Oslo (Tryvann/Hurdal) sowie Basiten (Gabbros) im Zeitraum 250-241 Ma.

2. Die Magmatite des Oslograbens

Wer sich mit den Magmatiten des Oslograbens beschäftigt, hat es mit einer Fülle von Gesteinsnamen zu tun. Obwohl Alkaligesteine insgesamt nur einen kleinen Teil der Magmatite ausmachen, erregten sie schon immer die Aufmerksamkeit von Geologen. Dies führte zu einer ungleich größeren Zahl teilweise exotisch klingender Gesteinsbezeichnungen und Lokalnamen. Im Falle des Oslograbens gehen viele Bezeichnungen auf Erstbeschreibungen durch den Geologen W. C. Brøgger (1851-1940) zurück. Brøggers jahrzehntelange Forschungen spiegeln sich in einem umfangreichen Schrifttum mit außerordentlich differenzierten petrographischen Beschreibungen wider. Darüber hinaus stellte Brøgger 20 Typensammlungen zu je 227 Handstücken zusammen, geordnet nach den Verwandtschaftsbeziehungen der Gesteine. Diese Sammlungen wurden durch die Firma F. Krantz an Universitäten verkauft und verhalfen den Oslo-Magmatiten zu europaweiter Bekanntheit. Eine nahezu vollständige Sammlung befindet sich in der BGR Berlin-Spandau und der Mineralogischen Sammlung der Humboldt-Universität im Naturkundemuseum Berlin. Nähere Informationen zur Brøggerschen Sammlung mit Bildern von Handstücken finden sich auf skan-kristallin.de.

Brøggers Gesteinsbezeichnungen unterlagen hinsichtlich ihrer petrographischen Bedeutung im Laufe der Zeit mehrfach einem Wandel durch nachfolgende Bearbeiter. Manche Bezeichnungen sind nach heutiger Nomenklatur als veraltet oder sogar unzutreffend anzusehen (z. B. Oslo-Essexit). Beim Studium der alten Schriften ist dies zu berücksichtigen. Die Verwendung von Lokalnamen ist auch heute noch sinnvoll und „erlaubt“, wenn sie einen Erkenntnisgewinn im Sinne einer petrographischen Differenzierung bedeutet. Nützlich ist die Ergänzung durch allgemeine Gesteinsbezeichnungen gemäß aktueller Nomenklatur (LE MAITRE et al. 2004) bzw. Klassifikation nach QAPF-Diagramm, z. B Rhombenporphyr = Latit, Larvikit = Anorthosit-Monzonit oder Nordmarkit = Alkalifeldspatsyenit.

2.1. Leitgeschiebe

Aus geschiebekundlicher Sicht empfiehlt sich eine Betrachtung der Oslo-Gesteine in der Reihenfolge ihrer flächenmäßigen Verbreitung im Anstehenden (Abb. 4). Diese entspricht nicht ganz ihrer Häufigkeit als Geschiebe. So steht der Rhombenporphyr an dritter Stelle, ist aufgrund seiner leichten Erkennbarkeit aber auch in glazialen Ablagerungen mit wenig Oslo-Material das wichtigste Leitgeschiebe. Rhombenporphyr-Geschiebe treten nach SMED & EHLERS 2002 ungleich häufiger als Larvikit oder Nordmarkit auf, weil sie als Vulkanite im Anstehenden im Vergleich zu den Plutoniten eine engständigere Klüftung aufweisen und damit bevorzugt kleinere Geschiebe ausbilden.

Gesteinstypkm²
Larvikit / Tönsbergit  
Nordmarkit / Pulaskit  
Rhombenporphyr  
Biotitgranit  
Ekerit  
Basalt  
Kjelsåsit  
Lardalit und Nephelinsyenit  
Trachyt, Quarzporphyr 
Tuff
Oslo-Essexit    
1.705
1.400
1.160
840
821
220
201
65
55
25
15  

Summe

6.507 km²
Abb. 4: Flächenmäßige Verbreitung der Oslo-Gesteine im Anstehenden in qkm (nach BARTH 1945, abgeändert durch OFTEDAHL 1960).

Einige Oslo-Magmatite sind als Geschiebe schwer bestimmbar. Mitunter lässt sich der Mineralbestand, insbesondere das Mengenverhältnis der Feldspäte, mit makroskopischen Mitteln nicht sicher ermitteln. Manche Magmatite treten in zahllosen Gefügevarianten auf, zudem sind aus dem Anstehenden gegenseitige nahtlose Übergänge von mehreren Gesteinstypen bekannt. Das Studium von Vergleichsproben erweist sich in jedem Fall als hilfreich.

Lokalitäten mit viel Geschiebe-Material aus dem Oslograben beschränken sich auf N-Dänemark und S-Norwegen. An allen anderen Fundorten treten Oslo-Gesteine eher vereinzelt auf: Rhombenporphyre, mal ein Larvikit, Nordmarkit, Oslo-Basalt oder Oslo-Ignimbrit. Die Beiträge zu den Oslo-Gesteinen auf dieser Seite gliedern sich grob nach ihrer petrographischen Verwandtschaft, Überschneidungen sind dabei nicht ganz vermeidbar. Beschreibungen bestimmter Gesteinstypen lassen sich auch über die Gesteinsliste aufrufen.

Vulkanite:

Plutonite:

Ganggesteine:

Hornfels

3. Literatur

Zur Geologie des Oslograbens und Petrographie der Oslo-Gesteine existiert ein umfangreiches Schrifttum (Auswahl). Als Einstieg seien empfohlen: RAMBERG et al. 2008, LARSEN et al. 2008, OFTEDAHL 1960, als Exkursionsführer HOLTEDAL & DONS 1966, DONS & LARSEN 1978. Ausführliche petrographische Beschreibungen finden sich in den Arbeiten von BRØGGER. Zahlreiche Abbildungen von Anstehendproben bietet die Seite skan-kristallin.de, ein ausführlicher Exkursionsbericht ist auf kristallin.de nachzulesen.

ANDERSEN T et al. 2002 Timing of late- to post-tectonic Sveconorwegian granitic magmatism in South Norway – NGU 440.

BARTH T 1945 Studies of the Igneous Rock Complex of the Oslo Region II. Systematic petrography of the Plutonic Rocks – Det norske Videnskaps-akadami i Oslo. Skrifter I.

BOSE M K 1969 Studies on The Igneous Rock Complex Of The Oslo Region. XXI The Petrology Of The Sørkedalite – A Primitive Rock From The Alkali Igneous Province Of Oslo. Oslo, 1969.

BRØGGER WC 1890 Die Mineralien der Syenitpegmatitgänge der südnorwegischen Augit- und Nephelinsyenite in: Zeitschrift für Krystallographie und Mineralogie. Hrsg. P. Groth, Bd. 16, Leipzig 1890.

BRØGGER W C 1894 Die Eruptivgesteine des Kristianiagebietes I. Die Gesteine der Grorudit-Tinguait-Serie – Videnskabsselskkabets Skrifter I. Mat.-naturv. Kl. I. 1894.

BRØGGER W C 1906 Eine Sammlung der wichtigsten Typen der Eruptivgesteine des Kristianiagebietes nach ihren geologischen Verwandtschaftsbeziehungen geordnet. Nyt Magazin for Naturwidenskaberne, A.W. Brøggers Bogtrykkerie 1906 (als Faksimile).

BRØGGER WC 1931a Die Eruptivgesteine des Kristianiagebietes V. Der große Hurumvulkan – Skr. Norske Videns.-Akad. i Oslo I. Mat.-naturv. Kl. I Nr. 6, 1930.

BRØGGER WC 1932 Die Eruptivgesteine des Oslogebietes VI. Über verschiedene Ganggesteine des Oslogebietes – Skr. Norske Videns.-Akad. i Oslo I. Mat.-naturv. Kl. I Nr. 7, 1932.

BRØGGER WC 1933 Die Eruptivgesteine des Oslogebietes: VII. Die chemische Zusammensetzung der Eruptivgesteine des Oslogebietes – Skrifter, Skr. Norske Videns.-Akad. i Oslo I. Mat.-naturv. Kl. I. 1933.

DONS J A & LARSEN B 1978 The Oslo Paleorift. A Review and Guide to Excursions. – NGU Universitetsforlaget.

HOLTEDAHL O 1943 Studies on the Igneus Rock Complex of the Oslo Region – I. Some Structural Features of the District Near Oslo. – 71 S., 1 Kte., 39 Fig. – Skrifter ugitt av det Norske Videnskaps-Akademi i Oslo.

HOLTEDAHL O & DONS J A 1966 Geological guide to Oslo and districts (with map 1: 50000) – Universtitsforlaget Oslo.

LARSEN A O 2010 The Langesundsfjord. History, Geology, Pegmatites, Minerals – Bodeverlag, Salzhemmendorf, 2010.

LARSEN B, OLAUSSEN S, SUNDVOLL B & HEEREMANS M 2008 The Permo-Carboniferous Oslo Rift through six stages and 65 million years – Episodes, Vol. 31 (1), 52-58.

LE MAITRE et al 2004 Igneous Rocks: A Classification and Glossary of Terms. Edited by R. W. Le Maitre and A. Streckeisen and B. Zanettin and M. J. Le Bas and B. Bonin and P. Bateman – 252 S., Cambridge University Press, ISBN 0521619483.

OFTEDAHL C 1952 Studies on the igneous rock complex of the Oslo region. XII. The Lavas – Skrifter utgitt av Det Norske Videnskaps-Akademi i Oslo (I) Matematisk-Naturvidenskapelig Klasse 3: 64 S., 21 Abb., 6 Tab., Oslo (Universitetsforlag).

OFTEDAHL C 1967 Magmen-Entstehung nach Lava-Stratigraphie im südlichen Oslo-Gebiete – Geologische Rundschau 47: 203-218, 5 Abb., 2 Tab., Stuttgart.

OFTEDAHL C 1960 Permian rocks and structures of the Oslo region – Geology of Norway (Vol. 208, pp. 298-343). I Kommisjon hos H. Aschehoug & Co., Oslo.

OFTEDAHL C & DONS J 1957 Geological Guide to Oslo and District – Oslo.

PETERSEN J S 1978 Structure of the Larvikite-Lardalite Complex, Oslo-Region, Norway, and its Evolution – Geologische Rundschau 67, S. 330-342.

RAMBERG I B, BRYHNI I, NÖTTVEDT A, RANGNES K (Hrsg) 2008 The Making of a Land – Geology of Norway, Norsk Geologisk Forening, Trondheim 2008.

SAETHER E 1962 Studies on the Igneous Rock Complex of the Oslo Region. XVIII. General investigation of the igneous rocks in the area north of Oslo. NVAMK.

SMED P & EHLERS J 2002 Steine aus dem Norden (2.Aufl.) – 194 S., 34 Taf., 67 Abb., 1 Kte. (rev. 2008), Berlin, Stuttgart (Gebr. Borntraeger).

ZANDSTRA J G 1988 Noordelijke Kristallijne Gidsgesteenten ; Een beschrijving van ruim tweehonderd gesteentetypen (zwerfstenen) uit Fennoscandinavië – XIII+469 S., 118 Abb., 51 Zeichnungen, XXXII farbige Abb., 43 Tab., 1 sep. Kte., Leiden etc. (Brill).

Porphyrische Vulkanite aus dem Oslograben

Feinkörnige Vulkanite, Subvulkanite und Ganggesteine mit porphyrischem Gefüge finden sich im Oslo-Gebiet in mannigfaltigen Ausprägungen und entstanden in allen Phasen des riftgebundenen Magmatismus. Neben Gesteinen mit basischer Zusammensetzung („Oslo-Basalte“) und den weit verbreiteten intermediären Vulkaniten (Rhombenporphyre, Latite) treten syenitische bis rhyolithische Gesteine auf. Rhyolithische Magmen wurden insbesondere im Zuge explosiver vulkanischer Aktivität und Caldera-Kollaps in der Spätphase des Riftings gefördert, beim Aufstieg SiO2-reicher Restschmelzen aus den weitgehend entleerten Magmakammern der basaltischen Zentralvulkane. Syenitische bis rhyolithische Ganggesteine drangen weiterhin in ringförmige, nach dem Caldera-Kollaps entstandene Störungen und Spalten ein (ring dykes) oder stiegen als Zentraldome (cone sheets) auf. Andere Rhyolithe werden als Begleiter granitischer Massive angesehen (sog. porphyrische Mikrogranite, z. B. Drammen-Quarzporphyr, Horn-Quarzporphyr).

Die meisten der feinkörnigen bis dichten Syenitporphyre, Quarzporphyre (Rhyolithe) und Sphärolithporphyre des Oslograbens sind als Geschiebe nicht erkennbar bzw. sicher von Gesteinen aus anderen Gebieten unterscheidbar. Für einige Ignimbrit-Typen ist dies möglich, da ihr Erscheinungsbild deutlich von Ignimbriten aus anderen Liefergebieten abweicht. Die folgenden Bilder, darunter viele Nahgeschiebe aus der Sammlung Arildskov, zeigen einen kleinen Querschnitt durch die Vielfalt an Gefügen und sind nicht als Bestimmungshilfe zu verstehen.

  1. Quarzporphyre (Rhyolithe) – Horn-Quarzporphyr
  2. Sphärolithporphyre – Sörkedal-Typ – Vulkanite mit Lithophysen
  3. Syenitporphyre – Glimmersyenitporphyr
  4. Literatur

1. Quarzporphyre (Rhyolithe)

Abb. 1: Oslo-Quarzporphyr, Nahgeschiebe von Steinvik (NOR), ex coll. H. Arildskov.
Abb. 2: Nahaufnahme
Abb. 3: Oslo-Quarzporphyr mit feinkörniger Grundmasse, Steinvik (NOR), ex coll. H. Arildskov.
Abb. 4: Oslo?-Quarzporphyr, Geschiebe vom Hirtshals-Kliff, Breite 8 cm.

Das Gestein in Abb. 5-6 könnte ein Horn-Quarzporphyr sein, seine Eignung als Leitgeschiebe ist allerdings umstritten (Beschreibung in JENSCH F 2012 und auf rapakivi.dk; Abb. eines ähnlichen Fundes auf skan-kristallin.de).

Abb. 5: Horn-Quarzporphyr?, Breite 10 cm, Steinvik/Tofte (NOR), ex coll. H. Arildskov.
Abb. 6: Nahaufnahme. In einer feinkörnigen und beigefarbenen Grundmasse liegen bräunliche und unregelmäßig begrenzte, bis 15 mm große Alkalifeldspat-Einsprenglinge sowie runde und glasklare Quarze (bis 8 mm). Dunkle Minerale (stengelige Amphibole) sind in geringer Menge vorhanden.

Drei Geschiebe aus Norwegen aus der Sammlung H. Arildkov wurden als Akerit-Porphyr, Egekoll-Høgås-Type bestimmt (Referenz: OFTEDAHL 1946). Augenscheinlich handelt es sich um Quarzporphyre, während Akeritporphyre als monzonitische Ganggesteine weitgehend frei von Quarzeinsprenglingen sind. Ob im Anstehenden ein genetischer Zusammenhang dieses auffälligen Porphyrtyps mit Akeritporphyren besteht, konnte bislang nicht geklärt werden.

Abb. 7: Quarzporphyr („Akerit-Porfyr, Egekoll-Høgås-Type“), Filtvet (NOR), ex coll. H. Arildskov.
Abb. 8: Nahaufnahme. Quarz- wie Feldspat-Einsprenglinge sind von dunklen Säumen (Sphärolithe?) umgeben.

Abb. 9, 10: ähnlicher Quarzporphyr („Akerit-Porfyr”), Steinvik (NOR), ex coll. H. Arildskov.

Abb. 11: Quarzporphyr („Akerit-Porfyr, kvartsrig“), Filtvet (NOR), ex coll. H. Arildskov.

Felsitporphyr ist eine Bezeichnung für SiO2-reiche (saure) Porphyre mit dichter Grundmasse.

Abb. 12: Felsitporphyr („Sörkedal-Porphyr“), Breite 85 mm, Steinvik (NOR), ex coll. H. Arildskov. Der dichte und rötlichbraune Vulkanit enthält wenig weiße und kantige Feldspat-Einsprenglinge, etwas Quarz sowie kleine eckige Vulkanit-Fragmente.

2. Sphärolithporphyre

Sphärolithe sind kugelige bzw. sphärische, im Anschnitt rundliche Aggregate, die aus radialstrahlig um einen Kristallisationskeim gewachsenen Quarz-Feldspat-Aggregaten bestehen. Sie treten vor allem in sauren Vulkaniten (Rhyolithen) auf und bilden sich bei rascher Abkühlung (Unterkühlung) einer Schmelze, die nicht genügend Kristallkeime für eine „normale“ Kristallisation bereithält. Vulkanite mit spärolithischem Gefüge sind weit verbreitet und kommen in allen Vulkanitgebieten vor. Geschiebefunde lassen sich in der Regel keiner bestimmten Herkunft zuordnen. Die Sphärolithporphyre des Oslograbens sehen mitunter vergleichsweise „frisch“ aus, die Sphärolithe heben sich kontrastreich von der Grundmasse ab, ihr radialstrahliger Aufbau ist unter der Lupe gut erkennbar. Dieser subjektive Eindruck dürfte allerdings kaum ein hinreichendes Merkmal zur Unterscheidung von Vulkaniten aus anderen Gebieten bieten.

Abb. 13: Quarzporphyr mit dunklen Höfen (Sphärolithe) um Quarz- und Feldspat-Einsprenglinge. Geschiebe von Hurum (NOR), ex coll. H. Arildskov.

Auffällige Vulkanite sind die Sphärolithporphyre vom Sörkedal-Typ (Abb. 2-5, ex coll. H. Arildskov). In einer hellbraunen und feinkörnigen Grundmasse liegen zahlreiche rundliche und orangebraune Sphärolithe sowie rötliche Feldspat-Einsprenglinge, jeweils umgeben von einem weißen Saum. Dunkle Minerale sind kaum vorhanden, Quarz-Einsprenglinge fehlen. Vergleichbare Sphärolithporphyre kommen in der Bærum-Caldera vor (s. Anstehendproben auf skan-kristallin.de).

Abb. 14: Sphärolithporphyr (Sörkedal-Typ), Breite 80 mm, Geschiebe von Filtvet (NOR), ex coll. H. Arildskov.
Abb. 15: Nahaufnahme

Abb. 16, 17: Sphärolithporphyr (Sörkedal-Typ?), Steinvik/Hurum (NOR), ex coll. H. Arildskov.

Abb. 18: Sphärolithporphyr (Sörkedal-Typ), Breite 80 mm, Geschiebe von Hurum (NOR), ex coll. H. Arildskov.

Abb. 19-21 zeigt zwei Geschiebe mit sphärolithischer Textur aus der Vigsö-Bucht in Norddänemark. Eine Herkunft aus dem Oslograben ist vorstellbar, lässt sich aber mangels weiterer spezifizierender Gefügemerkmale nicht näher belegen.

Abb. 19: sphärolithischer Vulkanit, Vigsö-Bucht (DK), Slg. E. Figaj

Abb. 20, 21: roter Sphärolithporphyr mit feinkörniger Grundmasse, Vigsö-Bucht (DK), Slg. E. Figaj.

Neben Sphärolithen finden sich in Vulkaniten weitere sog. primäre Hochtemperatur-Kristallisationserscheinungen (BREITKREUZ 2013), darunter runde bis eiförmige und konzentrische Texturen, die als Lithophysen bezeichnet werden. Lithophysen können von sphärolithischen Texturen begleitet sein. Eine veraltete Bezeichnung für Vulkanite mit Lithophysen ist „Kugelfels“. Die dänische Bezeichnung „porfyriske pisolitter“ scheint sich eher auf Vulkanite mit Lithophysen zu beziehen, als dass es sich tatsächlich um Aschentuffe mit akkretionären Lapilli handelt. Perlitisches Gefüge entsteht ebenfalls bei der Entglasung, der Umwandlung von amorphem Gesteinsglas in die kristalline Phase. Die damit verbundene Volumenzunahme führt zur Bildung einer typischen netz- und maschenförmigen Textur aus rundlichen Perliten.

Am Grevsenkollveien bei Oslo steht ein brauner Vulkanit als 2 m mächtiger Gang im Nordmarkit an. Die polierte Schnittfläche zeigt runde bis eiförmige Gebilde mit konzentrischem Aufbau (Lithophysen).

Abb. 22, 23: Vulkanit vom Grevenskollveien, bei Abzweigung Lachmannsveien, SE Oslo (NOR), polierte Schnittfläche, leg. A. Bräu. Die Nahaufnahme zeigt Lithophysen? mit hellem Rand und rotem Kern.

Abb. 24: Vulkanit mit eckigen bis runden und konzentrischen Texturen („Sphärolithporphyr“), Breite 95 mm, Hurum (NOR), ex coll. H. Arildskov.
Abb. 25: eiförmige und konzentrische Texturen in einem fluidalen Vulkanit („Oslo-Ignimbrit“), Breite 10 cm, Verket (Hurum), ex coll. H. Arildskov.

Abb. 26-28 ist ein brauner Vulkanit („Kugelfels“) mit kugeligen, im Anschnitt runden bis eiförmigen Aggregaten (Lithophysen). Einige davon weisen, je nach Anschnitt eine konzentrische Struktur auf. Die undeutlich konturierten Kernbereiche bestehen aus Quarz. Geschiebe aus der Vigsö-Bucht (DK), Slg. E. Figaj.

3. Syenitporphyre

Feinkörnige syenitische bis monzonitische Gesteine treten im Oslograben in großer Vielfalt auf, in Gestalt von Gängen oder kleinen Massiven. Syenitporphyre sind feinkörnige Syenite (Mikrosyenite) mit Alkalifeldspat-Einsprenglingen. Mit zunehmendem Quarz-Anteil gehen sie in Quarzsyenite über, mit zunehmendem Plagioklas-Gehalt in Monzonite (hierzu gehören auch die Akeritporphyre). Aus dem Anstehenden wird eine Reihe von Typen beschrieben, eine Zuordnung von Geschiebefunden dürfte mit großen Schwierigkeiten verbunden sein. Die Gesteine stammen aus Kleinstvorkommen, sind sehr selten und weisen oftmals keine spezifischen Merkmale auf, die eine eindeutige Zuordnung ermöglichen. Allenfalls entsprechende Funde mit einzelnen rhombenförmigen Feldspat-Einsprenglinge können einen Anhaltspunkt für eine Herkunft aus dem Oslograben liefern (Abb. 39).

Abb. 29: Syenitporphyr mit hellen Alkalifeldspat-Einsprenglingen, Hanstholm (DK), leg. E. Figaj.

Die kleinkörnige Grundmasse besteht aus einem Gewirr leistenförmiger Feldspat-Kristalle, stellenweise ist eine Einregelung erkennbar (trachytisches Gefüge). Die Zusammensetzung des Gesteins ist unklar, Syenitporphyr ist eine vorläufige Bezeichnung. Bei Vorhandensein von viel Plagioklas in der Grundmasse könnte es sich auch um einen porphyrischen Latit handeln.

Abb. 30: Syenitporphyr, ex coll. H. Arildskov, Geschiebe von Tofte (NOR).

In einer feinkörnigen und feldspatreichen Grundmasse liegen orangefarbene Einsprenglinge von Alkalifeldspat. Der Fund wurde als Akeritporphyr bestimmt, es fehlen aber die für Akeritporphyre typischen Plagioklas-Einsprenglinge.

Aus der Bærum-Caldera werden mehrere Typen von Syenitporphyren beschrieben (HOLTEDAHL 1943: 32): 1) Byvatn-Typ, 2) Østern-Typ, 3) Raufjellås-Typ, 4) Fjellsjöhøgda-Typ und 5) Sørkedal-Typ.

Abb. 31, 32: Syenitporphyr, Østern-Typ, Anstehendprobe von Østervann (NOR), ex coll. H. Arildskov. Nach HOLTEDAHL 1943: 32 und OFTEDAHL 1946: 18 weist das Gestein eine monzonitische Zusammensetzung auf und wird zu den Akeritporphyren gezählt.

Abb. 33, 34: porphyrischer Syenit („Syenitporphyr, Fjellsjöhøgda-Typ”), Geschiebe von Storsand (NOR), ex. coll. H. Arildskov. Die körnige Grundmasse besteht aus orangefarbenen, untergeordnet grünlich-grauen Feldspatkörnern. Quarz ist nicht erkennbar. Die hellgrauen Einsprenglinge sind nicht näher bestimmbar (Anorthoklas, Plagioklas?).

Abb. 35: Syenitporphyr, Byvatn-Typ (gemäß Beschreibung von SAETHER 1962), Storsand (NOR), ex. coll. H. Arildskov.
Abb. 36: Nahaufnahme

Die graugrüne Grundmasse besteht aus rechteckigen bis leistenförmigen Feldspat-Kristallen, neben Amphibol und Biotit als dunkle Minerale. Quarz ist nicht erkennbar. Die gelblichgrauen bis grünlichen Feldspat-Einsprenglinge weisen einen hellen Saum, manche auch einen undeutlich rhombenförmigen Anschnitt auf. Der Geschiebefund ähnelt Anstehendproben von Ullernäsen und Bygdø.

Porphyrische Mikrosyenite mit höherem Glimmer-Anteil („Glimmersyenitporphyre“) treten als Gänge, insbesondere als Ringgänge im Zusammenhang mit der Calderabildung auf. Auch hier werden mehrere Typen unterschieden. ZANDSTRA 1999, Nr. 245 beschreibt den Typ Bygdö-Nakholmen von der Huk-Passage auf Bygdøy bei Oslo.

Abb. 37, 38: Glimmersyenitporphyr, Steinvik (NOR), ex. coll. H. Arildskov.

Abb. 39: Glimmersyenitporphyr, Hurum/Storsand (NOR), ex. coll. H. Arildskov (No 1022).

4. Literatur

BREITKREUZ C 2013 Spherulites and lithophysae – 200 years of investigation on high-temparature crystallization domains in silica-rich volcanic rocks – Bull. Volcanol. (2013) 75: 705, 16 S..

HOLTEDAHL O 1943 Studies on the Igneous Rock Complex of the Oslo Region. I – Some structural features of the district near Oslo – Skrifter utgitt av det Norske Videnskaps Akademi i Oslo, I. Mat.-Naturv. Klasse 1943, No. 2 – 71 S., 39 Fig., 1 Kte., Oslo.

JENSCH F 2012 Der Horn-Quarzporphyr vom Oslogebiet, ein unbeachtetes Leitgeschiebe – Geschiebekunde aktuell 28 (3/4): 99-108, 8 Abb., Hamburg/Greifswald August 2012.

OFTEDAHL C 1946 Studies on the igneous rock complex of the Oslo Region. VI. On akerites, felsites and rhomb-porphyries. Skr. Norske Videns.-Akad. i Oslo I. Mat.-naturv. Kl. I. 1946 No.1

SAETHER E 1962 Studies on the Igneous Rock Complex of the Oslo Region. 18. General investigations of the Igneous Rocks in the area North of Oslo. Skr. Norske Videns.-Akad. i Oslo I. Mat.-naturv. Kl. I. Ny Serie No. 1.

ZANDSTRA J G 1999 Platenatlas van noordelijke kristallijne gidsgesteenten, Foto’s in
kleur met toelichting van gesteentetypen van Fennoscandinavië – XII+412 S.,
272+12 unnum. Farb-Taf., 31 S/W-Abb., 5 Tab., Leiden (Backhuys).