Exkursionsbericht Öland 3 – Anorogene Ostsmåland-Granite

Abb. 135: Blick von Hagskog auf Öland zur Insel Blå Jungfrun im nördlichen Kalmarsund.

3.1. Uthammar-Granit
3.2. Götemar-Granit
3.3. Jungfrun-Granit
3.4. Funde mit ungewisser Zuordnung

Der dritte und letzte Teil des Exkursionsberichtes Öland widmet sich den Geschiebefunden anorogener Ostsmåland-Granite (Uthammar-, Götemar- und Jungfrun-Granit). Sie sind von besonderem geschiebekundlichen Interesse, aber ihre Bestimmung als Geschiebe ist mit einigen Schwierigkeiten verbunden. Mit einem Alter von etwa 1,45 Ga weisen sie ein etwas jüngeres Alter auf als die weit verbreiteten TIB-Granite (1,8-1,7 Ga) und besitzen einige Gefügemerkmale, die sie als „anorogen“ (= unabhängig von einer Gebirgsbildung entstanden) kennzeichnen. Ihre Vorkommen liegen nur wenige Kilometer von Öland entfernt und in Zugrichtung der letzten nordischen Inlandvereisung (Abb. 136). Dass die Gesteine auch weiter südlich ihres Haupttransportweges zu finden sind (Äleklinta), dürfte mit einem küstenparallelen Transport von Geschieben erklärbar sein.

Abb. 136: Kartenskizze der Vorkommen anorogener 1,45 Ga-Granite in Ostsmåland, der Fundorte von Geschieben auf Öland und der dominanten Zugrichtung der Gletscher während der letzten Inlandvereisung (Kartenausschnitt verändert nach WIK et al 2005).
Abb. 137: Anorogene Ostsmåland-Granite, Ramsnäs, Bildbreite 28 cm. Oben links Götemar-Granit, oben rechts Jungfrun-Granit; unten ein gewöhnlicher roter Småland-Granit.

Uthammar-, Götemar- und Jungfrun-Granit kommen auf Öland zwar nicht gerade massenhaft, aber regelmäßig als Geschiebe vor. Der anorogene Charakter dieser Granite äußert sich in ihrem undeformierten Mineralgefüge (s. u.), allerdings sind bei der Bestimmung einige Schwierigkeiten zu berücksichtigen:

  • Götemar- und Jungfrun-Granit dürften ganz ähnliche Gefügevarianten ausbilden und als Geschiebe nicht immer ihrem jeweiligen Vorkommen zuzuordnen sein. Vom Jungfrun-Granit liegen zudem nur sehr wenige Vergleichsproben aus dem Anstehenden vor.
  • Das rapakiwiartige Gefüge beider Granite, mehr noch des Jungfrun-Granits, birgt eine Verwechslungsgefahr mit Gesteinen aus Rapakiwi-Vorkommen. Porphyrische Rapakiwis können ähnliche Farben von Alkalifeldspat, Quarz und Plagioklas aufweisen. Dies gilt auch für das Gefüge aus idiomorphen bis körnigen Quarzen sowie einer ersten Quarz-Generation mit größeren zonierten und runden Quarzen.
  • Der Uthammar-Granit ist mit den gewöhnlichen roten Alkalifeldspat-Graniten des TIB verwechselbar. Bei der Bestimmung gilt es, auf spezifische Merkmale zu achten, die für eine anorogene Entstehung sprechen, aber nicht immer klar zu Tage treten.
  • Der anorogene „undeformierte Virbo-Granit“ (Hesemann 1975:36), eine Spielart des Uthammar-Granits aus dem südwestlichen Teil des Massivs, ist als Geschiebe wahrscheinlich nicht erkennbar.

Ergeben sich bereits auf Öland, nahe dem Anstehenden, Schwierigkeiten bei der Bestimmung, ist bei Geschiebefunden in Norddeutschland besondere Sorgfalt angebracht. Damit stellt sich auch die Frage nach der Eignung dieser Granite als Leitgeschiebe, die hier aber nicht abschließend beantwortet werden soll. Ein Vergleich mit Anstehendproben ist auf jeden Fall empfehlenswert. Hinsichtlich der geringen Ausdehnung der Vorkommen dürften alle anorogenen Ostsmåland-Granite zu den seltenen Geschiebefunden zählen.

Gemeinsames Merkmal ist das Fehlen von tektonischer Deformation und das Vorhandensein (wenigstens einzelner) idiomorpher Quarze und Glimmerminerale. Tektonische Deformation ist in den älteren TIB-Graniten regelmäßig zu beobachten und äußert sich in einer bevorzugten Ausrichtung des gesamten oder eines Teils des Mineralbestandes. Vor allem die plattigen Glimmerminerale neigen zur Einregelung und bilden gestreckte, parallel verlaufende Aggregate oder unregelmäßig im Gestein verteilte Ansammlungen. Ein Teil des Quarzes kann zuckerkörnig granuliert sein (meist nur auf einer Bruchfläche sichtbar). Idiomorphe Quarze fehlen weitgehend. Alle diese genannten Gefügemerkmale einer Deformation sind ein Ausschlusskriterium bei der Bestimmung!

3.1. Uthammar-Granit

Der Uthammar-Granit besteht im Wesentlichen aus hellrotem Alkalifeldspat und Quarz. Die Feldspäte erreichen eine Größe von 2 cm und besitzen unregelmäßige Umrisse, wenige von ihnen sind rechteckig. Bei Verwitterung kann der Feldspat einen orangeroten Farbton annehmen (Abb. 139). Klarer bis leicht trüber, manchmal auch bläulicher und xenomorpher Quarz füllt die Räume zwischen den Alkalifeldspäten. Kleine idiomorphe Quarze, manchmal auch mit Quarz gefüllte Risse treten vereinzelt innerhalb der roten Feldspäte auf. Biotit ist nur in geringer Menge vorhanden, bildet aber regelmäßig sechseckige idiomorphe Plättchen, ein wichtiger Hinweis auf das undeformierte Mineralgefüge. Der Uthammar-Granit kann leicht mit grobkörnigen roten Småland-Graniten verwechselt werden. Biotit tritt hier nicht idiomorph, sondern in Form von Ansammlungen oder streifigen Aggregaten auf (Abb. 141).

Abb. 138: Uthammar-Granit, Geschiebe von Älekinta, Breite 18 cm. Einzelne Feldspäte weisen mit Quarz gefüllte Risse auf.
Abb. 139: Uthammar-Granit. In der Vergrößerung erkennt man einzelne Biotitplättchen mit annähernd sechseckigem Umriss sowie einige idiomorphe Quarze in den Alkalifeldspäten. Hagskog, Breite 14 cm.
Abb. 140: Uthammar-Granit? Bestimmung unsicher, es fehlen die idiomorphen Quarze in den Alkalifeldspäten und die sechseckigen idiomorphen Glimmerplättchen. Äleklinta. Breite 15 cm.
Abb. 141: TIB-Granit aus Ostsmåland (kein Uthammar-Granit). Biotit ist in größerer Menge enthalten und bildet Ansammlungen und kleine Streifen; keine idiomorphen Quarze. Äleklinta, Breite 13 cm.

Das nächste Geschiebe weist Merkmale des Uthammar-Granits auf, enthält aber etwas mehr dunkle Minerale sowie Plagioklas. Alkalifeldspat, auf der angewitterten Oberfläche hell orangefarben, zeigt auf der Schnittfläche ein deutlich dunkleres Rot. Das Gestein könnte aus dem südwestlichen Teil des Uthammar-Plutons stammen.

Abb. 142: Wahrscheinlich ein Uthammar-Granit mit etwas mehr dunklen Mineralen. Äleklinta, Aufnahme unter Wasser.
Abb. 143: Nahaufnahme der nassen Oberfläche. Das Gestein enthält etwas grünen und orangegelben, teilweise rot pigmentierten und offenbar stark alterierten Plagioklas.
Abb. 144: Gleicher Stein, polierte Schnittfläche. Das Gefüge erscheint undeformiert; hellgrauer bis schwach bläulicher Quarz kommt fast ausschließlich in xenomorphen Körnern vor. Vereinzelt finden sich kleine idiomorphe Quarze innerhalb der Alkalifeldspäte.
Abb. 145: Das Gestein enthält reichlich hellgelbe, teils typisch keilförmige Titanit-Kristalle. Einige Biotitplättchen weisen einen sechseckigen Umriss auf.

3.2. Götemar-Granit

Der grobkörnige Alkalifeldspatgranit besteht im Wesentlichen aus rotbraunem, bis 2 cm großem Alkalifeldspat und dunkelgrauem Quarz. Die Feldspäte bilden häufig Karlsbader Zwillinge. Quarz kommt in mehreren Generationen vor. Es überwiegen rundliche Körner, die den Raum zwischen den Alkalifeldspäten ausfüllen. Einige größere Quarze der ersten Generation weisen eine bläuliche Zonierung auf. Darüber hinaus finden sich auch idiomorphe Quarze in kleiner Menge, insbesondere als Einschluss innerhalb der Alkalifeldspäte. Plagioklas (grün oder gelblich) ist nur untergeordnet enthalten, bekannt sind aber auch plagioklasreiche Varianten. Dunkle Minerale (Biotit) kommen in geringer Menge vor. Regelmäßige Akzessorien sind silbrig glänzender Hellglimmer, gelblicher bis brauner Titanit und violetter Fluorit.

Abb. 146: Götemar-Granit von Ramsnäs, Breite 12 cm.
Abb. 147: Gleicher Stein, Aufnahme unter Wasser. Die Quarze sind angeschlagen und erscheinen auf der Gesteinsoberfläche recht hell.
Abb. 148: Nahaufnahme der nassen Oberfläche; kleine idiomorphe Quarze innerhalb der Alkalifeldspäte; einige gelbe und braune Titanit-Kristalle innerhalb der dunklen Minerale.
Abb. 149: Auf der polierten Schnittfläche offenbart sich die durchgehend dunkelgraue Tönung der Quarze und eine dunklere Färbung der Alkalifeldspäte.
Abb. 150: Einzelne größere Quarze weisen eine Zonierung auf (rechts). Am linken Bildrand ist violetter Fluorit erkennbar.

Der nächste Fund zeigt schon auf der Außenseite einige dunkelgraue sowie zonierte größere Quarze. Letztere sind Merkmale des Götemar-Granits, nur die schmal-länglichen Alkalifeldspäte passen nicht so recht ins Bild. Der Granit-Typ wurde auf Öland mehrmals gefunden.

Abb. 151: Götemar-Granit, Hagskog, Breite 15,5 cm.
Abb. 152: Nahaufnahme der nassen Oberfläche.
Abb. 153: Auf der polierten Schnittfläche erscheinen Quarz und Alkalifeldspäte insgesamt dunkler.
Abb. 154: Einzelne größere Quarze besitzen eine bläuliche Zonierung.
Abb. 155: Interessant sind die länglichen Plagioklase mit einem grünen oder orangegelben Kern (bzw. einer braunen Mischfarbe) und einem farblos-transparentem Rand. Offenbar handelt es sich um mehrere Plagioklas-Generationen, von denen nur das Frühkristallisat (die Kerne) stark hydrothermal alteriert wurde.

Ein weiterer grobkörniger Alkalifeldspatgranit mit dunkelgrauen Quarzen und etwas grünem Plagioklas. Neben überwiegend xenomorph ausgebildetem Quarz sind auch einzelne kleinere idiomorphe sowie größere zonierte Quarz erkennbar.

Abb. 156: Götemar-Granit, Ramsnäs, Breite 13 cm.

3.3. Jungfrun-Granit

Die Insel Blå Jungfrun ist schon lange als Naturschutzgebiet ausgewiesen und eine Entnahme von Anstehendproben nicht gestattet. Daher liegen nur wenige Vergleichsproben vom Jungfrun-Granit vor. Öland bietet die einzige Möglichkeit, das Gestein zumindest als Geschiebe kennenzulernen.

Der Jungfrun-Granit ist grobkörniger als der Götemar-Granit und enthält mehr idiomorphe Quarze, die zudem zur Kranzbildung um die Alkalifeldspäte neigen. Rotbrauner, im angewitterten Zustand blassroter Alkalifeldspat erreicht eine Größe von 3-5 cm. Die teils runden, teils idiomorphen Quarzkörner sind sehr dunkel. Auch einige größere runde Quarze (bis 8 mm) treten auf, eine Zonierung wie im Götemar-Granit scheint aber nicht vorzukommen oder ist allenfalls schwach ausgeprägt. Plagioklas findet sich in etwas größerer Menge und ist rot bis rotbraun, manchmal auch grün gefärbt. Gelegentlich bildet er einen dicken grünen Saum um einzelne Alkalifeldspäte. Dunkle Minerale (Biotit) sind in geringer Menge enthalten, akzessorisch tritt Titanit auf.

Abb. 157: Grobkörniger anorogener Granit, Jungfrun-Granit, Geschiebe am Strand von Eskilslund, Breite 15 cm.
Abb. 158: Aufnahme der Außenseite unter Wasser.
Abb. 159: Gleicher Stein, polierte Schnittfläche. Zahlreiche eckige (idiomorphe) Quarze sind erkennbar.
Abb. 160: Die größeren Quarzkörner weisen keine oder nur eine unauffällige Zonierung auf.

Der nächste Granit ist weniger grobkörnig, enthält aber zahlreiche idiomorphe Quarze, die zur Kranzbildung um die roten Alkalifeldspäte neigen.

Abb. 161: Jungfrun-Granit, Geschiebe von Ramsnäs, Breite 12 cm.
Abb. 162: Gleicher Stein, Aufnahme unter Wasser.
Abb. 163: Einzelner Alkalifeldspat mit einem rotbraunen Plagioklas-Saum; am rechten Bildrand ein größerer zonierter Quarz.

3.4. Funde mit ungewisser Zuordnung

Eine Reihe von Geschiebefunden konnte als anorgener Småland-Granit bestimmt, aber nicht eindeutig dem Götemar- oder Jungfrun-Granit zugeordnet werden. Das Götemar-Massiv ist einigermaßen gut beprobt, bekannt sind grob-, mittel- und feinkörnige sowie porphyrische Gefügevarianten. Vom Jungfrun-Massiv ist eine vergleichbare Bandbreite zu erwarten, allerdings gibt es nur wenige Vergleichsproben. Markante Unterschiede dürften nur bei den grobkörnigen Varianten bestehen.

Abb. 164: Etwa 1,20 breiter Granitblock am Strand von Äleklinta. Die schwach kantengerundete Form des Steins spricht für einen kurzen Transportweg.
Abb. 165: Nahaufnahme des Gefüges, nasse Oberfläche. Hellrote und rechteckige Alkalifeldspäte mit kräftiger perthitischer Entmischung sind von hellen Quarzen umgeben. Einzelne Alkalifeldspäte enthalten kleine idiomorphe Quarze. Darüber hinaus findet sich etwas gelblicher bis grüner Plagioklas und Biotit.
Abb. 166: Anorogener Ostsmåland-Granit mit etwas dunkleren Quarzen, viele davon idiomorph, einige größere mit Zonierung. Das Gefüge ähnelt einem porphyrischem Rapakiwi. Äleklinta, Breite 15 cm.
Abb. 167: Nahaufnahme.
Abb. 168: Ungleichkörniger anorogener Ostsmåland-Granit mit erhöhtem Anteil an orangegelbem Plagioklas. Äleklinta, Breite 18 cm.
Abb. 169: Nahaufnahme, Bildbreite 9 cm. Mindestens 3 Generationen Quarz sind erkennbar: 1. große zonierte Quarze, 2. graue xenomorphe bis idiomorphe Quarze zwischen den Feldspäten, 3. winzige eckige Quarze, teilweise als Saum um einzelne Alkalifeldspäte (z. B. der Karlsbader Zwilling rechts im Bild).

4. Literatur

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