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Geschiebesammeln in der Flensburger Förde

Abb. 1: Geröllstrand am Campingplatz Habernis, Blick nach Osten.

Dieser Bericht zeigt Geschiebefunde mehrerer Sammeltouren an der Flensburger Förde, Funde vom Geröllstrand bei Habernis, etwa 20 km östlich von Flensburg, sowie aus dem Broager Land (Dänemark) am nördlichen Ufer der Flensburger Förde.

1. Habernis

Vom Campingplatz in Habernis ging nach Osten Richtung Kliffspitze. Informationen zur Geologie des Kliffs finden sich auf strand-und-steine.de. Auffällig der hohe Feuerstein-Anteil an diesem Strandabschnitt. Unter den Kristallingeschieben sind Rapakiwis von Åland ein häufiger Fund.

Abb. 2: Åland-Wiborgit, Breite 8 cm.

Ein farbenfroher porphyrischer Rapakiwi-Granit mit markantem Gefüge könnte aus dem nordschwedischen Nordingrå-Massiv stammen. In diese Falle hätte das Geschiebe einen Transportweg von über 1.000 km zurückgelegt.

Abb. 3: porphyrischer Nordingrå-Rapakiwi (?), Breite 11,5 cm.

Überwiegend 1-2 cm große und rechteckige Alkalifeldspäte von gelber Farbe liegen in einer roten Grundmasse aus feinen graphischen Quarz-Feldspat-Verwachsungen. Größere rundliche und klare bis schwach bläuliche Quarzkörner weisen keine internen Spuren einer magmatischen Korrosion auf. In der Bildmitte Abb. 6 ist ein Alkalifeldspat mit einem dicken Saum aus gelblichgrünem Plagioklas erkennbar, links davon feine graphische Quarz-Feldspat-Verwachsungen.

Abb. 4: gleicher Stein, polierte Schnittfläche. Wenige Alkalifeldspäte sind von einem orangebraunen Plagioklas-Saum umgeben.
Abb. 7: Quarzporphyr vom Bottensee-Typ mit grünlicher Grundmasse, orangefarbenen Alkalifeldspat-Einsprenglingen und größeren rundlichen und klaren Quarzen. Breite 105 mm.

Am Strand von Habernis finden sich in großer Zahl Småland-Granite, vor allem vom Typ rosa Växjö.

Abb. 10: gleichkörniger Småland-Granit, Typ rosa Växjö, Breite 10 cm.
Abb. 11: Monzogranit aus blassrotem Alkalifeldspat, gelblich-grünem Plagioklas und hell- bis bläulichgrauen, leicht getrübten rundlichen Quarzen. Herkunft unbekannt, Breite 12 cm.

Ein seltener Fund und als Geschiebe schwer bestimmbar sind die anorogenen, etwa 1,45 Milliarden Jahre alten Granite aus Ostsmåland (Uthammar-, Götemar- und Jungfrun-Granit). Von Habernis stammt ein Jungfrun-Granit (Gesteinsbeschreibung).

Abb. 12: Jungfrun-Granit, Breite 17 cm
Abb. 13: Jungfrun-Granit, Breite 11,5 cm. Neben hellrotem Alkalifeldspat ist ein zweiter, teils grünlicher, teils dunkel-rotbrauner Feldspat enthalten (Plagioklas).
Abb. 14: Auf der polierten Schnittfläche sind die Alkalifeldspäte orange gefärbt.
Abb. 15: Nahaufnahme; in den perthitisch entmischten Alkalifeldspäten erkennt man vereinzelt kleine eckige Quarzkörner.
Abb. 16: Bornholm-Granit (Vang-Granit) in typischer Ausprägung, Breite 15 cm.
Abb. 17: porphyrischer Granit (Halen-Granit aus Blekinge?) mit rechteckigen, einigermaßen eingeregelten weißen Alkalifeldspäten, viele davon Karlsbader Zwillinge, weiterhin gelblicher bis orangefarbener Plagioklas, hellgrauer Quarz und dunkler Biotit. Breite 95 mm.
Abb. 18: grobkörniger Karlshamn-Granit aus Blekinge, Breite 15 cm.

Ein häufiger Fund sind Basanite aus Schonen. Die grauen, basaltähnlichen und schweren Gesteine sind mit einem Alter von 191-110 Mill. Jahren die jüngsten Eruptivgesteine unter den norddeutschen Geschieben.

Abb. 19: Schonen-Basanit mit gelblichgrünem Einschluss eines olivinreichen Erdmantel-Gesteins (Peridotit-Xenolith), Bildbreite 11 cm.
Abb. 20: Schonen-Basanit, löchrige Geschiebeaußenseite durch ausgewitterte Peridotit-Xenolithe, Breite 14 cm.

Aus SW-Schweden stammen weißschlierige Granatamphibolite und mafische Granulite.

Abb. 21: weißschlieriger Granatamphibolit aus SW-Schweden, Breite 75 mm.
Abb. 25: Amphibolit, Breite 9 cm. Das Gestein besteht fast ausschließlich aus schwarzer Hornblende. Die großen Amphibol-Kristalle reflektieren stark im Sonnenlicht.
Abb. 26: konglomeratische Arkose, Quarzsandstein mit orangefarbenen Feldspäten sowie größeren und gut gerundeten Quarzkörnern von milchigweißer, rötlicher, violetter sowie bläulicher Farbe. Breite 13 cm.
Abb. 27: Kein Geschiebe, sondern durch Menschen verbreitetes Strandgut: Holzkohle, Breite 8 cm.

2. Skeldekobbel (Broager Land)

An der niedrigen Steilküste bei Skeldekobbel im Broager Land (Dänemark) steht ein Geschiebemergel des ost-jütländischen Vorstoßes der Weichselzeit vor ca. 17.000 Jahren an (ANDERSEN & MØLGAARD 2018). Der relativ steinarme und hellbraune Till wurde durch das Sturmhochwasser im Oktober 2023 stellenweise bis weit hinter die Uferlinie ausgespült. Die folgenden Funde sind das Ergebnis mehrerer Sammeltouren, u.a. einer Exkursion im Rahmen der 41. Jahrestagung der Gesellschaft für Geschiebekunde e.V. in Flensburg im April 2026. Ein weiterer Fundbericht ist hier zu finden.

Abb. 28: Geröllstrand bei Skeldekobbel
Abb. 29: Feuerstein in gelblichbraunem Geschiebemergel
Abb. 30: Åland-Quarzporphyr, Breite 85 mm.
Abb. 31: porphyrischer Rapakiwi (Nordingå-Rapakiwi?), Breite 85 mm.
Abb. 32: roter Pyterlit, Herkunft unbekannt, Aufnahme unter Wasser.
Abb. 33: In der Nahaufnahme erkennt man größere und kleinere graue und eckige, teilweise idiomorphe Quarze, auch innerhalb der Alkalifeldspäte.

Abb. 34-35 ist ein dunkelgrundiger Granit mit ungewöhnlichem Gefüge aus der Sammlung T. Brückner (Hilter), wahrscheinlich ein Rapakiwi. Das Gestein enthält größere gelbliche Alkalifeldspäte, undeutlich konturierte Quarze, grünlichen Plagioklas sowie reichlich dunkle Minerale (Biotit, Hornblende). Die rötliche Grundmasse besteht aus graphischen Quarz-Feldspat-Verwachsungen. Das Heimatgebiet des Geschiebes ist unbekannt (Nordbaltischer Pluton?).

Abb. 34: porphyrischer Rapakiwi, polierte Schnittfläche.
Abb. 35: Nahaufnahme
Abb. 36: Quarzporphyr (Rhyolith) mit bizarrer Gefügegrenze und großem Xenokristall, Breite 16,5 cm. Das Mineralgefüge erscheint auf beiden Seiten identisch, die linke und hellere Seite wurde durch den Einfluss wässriger Fluide aber offenbar stärker hydrothermal alteriert (gebleichte Grundmasse, vergrünte Plagioklase). Slg. T. Langmann (Braunschweig).
Abb. 40: hälleflintartiger Vulkanit (Rhyolith) mit Blauquarz, vermutlich aus Småland. Breite 9 cm.
Abb. 41: einsprenglingsarmer, gestreifter Vulkanit, vermutlich aus Småland, Breite 85 mm.
Abb. 42: Blauquarzgranit vom Typ Grauer Växjö, Bildbreite 14 cm.
Abb. 43: gleichkörniger Blauquarzgranit (Växjö-Typ) aus blassrotem Alkalifeldspat, blassgrünem Plagioklas sowie Biotit und Hornblende als mafische Minerale, Breite 10,5 cm.
Abb. 44: Nahaufnahme des Gefüges, nass fotografiert.
Abb. 45: roter porphyrischer Granit, Breite 11,5 cm, Herkunft unbekannt.
Abb. 46: undeformierter Granit aus rotem Alkalifeldspat, gelbem Plagioklas und trübem Quarz, Typ Siljan-Granit, Breite 24 cm.
Abb. 47: Detailansicht des Gefüges
Abb. 48: undeformierter Monzogranit, möglicherweise aus Dalarna (Siljan-/Järna-Granit?), Breite 10 cm.
Abb. 49: gleicher Stein, Detailansicht, Breite 72 mm
Abb. 50: Quarzporphyr (Rhyolith) vom Kallberget-Typ, Breite 95 mm.
Abb. 51: Rückseite, Breite 90 mm
Abb. 52: Quarzporphyr (Rhyolith), grüne Variante des Särna-Quarzporphyrs aus Dalarna (Beschreibung auf kristallin.de), Aufnahme unter Wasser
Abb. 53: feinkörniger Granit mit diffusen Korngrenzen und roten Hämatit-Flecken, Almindingen-Granit von Bornholm? Breite 14,5 cm
Abb. 54: grobporphyrischer Granit aus weißen und rechteckigen Alkalifeldspäten bis 5 cm Länge sowie einem zweiten und grünlich bis braun getöntem Feldspat (wahrscheinlich Plagioklas), Breite 14,5 cm, Herkunft unbekannt.
Abb. 55: Granitoid mit schwarzem Turmalin (Schörl), Breite 13 cm

Zahlreiche Funde saurer und mafischer Granulite sowie Granatamphibolite belegen den Einfluss eines von Norden kommenden Eisstroms, der diese Gesteine aus der SW-schwedischen Granulitregion in dieses Gebiet transportierte.

Geschiebe aus dem Oslograben treten am Strand bei Skeldekobbel eher vereinzelt auf.

Abb. 58: Rhombenporphyr mit körniger Grundmasse, Breite 75 mm.
Abb. 59: einsprenglingsarmer Rhombenporphyr (Mandelstein) mit Einschluss eines dunklen Rhombenporphyrs. Im Kontaktbereich ist ein breiter grünlicher Reaktionssaum erkennbar. Aufnahme unter Wasser.
Abb. 60: Nahaufnahme
Abb. 61: Oslo-Augitbasalt als Mandelstein. Die großen Pyroxen-Einsprenglinge zeigen teilweise einen zonaren Aufbau (innen grün, außen dunkler). Weiterhin sind schmal-leistenförmige Plagioklas-Einsprenglinge erkennbar. Breite 95 mm, Slg. T. Brückner (Hilter).
Abb. 62: kopfgroßes Geschiebe eines syenitischen Plutonits, wahrscheinlich ein Nordmarkit, Breite 16 cm.

Das Gestein besteht überwiegend aus hellem bis grünlichgrauem Alkalifeldspat. Innerhalb der kleinen Ansammlungen an dunklen Mineralen (Amphibol und Pyroxen) ist ein braunes Mineral erkennbar, das teilweise die typische Keilform von Titanit aufweist (Makroaufnahmen Abb. 67). Die Bestimmung als Nordmarkit ist nicht ganz sicher, da es einzelne undeutlich rhombenförmige Feldspäte (Abb. 65) sowie solche mit einem bläulichen Schiller gibt (Abb. 66). Es könnte sich auch um einen alterierten Larvikit handeln.

Abb. 67: Makroaufnahme mit braunem Titanit, Bildbreite 15 mm

In größerer Anzahl wurden Schonen-Basanit und permische Ganggesteine (Schonen-Lamprophyr) dokumentiert, weiterhin mehrere Exemplare orthopyroxenführender Dolerite aus der Protoginzone („Hyperite“).

Abb. 68: Schonen-Lamprophyr, Breite 13 cm
Abb. 69: Nahaufnahme; schwarze bis schwarzgrüne Pyroxen und gelblich- bis rötlichbraune alterierte Olivin-Einsprenglinge
Abb. 70: Dolerit mit dunkelgrauen Plagioklas-Leisten (Hyperit), Breite 92 mm

Gabbroide Gesteine mit dunkelgrauem Plagioklas könnten ebenfalls aus der Protoginzone stammen. Abb. 71-72 zeigt einen riesenkörnigen Leukogabbro aus dunkelgrauem Plagioklas und grünlichen Ansammlungen chloritisierter mafischer Minerale.

Abb. 73: Dolerit mit intergranularem Gefüge, Typ Åsby-Ulvö-Dolerit, Aufnahme unter Wasser
Abb. 74: coronitischer Olivingabbro, Breite 96 mm. Braun und gelb verwitternde mafische Minerale lassen auf die Anwesenheit von Olivin schließen.
Abb. 75: Nahaufnahme des Gefüges. Dunkle Säume um die bräunlichen Alterationsprodukte dunkler Minerale weisen auf eine zeitlich begrenzte und unvollständige Mineralumwandlung an den Korngrenzen von Plagioklas und Olivin hin.

Mehrfach wurden migmatitische Paragneise beobachtet, teilweise mit großen Granat-Porphyroblasten, deren Ursprung im östlichen Mittelschweden liegen dürfte (Granat-Cordierit-Paragneise vom Sörmland-Typ).

Abb. 76: migmatitischer Paragneis (Sörmland-Typ) mit großen Granat-Porphyroblasten, Breite 21 cm
Abb. 77: verfalteter migmatitischer Paragneis, Breite 13 cm
Abb. 78: glimmerreiches Metasediment mit großen rötlichen Feldspat-Porphyroblasten, Breite 65 mm, Slg. T. Langmann. Das Gestein könnte aus dem Västervik-Gebiet in NE-Småland stammen (Näheres zu diesem Geschiebetyp).

Unter den Sedimentgesteinen dominieren unterkambrische Sandsteine mit Spurenfossilien (meist Skolithos, auch Monocraterion und Diplocraterion als Ichnofauna). Viele paläozoische Kalksteine waren von Fossiliensammlern bereits angeschlagen.

Abb. 79: bioturbater unterkambrischer Sandstein, Blick auf die Schichtfläche, Breite 24 cm
Abb. 80: Blick auf die Schichtung
Abb. 81: unterkambrischer Leoparden-Sandstein, Breite 33 cm. Die dunklen Flecken entstehen durch bevorzugte Auswitterung kalzitischer und Fe-karbonathaltiger Teilzementierungen der Sandstein-Matrix.

Als Besonderheit wurde ein intraformationelles Konglomerat mit Phosphorit-Intraklasten geborgen. Lagenweise sind Anreicherungen von Pyrit-Knollen, am unteren Rand Reste einer Alaunschiefer-Fazies erkennbar. Das Gestein dürfte dem Mittelkambrium zuzuordnen sein und enthält Reste von Agnostiden, eine genauere stratigraphische Auswertung steht noch aus.

Abb. 82: mittelkambrisches Konglomerat mit Phosphorit-Intraklasten und glaukonitischer Kalkstein-Matrix, Breite 17 cm
Abb. 83: Detailaufnahme
Abb. 84: große Pyrit-Knollen im unteren Teil des Geschiebes
Abb. 85: biosparitischer Silurkalk mit Mergelkomponente, eine Variante des Beyrichienkalks, in der auch Graptolithen vorkommen.
Abb. 86: Nahaufnahme; die Graptolithen wirken auf der nassen Geschiebeaußenseite teilweise etwas „zerknautscht“.
Abb. 87: gleicher Stein, Spaltstück mit Graptolithen, in erster Linie der Gattungen Neocolonograptus und Pristiograptus (pers. Mitteilung R. Klafack)
Abb. 88: dunkelgrauer Feuerstein der Oberkreide, Breite 11 cm
Abb. 89: grüngerindeter Feuerstein; Der Feuerstein ist etwa 70 Millionen Jahre alt, seine grüne Glaukonit-Rinde erhielt er durch Umlagerung im Zuge einer Transgression im Paläozän (Alttertiär) vor etwa 55 Millionen Jahren.
Abb. 90: Feuerstein-Brekzie, Aufnahme unter Wasser
Abb. 91: von der Brandung aufgearbeiteter Backstein, Breite 11 cm
Abb. 92: niedriges Steilufer an der Küste bei Skeldekobbel

3. Literatur

ANDERSEN T B & MØLGAARD M R 2018 Sønderborg Area – Overview of the geological conditions in the Sønderborg model area – GeoAtlas Live Documentation, Geo Subsurface Expertise, Report 1, 2018-02-21, www.geo.dk.

Geschiebesammeln auf Rügen 3: Kap Arkona, Sellin und Mönchgut

2.3. Kap Arkona

Vom Parkplatz am Nordstrand Wittow, etwa 2,5 km westlich von Kap Arkona, führt ein Abstieg zum Strand. Wendet man sich nach Osten, werden die Steine bald größer, und nach 2 km erreicht man Gellort, den nördlichsten Punkt der Insel. Die Steilküste besteht hier wieder aus kreidigen Lockersedimenten. Am Gellort befindet sich auch der Siebenschneiderstein, der viertgrößte Findling auf Rügen.

Abb. 1: Strandabschnitt mit großen Geschieben, östlich vom Parkplatz am Nordufer auf der Insel Wittow.
Abb. 2: Abstieg zum Siebenschneiderstein am Gellort.

Der Siebenschneiderstein besitzt ein Volumen von ca. 61m³. Laut Erfassungsbeleg Geotop des GLA Mecklenburg-Vorpommern (Bearbeiter W. Schulz) handelt sich um einen Karlshamm-Granit, einem etwa 1,4 Ga alten anorogenen Granit aus Blekinge in Südschweden.

Abb. 3: Die Oberfläche des Findlings ist stark angewittert. Stellenweise ist eine schalige Ablösungen zu beobachten, wahrscheinlich eine Folge von Verwitterung durch Frostsprengung.
Abb. 4: Nur an einer Stelle ist das Gefüge des Findlings einigermaßen sichtbar und eine Ähnlichkeit mit dem Karlshamn-Granit erkennbar. Das Gestein enthält braunen Titanit.

Ein ausgesprochen interessantes Geschiebe befindet sich am einige hundert Meter westlich vom Siebenschneiderstein.

Abb. 5: Breite 75 cm.

Ein einsprenglingsarmer grüner Diabas und ein basisches Gestein mit sehr großen Plagioklas-Einsprenglingen steht im Kontakt mit einem sauren Porphyr vom Påskallavik-Typ (rechts unten). Solche Kontakte zwischen Gangporphyr und basischem Magma sind aus Ostsmåland bekannt. In diesen „gemischten Gängen“ nutzte zuerst das saure, später das basische Magma den gleichen Aufstiegsweg. Das basische Magma flankiert den sauren Gangporphyr, entstand also später. Im vorliegenden Fall scheint es mehrere basische Magmenschübe gegeben zu haben. Dabei wurde das feinkörnige und einsprenglingsarme Magma mechanisch mit dem Magma mit körniger Grundmasse und den großen Plagioklas-Einsprenglingen vermengt (magma mingling).

Abb. 6: Diabas mit körniger Grundmasse und großen Plagioklas-Einsprenglingen. Bildbreite 45 cm. Die Partie durchzieht eine etwa 1 cm breite Ader eines braunen Gesteins mit dichter Grundmasse, ohne Einsprenglinge (lokale, durch das heiße basische Magma aus dem Porphyr mobilisierte Schmelze?)
Abb. 7: Nahaufnahme der gleichen Partie. Im Diabas mit körniger Grundmasse sind die Plagioklase unregelmäßig verteilt, einige davon gerundet. Andere Partien sehen aus wie Fragmente (Bildmitte rechts). Offenbar fand mehrfach eine Vermengung unterschiedlicher basischer Gesteine statt.
Abb. 8: Der größte Plagioklas-Einsprengling (oder Xenokristall) ist 10 cm lang.
Abb. 9: Detailaufnahme einer anderen Partie. Eine Epidotader durchschlägt mehrere Plagioklas-Einsprenglinge (oben).
Abb. 10: Kontakt von Diabas und braunem Porphyr. Bildbreite ca. 25 cm.
Abb. 11: Braune Porphyrpartie. Die runden Alkalifeldspat-Einsprenglinge mit dunklen Kernen sind typisches Erkennungsmerkmal des Påskallavik-Porphyrs. Bildbreite etwa 30 cm.
Abb. 12: Die Grundmasse des Porphyrs wurde im Kontakt zum aufsteigenden Diabas-Magma aufgeschmolzen und assimiliert, nicht aber die runden Alkalifeldspäte. Sie häufen sich an dieser Stelle, teilweise sind sie von einem hellen Feldspat-Saum umgeben (Plagioklas aus dem Diabas-Magma?). Bildbreite ca. 13 cm.

Zwischen Nordstrand und Gellort sind noch weitere interessante Geschiebe zu finden, darunter auffällig viele größere Geschiebe von porphyrischen Amphiboliten (kleinkörnige Metabasite mit großen, runden Amphibol-Granoblasten, sog. „Uralit-Porphyrite“ oder „Uralit-Diabase“, Abb. 14-15).

Abb. 13: Påskallavik-Porphyr mit basischem Xenolith, Breite 24 cm. Das basische Gestein enthält einige runde Feldspäte (Xenokristalle) aus dem Porphyr. Auch hier muss das basische Magma zeitlich also nach dem Porphyr aufgestiegen sein.
Abb. 14: Porphyrischer Amphibolit, Breite 22 cm.
Abb. 15: Porphyrischer Amphibolit, Breite 24 cm.
Abb. 16: Metabasit. Für einen porphyrischen Amphibolit enthält das Gestein zu wenig Amphibol. Es dürfte sich um einen metamorphen Leukogabbro oder -diorit handeln. Breite 25 cm.
Abb. 17: Åland-Quarzporphyr, dunkle Variante, mit größeren grünen Plagioklas-Xenokristallen. Aufnahme unter Wasser.
Abb. 18: Nahaufnahme des Gefüges; rechts oben ein unvollständiger Ringquarz.

Auch an diesem Küstenabschnitt ist der Braune Ostsee-Quarzporphyr ein häufiger Geschiebefund. Die nächsten Bilder zeigen zwei ausgefallene Varianten.

Abb. 19: Brauner Ostsee-Quarzporphyr mit einem aplitischen Xenolith. Aufnahme unter Wasser.
Abb. 20: Nahaufnahme der nassen Oberfläche.
Abb. 21: Brauner Ostsee-Quarzporphyr mit fleckiger Grundmasse (Fragmente, vulkanische Brekzie?); Aufnahme unter Wasser.
Abb. 22: Der Porphyr enthält mit Quarz und Chalcedon gefüllte Hohlräume (Lithophysen). Stellenweise ist eine Bandtextur erkennbar (gebänderter Chalcedon = Achat).
Abb. 23: Gleicher Stein, polierte Schnittfläche.
Abb. 24: Nahaufnahme. Einige Lithophysen sind mit bläulichem Chalcedon verfüllt.
Abb. 25: Mafitreicher porphyrischer Rapakiwi, wahrscheinlich ein Nordingrå-Rapakiwi. Aufnahme unter Wasser.
Abb. 26: Polierte Schnittfläche. Die meisten der grauen bis gelbbraunen Alkalifeldspäte besitzen undeutliche Konturen, einige einen nahezu quadratischen Umriss.
Abb. 27: Nahaufnahme. Graugrüner Plagioklas ist in geringer Menge enthalten. Als dunkles Mineral tritt ganz überwiegend Amphibol auf. Eckige, teils idiomorphe mittelgraue Quarze sitzen in den Zwischenräumen der Feldspäte. Partien mit graphischen Verwachsungen sind nicht erkennbar.
Abb. 28: Fleckengestein, leicht foliierter Granofels mit feinkörniger roter Matrix und dunklen Flecken. Breite 35 cm, Herkunft unbekannt.
Abb. 29: Rotes Fleckengestein mit unregelmäßig konturierten Flecken in einer feinkörnigen Grundmasse. Solche Fleckengesteine kommen im Västervik-Gebiet, in ähnlicher Form aber auch in anderen Regionen vor. Breite 30 cm.
Abb. 30: Västervik-Fleckengestein, polierte Schnittfläche, Geschiebe von Göhren (Nordperd).
Abb. 31: Abendliche Stimmung am Gellort.

2.4. Lohme

Glück beim Finden wie auch beim Schneiden eines kambrischen Sandsteins hatte T. Brückner (Hilter). Der linke Grabgang mit dem Ichnofossil Monocraterion ist perfekt mittig getroffen.

Abb. 32: Außenseite des Geschiebes (Slg. T. Brückner).
Abb. 33: Polierte Schnittfläche mit Monocraterion tentaculum (TORELL 1870).
Abb. 34: In der Nahaufnahme erkennt man, dass beim Anlegen des Grabganges gröberes Sediment nachgesackt ist.

2.5. Sellin

Die nächsten Funde stammen vom Geröllstrand nordwestlich der Seebrücke Sellin.

Abb. 35: Seebrücke Sellin.
Abb. 36: Hammarudda-Quarzporphyr, Breite 75 mm.
Abb. 37: Åland-Rapakiwi mit Wiborgit-/Pyterlit-Mischgefüge, Aufnahme unter Wasser.
Abb. 38: Vulkanit mit Blauquarz (Småland-Vulkanit); Breite 7,5 cm.
Abb. 39: Rotbrauner Gangporphyr vom Påskallavik-Typ mit Blauquarz, Breite 11 cm.
Abb. 40: Porphyrischer Monzogranit, NE-Småland-Granit vom Kinda-Typ; Breite 13 cm.
Abb. 41: Monzogranit, Typ Filipstad, mit blass rötlich- bis braungrauem Alkalifeldspat und weißem bis grünlichgelbem Plagioklas. Breite 10,5 cm.
Abb. 42: Biotitreicher Monzogranit mit grünem und rotbraunem Plagioklas, Breite 7 cm.
Abb. 43: Plagioklasreicher Granitoid vom Typ Sala (Uppland-Granit), Breite 14 cm.
Abb. 44: Roter Flasergneis, Breite 9 cm.
Abb. 45: Roter Skolithos-Sandstein mit hellen Entfärbungsflecken, Breite 11 cm.

2.6. Mönchgut

Am südlichen Ende der Halbinsel Mönchgut liegt Klein Zicker. Vom Cafe „Zollhaus“ aus geht man eine niedrige Steilküste aus ockerbraunem Geschiebemergel entlang. Dieser Geschiebemergel des Mönchsguter Eislobus wurde vor 13.000 bis 15.000 Jahren während der weichselglazialen Mecklenburg-Phase abgelagert und ist ein sog. Ausschmelztill, d. h. er entstand durch sukzessives Abschmelzen des Eises während einer Stillstandslage.

Abb. 46: Steilküste auf Klein Zicker; ungeschichteter Till mit einem hohen Anteil an feinkörnigen Sedimenten (Ton, Sill) und wenigen größeren Steinen (dropstones).
Abb. 47: Brutröhren der Schornsteinwespe (Odynerus spinipes) im Geschiebemergel.
Abb. 48: Eigenartiges orthogonales Bruchmuster im Geschiebemergel. Sauerstoffhaltiges, entlang der Klüfte eindringendes Oberflächenwasser führte zu einer Oxidation von Fe II (grau) aus dem Geschiebemergel zu Fe III (Braunfärbung durch Bildung von Limonit).
Abb. 49: Steilküste aus Geschiebelehm und Schmelzwassersanden am westlichen Ende der Halbinsel.
Abb. 50: Åland-Ringquarzporphyr, Aufnahme unter Wasser.
Abb. 51: Grüner Quarzporphyr, polierte Schnittfläche.
Abb. 52: Nahaufnahme. Einige der eckigen bis kantengerundeten Quarze weisen Spuren einer magmatischen Korrosion auf.

Solche grünen Quarzporphyre werden immer wieder gefunden. Einige der eckigen bis kantengerundeten Quarze erinnern zwar an die magmatische korrodierten Quarze im Roten Ostsee-Quarzporphyr, allerdings kommen sie auch in Porphyren aus anderen Gebieten vor (u.a. Rödö).

Abb. 53: Bunter Granit vom Växjö-Typ, Aufnahme unter Wasser. Der Granittyp kommt verbreitet im nördlichen Småland vor.
Abb. 54: Grobkörniges und pegmatitähnliches Gestein aus blauem Quarz, etwas weißem Feldspat und einem braunen Mineral (Amphibol oder Andalusit?). Aufnahme unter Wasser.
Abb. 55: Tosterup-Konglomerat; überwiegend schwach kantengerundete Lithoklasten aus grünem Tonschiefer sowie ein rundes Quarzgeröll und ein rotbrauner Tonstein in einer sandigen, kalkgebundenen Matrix. Breite 20 cm.

Im westlichen Teil des Großen Zicker ist eine Steilküste aus Geschiebemergel und Schmelzwassersanden aufgeschlossen. Westlich der Zickerschen Berge liegt ein ausgedehnter Geschiebestrand.

Abb. 56: Blick von Klein Zicker auf die Zickerschen Berge.
Abb. 57: Die grasbewachsenen Hügel der Zickerschen Berge im Westen von Möchsgut werden zur Weidewirtschaft genutzt.
Abb. 58: Porphyrischer Rapakiwi; ähnliches Gefüge wie der Ostsee-Rapakiwi vom Nordbaltischen Pluton, allerdings ohne die charakteristischen kleinen Quarze um die Alkalifeldspäte. Polierte Schnittfläche, leg. D. Lüttich.
Abb. 59: Granodiorit bis Quarzmonzodiorit, Aufnahme unter Wasser.
Abb. 60: Mittelkörniger Granit aus blassrotem Alkalifeldspat (Karlsbader Zwillinge), braunrotem Plagioklas und grauem Quarz. Abgesehen von seiner Kleinkörnigkeit weist der Granit alle Merkmale des Lemland-Granits auf. Breite 13,5 cm.
Abb. 61: Ein weiterer porphyrischer Granit mit rotem Plagioklas, vermutlich (post)svekofennisch, aber kein Lemland-Granit. Aufnahme unter Wasser.
Abb. 62: Nahaufnahme der nassen Oberfläche.
Abb. 63: Abendstimmung auf Groß Zicker.