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Lamprophyre

1. Allgemeines
2. Schonen-Lamprophyr
3. Lamprophyre aus dem Oslograben
4. Weitere Vorkommen
5. Lamprophyre und Alkalivulkanite südlicher Herkunft
6. Literatur

Abb. 1: Schonen-Lamprophyr, feinkörniges basaltähnliches Gestein mit Einsprenglingen von Pyroxen (schwarz) und Olivin (gelblichbraun, grün) sowie weißen Hohlraumfüllungen mit Sekundärmineralen. Polierte Schnittfläche eines Geschiebes von Steinbeck/Klütz.

Lamprophyre sind dunkle und basaltähnliche Ganggesteine, die eine eigenständige Gesteinsgruppe bilden und zu den Alkaligesteinen gehören. Die Bezeichnung (lamprós griech. hell, glänzend) verweist auf die glänzenden Kristallflächen von großen Amphibol- oder Biotit-Einsprenglingen auf der Bruchfläche. Nur solche porphyrischen Varianten sind auch mit einfachen Mitteln als Lamprophyre erkennbar. Die Grundmasse der Gesteine ist feinkörnig, neben Biotit und/oder Amphibol kann auch Pyroxen oder Olivin als Einsprengling auftreten. Olivin besitzt eine grüne, im alterierten Zustand eine gelblich- oder rötlichbraune Färbung. Lamprophyre reagieren auf einen Handmagneten und enthalten in der Regel einige mit weißen Sekundärmineralen (Calcit, Zeolithe) verfüllte Blasenhohlräume (sog. Ocelli). Feldspat- und Quarz-Einsprenglinge kommen nicht vor.

Die Gesteine werden in großer Tiefe aus Mantelschmelzen gebildet und steigen in der Spätphase von Intrusionen in Form von Gängen auf. Früher gab es eine unüberschaubare Fülle von Lokal- und Spezialbezeichnungen für Lamprophyre und andere Alkaligesteine. Mit der Klassifikation der Gesteine nach ihrer mineralogischen Zusammensetzung (nach Darrell 2008) sind diese Namen weitgehend obsolet. Die Zusammensetzung der Grundmasse spielt bei der Benennung eine wichtige Rolle und ist nur durch Laboruntersuchungen ermittelbar:

  • Kersantit: Biotit-Hornblende-Augit-Lamprophyr. In der Grundmasse überwiegt Plagioklas über Orthoklas.
  • Minette: Biotit-Hornblende-Augit-Lamprophyr. In der Grundmasse überwiegt Orthoklas über Plagioklas.
  • Spessartit: Hornblende-Augit-Lamprophyr; Grundmasse: Plagioklas > Orthoklas.
  • Vogesit: Hornblende-Augit-Lamprophyr; Grundmasse: Orthoklas > Plagioklas.
  • Sannait: Amphibol-Augit-Olivin-Biotit-Lamprophyr; Grundmasse: Orthoklas > Plagioklas; Foide treten nur untergeordnet auf.
  • Camptonit: Amphibol-Augit-Olivin-Biotit-Lamprophyr; Grundmasse: Plagioklas > Orthoklas; Foide treten nur untergeordnet auf.
  • Monchiquit: Amphibol-Augit-Olivin-Biotit-Lamprophyr, glasige Grundmasse oder ausschließlich Foide in der Grundmasse.

Neben Lamprophyren gibt es weitere Gesteinsgruppen mit einer eigenen Klassifikation, die entweder früher zu den Lamprophyren gezählt wurden (Alnöit = ultramafischer Lamprophyr, heute zu den melilithführenden Gesteinen gerechnet) oder mit ihnen verwechselbar sind (einige Lamproite). Sie spielen als Geschiebe nur eine untergeordnete (Melilithe) oder gar keine Rolle (Lamproite, Kimberlite).

Lamprophyre treten, wenn auch relativ selten, als Geschiebe auf. Der bedeutendste Vertreter ist der Schonen-Lamprophyr (Abb. 1). Aller Wahrscheinlichkeit nach gibt es einen Doppelgänger südlicher Herkunft, der als Flussgeröll aus Nordböhmen oder Sachsen nach Norden transportiert wurde (s. u.). Auch im Oslo-Graben kommen Lamprophyre vor (u. a. Camptonite, evtl. als Leitgeschiebe geeignet).

2. Schonen-Lamprophyr

Abb. 2: Schonen-Lamprophyr, polierte Schnittfläche einer Anstehendprobe aus dem Steinbruch Torpa Klint (Schonen). Das feinkörnige und mittelgraue Gestein enthält große Einsprenglinge von Pyroxen (?), kleinere braune Körner von Olivin und Mandeln mit weißen Sekundärmineralen. Bild aus skan-kristallin.de.

Das basaltähnliche und schwere Gestein besitzt eine feinkörnige Grundmasse und enthält Einsprenglinge von grünlich-schwarzem Pyroxen und grünem Olivin bzw. gelblichbraunen bis rotbraunen Olivin-Relikten. Zusätzlich kommen Blasenhohlräume vor, die mit weißen Sekundärmineralen gefüllt sind. Die feinporphyrische Variante mit 2-5 mm großen Einsprenglingen ist als Geschiebe bedeutend häufiger zu finden als der grobporphyrische Typ (Einsprenglinge über 1 cm).

Der Gesteinstyp tritt gehäuft an Lokalitäten mit einem hohen Anteil an Schonen-Basaniten auf (z. B. am Geröllstrand von Steinbeck/Klütz). Die Lamprophyre entstanden im Perm und Karbon und bilden gangförmige Vorkommen in Zentral-Schonen. Proben von Ganggesteinen mit einer vergleichbaren Mineralisation sind aus dem Steinbruch Torpa Klint (Abb. 2) und der Gegend von Tolånga bekannt (siehe auch skan-kristallin.de). Nach Obst 1999 handelt es sich dabei um Camptonite, basaltische Camptonite und Olivin-Basalte mit einer für Lamprophyre typischen geochemischen Signatur. Eine andere, am Mineralbestand orientierte Bezeichnung für den Schonen-Lamprophyr ist Ankaramit (=Alkalibasalt mit einem hohen Gehalt an Olivin- und Pyroxen-Einsprenglingen).

Abb. 3: Geschiebefund von Steinbeck/Klütz, gleicher Stein wie in Abb. 1, verwitterte Außenseite und frische Bruchfläche.
Abb. 4: Nahaufnahme der polierten Schnittfläche mit Einsprenglingen von Pyroxen und Olivin (teils als gelblichbraunes Umwandlungsprodukt, teils unverändert und grün).
Abb. 5: Feinporphyrischer Schonen-Lamprophyr, etwa 20 cm breites Geschiebe vom Geröllstrand bei Kaltenhof (Insel Poel).
Abb. 6: Nahaufnahme des Gefüges, Bildbreite 10 cm. Einsprenglinge sind schwarzer Pyroxen und rotbrauner Olivin.

3. Lamprophyre aus dem Oslograben

Die Vulkanite und Plutonite des Oslograbens werden von alkalischen Ganggesteinen begleitet, u. a. Lamprophyren wie Camptonit, „Natron-Minette“ (feinkörnig) und Kersantit (Bezeichnungen nach Brøgger 1932, Nomenklatur teilweise veraltet). Von Vestby ist ein Vorkommen eines Lamprophyrs mit Orbiculargefüge bekannt (Bryhni & Dons 1975).

Als guter Kandidat für ein Leitgeschiebe kommen porphyrische und einsprenglingsreiche Varianten des Camptonits in Frage. Diese könnten – wenn auch selten – an Lokalitäten mit einem hohen Anteil an Oslo-Gesteinen als Geschiebe auftreten. Das feinkörnige Gestein besitzt eine graue bis grünlichgraue angewitterte Außenseite und eine schwarz bis violettschwarz getönte Bruchfläche. Als wenige mm bis 1 cm große Einsprenglinge sind reichlich schwarzer und idiomorpher Pyroxen und/oder Alkaliamphibol enthalten. Auch einige Plagioklasleisten bis 5 mm Länge kommen vor, die aufgrund magmatischer Korrosion häufig abgerundet sind. Weiterhin finden sich weiße Mandeln mit Sekundärmineralen (Beschreibung nach Zandstra 1988: 400, Anstehendproben auf skan-kristallin.de).

Abb. 7: Camptonit vom See Jarenvatnet, Straßenaufschluss nördlich von Gran (60.37435, 10.56391), M. Bräunlich leg.; Sammlung der BGR in Berlin/Spandau.

4. Weitere Vorkommen

Lamprophyre und ähnliche Gesteine sind auch aus anderen Regionen bekannt. Brögger 1921 beschreibt einen Damtjernit („ultramafischer Lamprophyr“, heute: Ultramafitit) aus dem Fen-Gebiet (Proben auf skan-kristallin.de). In Nordschweden (Lulea/Kalix) treten Lamprophyre als Begleiter von Doleritgängen der zentralskandinavischen Doleritgruppe auf (Kresten et al 1997). Die Gesteine mit karbonatreicher Grundmasse enthalten Einsprenglinge von Glimmer (möglicherweise besteht eine Ähnlichkeit mit dem Alnöit). Weitere Lamprophyr-Vorkommen nennen Wahlgren et al 2015 (Idefjorden-Terran, West-Schweden), Lundegardh 1998: 184 (Värmland), Hedström 1917 (Kartenblatt Eksjö, Smaland) und Lindberg & Bergmann 1993 (Finnland, Vehmaa). Eckermann 1928 beschreibt einen Geschiebefund eines Hamrongits (=Kersantit) aus der Umgebung von Gävle. Das anstehende Vorkommen konnte bisher nicht lokalisiert werden.

5. Lamprophyre und Alkalivulkanite südlicher Herkunft

Alkalivulkanite südlicher Herkunft (Tephrite, Basanite, Phonolithe) finden sich als Beimengung zu nordischen Geschieben im Gebiet südlich von Berlin, im südlichen Brandenburg und in Sachsen. Die Gesteine wurden während der Zeit des sog. Berliner Elbelaufs (zwischen Elster- und Saalevereisung) wahrscheinlich mittels Eisschollendrift transportiert. Sie erreichen nicht selten Dezimetergröße, was einen Transport als „echtes“ Flussgeröll in weitgehend flachem Gelände ausschließt. Das größte Vorkommen im Einzugsbereich der Elbe ist das Böhmische Mittelgebirge, kleinere Vorkommen existieren in Sachsen. Neben den genannten Alkalivulkaniten kommen dort auch zahlreiche Ganggesteine, u. a. Lamprophyre vor (Ulrych et al 1993, 2000, 2014, Abdelfadil 2013).

Mehrere Funde von lamprophyrähnlichen Gesteinen mit Pyroxen- und Olivin-Einsprenglingen liegen aus dem Berliner Raum vor. Sie stammen ausnahmslos von Lokalitäten, an denen vermehrt südliche Alkalivulkanite vorkommen. Eine südliche Herkunft ist anzunehmen, zumal dort Geschiebefunde aus dem südlichsten Schweden (Karlshamn-Granit, Schonen-Basanit) oder Bornholm gar nicht oder nur vereinzelt in Erscheinung treten.

Abb. 8: Lamprophyrähnliches Gestein mit hellgrauer und feinkörniger Grundmasse, großen Dunkelglimmer- sowie kleinen Pyroxen- und Olivin-Einsprenglingen. Kiesgrube Horstfelde, südlich von Berlin; D. Lüttich leg.
Abb. 9: Bruchfläche des gleichen Steins. Das Gestein ist von Klüften mit feinkörnigen grünen und weißen Sekundärmineralen (u. a. Calcit) durchzogen.
Abb. 10: Nahaufnahme des Gefüges.
Abb. 11: Nahaufnahme der nassen Außenseite eines Alkalivulkanits mit Pyroxen- und Olivin-Einsprenglingen,. Kiesgrube Damsdorf-Bochow bei Lehnin (Slg. D. Lüttich).
Abb. 12: Einsprenglingsreicher Alkalivulkanit mit Olivin- und Pyroxen-Einsprenglingen sowie weißen Mandeln; Kiesgrube Niederlehme bei Berlin.
Abb. 13: Nahaufnahme der nassen Gesteinsoberfläche.
Abb. 14: Ankaramit, ein olivin- und pyroxenreicher Alkalivulkanit mit weißen Mandeln. Kiesgrube Horstfelde südlich von Berlin.
Abb. 15: Nahaufnahme. Olivin ist durchgängig grün gefärbt und wurde offenbar kaum umgewandelt.
Abb. 16: Grobporphyrischer Ankaramit mit roten Olivin-, grünen bis schwarzen Pyroxen-Einsprenglingen und weißen Mandeln. Kiesgrube Horstfelde.
Abb. 17: Nahaufnahme der nassen Oberfläche.
Abb. 18: Peridotit-Xenolith mit einem grünen Kern aus Pyroxen und roten Schlieren aus umgewandeltem Olivin.
Abb. 19: Feinkörniges, nahezu dichtes basaltisches Gestein mit einem feinkörnigen Gang. Der Basalt ist stark magnetisch, das Ganggestein reagiert überhaupt nicht auf einen Handmagneten. An der Grenze von Basalt und Ganggestein ist ein schmaler heller Reaktionssaum erkennbar. Fundort: Kiesgrube Niederlehme südlich von Berlin.
Abb. 20: Nahaufnahme. Das Mineralgefüge des Ganggesteins ließ sich auch mit Hilfe eines Binokulars nicht bestimmen. Vereinzelt finden sich gelblichbraune Körner (Hinweis auf umgewandelten Olivin), die auch im basaltischen Wirtgestein auftreten. Weiterhin enthält das Ganggestein Karbonat (Nachweis mit HCl). Für eine nähere petrographische Einordnung (Lamprophyr?) bedarf es einer dünnschliffmikroskopischen Untersuchung.

6. Literatur

Darrell H 2008 A Web Browser Flow Chart for the Classification of Igneous Rocks: Classification of lamprophyres (en) – Louisiana State University. Link.

Abdelfadil M K 2013 Geochemistry of Variscan lamprophyre magmatism in the Saxo-Thuringian Zone – Doctoralthesis, Universität Potsdam 2013.

Brøgger WC 1921 Die Eruptivgesteine des Kristianiagebietes IV. Das Fengebiet in Telemark, Norwegen – Videnskaps-Selskabets Skrifter (I) Matematisk-Naturvidenskapelig Klasse 1921 (9): VIII+408 S., 30 Taf., 46 Abb., 2 geol. Ktn. i. Anl., Kristiania (Oslo).

Brøgger WC 1932 Die Eruptivgesteine des Oslogebietes VI. Über verschiedene Ganggesteine des Oslogebietes. Skr. Norske Videns.-Akad. i Oslo I. Mat.-naturv. Kl. I Nr. 7, 1932.

Bryhni I & Dons JA 1975 Orbicular lamprophyre from Vestby, southeast Norway – Lithos 8 (2): 113-122, 9 Abb., 2 Tab., Oslo.

Eckermann H von 1928 Hamrongite, a new Swedish alkaline mica lamprophyre – Fennia, Societas Geographica Fenniae 50 (13): 21 S., 10 Abb., Helsinki.

Hedström H 1917 Beskrivning till kartanbladet Eksjö – Sveriges Geologiska Undersökning, Kartblad i skalan 1 : 50000 med beskrivningar Aa 129: 107 S., 19 Abb., unnum. Tab., 1 farb. Mini-Kte. im Anh., Stockholm.

Obst K 1999 Die permosilesischen Eruptivgänge innerhalb der Fennoskandischen Randzone (Schonen und Bornholm)- Untersuchungen zum Stoffbestand, zur Struktur und zur Genese – Greifswalder Geowissenschaftliche Beiträge, Heft 7 ; Selbstverlag des Instituts für Geologische Wissenschaften der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, 1999.

Kresten P, Rex D C & Guise P G 1997 40Ar-39Ar ages of ultramafic lamprophyres from the Kalix area, northern Sweden – Geologische Rundschau 70: 1215-1231.

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Ulrych J & Balogh K 2000 Roztoky Intrusive Centre in the Ceské stredohorí Mts.: differentiation, emplacement, distribution, orientation and age of dyke series. – Geologica Carpathica 51/6: 383–397.

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