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„Stockholm“-Fleckenquarzit aus dem Västervik-Gebiet?

Abb. 1: Verwitterungsseite eines grauen Fleckenquarzits, Aufnahme unter Wasser. Die gelblich-grüne Färbung ist nur auf der Verwitterungsseite wahrnehmbar. Fundort: Kühlungsborn.

Fleckenquarzite wurden gehäuft im Västervik-Gebiet gefunden, als Nahgeschiebe und mittlerweile auch anstehend. Der in Abb. 1-4 gezeigte Geschiebetyp kommt nicht aus der Umgebung von Stockholm und sollte deshalb nicht als „Stockholm-Fleckenquarzit“ bezeichnet werden. Dies wird weiter unten ausführlich begründet. Fleckenquarzit-Geschiebe mit den in der Beschreibung genannten Merkmalen können „Fleckenquarzit vom Västervik-Typ“ oder „Västervik-Fleckenquarzit“ genannt werden.

  1. Beschreibung
  2. Entstehung
  3. Herkunft der Fleckenquarzite
  4. Funde im Västervik-Gebiet
    4.1. Nahgeschiebe
    4.2. Anstehendproben
  5. Geschiebefunde
  6. Fleckenquarzite im nördlichen Sörmland?
  7. Verzeichnis der Proben
  8. Ausgewählte Literatur
Abb. 2: Gleicher Stein, nass fotografiert. Die Grundmasse verwittert leichter als die weißen Flecken, die dadurch über die Gesteinsoberfläche ragen. Diese Eigenschaft lässt sich auch an anderen Fleckengesteinen beobachten, nicht nur an Fleckenquarziten.
Abb. 3: Gleicher Stein, Nahaufnahme der polierten Schnittfläche.
Abb. 4: Makroaufnahme der polierten Schnittfläche: Die dunkelgraue Grundmasse besteht aus Quarz und Biotit. Undeutlich konturierte Flecken enthalten feinfaserigen Sillimanit. Die großen und farbig reflektierenden Mineralkörner in der Bildmitte sind Magnetit. Foto: T. Langmann.

1. Beschreibung

Die Fleckenquarzite vom Västervik-Typ sind feinkörnige metamorphe Gesteine von meist grauer oder brauner Farbe. Sie enthalten viele weiße und runde bis oval geformte Flecken von wenigen Millimetern Durchmesser (Abb. 1). Die Grundmasse kann lokal rot oder seltener auch grünlich eingefärbt sein und besteht aus Quarz und etwas Dunkelglimmer, Feldspat ist nicht erkennbar. Der Glimmeranteil lässt sich von Hand kaum abschätzen, scheint aber wohl immer recht gering zu sein. Manche Fleckenquarzite enthalten etwas Magnetit, nachweisbar mit einem Handmagneten (Abb. 4).

Die Flecken erreichen Größen von gewöhnlich etwa 2-3 mm, ausnahmsweise auch mal 6 mm (Abb. 21). Sie zeigen keine klare Abgrenzung zur Grundmasse und können einen schwarzen und/oder einen roten Saum besitzen (Abb. 18); die Säume können auch fehlen. Die Verteilung der Flecken im Gestein ist regellos, das Gesteinsgefüge erscheint insgesamt undeformiert. Allenfalls eine Einregelung der runden bis leicht ovalen Flecken lässt sich beobachten (Abb. 19). Mit der Lupe erkennt man manchmal fein verfilzte Aggregate, ein Hinweis auf Sillimanit (Abb. 4). Dieser widersteht der Verwitterung eher als die Grundmasse aus Quarz und Glimmer, weshalb die Flecken auf angewitterten Geschieben pockenartig hervorstehen können (Abb. 2). Bei einer erkennbar feinfaserigen Ausbildung des Sillimanits spricht man von einem fibroblastischem Gefüge.

Unterscheiden sind die Fleckenquarzite von feinkörnigen Fleckengneisen, die man an unseren Stränden gelegentlich findet. Letztere besitzen einen abweichenden Mineralbestand und enthalten neben Quarz und Glimmer meist auch Feldspat und/oder weisen einen sehr hohen Glimmeranteil auf. In der deutlich foliierten Grundmasse sind helle, meist weiße und längliche, linsen- oder augenförmige Flecken erkennbar. Solche „Fleckengneise“ stammen aus weiter nördlich gelegenen Gebieten und werden am Ende dieses Artikels kurz erwähnt (Abb. 44-46).

Die informelle Bezeichnung „Fleckenquarzit“ kombiniert die mineralogische Zusammensetzung eines Metamorphits (Quarzit) mit einem unmittelbar sichtbaren texturellen Merkmal (die hellen Flecken) und ist zweifellos handlicher als eine der möglichen petrographisch korrekten Bezeichnungen, z. B. „sillimanit-fibroblastischer, glimmerführender Quarzit“.

2. Entstehung

Fleckenquarzite sind metamorphe Gesteine, hervorgegangen aus sandigen Sedimenten mit tonigen (= aluminiumreichen) Anteilen. Diese Sedimente wurden im Zuge der svekofennischen Gebirgsbildung auf eine Tiefe von etwa 10 km versenkt. Eine Kontaktmetamorphose bei mäßigem Druck und hohen Temperaturen durch aufsteigende granitische Magmen begünstigte die Bildung von Sillimanit-Granoblasten („Flecken“). Bei dieser chemischen Reaktion handelt es sich um die klassische „Muskovit-Entwässerung“, vereinfacht:

Muskovit + Quarz → Kalifeldspat + Sillimanit + Wasser.

Unter ähnlichen Bedingungen, aber abweichenden chemischen Voraussetzungen entstanden übrigens auch die bunten Västervik-Fleckengesteine, die Cordierit enthalten. Beide Gesteine besitzen Alter von etwa 1,88-1,85 Milliarden Jahren.

3. Herkunft der Fleckenquarzite

In der Geschiebekunde wurden solche Gesteine bislang als „Stockholm-Fleckenquarzit“ bezeichnet, obwohl kein einziges Vorkommen in der Umgebung von Stockholm bekannt ist. Lediglich ein Verweis auf ähnliche Gesteine in einer Fußnote in GEIJER 1912 veranlasste HESEMANN 1975 dazu, ihre Heimat in der Umgebung von Stockholm anzunehmen. Diese Vermutung wurde von nachfolgenden Autoren und Sammlern offenbar ohne Prüfung übernommen. Weder in der übrigen geologischen Literatur gibt es Hinweise auf solche Vorkommen, noch wurden bisher Funde von Fleckenquarziten bei Stockholm bekannt. Die Ortsangabe „Stockholm“ beruht auf einem Missverständnis und ist deshalb zu streichen.

M. Torbohm und T. Langmann konnten eine große Anzahl an Fleckenquarziten als Nahgeschiebe in der Umgebung von Västervik in Südostschweden dokumentieren (TORBOHM & LANGMANN 2017). Diese Funde sind exakt die bisher als „Stockholm-Fleckenquarzit“ bezeichneten Typen. Dass sie aus der Nähe von Västervik stammen müssen, wird auch durch die weitgehende Abwesenheit von Ferngeschieben an den Fundorten belegt. Anhand von Gletscherschrammen bekannte Richtungen des Eistransports legen nahe, dass ihr Liefergebiet nördlich bis nordwestlich von Västervik zu suchen ist. Allein die Menge der Funde von Nahgeschieben in der näheren Umgebung der Stadt Västervik widerlegt eine Herkunft der Fleckenquarzite aus dem Stockholm-Gebiet! GAVELIN 1983 beschreibt anstehende Vorkommen von Fleckenquarziten auf einigen Schären, die nur schwierig zu erreichen sind und bisher nicht besucht wurden. Mittlerweile konnte aber ein Aufschluss mit anstehendem Fleckenquarzit südlich von Gamleby lokalisiert werden (Abb. 22-23). Ein Mischtyp aus Fleckenquarzit und Cordierit-Fleckengestein stammt von der Schäre Östra Skälö (Abb. 24-27).

4. Funde im Västervik-Gebiet

Abb. 5: Übersichtskarte über das Västervik-Gebiet mit den Fundpunkten.

Die hellblaue Signatur sind die Metasedimente der Västervik-Formation, hauptsächlich Quarzite und untergeordnet Fleckenquarzite sowie das Västervik-Fleckengestein. Die Koordinaten der im Text genannten Lokalitäten werden am Ende des Abschnitts aufgeführt. Kartenausschnitt aus BERGMAN et al 2012.

4.1. Nahgeschiebe

Nahgeschiebe von Fleckenquarziten fanden sich an zwei Lokalitäten im nordwestlichen Stadtgebiet von Västervik: ein mit reichlich Geschieben eingefasster Parkplatz eines großen Supermarktes (Lok. 1) und ein Aufschluss mit Nahgeschieben entlang eines Radwegs an der Ausfallstraße zur Autobahn (Lok. 2). Beide Fundorte liegen wenige Hundert Meter auseinander.

Abb. 6: Böschung mit Geröllen am Stadtrand von Västervik, Fundort zahlreicher Fleckenquarzite (Lokalität 2).
Abb. 7: Ergebnis nach kurzer Suche an der Lokalität 2. Bildbreite 40 cm.

Binnen weniger Minuten konnte eine Reihe von Fleckenquarziten (die sog. „Stockholm-Fleckenquarzite“!) zusammengetragen werden. Es überwiegen einfache graue bis braune Typen, rötliche Tönungen sind etwas seltener. Der Anteil der weißen Flecken in den Gesteinen ist variabel; alle Funde zeigen ein undeformiertes Gefüge, gneisartige Varianten waren nicht dabei.

Abb. 8: Geschiebe von der Lokalität 2: Auf der rechten Seite ein grauer, darunter ein rotbrauner Fleckenquarzit. Links oben ein Västervik-Quarzit mit rötlichen Flecken, links unten ein Västervik-Fleckengestein (Västervik-Cordierit-Granofels).

In dem Aufschluss dominierten mengenmäßig die gewöhnlichen grauen Västervik-Quarzite mit mind. 50 % Anteil an allen Geschieben. Weiterhin gab es einige Granite, Västervik-Fleckengesteine und hin und wieder einen Loftahammar-Augengneis. Ferngeschiebe wurden nicht identifiziert, das Material stammt zum größten Teil aus nächster Nähe.

Abb. 9: Fleckenquarzit aus Abb. 8, Aufnahme unter Wasser.
Abb. 10: Nahaufnahme. Die Grundmasse wechselt zwischen grauen und roten Farbtönen. Weiße Flecken liegen eng beieinander und sind von schmalen Biotit-Säumen umgeben.
Abb. 11: An gleicher Stelle fand sich auch ein kleines Geröll eines Mischtyps zwischen Fleckenquarzit und Västervik-Fleckengestein, ähnlich dem Geschiebefund von Fehmarn (Abb. 32) und der Anstehendprobe von Östra Skälö (Abb. 24).
Abb. 12: Die weißen Flecken sind durch tektonische Deformation leicht in die Länge gezogen, die Glimmerminerale in der Grundmasse weisen nur eine schwache Vorzugsrichtung auf (schwache Deformation). Der größere graue Fleck enthält neben Biotit bläulich-grauen Cordierit.
Abb. 13: Ein weiterer Aufschluss mit Nahgeschieben liegt einige Kilometer südöstlich von Västervik an der Straße nach Händelöp (Lokalität 3). Die Ansammlung unzähliger, gut gerundeter, faust- bis kopfgroßer Gerölle wird in der Literatur (LINDÉN 2010) als fossiler Strandwall gedeutet.
Abb. 14: Obwohl viele Steine von Flechten bewachsen sind, gelang es auch hier, binnen kurzer Zeit einer Reihe von Fleckenquarziten aufzusammeln, überwiegend braune oder graue Fleckenquarzite, gelegentlich ein rötliches Exemplar. Bildbreite etwa 35 cm.
Abb. 15: Gewöhnlicher brauner Fleckenquarzit aus dem fossilen Strandwall südöstlich von Västervik (Lokalität 3).
Abb. 16: Perlschnurartige Anordnung von weißen Flecken in einem braunen Fleckenquarzit aus einem Geschiebepflaster. (Ortseingang Västervik, Lokalität 1).
Abb. 17: Bräunlich-grauer Fleckenquarzit, Aufnahme unter Wasser (Lokalität 3).
Abb. 18: Nahaufnahme; Die weißen Flecken sind von einem roten inneren und einem an Dunkelglimmer reichen (dunklen) äußeren Saum umgeben.
Abb. 19: grauer Fleckenquarzit (Lokalität 3).
Abb. 20: Bunter Fleckenquarzit mit unregelmäßiger Texturierung von Grundmasse und Flecken (Lokalität 3). Die grünen Bereiche sind hartnäckig anhaftender Flechtenbewuchs.
Abb. 21: Roter und hell bräunlicher Fleckenquarzit mit vergleichsweise großen Flecken (bis etwa 6 mm Länge), umgeben von grauen Säumen. Solche Varianten mit großen Flecken sind vergleichsweise selten zu finden (Lokalität 3, Sammlung T. Langmann).

4.2. Anstehendproben

Ein dunkelgrauer Fleckenquarzit mit weißen Sillimanit-Flecken konnte an der Lokalität „Tjust Motell“ beprobt werden (Lokalität 7). Der Aufschluss im Wald ist kaum einen Quadratmeter groß und befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem basischen Intrusivkörper (Amphibolit).

Abb. 22: Västervik-Fleckenquarzit, Anstehendprobe von „Tjust Motell“ (Lokalität 7), Aufnahme unter Wasser.
Abb. 23: Nahaufnahme.

Ein Mischtyp aus Fleckenquarzit und Västervik-Fleckengestein steht im Hafen auf Östra Skälö, ganz im Süden des Västervik-Gebiets an (Lokalität 4). Das Gestein bildet eine etwa 50 cm breite Einschaltung zwischen grauem Västervik-Fleckengestein (Cordierit-Granofels) und Västervik-Quarzit.

Abb. 24: Mischgefüge aus Fleckenquarzit und Fleckengestein; zahlreiche weiße, 1-3 mm große Sillimanit-Flecken und größere dunkle Cordierit-Flecken.
Abb. 25: Nahaufnahme

In der rötlich bis grau gefärbten quarzitischen Grundmasse tritt Biotit in kleiner Menge, in den dunkelgrauen Flecken gehäuft auf. Die weißen Flecken sind Granoblasten aus Sillimanit. Das rote Pigment ist mineralogisch nicht bestimmbar, Feldspat ebenfalls nicht erkennbar.

Abb. 26 und 27 zeigt einen Dünnschliff der Probe von Östra Skälö; links im normalen Durchlicht, rechts mit gekreuzten Polarisatoren (Fotos: B. Rybycki). Eine Dünnschliffuntersuchung bestätigte, dass die weißen Flecken aus Sillimanit bestehen. Das Bild rechts (mit gekreuzten Polarisatoren) zeigt den Sillimanit in einer rötlichen Färbung und in der typisch feinfaserigen Ausbildung. Das Korngefüge des Gesteins insgesamt, die hellen und hellgrauen, ungefähr gleich großen und polygonal ausgebildeten Quarzkörner der Grundmasse, sind typisch für eine Umkristallisation im festen Zustand während der Metamorphose. Aus ursprünglich lose verbundenen Quarzkörnern eines sandsteinähnlichen Ausgangsmaterials entstand dieses kompakte Gefüge, das ebenfalls als granoblastisch bezeichnet wird und nur im Dünnschliff sichtbar wird.

5. Geschiebefunde

Die folgenden Bilder sind Geschiebefunde aus Norddeutschland. Abb. 28-32 zeigt den für das Västervik-Gebiet typischen Geschiebetyp („Västervik-Fleckenquarzit“, nicht „Stockholm-Fleckenquarzit“), Abb. 32-38 sind abweichende Varianten (z. B. deformiert, in dieser Form nicht im Västervik-Gebiet beobachtet oder Fleckengesteine mit einem anderem Mineralbestand).

Abb. 28: Västervik-Fleckenquarzit mit hell- bis dunkelgrauer, teils rötlich verfärbter Grundmasse und weißen Flecken aus fibroblastischem Sillimanit. Fundort: Kiesgrube Penkun (Vorpommern), leg. A. Bräu; Aufnahme unter Wasser.
Abb. 29: Dunkelgrauer und etwas grünlicher Västervik-Fleckenquarzit; die waagerechten Streifen sind Relikte einer sedimentären Schichtung. Strandgeröll von Fehmarn.
Abb. 30: Fleckenquarzit (Västervik-Typ) mit grauer bis rötlichgrauer Grundmasse. Die weißen Sillimanit-Flecken werden von dunkleren und biotitreichen Säumen umgeben. Fundort: Møns Klint (Dänemark), Aufnahme unter Wasser.
Abb. 31: Rötlichgrauer Västervik-Fleckenquarzit, hier mit teilweise gelblich gefärbtem Sillimanit. Rund poliertes Geschiebe, Kiesgrube Niederlehme bei Berlin.
Abb. 32: Mischgefüge: weiße Sillimanit-Flecken sowie größere schwarze Flecken mit rotem Saum (wie im Västervik-Fleckengestein). Geschiebefunde solcher Mischgefüge waren u. a. Ausgangspunkt der Überlegung, das Heimatgebiet der Fleckenquarzite im Västervik-Gebiet zu suchen. Fundort: Westermarkelsdorf auf Fehmarn.
Abb. 33: Heller Quarzit mit sedimentärer Schichtung und Sillimanit-Flecken; polierte Schnittfläche, Kiesgrube Ruhlsdorf bei Luckenwalde (D. Lüttich leg.).
Abb. 34: Nahaufnahme. Das granoblastische Gefüge der Matrix ist hier weniger verzahnt, einzelne und voneinander unterscheidbare polygonale Quarzkörner sind erkennbar.
Abb. 35: Solche stärker deformierten Fleckenquarzite mit länglichen Sillimanit-Flecken lassen sich keiner näheren Herkunft zuordnen. Sie kommen untergeordnet im Västervik-Gebiet vor, könnten aber auch aus anderen Regionen stammen. Fundort: Kühlungsborn, Aufnahme unter Wasser.
Abb. 36: Fleckenquarzit mit undeutlicher Lagentextur (sedimentäre Schichtung) und rötlichen, von hellen Säumen umgebenen Flecken. Polierte Schnittfläche, Fundort Sellin (Rügen).
Abb. 37: Der quarzitische Granofels erscheint undeformiert, lässt sich aber nicht mit Sicherheit auf das Västervik-Gebiet zurückführen, weil das rötliche Mineral in den Flecken nicht näher bestimmbar ist.
Abb. 38: Hellbrauner Quarzit mit hellen Flecken, Kiesgrube Penkun (Vorpommern).
Abb. 39: Nahaufnahme der nassen Oberfläche. In diesem Fall ist das Mineral in den Flecken nicht Sillimanit, sondern silbrig glänzender Hellglimmer.

6. Fleckenquarzite im nördlichen Sörmland?

Im nördlichen Sörmland zwischen Kolmården und Stockholm, etwa 100 km nördlich von Västervik, hat der Autor (M. Torbohm) ein einzelnes Fleckenquarzit-Nahgeschiebe am Strand von Kolmården (Lokalität 5) gefunden (Abb. 41-43). Seine genaue Herkunft ist unbekannt, es muss aber aus einem weiter nördlich gelegenen Vorkommen stammen. Weitere Funde von Fleckenquarzit-Geschieben im Gebiet zwischen Kolmården und Stockholm konnten bisher nicht dokumentiert werden.

Abb. 40: Übersichtskarte von Südschweden mit der Lage der Fundgebiete.
Abb. 41: Fleckenquarzit-Geschiebe von Kolmården (Lokalität 5), Aufnahme unter Wasser.

Der Fleckenquarzit-Fund von Kolmården weist einige von den Västervik-Typen abweichende Merkmale auf: die Flecken sind ungleichmäßig verteilt, manche von ihnen braun (auf der Schnittfläche grün) gefärbt, vermutlich durch gleichzeitig enthaltenen Cordierit, der durch Alteration in Chlorit u. ä. umgewandelt wurde. Solche Flecken wurden im Västervik-Gebiet bisher nicht beobachtet. Weiterhin fallen vereinzelt dunkle, teils exzentrische Mineralkörner (hier: Biotit) innerhalb der Flecken auf, die in dieser Form ebenfalls nicht im Västervik-Gebiet vorkommen.

Abb. 42: Polierte Schnittfläche
Abb. 43: Nahaufnahme

Zu den typischen und regelmäßigen Geschiebefunden im nördlichen Sörmland gehören graue und kleinkörnige Fleckengneise mit einer Matrix aus Quarz, Feldspat und Glimmer. Von diesem Gesteinstyp liegen mehrere Anstehendproben vor. Manchmal erlaubt die Feinkörnigkeit der Gesteine keine näheren Aussagen zum Mineralbestand. Zumindest in den körnigen Varianten ist neben Quarz und Glimmer auch Feldspat in bedeutender Menge erkennbar. Der Anteil an Glimmer oder grünlichen und chloritähnlichen Mineralen kann recht hoch sein.

Deformiertes Gefüge äußert sich neben der Ausrichtung der Glimmerminerale in der Grundmasse an einer elliptischen bis linsenförmigen Gestalt der hellen Flecken. Diese erreichen eine Länge von wenigen Millimetern bis mehrere Zentimeter. Manchmal ist Sillimanit an seiner faserigen Ausbildung erkennbar (Abb. 45).

Abb. 44: Beispiele von Fleckengneisen (nicht Fleckenquarzite!) aus Sörmland, Nahgeschiebe vom Geschiebestrand in Kolmården (Lokalität 5), Aufnahme unter Wasser.
Abb. 45: Detail des Fleckengneises aus Abb. 44 unten links.

Der Blick auf die Foliationsebene zeigt ovale Anschnitte der weißen Flecken, mit einer sternförmigen Ausbreitung des feinfaserigen Sillimanits. In der Seitenansicht erscheinen die Flecken flach und linsenförmig. Neben viel dunklem Glimmer ist Quarz und ein weiteres, unbestimmtes Mineral zu erkennen, wahrscheinlich Feldspat.

Abb. 46: Anstehender Quarz-Feldspat-Biotit-Gneis mit hellen und ovalen Flecken bis 2 cm Länge; Snörom bei Kolmården (Lokalität 6), Bildbreite 22 cm.

7. Verzeichnis der Proben

Lok. 1: Geschiebe (Fleckenquarzite u. m.) als Einfassung auf dem Parkplatz Parkplatz ICA-Stormarknad, Västervik (57.767546, 16.595644).
Lok. 2: Geschiebe (Fleckenquarzite u. m.) Fahrradweg, nahe der Autorennbahn (Motorbana), Västervik (57.768130, 16.585394).
Lok. 3: Geschiebe (Fleckenquarzite u. m.) Fossiler Strandwall an der Straße nach Händelöp, SSE Västervik (57.718765, 16.671451; Parkplatz).
Lok. 4: Anstehender Mischtyp Fleckenquarzit/ Fleckengestein Felsen am Hafen von Östra Skälö (57.58986, 16.63201).
Lok. 5: Geschiebe (v.a. Fleckengneise; ein einzelner Fleckenquarzit); Rollsteinstrand am Campingplatz Kolmården/ Östergötland (58.65718, 16.40712).
Lok. 6: Anstehender Fleckengneis Baugebiet in Snörom bei Kolmården/Östergötland (58.66476, 16.41711).
Lok. 7: Fleckenquarzit, anstehend Aufschluss im Wald nahe der Lokalität “Tjust Motell” (57.86883, 16.41978)

8. Ausgewählte Literatur

BERGMAN S, STEPHENS MB, ANDERSSON J, KATHOL B & BERGMAN T 2012 Sveriges berggrund, skala 1:1 miljon. Sveriges geologiska undersökning K 423.

GAVELIN S 1983 The Västervik Area in South-eastern Sweden – SGU Ser. Ba No. 32, 172 S, Uppsala.

GEIJER P 1912 Zur Petrographie des Stockholm-Granites – GFF 35: 123-150.

HESEMANN J 1975 Kristalline Geschiebe der nordischen Vereisungen – GLA Nordrhein-Westfalen, S. 191-192.

TORBOHM M & LANGMANN T 2017 Fleckenquarzite im Västervik-Gebiet – Geschiebekunde aktuell 33 (3): 77-82, 3 Abb. – Hamburg/Greifswald, August 2017,
ISSN 0178-1731.

LINDÉN A G 2010 Beskrivning till jordartskartan 6G Vimmerby NO & 6H Kråkelund NV – SGU K 177: 7, Uppsala.

Marc Torbohm, September 2023

Västervik-Fleckenquarzit

Polierte Oberfläche eines Fleckenquarzits aus der Kiesgrube Niederlehme.

Die bisher als „Stockholm-Fleckenquarzite“ bezeichneten Gesteine kommen aus dem Gebiet um Västervik in Südschweden. Das steht fest, nachdem bei mehreren Exkursionen größere Mengen dieser metamorphen Gesteine in der Umgebung von Västervik gefunden wurden. Gleichzeitig sind nach wie vor keine Vorkommen solcher Gesteine im Raum Stockholm bekannt.
Die Quarzite zeichnen sich durch helle Flecken von wenigen Millimetern Größe aus, die regellos in den feinkörnigen, meist grauen, braunen oder auch rötlichen Gesteinen verteilt sind. Diese Flecken bestehen aus Sillimanit, das während der Metamorphose von Sedimenten neu gebildet wurde. Gelegentlich sind noch Reste der ursprünglichen Sedimentschichtung erkennbar. Textauszug aus und ausführliche Beschreibung auf kristallin.de.