

Aus der Kiesgrube Hohensaaten an der Oder (Brandenburg) stammt ein rotbrauner und grobkörniger Plutonit mit porphyrischem Gefüge. Als Einsprengling sind zahlreiche blassrote, bis 3 cm lange Alkalifeldspäte erkennbar, teils mit deutlicher perthitischer Entmischung. Die meisten von ihnen weisen eine rechteckige Form und stark abgerundete Kanten auf, einzelne zeigen einen sechseckigen Anschnitt und sind Karlsbader Zwillinge.
Viele der Alkalifeldspäte besitzen eine ungewöhnliche Zonierung: ein blassroter Kern wird von einem schmalen braunroten inneren Ring (meist etwa 2 mm) umgeben, gefolgt von einem äußeren, meist etwas dickeren (3 mm) Bereich, augenscheinlich der gleiche Feldspat wie im Kern. Die dunkleren inneren Ringe bestehen weitgehend aus feinkristallinem Quarz, begleitet von Einlagerungen aus Hämatit und chloritähnlichen Mineralen.
Die feinkörnige Grundmasse besteht aus kataklastisch zerkleinertem Alkalifeldspat und kleineren, unregelmäßig geformten Quarzaggregaten. Dunkle Minerale wurden infolge hydrothermaler Überprägung wahrscheinlich weitgehend in schwarzgrüne Chlorit umgewandelt. Gelbe, teils keilförmige Minerale weisen auf alterierten Titanit als spätmagmatische Ausscheidung hin. Das feinkörnige Hämatit-Pigment innerhalb der Matrix ist leuchtend orangerot, innerhalb der Feldspat- Einsprenglinge braunrot gefärbt.
Einige Feldspäte sind von einem irregulären Netzwerk aus Rissen durchzogen. Teils sind dickere, mit Hämatit oder Mafiten gefüllte Risse und Kluftscharen innerhalb des Kerns, teils feinere Risse im äußeren Feldspat-Saum sowie den gesamten Kristall durchziehende Risse erkennbar. Wahrscheinlich wurde das Gestein mehrfach kataklastisch überprägt.




Fragen zur Entstehung
Ein Hinweis auf eine intensive hydrothermale Alteration dieses Plutonits liefern die reichlichen Ausscheidungen von Hämatit und eine weitgehende Chloritisierung dunkler Minerale. Die Überprägung könnte in der Spät- oder Abkühlungsphase im Randbereich eines Plutons erfolgt sein, als heiße, aggressive sowie mineralreiche wässrige Lösungen und Gase in das vollständig auskristallisierte Gestein eindrangen. Diese Fluide, in diesem Fall hämatit- und quarzreiche Lösungen, folgten zuvor gebildeten Rissen und Spalten. Solche Vorgänge vollziehen sich unter niedrigem Druck und Temperaturen zwischen 200 und 350°C. Auf ähnliche Weise erfolgt die Bildung von epidotisierten Granitoiden („Propylite„, „Unakite„) und Helsinkiten (Epidot-Albit-Metasomatite durch Na-Metasomatose).
Ob die abgerundeten Kanten der Alkalifeldspäte eine Folge von magmatischer Korrosion (partielle Auflösung) bereits kristallisierter rechteckiger Kristalle sind oder im Zuge der hydrothermalen Überprägung entstanden, bleibt unklar. Gleiches gilt für die Entstehung der inneren Säume der Feldspäte. Im Falle einer hydrothermalen Überprägung hätten die Fluide in der Lage gewesen sein müssen, Teile des Feldspats zu lösen und durch Quarz zu ersetzen. Der viereckige Rand des inneren Quarzsaums in der Bildmitte Abb. 5 folgt der viereckigen äußeren Form des Feldspats, der Quarzsaum dürfte also kaum frei gewachsen sein. Warum ausgerechnet die Mitte der Feldspat-Kristalle einen Angriffspunkt für die Fluide geboten haben soll, lässt sich nicht nachvollziehen. Die Feldspäte können auch in einer spätmagmatischen Phase durch eine Änderung der Kristallisationsbedingungen stark korrodiert und in der Folge durch eindringende quarzreiche Fluide „verheilt“ worden sein.


