

Vor etwa 270 Millionen Jahren erreichte der Vulkanismus im Oslograben ein explosives Stadium. Der Aufstieg gas- und SiO2-reicher Restschmelzen und Auswurf großer Mengen trachytischer bis saurer Tuffe und Ignimbrite ist verbunden mit dem Einsturz (Caldera-Kollaps) der weitgehend entleerten Magmakammern der großen basaltischen Zentralvulkane. Im Oslograben konnten bisher 13 Calderen ehemaliger Stratovulkane nachgewiesen werden, manche besaßen die Größe des Vesus und Ätnas (LARSEN et al 2008: 56-57). Heute sind davon nur noch tief erodierte Relikte vorhanden, darunter mehrere große und kleine Areale mit Ignimbriten als Ablagerungen pyroklastischer Dichteströme, gemischt mit Basalten und älteren Eruptivgesteinen.

Einige Oslo-Ignimbrite können als Geschiebe erkannt werden, gehören im Vergleich zu Rhombenporphyr und Larvikit jedoch zu den seltenen Funden. Auch die Zuordnung zu einer bestimmten Caldera ist in einigen Fällen möglich, allerdings liegen bisher nur wenige Anstehendproben zu Vergleichszwecken vor. ARILDSKOV & JENSCH 2015 stellen nach Untersuchungen an Nahgeschieben in Südnorwegen als Leitgeschiebe heraus: Bordvika-Ignimbrit, Grauvioletter und Brauner Glitre-Ignimbrit, schwarze Ignimbrite mit Rhombenporphyr-Fragmenten, Lathus-Ignimbrit sowie der seltene Schwarze Oppkuven-Ignimbrit. Eine Reihe von Oslo-Ignimbriten und Pyroklastika ist auf skan-kristallin.de abgebildet.
- Oslo-Ignimbrite ohne nähere Zuordnung
- Bordvika-Ignimbrit (Bordvika-Quarzporphyr)
- Glitre-Ignimbrit
- Lathus-Ignimbrit
- Oppkuven-Ignimbrit
- Vulkanische Brekzien und Pyroklastika
- Literatur
1. Oslo-Ignimbrite ohne nähere Zuordnung
Ein Teil der Oslo-Ignimbrite zeichnet sich durch eine helle Tuff-Matrix mit reichlich Gesteinsfragmenten aus, Bruchstücke von Rhombenporphyren sind aber eher selten (Abb. 1-2, 7). Weiterhin treten an mehreren Lokalitäten braune bis dunkelgraue, fragmentreiche und flintartig dichte Vulkanite (Ignimbrite und Brekzien) auf (Abb. 30-31, 33). Ignimbrit-Geschiebe mit gut ausgebildeter Fiamme bzw. eutaxitischem Gefüge und kleinen eckigen Feldspat-Einsprenglingen können mit Ignimbriten aus Dalarna verwechselt werden. Die Herkunft der Funde Abb. 1-8 aus dem Oslo-Gebiet kann als sicher angesehen werden, es sind Nahgeschiebe aus Süd-Norwegen. Eine Zuordnung zu einer bestimmten Caldera war bisher nicht möglich oder ist unsicher.

Abb. 5, 6: dichter Vulkanit mit fluidaler Textur (Lathus-Ignimbrit?), Geschiebe von Tofte (NOR), Außenseite und polierte Schnittfläche, Slg. F. Wilcke.


2. Bordvika-Ignimbrit (Bordvika-Quarzporphyr)
Der Gesteinstyp kommt in der Drammen- und Glitrevann-Caldera vor. Makroskopisch handelt es sich um einen Quarzporphyr, die für Ignimbrite charakteristische Fiamme ist nur selten vorhanden. In einer dunkelbraunen bis graubraunen und dichten Grundmasse liegen sehr viele Feldspat-Einsprenglinge sowie kleine graue Quarzkörner. Die meisten Feldspäte sind 2-5 mm groß und weitgehend einheitlich gefärbt, meist hell gelblichbraun bis orange, seltener weiß. Hinzu kommen eckige bis runde Fragmente, darunter viele Basalte (dunkelgrau, braun), vereinzelt Porphyre. Dieser Haupttyp ist ein gutes Leitgeschiebe und kaum verwechselbar. Eine hellbraune Variante enthält hellrote Feldspat-Einsprenglinge und viele Xenolithe. SMED & EHLERS 2002: 114 bezeichnen das Gestein als Drammen-Ignimbrit (Drammen-Quarzporphyr).





Abb. 14, 15: Bordvika-Ignimbrit, dunkle Variante, mit hellbrauner Fiamme und rundlichen Quarz- neben zahlreichen Feldspat-Einsprenglingen. Geschiebe von Steinvik/Hurum (NOR), ex coll. H. Arildskov. Das Gestein ähnelt Ignimbriten, wie sie auch in Dalarna (Mittelschweden) vorkommen.

3. Glitre-Ignimbrit
Im Glitre-Ignimbrit überwiegt eine blasse und graue, grauviolette oder hellbraune Aschenmatrix. Neben zusammengedrückten Bimsfladen (Fiamme) enthält sind zahlreiche Fragmente von Basalt und rotem Rhyolith (Smed & Ehlers 1995), teilweise auch von Bordvika-Ignimbrit erkennbar. Insbesondere die dunklen Xenolithe weisen einen hellen Saum bzw. Reaktionsrand auf. Einsprenglinge sind nur in sehr geringer Zahl vorhanden oder fehlen. Anstehendproben liegen bislang nicht vor, Funde von Nahgeschieben belegen laut H. Arildkov eine Herkunft dieses Ignimbrit-Typs aus der Glitrevann-Caldera. Ob er auch an anderen Lokalitäten auftritt, ist noch nicht zweifelsfrei geklärt. Der Glitre-Ignimbrit mit grauvioletter Matrix wird von RUDOLPH 2017: 166 als Violetter Oslo-Ignimbrit bezeichnet.






4. Lathus-Ignimbrit
Von mehreren Lokalitäten sind flintartig dichte und dunkelgraue bis schwarze, im trockenen Zustand manchmal blaustichige Vulkanite bekannt. Der fluidale Haupttyp des dunklen Lathus-Ignimbrits aus der Baerum-Caldera zeigt eine markante Fiamme und enthält zusätzlich vereinzelte bis zahlreiche, 5-10 mm große Klasten aus bräunlichen Felsitporphyren sowie Rhombenporphyr, aber keine oder wenig Bruchstücke von Basalt. Als Einsprenglinge finden sich wenige bis mäßig viele weiße, gelbliche bis hellrosa gefärbte und unregelmäßig kantige Feldspäte (1-3 mm). Quarz fehlt. Andere Varianten zeigen Fließtexturen in Gestalt heller und diffuser Schlieren.




5. Oppkuven-Ignimbrit
Der braune bis schwarze Ignimbrit aus der Oppkuven-Caldera enthält wenige Feldspat-Einsprenglinge, ist aber reich an kleineren sowie wenigen großen Fragmenten. Neben rotem Felsitporphyr sind Klasten von Kjelsåsit oder Rhombenporphyr (auch Pipenhus-Typ) charakteristisch. Bei Verwitterung bleicht das Gestein aus und wird grau oder graugrün.





6. Vulkanische Brekzien und Pyroklastika
Neben Ignimbriten als Ablagerungen aus pyroklastischen Dichteströmen finden sich im Oslograben weitere pyroklastische Gesteine als vulkanische Fallablagerungen, darunter Explosionsbrekzien, Tuffe, Lapillituffe und Lapillisteine. Stark fragmentierte Vulkanite entstanden vor allem während der explosiven Ausbrüche saurer (trachytischer bis rhyolithischer) Laven in der Reifephase des Riftings, als Begleiter der vergleichsweise ruhigen Spalteneruptionen des Rhombenporphyr-Vulkanismus treten sie nur untergeordnet auf (z. B. Lavastrombrekzien, s. Abb. 28-29 im Artikel Rhombenporphyre). Eine weitere Möglichkeit der Bildung vulkanischer Brekzien (und Konglomerate) ist die Umlagerung von Gesteinsmaterial in Zeiten ruhender vulkanischer Aktivität (epiklastische Brekzien). Geschiebefunde vulkanoklastischer Gesteine lassen sich dem Oslograben zuordnen, wenn sie Fragmente enthalten, die eindeutig als Oslo-Gesteine identifizierbar sind (s. Abschnitt Rhombenporphyr-Brekzien; Abbildungen vulkanischer Brekzien und Pyroklastite sowie vom Krogskogen-Konglomerat auf skan-kristallin.de).




7. Literatur
ARILDSKOV H & JENSCH J-F 2015 Ignimbrite aus dem Oslo-Rift (Ignimbrites from the Oslo Rift) – Geschiebekunde aktuell 31 (2): 35-50, 22 meist farb. Abb., Hamburg / Greifswald (Eigenverl. der Gesellschaft für Geschiebekunde e.V.).
BRÄUNLICH M 2015 Leserbrief zum Artikel von Henrik Arildskov und Jörg-Florian Jensch: „Ignimbrite aus dem Oslo-Rift“ (Ga 2/2015). – Geschiebekunde aktuell 31 (4): S. 125, Hamburg / Greifswald (Eigenverl. der Gesellschaft für Geschiebekunde e.V.).
LARSEN B, OLAUSSEN S, SUNDVOLL B & HEEREMANS M 2008 The Permo-Carboniferous Oslo Rift through six stages and 65 million years – Episodes, Vol. 31 (1), 52-58.
RUDOLPH F 2017 Das große Buch der Strandsteine – 320 S., zahlr. Abb., Kiel/Hamburg (Wachholz-Verlag – Murmann Publishers).
SMED P & EHLERS J 2002 Steine aus dem Norden – Bornträger-Verlag Stuttgart, 1. Auflage 1994, 2. Auflage.
SØRENGEN R A 2011 Vulkanutbrudd ved Glitre – Glitrekalderaen dannes



